Griechenland-Krise EU-Kommission ruft Ratingagenturen zur Verantwortung
Die Ratingagenturen stehen am Pranger: Mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Griechenland sollen sie die europäische Misere befördert haben. Auch Brüssel mahnt.
Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands und Portugals hat die Europäische Kommission die Ratingagenturen zur Verantwortung gerufen. Die Sprecherin des für Finanzdienstleistungen zuständigen EU-Kommissars Michel Barnier rief die Agenturen in Brüssel auf, bei ihren Bewertungen "verantwortungsvoll und streng" vorzugehen. Die Ratingagenturen müssten die Gesamtlage Griechenlands in Betracht ziehen, ebenso wie die Hilfszusage der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 45 Milliarden Euro.
Die Kommissionssprecherin verwies auf die schärferen EU-Regeln, die ab Jahresende für Ratingagenturen gelten. Nach einer 2009 beschlossenen EU-Verordnung müssen die Agenturen strengere Informationspflichten erfüllen; zudem werden die Institute den europäischen Aufsichtsbehörden unterstellt. "Wir bleiben wachsam", betonte die Sprecherin.
Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Dienstag massiv herabgestuft. Zugleich wertete die US-Agentur auch Portugal ab.
Was sind Ratingagenturen?
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen, aber auch von Staaten. Am bekanntesten sind die US-Firmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Sie verteilen Noten (Ratings), die von AAA oder Aaa (sichere Anlage) bis D (zahlungsunfähig) reichen. Privatanleger, Kreditinstitute und Versicherungen entscheiden anhand dieser Noten, ob sie den Ländern oder Firmen Geld leihen oder ihre Anleihen abstoßen. Damit haben Ratingagenturen erheblichen Einfluss auf die Finanzmärkte.
Welche Rolle spielen die Agenturen bei der Misere Griechenlands?
Die großen Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit Griechenlands in den vergangenen Wochen immer weiter herabgestuft. Standard & Poor's bewertet die Staatsanleihen seit Dienstag nur noch als "Ramsch" (junk) und stufte zugleich auch Portugal herab. Damit ist es der Regierung in Athen nahezu unmöglich, sich an den Märkten noch Geld zu leihen. Zuletzt stiegen die Zinsen, die Griechenland seinen Schuldnern zahlen muss, auf den Rekordwert von elf Prozent.
Was sagen die Kritiker?
Kritiker fürchten einen Teufelskreis, der Griechenland in die Pleite treiben könnte. Auch gegen Euroländer wie Portugal und Irland wird wegen schlechter Noten spekuliert. Die Ratingagenturen werden auch für die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mitverantwortlich gemacht, welche die weltweite Finanzkrise auslöste. Den Agenturen wurde vorgeworfen, mit zu guten Ratings über die Schieflage der Bank hinweggetäuscht zu haben.
Wie kann man die Macht der Ratingagenturen beschneiden?
Bis Jahresende tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, welche die Agenturen erstmals den europäischen Finanz-Aufsichtsbehörden unterstellt. Bußgelder drohen solchen Instituten, welche etwa gegen die strengeren Informationspflichten verstoßen. Eine europäische Ratingagentur, die immer wieder gefordert wird, scheitert bisher am mangelnden politischen Willen.
- Datum 28.04.2010 - 15:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







"""Kritiker fürchten einen Teufelskreis, der Griechenland in die Pleite treiben könnte."""
Ratingagenturen bewerten das Vertrauen, das man einem Kreditnehmer hinsichtlich seiner Solvenz schenken darf, d.h. wie wird er hinsichtlich seiner Fähigkeit eingeschätzt seine Schuld mit Zinsen und Tilgung zu bedienen.
Kredite ermöglichen es im privaten Bereich Investitionen durchzuführen und mit den Erlösen die Zinsen und Tilgung zu bedienen. Im Hintergrund steht ein Projekt, das etwas abwirft, um seine Finanzierungskosten "einzuspielen".
Bei Staaten meinen Finanzjongleure offensichtlich diese Zusammenhänge ausblenden zu können. Wenn der, durch Staatsanleihen erweiterte Spielraum für Ausgaben zu keiner nachhaltigen Erhöhung der Staatseinnahmen führt, wurde die "Investition" in den Sand gesetzt oder das Geld schlicht konsumiert ohne Aussicht auf Steuereinnahmen.
Kredite, die Kredite ablösen mögen zwar weit verbreitet sein, die Zeit-Horizonte für Projekte sind dabei aber verloren gegangen, außer eine nachhaltige Erhöhung der Produktivität im Export gibt Anlass zu glauben, Einnahmen zu generieren.
Wenn die Ratingagenturen feststellen, dass die wirtschaftlichen Kennzahlen keine erkennbaren Ertrags-, sprich Steuereinnahmenergebnisse zeitigen werden, muss der betreffende Staat folgerichtig mit seiner verminderten Solvenz dargestellt werden. Dies kann doch nicht deshalb unterbleiben, weil dadurch der Missstand tranparent wird und die fehlende Solvenz allegemein erkennbar publik wird.
Wie kann es sein, daß einige Mitglieder des Wirtschaftsraumes Euroland stabil bei 3% (Deutschland) stehen, während andere infolge von Ratings bei ca 6% stehen? Das ist etwas so, als wäre der Pegel in der linken Hälfte eines Wasserglases doppelt so hoch wie auf der rechten Hälfte. Es ist doch klar, daß in EINEM Wirtschaftsraum natonale Grenzen keine Rolle spielen. Das müssten auch Ratingagenturen wissen. Oder wissen die amerikanischen Ratingagenturen möglicherweise nicht, wie die EU tickt, oder gar, daß es EIN Wirtschaftsraum ist?
http://www.youtube.com/wa... läßt derartiges befürchten.
"Nice to be in Germany again" (Michael Jackson bei der Ankunft am Flughafen Zürich)
Ich habe zu Börsenzeiten des "Neuen Marktes" meine Erfahrungen mit Ratingagenturen gemacht.
Wenn ich mich richtig entsinne, hat mich das richtig Geld gekostet.
Heute frage ich mich, wer ist Auftraggeber und Sponsor dieser Klientel?
Ratingagenturen sind Privatfirmen, die auf dem Tatort "Finanzmarkt" agieren. Durch eine von der ökonomischen Realität losgelösten Realitätskultur ist eine Casinowirtschaft entstanden, die nicht nur Geldwäschern, Spekulanten, Hedgefonds u. a. eine Spielwiese bietet. Auf dieser tummeln sich auch die Ratingagenturen, in denen "Jungmanager" Risikopotentiale schaffen, die die Stabilität von Währungen gefährden und die Verarmung ganzer Nationen zur Folge haben.
Wenn sich die G 20 weiter so von einer bestimmten Finanzclique am Nasenring vorführen lassen, braucht man kein Experte zu sein, dass im Zuge der befürchteten Kettenraktion auch unsere Spargroschen demnächst auf anderen Konten verbucht sind. Aber dann steht auch den Politikern mehr als Wasser bis zum Halse.
Ein Blick auf unsere Wirtschafts- und Finanzrealität zeigt doch, dass neben dem (noch) ehrbaren Kaufmann und dem (schon) salofähigen Mafiosi -nicht nur in Italien- unkontrollierbare Wechselwirkungen entstanden sind. Steuerhinterziehung, Fehlallokation von kapital zum Zwecke der Steuervermeidung, steuerlicher Gestaltungsmißbrauch durch legale Unternehmen zum Nachteil der Allgemeinheit, Ausnutzung von Insiderwissen, die für Finanzmärkte zum Standard gewordene Abkopplung von realer und rationaler Wirtschaftsentwicklung führen strukturell und funktionell zu Überschneidungen mit kriminellen Strukturen. Die Re-Regulierung der internationalen Finanzmärkte ist nicht nur komplex, sondern auch vertrackt, der Betrüger ist unsere eigene Frage in Gestalt. Insbesondere die Finanzmarktentwicklungen haben die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Leistung, Erfolg und Einkommen aufgelöst und neue Strukturen geschaffen. Die Entwertung der realwirtschaftlichen Wertschöpfung ist mehr als skandalös, denn die Bereicherung avanciert zum Daseinszweck und bei manchen Akteuren scheint es der Lebenssinn geworden zu sein. Damit wird List, Betrug und Spekulation und Ausbeutung zur Chiffre unserer Zeit. Ihre Erfolge führen früher oder später zur Abdankung demokratischer Politik. Dass die Entwürdigung der Arbeit unzähliger Menschen die politisch Verantwortlichen zum Handeln gegen die Profiteure und Strippenzieher zwingt steht fest, doch wo bleibt die Beschränkung der kriminellen Energie?
Auszug aus Erich Kästners "Wie lese ich den Handelsteil":
Kredit ist Geld, das keiner besitzt,
und trotzdem kann man damit verdienen.
Mitr hat Geldmangel nie genützt,
(Auf eine Sekunde: wie ist das bei Ihnen?)
....
So vieles klingt so ungewöhnlich:
Der Geldmarkt schwimmt im Überfluß!
Grad jetzt? Wo ich persönlich
Geld wie noch nie entbehren muß?
Ratingagenturen sind Privatfirmen, die auf dem Tatort "Finanzmarkt" agieren. Durch eine von der ökonomischen Realität losgelösten Realitätskultur ist eine Casinowirtschaft entstanden, die nicht nur Geldwäschern, Spekulanten, Hedgefonds u. a. eine Spielwiese bietet. Auf dieser tummeln sich auch die Ratingagenturen, in denen "Jungmanager" Risikopotentiale schaffen, die die Stabilität von Währungen gefährden und die Verarmung ganzer Nationen zur Folge haben.
Wenn sich die G 20 weiter so von einer bestimmten Finanzclique am Nasenring vorführen lassen, braucht man kein Experte zu sein, dass im Zuge der befürchteten Kettenraktion auch unsere Spargroschen demnächst auf anderen Konten verbucht sind. Aber dann steht auch den Politikern mehr als Wasser bis zum Halse.
