Die griechische Regierung hat erneut Spekulationen über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des hoch verschuldeten Landes zurückgewiesen und will trotz hoher Zinsen und Risikoaufschlägen am 13. April neue Anleihen mit 26 und 52 Wochen Laufzeit platzieren. Am 20. April werde ein neuer Anlauf mit dreimonatigen Anleihen folgen, berichtete die griechische Presse unter Berufung auf die zuständige Behörde ODDIH in Athen. Wie hoch die Anleihebeträge sein werden, wurde zunächst nicht bekannt. Nach inoffiziellen Informationen braucht Athen bis Ende April rund zwölf Milliarden Euro, um seine Kredite zu refinanzieren.

Am Donnerstag hatte die Forderung der Rating-Agentur Fitch an Griechenland, in der Schuldenkrise sofort die europäischen Partner und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe zu bitten, an den Finanzmärkten für erheblichen Wirbel gesorgt. Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen stieg in Folge auf ein neues Rekordhoch. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, versuchte die Märkte zu beruhigen, indem er Spekulationen um einen Bankrott Griechenlands zurückwies. Fitch hat mittlerweile die Bonität des Landes um zwei Stufen herabgestuft. Die Kreditwürdigkeit des Landes wird nun mit der Note "BBB-" bewertet. Bislang hatte Griechenland die Note "BBB+". Zudem sei der Ausblick negativ, erklärte Fitch. Die Spreads auf griechische Staatsanleihen stiegen nach der Herabstufung auf über 400 Basispunkte von 398.

Im staatlichen griechischen Fernsehen bekräftigte Wirtschaftsministerin Louka Katseli, es gebe "keinerlei Aussicht, absolut keinerlei Aussicht darauf, dass Griechenland seine Schulden nicht wird bezahlen können". Die Regierung will auch weiterhin nicht auf den Nothilfeplan der EU zurückgreifen. "Wir haben gesagt, dass Griechenland keine Absicht hat, diesen Mechanismus zu nutzen", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou nach einem Treffen mit Ministerpräsident Giorgios Papandreou.

Die Märkte zweifeln indes weiter an den Äußerungen von Katseli und Papakonstantinou und werden darin unterstützt durch eine aktuelle Studie der Schweizer Großbank UBS. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, schreibt darin Analyst Stephane Deo, angesichts der "unhaltbaren Situation" sei eine externe Intervention – also eine finanzielle Hilfe – unvermeidlich, sie könnte schon "sehr bald" geschehen. Deo hält einen Rückgriff der Griechen auf die in Aussicht gestellte Nothilfe seitens EU und IWF schon "am Wochenende" für ohne weiteres möglich.

Die Euro-Staaten haben sich unterdessen nach Informationen aus EU-Kreisen auf eine Zinshöhe für mögliche Hilfskredite an Griechenland geeinigt. Der Zins sei in etwa so hoch wie bei Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte ein mit den Beratungen Vertrauter nach einem Treffen von Experten der Euro-Staaten. Das wäre das eine Rate von rund fünf Prozent, was zumindest gegenüber dem aktuellen Marktzins von über sieben Prozent eine Erleichterung wäre.

Finanzminister Papakonstantinou übte derweil Kritik an den Märkten: Die Risikoaufschläge spiegelten nicht die wirkliche Lage der griechischen Wirtschaft und die Anstrengungen der Regierung wider. Am Donnerstag hatte er im Athener Parlament betont, dass die Regierung beim Abbau der hohen Staatsverschuldung auf Kurs sei. Im ersten Quartal sei das Defizit der Zentralregierung um 40 Prozent zum Vorjahr auf 4,3 Milliarden Euro gesunken. Dieser Rückgang sei zustande gekommen, ohne dass die zuletzt beschlossenen zusätzlichen Sparmaßnahmen bereits voll in Kraft gewesen seien. Griechenland will sein Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verringern. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei fast 13 Prozent.

Die Sparmaßnahmen bekommt die griechische Industrie aber schmerzlich zu spüren: Angesichts einer deutlich sinkenden Binnennachfrage brach die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im Februar zum Vorjahresmonat um 9,2 Prozent ein, wie das Statistikamt in Athen bekannt gab. Noch im Januar lag das Minus lediglich bei 2,5 Prozent. Allein die Industriefirmen stellten 7,6 Prozent weniger her als im Februar 2009, noch im Januar lag der Rückgang nur bei 0,6 Prozent. Die Unternehmen machen unter anderem die höhere Mehrwertsteuer für die Geschäftseinbußen verantwortlich.

Die Pläne der Regierung, in der zweiten Aprilhälfte in den USA eine Dollar-Anleihe aufzulegen und sich dabei als Schwellenland zu präsentieren, stoßen bei auf Emerging Markets spezialisierten Fonds indes offenbar auf Zurückhaltung. Die Anleger seien zwar grundsätzlich immer an Risiko und hohen Zinsen interessiert, sagte der Hedge-Fonds-Manager Eric Fine zu Reuters. Sie seien aber auch gewohnt, genau hinzusehen und zu erkennen, wo die nächste Krise im Anmarsch sei. "Es sieht schlichtweg nicht wie eine nachhaltige Situation für uns aus", sagte der Manager der Investmentgesellschaft Van Eck Global. Auch Fine forderte Athen implizit auf, formal die EU und den IWF um Hilfe zu bitten. Erst dann könne sich der Markt entspannen.