Ermittler haben nach Informationen des Wall Street Journal das Verwaltungsratsmitglied Rajat Gupta im Visier. Der gebürtige Inder steht demnach im Verdacht, zum Höhepunkt der Finanzkrise den Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam mit Tipps versorgt zu haben. Rajaratnam und sein Hedgefonds Galleon stehen im Zentrum der Affäre.

Die Ermittler überprüfen nach dem Bericht den Handel mit Goldman-Sachs-Aktien im Zeitraum Juni 2008 bis Oktober 2008. In dieser Zeit stürzte die Pleite des Konkurrenten Lehman Brothers die weltweiten Finanzmärkte ins Chaos. Starke Kursausschwankungen besonders bei Finanztiteln waren die Folge – eine ideale Gelegenheit für Spekulanten, Profit zu machen.

Gegen Rajaratnam war Mitte Dezember 2009 Anklage erhoben worden. Er und 21 Komplizen sollen mithilfe der Insider-Informationen hohe zweistellige Millionengewinne eingestrichen haben.

Nach Angaben des Wall Street Journal verbanden Rajaratnam und Gupta langjährige geschäftliche Beziehungen. Die Zeitung betonte jedoch, noch sei keine Anklage erhoben worden. Ein Sprecher von Gupta wies die Vorwürfe zurück. Ihm sei auch nichts von einer Untersuchung bekannt.

Die Bank wollte sich nicht dazu äußern. Von dem Skandal betroffen waren bislang vor allem Technologiekonzerne wie IBM, Intel, AMD und Google. Die Firmen selbst sind Opfer des Skandals, die Ermittler werfen ihnen kein Fehlverhalten vor.

Das Handeln mit Aktien aufgrund geheimer Informationen (Insiderwissen) ist verboten, weil es andere Anleger benachteiligt. Mit dem Wissensvorsprung kann abgeschätzt werden, wie sich Kurse entwickeln.

Der Skandal erschüttert die Wall Street seit Monaten. Durch den Fall Rajaratnam war ein ganzes Netz von Insiderhandel aufgeflogen. Die US-Börsenaufsicht SEC sprach von illegalen Gewinnen von 53 Millionen Dollar. Mehrere Angeklagte arbeiten mittlerweile mit der Staatsanwaltschaft und der SEC zusammen, um ihre Strafen abzumildern. Ab Oktober befasst sich ein Strafgericht in Manhattan mit der Insideraffäre. Rajaratnam drohen bis zu 185 Jahre Haft.