Urban Mining Die Stadt als RohstoffquelleSeite 2/2
"In Deutschland findet ein systematisches und planvolles urban mining in der Praxis kaum statt", sagt Rainer Lucas, Projektleiter in der Forschungsgruppe Stoffströme und Ressourcenmanagement des Wuppertal Instituts. Lucas, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, hat sehr konkrete Vorstellungen, wo es in Deutschland bislang hapert. Da sind etwa die Städte, für Lucas wertvolle Rohstoffminen der Neuzeit. "Niemand weiß, welche Materialien insgesamt im Baubestand und in den Infrastrukturen verbaut wurden und zu welchem Zeitpunkt die Bauwerke das Ende der Nutzungsphase erreichen", klagt er.
Für ihn gibt es vor allem für Städteplaner viel zu tun. Sie sollten systematischer erfassen, in welchen Gebäuden welche Stoffe verbaut wurden. "Wir benötigen ein materialbezogene Baukataster in allen großen Städten", sagt Lucas. Schließlich seien Gebäude voller Stahlträger und wertvoller Kupferleitungen. Würden sie abgerissen, müsste man für diesen Bauschrott zurzeit noch bezahlen. Eines Tages ließe sich damit vielleicht Geld verdienen.
Michael Braungart ist Erfinder des "cradle-to-cradle"-Prinzips und forscht an der Rotterdamer Erasmus-Universität unter anderem zum Thema urban mining. Ginge es nach dem Verfahreningenieur, dann würde es das Wort "Abfall" bald nicht mehr geben. Alle Produkte würden gleich so konzipiert sein, dass sie in anderer Form weitergenutzt werden können.
Eine Mülldeponie wie in Hechingen eventuell wieder zu eröffnen, ist für ihn nur der erste Schritt. "Wir müssen Müll als Nahrung begreifen", sagt Braungart. Für Braungart bedeutet urban mining nicht einfach nur umfassendes Recycling, sondern sich vor allem Gedanken über die Herstellung von Produkten zu machen.
Beispiel Papier: Wegen der Druckerfarben und Lackierungen fallen bei der Verbrennung oft giftige Stoffe an. "Die Politik könnte festlegen, dass Papier in fünf Jahren nur noch so hergestellt wird, dass es problemlos und ohne Umweltschäden verbrannt werden kann", sagt Braungart.
Doch es gibt ein Problem. In Deutschland ist die Müllverbrennung unschlagbar günstig, weil es inzwischen gewaltige Überkapazitäten gibt. Zu viele Öfen, zu wenig Abfall. Wegen der niedrigen Verbrennungspreise gehört Deutschland inzwischen zu den weltweit wichtigsten Müllimporteuren. Man könne ein Produkt eben nur einmal nutzen, sagt Sabine Flamme, die an der FH Münster zu Ressourcenmanagment forscht. "Entweder verbrennt man oder recycelt es."
Für Flamme ist das Verbrennen allerdings Verschwendung. "Angesichts der Rohstoffknappheit hierzulande sollten wir besser eine langfristige Strategie entwickeln, wie wir die Ressourcen sichern können."
- Datum 11.03.2010 - 09:31 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







... so werde ich meine nächste Kochkreation nennen. Vorbelegt ist der Name jedenfalls noch nicht, erst recht nicht als Seltenerdenelement.
Das silbern glänzende Übergangsmetall zählt aufgrund seiner Elektronenkonfiguration zu den Seltenerdmetalle. Yttrium ist nach dem ersten Fundort, der Grube Ytterby bei Stockholm, benannt, wie auch Ytterbium, Terbium und Erbium.
(aus Wikipedia)
Aber Ydrium wird offenbar besser schmecken.
Ich möchte nicht zu den ewig nörgelnden Kommentatoren zählen, doch “sinn machen” (Abs. 3) ist in einer Reportage leider nicht korrekt. Es sollte meiner Meinung nach höchstens umgangssprachlich – wenn überhaupt – verwendet werden.
... den Kommentar von der Tastatur. Ich habe hauptsächlich deshalb bis zum Ende gelesen, um zu schauen, ob nicht noch ein drittes Mal Sinn "gemacht" werde. Am Beginn des letzten Absatzes dann noch ein kleines Sprachjuwelchen: "Für Flamme ist das Verbrennen allerdings Verschwendung."
... den Kommentar von der Tastatur. Ich habe hauptsächlich deshalb bis zum Ende gelesen, um zu schauen, ob nicht noch ein drittes Mal Sinn "gemacht" werde. Am Beginn des letzten Absatzes dann noch ein kleines Sprachjuwelchen: "Für Flamme ist das Verbrennen allerdings Verschwendung."
... den Kommentar von der Tastatur. Ich habe hauptsächlich deshalb bis zum Ende gelesen, um zu schauen, ob nicht noch ein drittes Mal Sinn "gemacht" werde. Am Beginn des letzten Absatzes dann noch ein kleines Sprachjuwelchen: "Für Flamme ist das Verbrennen allerdings Verschwendung."
Alle enthaltenen und gesuchten Elemente finden sich in der Asche wieder. Kaum ein Metall hat gasförmige Oxide.
Vieles wird auch vor der Verbrennung schon abgeschieden.
Und für organische Abfälle ist die stoffliche Verwertung so und
so nicht so spannend.
Alle enthaltenen und gesuchten Elemente finden sich in der Asche wieder. Kaum ein Metall hat gasförmige Oxide.
Vieles wird auch vor der Verbrennung schon abgeschieden.
Und für organische Abfälle ist die stoffliche Verwertung so und
so nicht so spannend.
Alle enthaltenen und gesuchten Elemente finden sich in der Asche wieder. Kaum ein Metall hat gasförmige Oxide.
Vieles wird auch vor der Verbrennung schon abgeschieden.
Und für organische Abfälle ist die stoffliche Verwertung so und
so nicht so spannend.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren