Erwerbsarbeit Mindestlohn für Pflegepersonal
Pflegepersonal wird in Deutschland dringend benötigt, doch die Bezahlung ist schlecht. In Zukunft sollen die Beschäftigten wenigstens einen Mindestlohn bekommen.
© Christopher Furlong/Getty Images

Wer sich um alte Menschen kümmert, kann künftig mit einer besseren Bezahlung rechnen
Für die mehr als 800.000 Beschäftigten in der Pflegebranche wird es ab Juli einen Mindestlohn geben. Dann soll für Pflegekräfte eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro im Westen und von 7,50 Euro in den ostdeutschen Bundesländern gelten, teilte der Arbeitgeberverband Pflege mit. Für Beschäftigte, die jetzt schon einen höheren Tariflohn bekommen, ändert sich nichts.
Nach sechsmonatiger Beratung habe sich die zuständige Kommission einstimmig geeinigt. Der Mindestlohn solle noch vom Kabinett bestätigt werden. Zum 1. Januar 2012 sowie zum 1. Juli 2013 soll sich der beschlossene Mindestlohn um jeweils 25 Cent erhöhen.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bezeichnete den Mindestlohn für die Pflegebranche als "lange überfällig". Einem "maßlosen Lohndumping" werde damit ein Riegel vorgeschoben, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke in Berlin. Forderungen nach einem noch höheren Mindestlohn sowie nach einheitlichen Sätzen für Ost und West seien am privaten Arbeitgeberverband und der Diakonie gescheitert, bedauerte Paschke.
Der Arbeitgeberverband Pflege, der rund 200.000 Mitarbeiter der Branche vertritt, erklärte, der Mindestlohn helfe allen: "Den ungelernten Pflegehilfskräften, weil sie einen fairen Lohn erhalten; den Unternehmen, weil ein maßvoller Mindestlohn vereinbart worden ist, der keine Arbeitsplätze gefährdet; und den Sozialversicherungspflichtigen, weil die Pflege in Deutschland bezahlbar bleibt", sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Greiner. Das sei ein bedeutender Tag für die deutsche Sozialwirtschaft.
Alleine in den kommenden zehn Jahren werden nach Angaben des Verbandes zusätzlich 77.000 Pflegefachkräfte benötigt, weil es immer mehr ältere Menschen in Deutschland gibt. "Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich in den kommenden 40 Jahren mehr als verdoppeln. Allen Beteiligten muss klar werden, vor welchen enormen Anstrengungen wir stehen", sagte Greiner. Notwendig seien auch neue Ausbildungsstrukturen und Zugangswege sowie durchlässige Weiterbildungsmöglichkeiten.
- Datum 25.03.2010 - 13:22 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





im zusammenhang mit der diskussion um sozialschmarotzer(die unten) und der verkürzung des wehrdienstes wage ich mal zu vermuten,dass die tarifliche bezahlung durch einsatz von alg2-beziehern unterlaufen werden wird.
Ob dann endlich auch die einzige tatsächliche Lohndiskriminierung in Deutschland abgeschafft wird?
Die einzigen beiden Tätigkeiten in Deutschland, in denen Männer und Frauen für die selbe Arbeit unterschiedlich bezahlt werden, sind nämlich der Wehrdienst und der Zivildienst.
Nur zur Info: Ein Zivi bekommt € 305,- im Monat, der Regelsatz für einen nicht arbeitenden Hartz 4er sind € 359,-
Für den Mindestlohn, den eine Altenpflegerin pro Stunde demnächst bekommt, muß ein per Geschlecht gezwungener Zivi über einen halben Tag arbeiten!
den man den Pflegkräften zubilligt empfinde ich als eine Herabsetzung und Beleidigung eines ganzen Berufsstandes.
Man muß sich das einmal vorstellen, man arbeitet im 3-Schichtsystem, incl. Wochenenden und Feiertage, betreut 8 Stunden am Tag Demente oder schwerst erkrankte alte Menschen. Die psychische und physische Belastung ist extrem hoch und das Arbeitstempo, zu welchem man bei den äußerst gewinnorientierten "Pfleg"eunternehmen getrieben wird, tut weder den Pflegenden nochden zu Pflegenden wohl.
Außerdem liegen Mindestlöhne für andere Branchen deutlich höher. Die Arbeit auf dem Bau oder die eines Fensterputzers oder eines Briefträgers ist somit wertvoller und qulifizierter?! Besser kann man nicht zum Ausdruck bringen, wie wenig wertvoll dieser Gesellschaft das Leben alter Menschen und die Arbeit derjenigen die diese betreuen ist. Es wird sehr bald zu einem extremen Pflegenotstand kommen-bildet doch dieser Beruf mit diesen Lohnaussichten jungen Menschen keine Lebensperspektive. Aber so etwas fällt ja immer erst auf, wenn die eigne Oma mal ins Pflegeheim muß. Dann ist das Entsetzen groß, weil man selbst betroffen ist.
Unsinnig und diskriminierend noch dazu die Unterscheidung Ost-West, für die es ja nun mal überhaupt keine Begründung gibt.
Übrigens: Ich bin eine Pflegkraft aus den neuen Bundesländern.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren