Wegen Zusatzbeitrag Hunderttausende Versicherte wechseln die Krankenkasse

Um den Zusatzbeiträgen zu entkommen, haben seit Jahresbeginn 250.000 Menschen die Kasse gewechselt. Manche Anbieter versprechen, erstmal auf den Aufschlag zu verzichten.

Aus Ärger über die Zusatzbeiträge kehren viele Versicherte ihrer Krankenkasse den Rücken und gehen zu Kassen, die keine zusätzlichen Beiträge erheben. Seit Jahresanfang sind mehr als 250 000 Menschen zur Barmer, Techniker, AOK und Co. gewechselt oder haben den Wechsel beantragt. Das hat eine Umfrage des Tagesspiegel ergeben.

Spitzenreiter in der Gunst der Wechselwilligen ist die Techniker Krankenkasse (TK) mit 130 000 neuen Mitgliedsanträgen. 30 000 waren es im Januar, 100 000 im Februar und März. „Der Zusatzbeitrag spielt eine große Rolle", sagt Sprecher Michael Ihly. Nachdem die DAK Ende Januar und die KKH Allianz im Februar mitgeteilt hatten, dass ihre Mitglieder künftig acht Euro im Monat zusätzlich zahlen müssen, habe sich der Andrang bei der Techniker deutlich verstärkt, berichtet Ihly. Die TK erhebt keine Zusatzbeiträge und ist "zuversichtlich", auch im weiteren Jahresverlauf ohne solche Zuzahlungen auszukommen.

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Das will auch die Barmer GEK. Zusatzbeiträge müssen ihre Mitglieder derzeit nicht zahlen. "Wir haben keinen Handlungsbedarf", betont Sprecher Kai Behrens. Diese Zurückhaltung bringt der Kasse neue Mitglieder. Seit Jahresanfang hat die Barmer rund 100 000 neue Mitglieder gewonnen.

Andere Kassen gehen noch einen Schritt weiter. Sie garantieren ihren Mitgliedern, dass diese im gesamten Jahresverlauf von Zusatzbeiträgen verschont werden. Das bringt Kundschaft. 4500 neue Kunden hat die IKK Brandenburg und Berlin im ersten Quartal hinzugewonnen, rund 74 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die AOK Berlin-Brandenburg ist auf Wachstumskurs. Seit Anfang des Jahres hat die Kasse 16 000 neue Mitglieder bekommen, berichtet Sprecherin Gabriele Rähse, "vor allem von den Kassen, die Zusatzbeiträge erheben."

13 Krankenkassen haben bisher beim Bundesversicherungsamt Zusatzbeiträge beantragt, elf hat die Behörde genehmigt. Über die in der Tabelle genannten Kassen hinaus verlangt auch die BKK Axel Springer acht Euro zusätzlich. Allerdings steht diese Kasse nur Beschäftigten des Springer-Konzerns offen.

Die Zusatzbeiträge sind nötig, weil die Kassen sonst finanziell nicht über die Runden kommen. Der Beitrag kann pauschal erhoben werden, ist dann aber auf acht Euro begrenzt. Die Kassen können den Beitrag aber auch einkommensabhängig berechnen. Maximal ein Prozent der Beitragsbemessungsgrenze sind zulässig, derzeit sind das 37,50 Euro. Anders als bei den normalen Kassenbeiträgen, die vom Lohn abgezogen werden, beteiligen sich die Arbeitgeber bei den Zusatzabgaben nicht. Die acht Euro zahlt das Mitglied allein. Partner und Kinder, die kostenlos mitversichert sind, brauchen den Zusatzbeitrag aber nicht abzuführen.

Der Zusatzbeitrag muss von den Kunden überwiesen werden. Um sicherzustellen, dass sie das wirklich tun, locken viele Versicherer mit Rabatten. Acht Prozent sparen beispielsweise KKH-Mitglieder, wenn sie der Kasse eine Einzugsermächtigung geben und den Betrag einmal jährlich abbuchen lassen. Vielen erscheint das attraktiv. Obwohl die Zahlungsfrist erst am 15. April endet, habe schon jeder Vierte gezahlt, heißt es auf Anfrage. Bei der DAK sieht das anders aus. Hier war bereits am 15. März Zahltag. Doch von den 4,8 Millionen Mitgliedern haben bisher nur 2,5 Millionen eine Einzugsermächtigung erteilt. Die säumigen Zahler werden jetzt angerufen oder angeschrieben.

Leser-Kommentare
    • gh7401
    • 29.03.2010 um 11:50 Uhr

    KKH-Allianz? Was ist das? Wieso steht da Allianz dran?Aktiengesellschaft? Wohin gehen die 8 Euro? Aktionäre brauchen die 8 Euro nicht.

  1. Immerhin hat das jetzt wieder ein kleines bisschen mit Wettbewerb unter den Kassen zu tun.
    Das ist zwar nicht befriedigend, da der Кunde im bestfall vermeidet, mehr zu zahlen, Ersparnisse also nicht moeglich sind, betont aber immerhin die Unterschiede zwischen den kassen.
    Jetzt muss dringend eine Reform her, die den Einheitssatz abschafft und endlich wieder ein wenig Wettbewerb zwischen denk Kasssen zulaesst.
    Wenn das nicht passiert, zahlen mal wieder nur die Verbraucher.

  2. ich finde auch das Vorgehen der Kassen falsch.
    Speziel die DAK informierte mich Mitte/Ende Februar darüber, dass die Beiträge für Februar steigen, ich also ab März die 8€ mehr zahlen muss.
    Das finde ich eine ausgemachte .....
    Wenn sich eine Leistung verteuert muss ich als Kunde doch da im Forfeld informiert werden, so dass ich entscheiden kann ob ich die Leistung noch in Anspruch nehmen will.
    Folglich: Ich gehöre zu denen die Ihrer Extra-Beiträge noch nicht gezahlt haben. Gekündigt habe ich schon. Und kann nur jeden raten das selbe zu tun.

  3. ...dass ein Drittel (ca) der 8 Euro für die Verwaltung der Zusatzgebühr draufgeht. Solange werde ich diese 8 Euro auch nicht zahlen!

  4. und ein sehr befriedigendes Gefühl von Handlungskontrolle... :-)

  5. Das gute Wechselgefühl wird nur von kurzer Dauer sein. Dann werden auch diese Kassen die Beiträge erhöhen. Sie müssen schließlich die "Verlassenen" unterstützen. Wir gehen schnur stracks auf eine Einheitskrankenversicherung zu. Wozu brauchen wir auch über 250 Krankenkassen, wenn die Leistungen so gut wie identisch sind????? Um verdienten Partei- oder Wirtschaftsfunktionären hoch dotierte Pöstchen zu verschaffen? Dann doch lieber der konsequente Schritt: 1 Bundeskrankenkasse, ein Beitrag und Schluss. Wetten, dass wir das in den nächsten 5 Jahren haben werden?

  6. In der Schweiz rennen die Versicherten schon seit Jahren einmal per Jahr hinter den "billigsten" Versicherungsangeboten hnterher. Mit Wettbwerb hat dies aber nicht das geringste zu tun... aussderdem steigen die Prämien konstant an. Seit der Liebraliserung vor ca. 20 jahren und in meinem Fall sind die Prämien um ca. 400% gestiegen ! Bereits ist das Thema Einheitskasse auch bei den Liberaliserungs/Wettbewerbsvertretern in der Diskussion. Auch der Verwaltunsgrats, verwaltungs und Werbeaufwand ist nicht zu unterschätzen, gibt es doch hier ca. 150 Krankenversicherungen welche zwar in einem Verband zusammengeschlossen sind aber trotzdem nicht fähig noch willens sind sich die Aerzte und Phamaindustrie zu Gunsten der Versicherten vorzuknöpfen. Auch zelebriert der Versicherungsverband an seinen Jahresveranstaltungen gerne die gestiegenen Profite gegenüber dem Vorjahr. Vnd er Pharamindustrie mit ihren Mrd. Gewinnen mal ganz abgesehen... da wird es noch um Grössenordungen obsöner.

  7. In der Schweiz rennen die Versicherten schon seit Jahren einmal per Jahr hinter den "billigsten" Versicherungsangeboten hnterher. Mit Wettbwerb hat dies aber nicht das geringste zu tun... aussderdem steigen die Prämien konstant an. Seit der Liebraliserung vor ca. 20 jahren und in meinem Fall sind die Prämien um ca. 400% gestiegen ! Bereits ist das Thema Einheitskasse auch bei den Liberaliserungs/Wettbewerbsvertretern in der Diskussion. Auch der Verwaltunsgrats, verwaltungs und Werbeaufwand ist nicht zu unterschätzen, gibt es doch hier ca. 150 Krankenversicherungen welche zwar in einem Verband zusammengeschlossen sind aber trotzdem nicht fähig noch willens sind sich die Aerzte und Phamaindustrie zu Gunsten der Versicherten vorzuknöpfen. Auch zelebriert der Versicherungsverband an seinen Jahresveranstaltungen gerne die gestiegenen Profite gegenüber dem Vorjahr. Vnd er Pharamindustrie mit ihren Mrd. Gewinnen mal ganz abgesehen... da wird es noch um Grössenordungen obsöner.

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