"Die Finanzwelt darf sich nicht drücken"
Frage: Wenn Griechenland die Wende nicht schafft, sollte es dann aus dem Euro-Raum ausgeschlossen werden?
Waigel: Das ist im Vertrag nicht vorgesehen. Wenn Griechenland hinausginge, würde das zwar niemand mit Gewalt verhindern, aber die Griechen wären töricht, wenn sie es täten. Zwar wäre außerhalb der Euro-Zone eine kräftige Abwertung möglich, aber Zinsen und Inflation würden gleichzeitig kräftig in die Höhe schießen.
Frage: Die Debatte über ein Entschuldungsprogramm durch Inflation ist auch außerhalb Griechenlands schon in vollem Gange, beispielsweise in den USA.
Waigel: Das stimmt, aber das würde nur funktionieren, wenn die Zinsen niedrig blieben und die Inflation in die Höhe ginge. Das ist allerdings unrealistisch, weil es nicht gelingen wird, in einer solchen Lage die Zinsen niedrig zu halten. Griechenland müsste dann seine hohen Schulden mit noch höheren Zinsen bedienen.
Frage: Die Bundesregierung will jetzt die Währungsspekulanten in die Zange nehmen. Ist das zielführend?
Waigel: Es wird immer Spekulationen geben, und abschaffen kann man sie nicht. Aber man muss schon genau schauen, wer hinter solchen Währungsspekulationen steckt, welche Instrumente eingesetzt werden und welche Banken daran beteiligt waren, Statistiken zu schönen. Eine mögliche politische Konsequenz wäre doch, dass man solche Institute nicht mehr an anderen Transaktionen und Geschäften beteiligt.
Frage: Die Krise ist noch nicht vorbei, aber die Blase an den Märkten ist wieder gefährlich angeschwollen. Sind die G20-Staaten mit ihren Reformen zur Finanzmarktregulierung nicht schon viel zu spät dran?
Waigel: Die G20 hat schon den richtigen Weg eingeschlagen, auch mit ihrer internationalen Konzeption. Allerdings frage ich mich mit Sorge, ob die Umsetzung gelingt, denn der Widerstand der Finanzwelt in London und New York ist erheblich. Die wollen einfach so weitermachen wie bisher.
Frage: Soll die G20 Banken zwingen, einen Teil der von ihnen angerichteten Schäden selbst zu begleichen?
Waigel: Ich finde schon, dass nicht alleine der Steuerzahler bluten soll, sondern auch die Verursacher in den Banktürmen. Ob das dann in Form einer Bankensteuer oder Transaktionssteuer passiert, muss sorgfältig geprüft werden. Aber die Finanzwelt kann sich nicht davor drücken, ihren Teil zur Konsolidierung und zur Krisenbewältigung beizutragen.
Frage: Wie bewerten Sie die Rolle der Politik in der Krise?
Waigel: Die Krise ist von der Politik in Europa und von der EZB gut gemanagt worden, auch von der früheren Bundesregierung. Das war eine beachtliche Leistung der Großen Koalition. Aber man hätte der Bevölkerung früher sagen müssen, dass wir zehn Jahre benötigen, um wieder dort zu stehen, wo wir uns vor der Krise befanden. Das haben bis jetzt nur die wenigsten Politiker ernsthaft versucht.
Frage: Was folgt daraus für die heutige Bundesregierung? Gibt es angesichts des Konsolidierungszwangs Raum für eine Steuersenkung?
Waigel: Eine Steuersenkung ist nötig, um das Potenzialwachstum anzuheben, denn ohne Wachstum kommen wir nicht aus dem Schuldenloch heraus. Aber eine Senkung der Steuertarife geht nur, wenn das in eine große Steuerstrukturreform eingepasst wird. Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass eine Steuersenkung sich nicht selbst finanziert, sondern nur zu einem Drittel. Der Rest der Entlastung muss an anderer Stelle eingespart oder Subventionen müssen gestrichen werden. Davon habe ich noch nichts gehört.
Frage: Fehlt der Koalition der Mut, die Grausamkeiten beim Namen zu nennen?
Waigel: Franz Müntefering hat sich getraut, die notwendige Entscheidung zur Rente mit 67 zu treffen, auch wenn es seine SPD fast zerrissen hätte. Jetzt wird leider versucht, das wieder zurückzunehmen, obwohl das eine für den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme unabdingbare Maßnahme ist. Um ehrlich zu sein, macht es mir Sorgen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, solche Entscheidungen notfalls gegen ein zeitweiliges Stimmungsbarometer durchzusetzen. Bei der anstehenden Konsolidierung der deutschen Staatsfinanzen wird der Regierung aber nichts anderes übrig bleiben, als schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.
Das Interview erschien auf Handelsblatt.com am 08.03.2010
- Datum 08.03.2010 - 16:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Wenn ich das Wort "Uns" schon lese. Auch N.Blüm sagte einmal,
"Unsere Renten sind sicher" ! Natürlich meinte er die der Politiker und Beamten.
