Flugverbote Airlines beklagen Milliardenkosten

Auf 1,7 Milliarden Dollar schätzen die Fluggesellschaften die Kosten des Flugverbots. Während die EU Hilfen für die Unternehmen erwägt, bleibt Berlin stur.

1,7 Milliarden Dollar Umsatzverlust hätten die Fluggesellschaften durch das tagelange Zwangsparken erlitten, sagte Giovanni Bisignani, Generaldirektor der Internationalen Luftfahrtvereinigung Iata. Die insgesamt schwierige Lage für die Flugunternehmen in Europa in diesem Jahr führe zu einem Gesamtverlust von 2,2 Milliarden Dollar.

Bisignani verlangte von den Regierungen in Europa einen Ausgleich für die Einnahmeausfälle durch das Flugverbot. Schließlich sei die Luftraum-Sperrung nicht auf der Grundlage einer Risikoabschätzung, sondern auf Basis unsicherer Erkenntnisse erfolgt. Der Verbandschef kritisierte auch die langsamen Entscheidungen der europäischen Länder. Fünf Tage habe es gedauert, bis die Verkehrsminister sich zu einer Konferenz zusammengefunden hätten.

Anzeige

Die meisten EU-Länder hatten ihren Luftraum in den vergangenen Tagen geschlossen, weil seit dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjöll riesige Aschewolken über Europa hinwegziehen.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) klagt über die Folgen der Flugverbote. "Massive finanzielle Belastungen und Umsatzeinbußen" seien bei deutschen Reiseveranstaltern, Reisemittlern und Fluggesellschaften entstanden. Daher brauche die Branche "schnelle und unbürokratische Hilfe und Unterstützung von der Politik". Sobald der Flugverkehr wieder normal laufe, werde der DRV die "wirtschaftlichen Auswirkungen in der Branche analysieren".

Nun richten sich die Augen nach Berlin und Brüssel. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold will prüfen, ob "wir hier nicht eine vergleichbare Situation haben mit den Terroranschlägen vom September 2001". Nach dem 11.September zahlte die Bundesregierung Entschädigungen in Höhe von 71 Millionen Euro für das mehrtägige Flugverbot über dem US-Luftraum. Die Hilfen kamen damals fast ausschließlich der Lufthansa zugute.

Die wird zwar trotz der finanziellen Auswirkungen durch die Aschewolke nach eigenen Angaben hingegen nicht um Staatshilfen nachsuchen. Man erwarte aber Erleichterungen bei Regulierungen, ließ Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber wissen. Die Kosten der Krise seien schließlich nicht marginal.

In der EU-Kommission teilt man die Einschätzung Hunolds. Die Aschewolke habe den Fluggesellschaften schwerere Verluste als 9/11 beigebracht, sagte Verkehrskommissar Siim Kallas. Man werde deshalb Finanzhilfen prüfen. Kallas kündigte an, eine Task-Force zusammen mit den Kommissaren Joaquín Almunia (Wettbewerb) und Olli Rehn (Währung) zu bilden.

Konkrete Zahlen nannte Kallas nicht. Die Task-Force werde in der kommenden Woche einen Bericht über die wirtschaftlichen Folgen des Flugverbots vorlegen, sagte er. Außerdem würden die europäischen Verkehrsminister bald zusammentreffen, um über die Folgen des Flugchaos zu beraten und die nationalen Maßnahmen zu koordinieren. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia stellte schon in Aussicht, die Auflagen für staatliche Subventionen zu lockern.

Die Bundesregierung hingegen mauert. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schloss Staatshilfen für die Branche nicht vollkommen aus, stellte sie jedoch unter den Vorbehalt von Absprachen innerhalb der EU.

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, lehnte Staatshilfen dagegen rundweg ab. "Warum der Steuerzahler die Verluste der Fluggesellschaften auffangen sollte, ist völlig unklar", sagte Haucap Handelsblatt Online.

Ähnlich äußerte sich Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU). Er finde es "dramatisch, dass jeder, der irgendein Problem hat, sofort zum Staat gerannt kommt", sagte Fuchs dem Handelsblatt. Der nordrhein-westfälische FDP-Chef, Andreas Pinkwart, sagte der Zeitung: "Wir können nicht zulassen, dass reflexartig nach dem Staat und nach Staatshilfe gerufen wird."

 
Leser-Kommentare
    • Shizzo
    • 21.04.2010 um 12:24 Uhr

    Interessiert mich überaus!!!

    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:00 Uhr

    ... dennoch nicht um Staatshilfe bitten"

    Ja aber warum denn das nicht? Die werden sich doch nicht etwa schämen? *spässle*

  1. ach ja und wenn ein Flugzeug wegen der Staubwolke abgestürzt wäre müsste der Staat natürlich auch zahlen, weil er vor der Gefahr nicht gewarnt hat.
    Für wie dumm halten diese lobbyisten uns eigentlich?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 21.04.2010 um 15:18 Uhr

    Es geht darum, dass der Flugverkehr wichtig ist. NIcht zuletzt aus wirtschaftlicher Perspektive. Der Staat hat also großes Interesse daran, diesen Wirtscahftszweig stark zu halten. Es ist eben wie mit den Banken, wenn sie in Schwierigkeiten sind muss der Staat helfen. Unabhängig davon, ob sie selber Schuld sind oder nicht.

