Europas Schulden Standhaft bleiben, Herr Kommissar!

EU-Wirtschaftskommissar Rehn bezweifelt die Sparanstrengungen der Eurostaaten. Bei blauen Briefen darf er es nicht belassen. Ein Kommentar

Der Finne Olli Rehn weiß um seine Macht. Mit einem Satz könnte der Wirtschafts- und Währungskommissar den Euro weiter unter Druck bringen. Entsprechend zurückhaltend waren bislang seine Äußerungen.

Umso überraschender war die Schärfe, mit der er nach einem Routinetreffen der Kommissare am Mittwoch die Haushaltspolitik der Eurostaaten anging: "Hauptrisiken für die Konsolidierung sind die recht optimistischen makroökonomischen Annahmen und das Fehlen konkreter Konsolidierungsmaßnahmen." Das sagte Rehn nicht in Richtung Griechenland, Italien oder Irland. Gemeint waren Deutschland, Frankreich und auch die Niederlande. Denn es sind mitnichten nur die Südeuropäer, die sich in der Wirtschaftskrise übernommen haben.

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Deutschlands Schulden betrugen Ende 2009 rund 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das sind 12 Prozentpunkte mehr, als es die Maastricht-Kriterien zulassen. Es wird Jahre dauern, bis die 60-Prozent-Grenze wieder erreicht werden kann. Wie reagiert die Bundesregierung darauf? Sie hofft auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum in der Zukunft, das automatisch mehr Steuereinnahmen in die Haushaltskassen von Bund, Ländern und Gemeinden spülen soll. Dieser Glaube aber ist der Kommission zu riskant. Die Haushaltsergebnisse könnten "schlechter ausfallen als erwartet", warnen die Brüsseler Beamten. Sie kritisieren unter anderem, dass die Bundesregierung keine konkreten Sparpläne für die Zeit nach 2010 genannt hat. Zugleich müssten die angekündigten Steuersenkungen mit Kürzungen im Haushalt in Einklang gebracht werden.

Das deutsche Beispiel verdeutlicht, wie blind die Politik noch immer auf künftige Einnahmen vertraut, statt heutige Ausgaben zu kürzen. Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mag das opportun sein. Verlogen ist es dennoch. Mehrwertsteuersenkungen für Hoteliers – um nur den größten Aufreger der vergangenen Wochen zu nennen - vertragen sich weder mit moralischem Anstand noch mit Rekordschulden. Die Ausgabenbegrenzung gebietet nicht nur die Gesetzeslage in Europa, sondern auch in Deutschland selbst. Die Kommission fordert mit Recht "konkrete Maßnahmen", damit die gerade erst beschlossene Schuldenbremse tatsächlich eingehalten wird. Zumal es den Deutschen noch mit am leichtesten fallen dürfte, den Stabilitätspakt wieder einzuhalten und damit das Haushaltsdefizit von drei Prozentpunkten nicht zu überschreiten. Für das Jahr 2010 rechnet die Bundesregierung mit 5,5 Prozent.  

Noch viel schlimmer sah es schon 2009 in Spanien (minus 11,4 Prozent), Frankreich (minus 7,9 Prozent) und Großbritannien (minus 12,7 Prozent) aus. Das Königreich ist zwar noch nicht Mitglied der Eurozone, aber aufs Engste mit ihr verflochten. In all diesen Ländern werden kosmetische Maßnahmen nicht reichen. Reformen im Sozialsystem, weniger Steuervergünstigungen und höhere Gebühren für staatliche Leistungen sind unumgänglich. Griechenland light steht der gesamten Eurozone bevor. 

Will die EU-Kommission glaubhaft bleiben, dann muss Rehn nun durchgreifen. In den vergangenen Monaten hat sich die Debatte auf Griechenland konzentriert. Den übrigen Mitgliedern war das ganz recht. Jetzt aber ist Athen der Beispielfall. Die Anstrengungen dort können Vorbild sein für Frankreich, Spanien, aber auch für die Deutschen. Folgen Sie diesem Vorbild nicht, dann hat Rehn die Wahl zwischen vielen Instrumenten. Am Ende stünde eine Geldstrafe gegen uneinsichtige Euromitglieder. Doch wenn er sich so hart zeigt wie im Falle der Griechen, wird das gar nicht nötig sein. Rehn muss sich nur treu bleiben.

 
Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 17.03.2010 um 18:41 Uhr

    … Narkolepsie als Berufskrankheit und berufsbegleitende Voraussetzung.

    Jetzt versucht sie sich in Szene zu setzen, in dem sie ihre klugen Ratschläge hinausposaunt. Jetzt sollen alle sparen! Hört, hört! Der Europäischen Kommission kann man doch Wirtshausrechnungen als Haushaltsbilanzen vorlegen. In der jetzigen Phase Sparappelle zu verbreiten, ist Blödsinn. Den Staaten brechen ohnehin die Steuereinnahmen weg.
    Die EU hätte lieber ihren Eifer bei der Überwachung der Kapitalmärkte einsetzen können.

    Wer jetzt noch sparen will, der spart sich die EU.

    • Nikocc
    • 17.03.2010 um 20:37 Uhr

    Vielleicht ist auch der Kostenapparat einfach zu hoch, Verwaltungen von Stadtstaaten wie Berlin, Hambung und Berlin, etc., und und und...es tut alles weh, aber es befreit und macht Gelder für anders frei. Vielleicht täten es auch 6 Bundesländer? Das Gleiche natürlich auch in den anderen EU-Ländern. Ich habe z.B. über Griechenland gelesen, das manche mit 54 in Rente gehen, und dann 94% der letzten Bezüge erhalten...hallo..

    Allein die Frage, wer denn nun die Verantwortung, speziell auch die finanzielle Verantwortung der Finanzkrise trägt?

    Um die Erinnerungen aufrecht zu erhalten, wie es mal war, und vielleicht wieder werden könnte, lade ich ein mal einen Blick auf das gemeinnützige Projekt Memoro - Die Bank der Erinnerungen zu werfen: http://www.memoro.org/de-de/

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    ... warum nicht gleich eine Weltregierung. Und wenn man sein Auto ummelden will, muss man dann halt mal einen Flug buchen. Die Länder gibt es ja nicht umsonst. Das kann nicht die Lösung sein. Geld ist mehr als genug da, nur holt es sich die Politik nicht von denen die es im Überfluß haben.

    "Das Gleiche natürlich auch in den anderen EU-Ländern. Ich habe z.B. über Griechenland gelesen, das manche mit 54 in Rente gehen, und dann 94% der letzten Bezüge erhalten...hallo.."

    Guckst du hier:
    http://www.wsws.org/de/20...
    (Die Wahrheit über Griechenland)

    Das griechische System ist zu unterschiedlich von unserem, um es anhand von ein zwei Fakten zu beurteilen. Die Griechen sind alles andere als reich und wohlhabend.

    ... warum nicht gleich eine Weltregierung. Und wenn man sein Auto ummelden will, muss man dann halt mal einen Flug buchen. Die Länder gibt es ja nicht umsonst. Das kann nicht die Lösung sein. Geld ist mehr als genug da, nur holt es sich die Politik nicht von denen die es im Überfluß haben.

    "Das Gleiche natürlich auch in den anderen EU-Ländern. Ich habe z.B. über Griechenland gelesen, das manche mit 54 in Rente gehen, und dann 94% der letzten Bezüge erhalten...hallo.."

    Guckst du hier:
    http://www.wsws.org/de/20...
    (Die Wahrheit über Griechenland)

    Das griechische System ist zu unterschiedlich von unserem, um es anhand von ein zwei Fakten zu beurteilen. Die Griechen sind alles andere als reich und wohlhabend.

  1. Diesen Schuldenberg kann keiner mehr abbauen, ohne radikale Einsparungen, Beschnitt an allen Enden, Reduzierung der Regierung auf ein Drittel der Beamten etc. pp. Nur wer macht das? Bleibt also nur der Schuldenerlass für die total Überschuldeten (USA ganz vorne) und Abschreiben auf ein imaginäres Konto, dass dann später auch gelöscht wird ... und weiter geht's. So einfach ist das?

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    ... entweder so oder per Inflation oder durch einen kleinen Weltkrieg:
    http://www.faz.net/s/Rub3...
    (Titel: Ein Staatsbankrott ist halb so schlimm)

    Der Artikel listet viele der verschiedenen Staatsbankrotte seit 18hundert auf. Deutschland war seitdem 7 mal pleite, Griechenland z.B. 5 mal.

    Einige Reiche sind nach so einer Pleite ein bisschen weniger reich, die Bevölkerung hungert ein bisschen, man versucht mit Notmaßnahmen die Probleme in den Griff zu bekommen, bis man sich nach einigen erfolglosen Jahren zu einer Währungsreform durchringt und der kapitalistische Schuldenzyklus von vorn beginnt. Ohne Sinn und ohne Verstand, unfähig die Grundlage des Versagens zu erkennen.

    ... entweder so oder per Inflation oder durch einen kleinen Weltkrieg:
    http://www.faz.net/s/Rub3...
    (Titel: Ein Staatsbankrott ist halb so schlimm)

    Der Artikel listet viele der verschiedenen Staatsbankrotte seit 18hundert auf. Deutschland war seitdem 7 mal pleite, Griechenland z.B. 5 mal.

    Einige Reiche sind nach so einer Pleite ein bisschen weniger reich, die Bevölkerung hungert ein bisschen, man versucht mit Notmaßnahmen die Probleme in den Griff zu bekommen, bis man sich nach einigen erfolglosen Jahren zu einer Währungsreform durchringt und der kapitalistische Schuldenzyklus von vorn beginnt. Ohne Sinn und ohne Verstand, unfähig die Grundlage des Versagens zu erkennen.

  2. ... warum nicht gleich eine Weltregierung. Und wenn man sein Auto ummelden will, muss man dann halt mal einen Flug buchen. Die Länder gibt es ja nicht umsonst. Das kann nicht die Lösung sein. Geld ist mehr als genug da, nur holt es sich die Politik nicht von denen die es im Überfluß haben.

    "Das Gleiche natürlich auch in den anderen EU-Ländern. Ich habe z.B. über Griechenland gelesen, das manche mit 54 in Rente gehen, und dann 94% der letzten Bezüge erhalten...hallo.."

    Guckst du hier:
    http://www.wsws.org/de/20...
    (Die Wahrheit über Griechenland)

    Das griechische System ist zu unterschiedlich von unserem, um es anhand von ein zwei Fakten zu beurteilen. Die Griechen sind alles andere als reich und wohlhabend.

  3. ... entweder so oder per Inflation oder durch einen kleinen Weltkrieg:
    http://www.faz.net/s/Rub3...
    (Titel: Ein Staatsbankrott ist halb so schlimm)

    Der Artikel listet viele der verschiedenen Staatsbankrotte seit 18hundert auf. Deutschland war seitdem 7 mal pleite, Griechenland z.B. 5 mal.

    Einige Reiche sind nach so einer Pleite ein bisschen weniger reich, die Bevölkerung hungert ein bisschen, man versucht mit Notmaßnahmen die Probleme in den Griff zu bekommen, bis man sich nach einigen erfolglosen Jahren zu einer Währungsreform durchringt und der kapitalistische Schuldenzyklus von vorn beginnt. Ohne Sinn und ohne Verstand, unfähig die Grundlage des Versagens zu erkennen.

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    weil dieser, gerade stattgefundene, Staatsbankrott die Leute darauf aufmerksam machen könnte, daß der ja gar nicht so schlimm ist wie diese EU Diplom-Hysteriker immer tun ...

    weil dieser, gerade stattgefundene, Staatsbankrott die Leute darauf aufmerksam machen könnte, daß der ja gar nicht so schlimm ist wie diese EU Diplom-Hysteriker immer tun ...

  4. Wie stupide des Vizekanzlers online geäußerter Kommentar davon bleibt, dass Leistung keine Körperverletzung sei, bemisst sich insbesondere daran, wenn die künftig zu erbringenden Leistungen des Einzelnen sein Lebensalter bei weitem übersteigen. Kritisiert Herr Rehn seines Zeichens als Vertreter der Kommission der Europäischen Gemeinschaften jene zunehmende Kluft zwischen Ermöglichtem und schon immer Ausgeschlossenem, fällt die Äußerung seinerseits bereits nicht mehr auf fruchtbaren Boden.

  5. Noch so ein Griechenland-Retter, unser ehemaliger EU-Erweiterungskomissar, dem wir Perlen wie Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Macedonien in der EU zu danken haben.....

    http://rohrspatz.blogspot...

  6. weil dieser, gerade stattgefundene, Staatsbankrott die Leute darauf aufmerksam machen könnte, daß der ja gar nicht so schlimm ist wie diese EU Diplom-Hysteriker immer tun ...

    Antwort auf "Klar geht das..."

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