Die Verhandlungen über milliardenschwere Finanzhilfen für Griechenland stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. EU und Internationaler Währungsfonds verlangen, dass das Land sein Staatsdefizit von derzeit 13,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis Ende 2011 auf 3,6 Prozent senkt. Die Regierung solle 25 Milliarden Euro bis Ende 2011 einsparen, hieß es.

Erbringen sollen diese Leistung viele: Die Beschäftigten des öffentlichen Sektors sollen auf Zulagen im Umfang von zwei Monatsgehältern verzichten, Rentner müssen Kürzungen hinnehmen. Wie aus einer Verhandlungsrunde von Vertretern der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds mit der griechischen Regierung verlautete, ist zudem vorgesehen, das Gehaltsniveau jahrelang unverändert zu lassen, aber die Mehrwertsteuer erneut zu erhöhen. Auch bei Benzin, Zigaretten und Alkohol müssen sich die Griechen auf Preiserhöhungen einstellen.

"Es ist eine ausgemachte Sache: Ein Ende des 13. und 14. Monatsgehaltes, ein dreijähriges Einfrieren der Gehälter und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer", gab Gewerkschaftsführer Ilias Iliopoulos nach einem Treffen mit Ministerpräsident Giorgios Papandreou die Pläne wieder.

Bisherigen Informationen zufolge ist eine Erhöhung der Steuer von derzeit 21 Prozent um weitere zwei bis vier Prozentpunkte im Gespräch. Die Steuern auf Benzin, Tabak und Alkohol sollen um mindestens zehn Prozent steigen. "Diese Vorschläge liegen alle auf dem Tisch, aber sind noch nicht beschlossen", hieß es.

Die Regierung hat bereits gegen den Widerstand der Bevölkerung die Beamtengehälter gekürzt, Steuern erhöht sowie Rentenerhöhungen gestoppt. Die EU hat zwar angekündigt, dass die Griechen in diesem Jahr nicht noch mehr Einbußen hinnehmen müssen – doch danach drohen weitere Kürzungen, da das Hilfspaket von EU und Währungsfonds eine Laufzeit von drei Jahren haben soll.

In der Finanzmarktbranche herrschen Zweifel, ob die Regierung weitere Einschnitte durchsetzen kann. Eine große Mehrheit der Griechen ist gegen die Hilfe von außen, weil sie eine Verschlechterung ihres Lebensstandards fürchtet. Die Gewerkschaften haben bereits weitere Streiks angekündigt.

EU-Währungskommissar Olli Rehn rechnet in den nächsten Tagen mit einem Abschluss der Gespräche mit dem Währungsfonds, der EU und der Europäischen Zentralbank über weitere Sparauflagen. Ein Regierungssprecher sprach von harten Verhandlungen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zeigte sich optimistisch im Hinblick auf deren Ausgang. "Die Gespräche müssen zu einem ehrgeizigen, passgenauen, auf mehrere Jahre angelegten Programm führen." Er forderte Deutschland auf, nach dem Ende der Krise bei nötigen Reformen der Währungsunion eine zentrale Rolle zu spielen.