    Ich persönlich bin mit demg ganzen Berichterstatter-Hype darum total genervt. Ich bin in meinem Leben einmal geflogen und hab nicht vor es bald wiede rzu tun. Es mag ein kurzfristiger Schaden für die wirtscahft sien, aber mich juckt das nicht. Sollen doch die paar firmenbosse der verschiedenen Fluggesellschaften die hälfte ihres Vermögens abgeben, schon hat man das Loch gestopft.

    • Buh
    • 21.04.2010 um 15:18 Uhr

    Es geht darum, dass der Flugverkehr wichtig ist. NIcht zuletzt aus wirtschaftlicher Perspektive. Der Staat hat also großes Interesse daran, diesen Wirtscahftszweig stark zu halten. Es ist eben wie mit den Banken, wenn sie in Schwierigkeiten sind muss der Staat helfen. Unabhängig davon, ob sie selber Schuld sind oder nicht.

    Ich persönlich bin mit demg ganzen Berichterstatter-Hype darum total genervt. Ich bin in meinem Leben einmal geflogen und hab nicht vor es bald wiede rzu tun. Es mag ein kurzfristiger Schaden für die wirtscahft sien, aber mich juckt das nicht. Sollen doch die paar firmenbosse der verschiedenen Fluggesellschaften die hälfte ihres Vermögens abgeben, schon hat man das Loch gestopft.

    • CM
    • 21.04.2010 um 13:14 Uhr

    Wegen des kühlen Frühjahrs hatten die original italienischen Eisdielen einen dramatischen Gewinneinbruch zu beklagen.

    "Vor allem Nuß und Melone gingen ganz schlecht", beklagte Branchenverbandsprecher Silvio Stracciatella und forderte von der Bundesregierung eine Steuerbefreiung auf Becher und Tüten sowie eine direkte Finanzbeihilfe von 20 Cent je Kugel und einen Termin je Eisdiele mit Ministerpräsident Rüttgers zum Selbstkostenpreis.

    Der Eisdielenverband war bereits die dreiundvierzigste Organisation, die nach den Fluglinien und Flughafenbetreibern Subventionen forderte.

    FDP-Wirtschaftsminister Brüderle, der als ausgemachter Fan exotischer Knoblauch-Maracuja-Becher gilt, versprach großzügige und unbürokratische Hilfe, wurde dafür jedoch von der CSU scharf angegriffen. "Es kann nicht angehen, daß die Eisdielen noch vor den bayerischen Weißwurstproduzenten für das schlechte Wetter entschädigt werden, schließlich waren die Auswirkungen der Vulkanasche, des Flugverbots und der großen Koalition für den Absatz von Weißwürsten in Fernost gravierend", so ein Sprecher des bayerischen Königshauses.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:22 Uhr

    Herr Schramm?

    ...und stechend auf den Punkt gebracht.
    Sehr genial. Solche guten und zugleich scharfen beiträge kenne ich sonst eigentlich nur von "extra 3".
    Sie sollten sich dort bewerben! ;-)

    wer die Flughafenbewohner für den entgangenen Fluglärm entschädigt ist Leuten wie Ihnen scheinbar egal. Hauptsache, die Firmen kassieren Steuergelder. Als mögliche Gegenfinanzierung für die Flugliniensubvention böte sich aber immerhin eine von den Anwohnern deutscher Flughäfen einmalig erhobene Luxussteuer auf "ungestörte Nachtruhe" an und das ganze könnte ohne übermäßige Neuverschuldung des Finanzhaushaltes 2011 von Schäuble abgenickt werden.

    Hervorragender Kommentar

    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:22 Uhr

    Herr Schramm?

    ...und stechend auf den Punkt gebracht.
    Sehr genial. Solche guten und zugleich scharfen beiträge kenne ich sonst eigentlich nur von "extra 3".
    Sie sollten sich dort bewerben! ;-)

    wer die Flughafenbewohner für den entgangenen Fluglärm entschädigt ist Leuten wie Ihnen scheinbar egal. Hauptsache, die Firmen kassieren Steuergelder. Als mögliche Gegenfinanzierung für die Flugliniensubvention böte sich aber immerhin eine von den Anwohnern deutscher Flughäfen einmalig erhobene Luxussteuer auf "ungestörte Nachtruhe" an und das ganze könnte ohne übermäßige Neuverschuldung des Finanzhaushaltes 2011 von Schäuble abgenickt werden.

    Hervorragender Kommentar

    • Chali
    • 21.04.2010 um 13:22 Uhr

    Herr Schramm?

  2. Staathilfen hier, staatshilfen da,
    kann den keiner mehr was alleine machen?!
    Demnächst auch staatshilfen für Eisdienelen und Cafés bei verregentem Sommer?

    • simona
    • 21.04.2010 um 13:58 Uhr

    ...sobald die Airlines in ihre Gesamtkalkulation alle ökologischen und gesellschaftlichen Folgekosten aus ihrem Flugbetrieb eingepreist haben.

    Immerhin basieren ihre Unternehmensgewinne seit Jahrzehnten auf der kostenfreien Nutzung der naturgegebenen Infrastruktur unserers einzigen bewohnbaren Planeten. Sogar die fossilen Brennstoffe erhalten sie subentioniert.

    Also: Einfach eine ordentliche Nachhaltigkeitskalkulation, inkl. aller ökologischen, sozialen und sonstigen Folgekosten des Geschäftsbetriebes, schon kann der Steuerrubel fliessen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service