Ein Blick auf unsere Wirtschafts- und Finanzrealität zeigt doch, dass neben dem (noch) ehrbaren Kaufmann und dem (schon) salofähigen Mafiosi -nicht nur in Italien- unkontrollierbare Wechselwirkungen entstanden sind. Steuerhinterziehung, Fehlallokation von kapital zum Zwecke der Steuervermeidung, steuerlicher Gestaltungsmißbrauch durch legale Unternehmen zum Nachteil der Allgemeinheit, Ausnutzung von Insiderwissen, die für Finanzmärkte zum Standard gewordene Abkopplung von realer und rationaler Wirtschaftsentwicklung führen strukturell und funktionell zu Überschneidungen mit kriminellen Strukturen. Die Re-Regulierung der internationalen Finanzmärkte ist nicht nur komplex, sondern auch vertrackt, der Betrüger ist unsere eigene Frage in Gestalt. Insbesondere die Finanzmarktentwicklungen haben die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Leistung, Erfolg und Einkommen aufgelöst und neue Strukturen geschaffen. Die Entwertung der realwirtschaftlichen Wertschöpfung ist mehr als skandalös, denn die Bereicherung avanciert zum Daseinszweck und bei manchen Akteuren scheint es der Lebenssinn geworden zu sein. Damit wird List, Betrug und Spekulation und Ausbeutung zur Chiffre unserer Zeit. Ihre Erfolge führen früher oder später zur Abdankung demokratischer Politik. Dass die Entwürdigung der Arbeit unzähliger Menschen die politisch Verantwortlichen zum Handeln gegen die Profiteure und Strippenzieher zwingt steht fest, doch wo bleibt die Beschränkung der kriminellen Energie?
Auszug aus Erich Kästners "Wie lese ich den Handelsteil":
Kredit ist Geld, das keiner besitzt,
und trotzdem kann man damit verdienen.
Mitr hat Geldmangel nie genützt,
(Auf eine Sekunde: wie ist das bei Ihnen?)
....
So vieles klingt so ungewöhnlich:
Der Geldmarkt schwimmt im Überfluß!
Grad jetzt? Wo ich persönlich
Geld wie noch nie entbehren muß?
Ratingagenturen sind Privatfirmen, die auf dem Tatort "Finanzmarkt" agieren. Durch eine von der ökonomischen Realität losgelösten Realitätskultur ist eine Casinowirtschaft entstanden, die nicht nur Geldwäschern, Spekulanten, Hedgefonds u. a. eine Spielwiese bietet. Auf dieser tummeln sich auch die Ratingagenturen, in denen "Jungmanager" Risikopotentiale schaffen, die die Stabilität von Währungen gefährden und die Verarmung ganzer Nationen zur Folge haben.
Wenn sich die G 20 weiter so von einer bestimmten Finanzclique am Nasenring vorführen lassen, braucht man kein Experte zu sein, dass im Zuge der befürchteten Kettenraktion auch unsere Spargroschen demnächst auf anderen Konten verbucht sind. Aber dann steht auch den Politikern mehr als Wasser bis zum Halse.
Ein Blick auf unsere Wirtschafts- und Finanzrealität zeigt doch, dass neben dem (noch) ehrbaren Kaufmann und dem (schon) salofähigen Mafiosi -nicht nur in Italien- unkontrollierbare Wechselwirkungen entstanden sind. Steuerhinterziehung, Fehlallokation von kapital zum Zwecke der Steuervermeidung, steuerlicher Gestaltungsmißbrauch durch legale Unternehmen zum Nachteil der Allgemeinheit, Ausnutzung von Insiderwissen, die für Finanzmärkte zum Standard gewordene Abkopplung von realer und rationaler Wirtschaftsentwicklung führen strukturell und funktionell zu Überschneidungen mit kriminellen Strukturen. Die Re-Regulierung der internationalen Finanzmärkte ist nicht nur komplex, sondern auch vertrackt, der Betrüger ist unsere eigene Frage in Gestalt. Insbesondere die Finanzmarktentwicklungen haben die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Leistung, Erfolg und Einkommen aufgelöst und neue Strukturen geschaffen. Die Entwertung der realwirtschaftlichen Wertschöpfung ist mehr als skandalös, denn die Bereicherung avanciert zum Daseinszweck und bei manchen Akteuren scheint es der Lebenssinn geworden zu sein. Damit wird List, Betrug und Spekulation und Ausbeutung zur Chiffre unserer Zeit. Ihre Erfolge führen früher oder später zur Abdankung demokratischer Politik. Dass die Entwürdigung der Arbeit unzähliger Menschen die politisch Verantwortlichen zum Handeln gegen die Profiteure und Strippenzieher zwingt steht fest, doch wo bleibt die Beschränkung der kriminellen Energie?
Auszug aus Erich Kästners "Wie lese ich den Handelsteil":
Kredit ist Geld, das keiner besitzt,
und trotzdem kann man damit verdienen.
Mitr hat Geldmangel nie genützt,
(Auf eine Sekunde: wie ist das bei Ihnen?)
....
So vieles klingt so ungewöhnlich:
Der Geldmarkt schwimmt im Überfluß!
Grad jetzt? Wo ich persönlich
Geld wie noch nie entbehren muß?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren