Nach EADS-Ausstieg Brüderle spricht von Protektionismus

Im Streit um die Bestellung von 179 Flugzeugen durch das US-Militär schalten sich nun auch deutsche Politiker ein. Auch Brüssel zeigt sich "extrem besorgt".

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat der US-Regierung vorgeworfen, bei der Ausschreibung des milliardenschweren Rüstungsauftrages für Tankflugzeuge den europäischen EADS-Konzern zu benachteiligen. Dessen US-Konkurrent Boeing habe im Ringen um den Auftrag deutliche wirtschaftliche und finanzielle Vorteile. "Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", verlangte Brüderle und warnte: "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus."

Der europäische Konzern EADS war zuvor bei einem als Jahrhundertgeschäft eingestuften Deal mit der US-Luftwaffe über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar aus dem Rennen ausgestiegen. Der amerikanische EADS-Partner Northrop Grumman zog das gemeinsame Angebot zurück. Er begründete das mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Ausschreibung sei gänzlich auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben worden, beklagte die EADS-Tochtergesellschaft Airbus.

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Auch der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, forderte die US-Regierung zum Einlenken bei der Ausschreibung auf. "Ich würde mich freuen, wenn es zu diesem Schritt käme", sagte er mit Blick auf den Ausstieg der Europäer. "Die US-Regierung sollte das überdenken."

Auch in Brüssel gab es kritische Reaktionen: Die EU-Kommission "wäre extrem besorgt", falls sich herausstellen sollte, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert haben, sagte Handelskommissar Karel De Gucht. Es sei "höchst bedauerlich", wenn ein potenzieller Anbieter sich außerstande fühle, für einen Vertrag dieser Art zu bieten. Offene Beschaffungsmärkte garantierten einen besseren Wettbewerb und setzten das Geld des Steuerzahlers besser ein. Die Kommission werde nun "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen".

EADS

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist der siebtgrößte Waffenproduzent der Welt. Neben dem Militärtransporter A400M stellt er die Trägerrakete Ariane sowie die zivil genutzte Airbus-Reihe her. (Quelle: Handelsblatt)

Northrop Grumman

Der US-amerikanische Konzern ist die Nummer vier auf dem internationalen Rüstungsmarkt. Als Produzent von Atom-U-Booten und Tarnkappen-Bombern sollte er EADS beim Eintritt in den amerikanischen Markt helfen. Der Konzern beschäftigt mehr als 120.000 Arbeiter und erzielt mit seinem militärischem Engagement 24,6 Milliarden Dollar.

Boeing

Boeing ist der weltgrößte Rüstungkonzern mit einem Jahresumsatz von 30,5 Milliarden Dollar. Im zivilen Bereich ist das amerikanische Unternehmen der schärfste Konkurrent der europäischen EADS. Der Konzern beschäftigt mehr als 160.000 Mitarbeiter. Seine Produktpalette reicht von Zivilflugzeugen über den B-52 Bomber zu gelenkten Raketen.

EADS-Unternehmenschef Thomas Enders warf der US-Regierung "Voreingenommenheit" vor. "Die jetzige Ausschreibung ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz", sagte Enders. Die Schlussfolgerung liege auf der Hand: "Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb." Northrop Grumman sei überzeugt, "dass wir im derzeitigen Umfeld keine Chance haben, zu gewinnen, egal wie gut unser Angebot ist", sagte Enders. Verlierer sei die amerikanische Air Force, die "jetzt die zweitbeste Lösung bestellen" müsse.

Das US-Verteidigungsministerium zeigte sich "enttäuscht" über den Rückzug von EADS. Zugleich wies das Pentagon den Vorwurf unfairer Wettbewerbsbedingungen zugunsten des amerikanischen Konkurrenten Boeing zurück, dem nunmehr das Feld allein überlassen wird. Die Entwicklung dürfte der US-Regierung aber nicht ungelegen kommen: US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte 2009 betont, er könne auch nur mit einem Boeing-Angebot leben.

Gegen Mittag brachen die Aktien von EADS um knapp fünf Prozent ein. Der Ausstieg aus dem Bieterrennen um die Tankflugzeuge belastete die Anteilsscheine. Aber auch der Ausblick auf das nächste Jahr enttäuschte die Anleger. 2009 hat der Konzern einen Verlust von 763 Millionen Euro verzeichnet. Die Anleger erhielten keine Dividende ausgezahlt. Für 2010 rechnet EADS mit stabilen Umsätzen, die Ertragslage wird sich der eigenen Prognose nach jedoch noch nicht entspannen. 

Für den schärfsten Konkurrenten von EADS, Boeing, ist der Ausstieg eine gute Nachricht. Zum einen garantiert der Tankflugzeug-Deal bei seinem eventuellen Zustandekommen auf Jahre hin hohe Umsätze für das amerikanische Unternehmen und zum anderen ist die Entwicklung ein Rückschlag für Konkurrenten EADS. Das europäische Unternehmen hatte geplant, in den amerikanischen Markt vorzudringen, doch dies dürfte nun erheblich schwerer werden. Dies spiegelt sich auch im Aktienkurs von Boeing wider, dieser stieg am Vormittag um über zwei Prozent nachgab.

 
Leser-Kommentare
  1. klagen hilft nicht. Das alte Lied, mein eigenes Hemd liegt mir am nächsten. Ansonsten machens doch auch die Europäer.

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    • joG
    • 09.03.2010 um 13:22 Uhr

    ....in NRW. EADS hatte seinen Militärtransporter zu billig angeboten und das war hier vermutlich auch so. Grumman sah das und stieg aus. Schließlich hätte man keinen großen Druck auf die Amerikaner machen können mehr zu zahlen, wie man das auf Deutschland, Frankreich usw konnte. Die Konventionalstrafen und Kostenüberschießungen hätten EADS und Grumman bei einem so großen Vertrag leicht in die Pleite schicken können.

    • joG
    • 09.03.2010 um 13:22 Uhr

    ....in NRW. EADS hatte seinen Militärtransporter zu billig angeboten und das war hier vermutlich auch so. Grumman sah das und stieg aus. Schließlich hätte man keinen großen Druck auf die Amerikaner machen können mehr zu zahlen, wie man das auf Deutschland, Frankreich usw konnte. Die Konventionalstrafen und Kostenüberschießungen hätten EADS und Grumman bei einem so großen Vertrag leicht in die Pleite schicken können.

  2. 2. Tjaa,

    wenn die Amis unbedingt das kleinere, unwirtschaftlichere Modell haben wollen, sollens sie's eben bauen.
    Werden ja schon sehen, was sie davon haben! Wird wohl später einige Mehrkosten produzieren.

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    • joG
    • 09.03.2010 um 17:39 Uhr

    ...die kleineren Flugzeuge sparsamer sind. Wahrscheinlich kommt es aber auf den Einsatz an. Jedenfalls hat nicht das Pentagon gegen EADS entschieden. Das EADS Konsortium hat aufgegeben. Wohl weil sie nicht zum versprochenen Preis liefern konnten. Aber das kennt man von der Firma ja.

    • joG
    • 09.03.2010 um 17:39 Uhr

    ...die kleineren Flugzeuge sparsamer sind. Wahrscheinlich kommt es aber auf den Einsatz an. Jedenfalls hat nicht das Pentagon gegen EADS entschieden. Das EADS Konsortium hat aufgegeben. Wohl weil sie nicht zum versprochenen Preis liefern konnten. Aber das kennt man von der Firma ja.

    • Jokus
    • 09.03.2010 um 12:48 Uhr

    Nicht toll gelaufen für Airbus, nachdem es doch zuvor so überaus überraschend gut gelaufen war. Doch wer will im Ernst der US-Regierung einen entsprechenden Einfluß zugunsten der Arbeitsplätze der US verdenken!

    Schließlich waren und sind Rüstungaufträge immer auch Arbeitsbeschaffungsaufträge. Und im übrigen ist - unter Berücksichtigung dieses entscheidenden Gedanken - jenen zuzustimmen die sogar darauf verzichten, nicht das "Beste" zu kriegen, sondern nur das meinetwegen "Weitbeste".
    Insofern ist die Entscheidung der US-Regierung schlicht logisch.

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    • 2eco
    • 09.03.2010 um 13:10 Uhr

    Um Arbeitsplätze geht es hier nicht. Eher um Lobbyismus.

    Airbus hatte geplant in den USA ein großes Werk zu bauen, wo die Tank-Flugzeuge und zusätzlich noch andere Frachtflugzeuge gefertigt werden.
    Davon hätten die USA auch profitiert.

    • 2eco
    • 09.03.2010 um 13:10 Uhr

    Um Arbeitsplätze geht es hier nicht. Eher um Lobbyismus.

    Airbus hatte geplant in den USA ein großes Werk zu bauen, wo die Tank-Flugzeuge und zusätzlich noch andere Frachtflugzeuge gefertigt werden.
    Davon hätten die USA auch profitiert.

    • Chali
    • 09.03.2010 um 12:54 Uhr
    4. Huch!

    Wie böööööse!

    Das hat nun mit Freier Marktwirtschaft aber gar nichts zum tun, wie?

  3. ... Protektionismus und Guido sieht überall gefährlichen Sozialismus. *gäähhn*

    Wenn's doch nur so wäre. Als ob Protektionismus in Zeiten von Lohn- und Währungsdumpingstaaten etwas schlechtes wäre. Aber Ewiggestrige (wie die in der FDP-Fraktion) hängen immer noch lieber an Adam's Smith's Freihandelsdoktrin, statt mal die Augen aufzumachen und den Denkapparat anzuschalten.

    Ach so, FDP, da denkt man ja ohnehin immer nur das, was der Sponsor will. Hatte ich kurz aus dem Blick verloren.

    • 2eco
    • 09.03.2010 um 13:10 Uhr

    Um Arbeitsplätze geht es hier nicht. Eher um Lobbyismus.

    Airbus hatte geplant in den USA ein großes Werk zu bauen, wo die Tank-Flugzeuge und zusätzlich noch andere Frachtflugzeuge gefertigt werden.
    Davon hätten die USA auch profitiert.

    Antwort auf "Logische Entscheidung"
    • 2eco
    • 09.03.2010 um 13:13 Uhr

    Dazu noch ein zitat aus einem anderen ZEIT-Artikel

    "EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. NGC sollte die militärischen Komponenten zuliefern. Northrop warb damit, das Projekt würde 48.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, mehr als Boeings KC-767."

  4. Ausschreibungen... Ab einer gewissen Größe gibts doch kein korrupteres Verfahren!

    Angenommen ich will ein Hochhaus bauen und plane eine Ausschreibung. Da bei der ersten Auswahlrunde zuviele Angebote eingegangen sind (ooops, das haben ja doch mehr gefunden als ich und mein Kumpel gedacht haben), werden die Anforderungen halt nochmal "präzisiert"... auf genau das Angebot von meinem Kumpel Bauunternehmer, dem ich den Auftrag zuschieben wollte.
    Der zahlt seinen Leuten minimal über Tariflohn. Also kommt in die Ausschreibung: "Entlohnung der Arbeiter: min. 0,5% über Tarif". Der hat kaum Erfahrung im Bereich Tiefbau. "Tiefbauarbeiten können an Subunternehmer ausgelagert werden". Der nimmt liebend gerne Beton von Firma XY: "Die Baustoffe müssen folgenden Anforderungen genügen...."

    und so weiter und so fort.

    Und wie lief das beim Tankerdeal ab?
    Die Ausschreibung war schon ende Feb. 08 von Airbus gewonnen, da zog das Pentagon diese zurück und "präzisierte" einige Stellen. Obwohl Airbus in den letzten Jahren direkte vergleiche zwischen diesen Flugzeugen allesamt gewonnen hat (Australien, Saudi Arabien, Großbritannien und einige mehr) ist in den USA halt die Welt etwas anders. Da gewinnt, wer Boeing heisst.

    Wenn die das bloss nicht SO offensichtlich gemacht hätten.

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