Ferner ist der Euro ein erfolgt ? Ja sicherlich, fragt sich nur für wen oder was ?
Ausserdem, wenn jemand schon das Thema Rente mit 67 wieder ein mal publiziert, dann frage ich mich wann gehen denn die Griechen in Rente und mit welchen Abschlägen?
H.Waigel bitte verschonen Sie mich mit ihrem Gesülze.
Die Euro- Klage
Warum die Währungsunion scheitern muß.
von Wilhelm Hankel Wilhelm Nölling, Karl A. Schachtschneider
Die EURO-Lüge ... und andere volkswirtschaftliche Märchen: Eine volkswirtschaftliche Märchensammlung
von Wilhelm Hankel
anzusehen. Er kann reden was er will - ich will die DM wieder. Zur Not meinetwegen auch eine Währungsunion mit dem Schweizer Franken...
Ein Spekulant ist einfach ausgedrückt jemand, der zum Beispiel eine Angebotsverknappung voraussieht und den Mut hat auf steigende Preise zu wetten. Das kann ein einzelner Mensch, eine Bank oder eine Regierung sein.
Wird die Angebotsverknappung von den Beteiligten vorausgesehen, weil sie weitsichtiger, klüger oder einfach wagemutiger sind als alle anderen, so sei ihnen der anschließende Spekulationsgewinn gegönnt.
Bedienen sie sich aber Insiderwissen oder führen manipulativ eine Angebotsverknappung herbei, was monetär auch eine Zahlungsunfähigkeit sein kann, so nenne ich das verbrecherisch. Gibt zum Beispiel eine Clique von Bankvorständen einem Land wie Griechenland solange Kredite bis dem letzten Beobachter klar wird, dass dieses Land den zukünftigen Kapitaldienst nicht mehr leisten kann und in die Knie geht, um dann auf eine Angebotsverknappung (Zahlungsunfähigkeit) zu spekulieren, die sie selber herbeigeführt haben, so nenne ich diese Gang Verbrecher.
Waigel ist nach Schäuble der mit Abstand größte und inkompetenteste Schulden-Minister, den Deutschland nach dem Krieg bisher hatte. Ein komplett überflüssiges Interview.
Da ist guter Rat teuer, wenn ein ausgewiesener Fachmann solchen wirtschaftspolitischen Unsinn von sich gibt. Dass sich Minister a.D. nicht in das Tagesgeschäft der amtierenden Regierung mischen, ist verständlich.
Wenn Sie aber den IWF als Kompetenz-Zentrum ausweisen, dann frage ich mich, wohin Sie die letzten 20 Jahre geschaut haben.
In Afrika landet der IWF eine Katastrophe nach der anderen, um dies milde auszudrücken. Die Asienkrise war das Katastrophen-Gemälde des IWF, so dass der damalige Premierminister von Australien sinngemäss folgenden Satz von sich gab: "Die wirtschaftliche Lage in Asien war gesund, es herrschte nur das Problem der "flüchtigen Gelder", so dass es schon eines Idioten bedarf, um das Wirtschaftswachstum zu zerstören. Dieser Idiot wurde gefunden, es war Herr Geithner, welcher innerhalb des IWF die Krise "betreute"."
Herr Geithner ist ürigens der heutige Finanzminister der USA, wie Sie wissen. Was die grossspurigen Ankündigungen der G20 betrifft, so ist bezüglich der Regulierung der Finanzwirtschaft nichts konkretes beschlossen worden und die Finanzwirtschaft ist mächtiger als vor der Finanzkrise. Wie können Sie da von einem Erfolg sprechen? Was sollen diese Aussagen Herr Waigel? Wann begreift die Politik, dass diese PR-Statements den Bürgern langsam gehörig auf den Kecks geben, denn wir haben Augen und Ohren und dazwischen auch ein Gehirn.
Der € ist da und es war richtig ihn aus der Taufe zu heben. Was jetzt noch fehlt ist der Rest des Weges zum vereinten Europa. Weg mit nationalen Volksvertretern für Wirtschafts- und Außenpolitik ohne Fachkompetenz - her mit gut bezahlten Spezialisten, die von Brüssel aus Vernunftspolitik betreiben. Weg mit unseren Landeskultusministerien - ein nationales oder besser noch eins pro Sprache genügt. Weitere Beispiele gibt es viele.
Man stelle sich vor was auf diese Weise europaweit einzusparen wäre. Griechenlands Finanzprobleme wären mit einem Schlag gelöst.
Warum ist Amerika so stark? Eine Währung, ein Verteidigungsministerium und alles was sonst nach außen (re)präsentiert werden muß unter einem Dach. So formt man Macht. Unser Problem ist die Kleinstaaterei. Ein farbloses europäisches Außenministerium ohne Macht und viele staatliche außenministerielle Einzelgänger. Den peinlichsten von allen bezahlen gerade wir. Die Lösung eines Großteils unserer Probleme von heute ist das gemeinsames Europa von morgen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren