Rückgang der Investitionen Ölfirmen gefährden den Aufschwung

Die Investitionen in neue Öl- und Gasfelder gehen zurück. Experten warnen, dass Preiserhöhungen die beginnende Konjunkturerholung ersticken könnten. Selbst die Rekordmarke von fast 150 Dollar je Barrel scheint nicht mehr außer Reichweite.

Ölförderung im Süden Israels am Toten Meer: Der Investitionen der Ölindustrie sind nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur um 19 Prozent gesunken

Ölförderung im Süden Israels am Toten Meer: Der Investitionen der Ölindustrie sind nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur um 19 Prozent gesunken

Der Ölpreis droht zum Risiko für die Weltkonjunktur zu werden. Vertreter der Ölindustrie, große Ölkunden und Analysten warnen, dass sich der deutliche Rückgang der Investitionen in neue Öl- und Gasfelder schon bei einer moderaten Erholung der Weltwirtschaft mit kräftigen Preissprüngen rächen könne. Fatih Birol, der Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur (IEA), schließt sogar eine Rückkehr zu den Rekordpreisen nahe 150 Dollar je Barrel (159 Liter) nicht aus.

Wenn sich an der zurückhaltenden Investitionspolitik der Ölbranche nicht viel ändere, sei zu befürchten, dass schon 2011 steigende Preise den Aufschwung bremsten, sagte Birol dem Handelsblatt. Auch Peter Voser, der Vorstandschef des Energieriesen Royal Dutch Shell, warnte, es könne zu einem stärkeren Preisdruck kommen, wenn die Nachfrage steige und die Investitionen schwach blieben.

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Vor allem die stark wachsende Nachfrage aus China und anderen großen Schwellenländern hatte den Ölpreis im Sommer 2008 auf ein Rekordhoch von 147 Dollar getrieben. Manche Volkswirte argumentieren, dass dieser Ölpreisschock einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat, dass die Weltwirtschaft bald darauf in eine tiefe Rezession abrutschte.

Bis Ende 2008 brach der Ölpreis dann auf unter 40 Dollar ein, erholte sich jedoch auf ein Niveau zwischen 70 und 80 Dollar. "Das finde ich für die Fundamentaldaten auf dem Markt sehr hoch", sagte Birol. "Dieser Ölpreis ist schon jetzt eine Last, vor allem für nicht-ölexportierende Entwicklungsländer", warnte er. Auch Voser betont, dass sich die fundamentalen Marktdaten nicht unbedingt im Ölpreis widerspiegelten: "Ich will nicht von Engpässen sprechen, aber es kann zu einem stärkeren Preisdruck kommen."

Die Ölnachfrage ist 2009 nach Schätzungen der IEA um 1,3 Millionen Barrel auf durchschnittlich 84,9 Millionen Barrel am Tag geschrumpft. Die Organisation, die die Interessen der großen Energieverbraucher vertritt, rechnet für 2010 mit einem Anstieg der Nachfrage um 1,57 Millionen Barrel am Tag. Die Opec erwartet nur ein halb so großes Plus von 810.000 Barrel am Tag.

Das Angebot dürfte damit nicht Schritt halten: Analysten der Bank of America Merrill Lynch gehen davon aus, dass es den Ölkonzernen nicht gelingen wird, mit neuen, ambitionierten Projekten in extremen Klimazonen oder tief unter dem Meeresboden den unvermeidlichen jährlichen Produktionsverlust alter Felder auszugleichen. Die Investitionen der Ölindustrie sind nach Berechnungen der IEA 2009 um 19 Prozent gesunken. Im laufenden Jahr sieht sie sie um allenfalls zehn Prozent steigen. Shell beispielsweise will im laufenden Jahr 28 Milliarden. Dollar investieren, rund vier Milliarden. weniger als im Vorjahr. "Wenn das so weitergeht, werden die Märkte schnell eng werden, sobald die Nachfrage wieder anzieht", sagt Chefvolkswirt Birol.

Doch selbst wenn die internationalen Ölkonzerne investieren wollen, fehlen ihnen oft attraktive Gelegenheiten. Staatliche Ölfirmen vor allem im Nahen Osten säßen zwar auf großen, unerschlossenen Feldern, so Birol. Doch sie warteten mit den angekündigten Investitionen lieber ab, bis sich die Nachfrage tatsächlich erhole.

Erschienen am 2. März 2010 auf Handelsblatt.com

 
Leser-Kommentare
  1. je schneller der spuk vom billigen öl vorbei ist, desto besser.. alternativen werden dann attraktiv.
    die welt wird zwar wieder "kleiner" werden, aber das ist noch lange keine nachteil.
    reisen und flugverkehr sowie welthandel schrumpfen auf ihr notwendiges mindestmaß.

    ich denke, es kann eine bessere welt werden!

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    • TDU
    • 02.03.2010 um 14:43 Uhr

    Dieser Übergang vollzieht sich natürlich nathlos. Ohne Verteilungskämpfe und Verteuerungen in Bereichen, mit denen sie scheinbar noch nicht rechnen. Z. B. die Verteuerung der Lebnsmittelpreise durch Verteuerung der Transportkosten. Denken Sie das wäre von einem Tag auf den anderen durch die Region zu kompensieren?

    Wenn die Menschen schon bei möglichen zwei Tagen Schnee alles leer kaufen. Was würde wohl passieren, wenn die Erwartung bestünde, dass das Warenangebot nur für ein paar Tage reicht?

    • TDU
    • 02.03.2010 um 14:43 Uhr

    Dieser Übergang vollzieht sich natürlich nathlos. Ohne Verteilungskämpfe und Verteuerungen in Bereichen, mit denen sie scheinbar noch nicht rechnen. Z. B. die Verteuerung der Lebnsmittelpreise durch Verteuerung der Transportkosten. Denken Sie das wäre von einem Tag auf den anderen durch die Region zu kompensieren?

    Wenn die Menschen schon bei möglichen zwei Tagen Schnee alles leer kaufen. Was würde wohl passieren, wenn die Erwartung bestünde, dass das Warenangebot nur für ein paar Tage reicht?

    • TDU
    • 02.03.2010 um 14:43 Uhr

    Dieser Übergang vollzieht sich natürlich nathlos. Ohne Verteilungskämpfe und Verteuerungen in Bereichen, mit denen sie scheinbar noch nicht rechnen. Z. B. die Verteuerung der Lebnsmittelpreise durch Verteuerung der Transportkosten. Denken Sie das wäre von einem Tag auf den anderen durch die Region zu kompensieren?

    Wenn die Menschen schon bei möglichen zwei Tagen Schnee alles leer kaufen. Was würde wohl passieren, wenn die Erwartung bestünde, dass das Warenangebot nur für ein paar Tage reicht?

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    die verteilungskämpfe haben doch schon längst begonnen! Gewöhnen Sie sich daran und ziehen Sie ihre Konsequenzen...

    Scale down in jeglicher Hinsicht, insbesondere Mobilität!

    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:25 Uhr

    Verteilunsgkämpfe gibt es immer. Es kommt nur auf die Knappheit der lebenswichtigen Güter an, wie scharf die sich auswirken.

    Im übrigen, wissen irgendetwas über mich? Woher wollen Sie wissen, dass ich sie nicht längst gezogen habe, durch Verkauf meines Autos und 40 Minuten Fussweg ohne die Fahrzeit ÖVPN jeden Tag. Aber glauben Sie, das würde mir was nützen, wenn im Extremfall sich die Leute um die Waren prügeln? Vom gesellschaftlichen Klima ganz zu schweigen.

    Wenn Sie der Auffassung sind, der Sparer würde belohnt, wenn sich das Geld entwertet, sind sie auf dem Holzweg.

    die verteilungskämpfe haben doch schon längst begonnen! Gewöhnen Sie sich daran und ziehen Sie ihre Konsequenzen...

    Scale down in jeglicher Hinsicht, insbesondere Mobilität!

    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:25 Uhr

    Verteilunsgkämpfe gibt es immer. Es kommt nur auf die Knappheit der lebenswichtigen Güter an, wie scharf die sich auswirken.

    Im übrigen, wissen irgendetwas über mich? Woher wollen Sie wissen, dass ich sie nicht längst gezogen habe, durch Verkauf meines Autos und 40 Minuten Fussweg ohne die Fahrzeit ÖVPN jeden Tag. Aber glauben Sie, das würde mir was nützen, wenn im Extremfall sich die Leute um die Waren prügeln? Vom gesellschaftlichen Klima ganz zu schweigen.

    Wenn Sie der Auffassung sind, der Sparer würde belohnt, wenn sich das Geld entwertet, sind sie auf dem Holzweg.

    • TDU
    • 02.03.2010 um 14:47 Uhr

    Das sind wohl nicht die Ölfirmen allein schuld. Die manchmal verantwortungslosen Apelle zum Verzicht und die unreflektierte Verteufelung dieser Energie, trägt ihren Teil dazu bei.

    Von dem im Artikel beschriebenen Effekt kann doch nur der überrascht sein, der der Auffassung ist, der flächendeckende Verzicht auf Rindfleisch hätte keine Auswirkungen auf den Milchpreis.

  2. Der Artikel tut so, als wenn sich die Ölfirmen jemals in irgendeiner Weise der Weltkonjunktur
    oder dem Vertrauen der Verbraucher verpflichtet fühlten. Warum sollen die anders handeln als die Finanzmarkt-Spekulanten, die sich über den politischen Aktionismus zur Regelung der Finanzmärkte halb totlachen! Vermutlich haben die Ölfirmen einen Teil der arbeitslosen Lehmann Brother-Spekulanten etc. in ihre eigenen Reihen integriert und deren Spekulationsideen bei der Aufstellung Ihrer Investitionspläne berücksichtigt. Da man ja schon mal 150 Dollar je Barrel erzielt hat, kann man sich beruhigt hinsetzen und erst einmal den Verbraucher an den Tankstellen „verarschen“ und Preise installieren, die der Wachstums-Preissteigerungs-Zielsetzung entsprechen. Toll, dass uns die Vertreter der Ölindustrie warnen, mit ihren hohen Moral- und Ethikvorstellungen. Allem voran der Herr Chefvolkswirt und ausgerechnet Shell, es könne zu einem stärkeren Preisdruck kommen, wenn die Nachfrage steige …Lächerlich, die zocken uns doch auch täglich in der Flaute ab! Das läuft doch alles nach dem Geschäftsmodell unserer Nachrichtensprecher und auch der Zeit etc. mit diesem Artikel ab: Meldung als Trendverstärker verbreiten, der dann garantiert auch geplant einsetzt. Alles nichts Neues…

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    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:32 Uhr

    Welcher Investor den volkswirtaschaftlich? Keiner. denn wenn er keinen Profit macht, hat er nichts davon. Also wird es keiner machen. Die Volkswirtschaft hat aberauch nichts davon.

    Volkswirtschaftlich kritisieren aber marktwirtschaftlich einfordern, das läuft nur in der Theorie, bleibt aber ein gutes Mittel zur Analyse.

    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:32 Uhr

    Welcher Investor den volkswirtaschaftlich? Keiner. denn wenn er keinen Profit macht, hat er nichts davon. Also wird es keiner machen. Die Volkswirtschaft hat aberauch nichts davon.

    Volkswirtschaftlich kritisieren aber marktwirtschaftlich einfordern, das läuft nur in der Theorie, bleibt aber ein gutes Mittel zur Analyse.

  3. die verteilungskämpfe haben doch schon längst begonnen! Gewöhnen Sie sich daran und ziehen Sie ihre Konsequenzen...

    Scale down in jeglicher Hinsicht, insbesondere Mobilität!

    Antwort auf "Nathlos"
    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:25 Uhr

    Verteilunsgkämpfe gibt es immer. Es kommt nur auf die Knappheit der lebenswichtigen Güter an, wie scharf die sich auswirken.

    Im übrigen, wissen irgendetwas über mich? Woher wollen Sie wissen, dass ich sie nicht längst gezogen habe, durch Verkauf meines Autos und 40 Minuten Fussweg ohne die Fahrzeit ÖVPN jeden Tag. Aber glauben Sie, das würde mir was nützen, wenn im Extremfall sich die Leute um die Waren prügeln? Vom gesellschaftlichen Klima ganz zu schweigen.

    Wenn Sie der Auffassung sind, der Sparer würde belohnt, wenn sich das Geld entwertet, sind sie auf dem Holzweg.

    Antwort auf "Nathlos"
    • TDU
    • 02.03.2010 um 16:32 Uhr

    Welcher Investor den volkswirtaschaftlich? Keiner. denn wenn er keinen Profit macht, hat er nichts davon. Also wird es keiner machen. Die Volkswirtschaft hat aberauch nichts davon.

    Volkswirtschaftlich kritisieren aber marktwirtschaftlich einfordern, das läuft nur in der Theorie, bleibt aber ein gutes Mittel zur Analyse.

    Antwort auf "Geschäfte machen…"

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