"Okay, the problem is: There is a cloud of vulcano ashes above Europe. When we fly, we crash and die – so we stay." ("Das Problem ist: Es gibt eine Aschewolke über Europa. Wenn wir fliegen, stürzen wir ab und sterben. Also bleiben wir.") Der belgische Medienberater Sven Moons bringt die Lage von Tausenden Reisenden in Indien auf den Punkt. Wir sitzen fest. In der Metropole Delhi sind es 42 Grad, über der Rezeption des Hotels surren die Ventilatoren. Der Hotelmanager, ein Mann mit Schnauzbart, schüttelt seinen Kopf, das typisch indische Nicken für "Ja, ich verstehe." "No problem, Sir. You can stay as long as it is necessary." Wir können bleiben, so lange es nötig ist – und zwar kostenlos. Die Zimmer sind sowieso leer, denn die neuen Gäste aus Europa können auch nicht nach Indien kommen.

Eigentlich sollte es eine viertägige Recherchereise gemeinsam mit drei Kollegen aus Belgien und Dänemark nach Delhi sein. Mit einer der letzten Maschinen der indischen Fluggesellschaft Jeitairways, die von Brüssel nach Delhi startete, waren wir Mittwochnacht angekommen. Am Donnerstag hatten wir von dem Vulkanausbruch gehört und noch gelacht. 

Und jetzt? Wir wissen es nicht, denn es gibt kein Durchkommen auf der Hotline von Jetairways. Bis auf Athen sind alle Flüge nach Europa vorerst gestrichen. Mehr Informationen gibt es nicht. Eigentlich sollten wir in dieser Nacht nach Hause fliegen. Aber daraus wird wohl nichts. Zwar aktualisiert die Fluggesellschaft ständig die Infos auf ihrer Website, doch da stehen nur erneut gestrichene Flüge. Fragen wie: Wo komme ich unter, wenn ich festsitze? Wer bezahlt das Hotelzimmer?, bleiben unbeantwortet. Zumindest findet man den Hinweis, dass die Airline eine freiwilligen Entschädigung bezahlen wolle, doch wie und wo man diese bekommt, bleibt zumindest in der Nacht zum Sonntag unrecherchierbar. Zudem kostet der Anruf auf der Hotline mit dem europäischen Mobiltelefon ein Vermögen. Stundenlang in der Hotline festhängen? Unbezahlbar.

"Wenn Sie die Airline anrufen, nehmen Sie ruhig das Hoteltelefon", sagt der Hotelmanager und reicht es herüber. "Das ist sicher billiger." Nach einer Stunde in der Warteschleife geben wir auf. 

Kaum anders ist es an den Infoschaltern der Airlines am Internationalem Flughafen von Delhi. Ob Jetairways, British Airways oder Lufthansa. Niemand weiß, wann es wieder Flüge nach Europa geben wird. Oder aus Europa nach Indien. Oder wer wann welchen Flug bekommen wird. Auch offizielle Zahlen, wie viele Reisende nach Europa derzeit in Delhi festsitzen, bekommt man nicht. Eine ambivalente Stimmung herrscht hier. Chaos und gleichzeitig Ruhe. "You have to wait. And until then – enjoy India", wiederholen die indischen Mitarbeiter immer wieder. Sie wirken gelassen und freundlich. "Take your time." Indisches Kopfschütteln. Yes, yes.

Wenigstens übernehmen die meisten Airlines die anfallenden Hotelkosten. Auch wenn dafür viel Anstehen, Geduld und Bürokratie notwendig ist, bis man den entsprechenden Gutschein in der Hand hält. Die indische Gastfreundschaft wiegt den Ärger allerdings wieder auf. Die typisch indische Schicksalsergebenheit beruhigt die Gestrandeten. "Wo kommen Sie her? Wie gefällt Ihnen Indien? Sind Sie aus Europa und können nicht zurück? Dann sollten Sie unbedingt eine Sightseeing-Tour machen", "Wenn Sie hier länger festsitzen, sollten Sie nach Rajasthan fahren, ich komme von dort. Es ist wundervoll", "Fliegen Sie nach Goa und machen Sie dort einen Yoga-Kurs", "Haben Sie eine Unterkunft? Sie können bei meiner Familie und mir bleiben, so lange es nötig ist."