Ärzte im Arbeitskampf Streiken auf Kosten der Anderen
Die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern rüsten sich für einen Streik. Der Tarifabschluss könnte Millionen kosten. Die Leidtragenden sind die übrigen Beschäftigten.
Viertel nach vier vor dem Operationssaal sechs im Klinikum Leverkusen. Anja Mitrenga ist unzufrieden. Die Oberärztin steht in ihrer grünen Arbeitskluft vor einer Scheibe und schaut hindurch. Dahinter liegt eine ältere Frau auf einem Bett. An ihrem Bein klafft eine große Wunde, darüber beugen sich zwei Chirurgen. Eigentlich sollten die beiden Mediziner längst zu Hause sein, aber dann war der Raum zunächst belegt und die Operation doch nicht so einfach, wie zuvor geplant.
Wieder einmal Überstunden und das ärgert Mitrenga, die auch Funktionärin beim Marburger Bund ist. "Wir werden systematisch zu Mehrarbeit gezwungen und in den Bereitschaftsdiensten, in der Nacht, zu schlecht bezahlt", sagt sie. "Das muss sich endlich ändern."
Deutschlands Ärzte fühlen sich schlecht behandelt. Der Marburger Bund will deshalb streiken. Derzeit läuft die Urabstimmung. Ab Mitte Mai könnte die Arbeit an kommunalen Krankenhäusern nieder gelegt werden. Es ist das dritte Mal, dass die Mediziner einen eigenen Tarifvertrag verhandeln, unabhängig vom übrigen Personal, so wie es auch die Piloten oder Lokführer in anderen Branchen tun. Geschickt nutzen sie ihre unverzichtbare Stellung, um die eigenen Arbeitsbedingungen und das Gehalt zu verbessern.
Die Kliniken holen sich das Geld bei den übrigen Beschäftigten zurück. Auch in Leverkusen. "Man kann schon sagen, dass der Ärztestreik auf Kosten der anderen geht", sagt Wolfgang Stückle, der den Betriebsrat leitet. Etwas anderes bleibt den Kliniken nicht übrig. Die finanzielle Situation an kommunalen Krankenhäusern ist dramatisch. Während kirchliche oder private Gesellschaften durch ihre Eigentümer leichter an Kapital kommen, haben viele Städte angesichts knapper Kassen den Geldhahn zugedreht. Jede sechste Einrichtung ist deshalb von der Insolvenz bedroht, so eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).
Das liegt auch am System. Denn anders als bei der Lufthansa oder der Bahn können hier höhere Materialkosten oder Gehälter nicht an die Kunden weitergegeben werden. Was Krankenkassen für eine Behandlung überweisen müssen, ist gesetzlich festgelegt. Um wieder wirtschaftlich zu werden, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Mehr Patienten behandeln, also Mehrarbeit für alle, oder sparen. Viele Häuser tun letzteres vor allem beim nichtmedizinischen Personal. Reinigung, Wäscherei, Küche, Verwaltung und Buchhaltung werden aufgelöst und dann von günstigeren Dienstleistern eingekauft, die ihre Mitarbeiter schlechter bezahlen, als das Krankenhaus wegen des Tarifvertrags im öffentlichen Dienst müsste. Manchmal gründen die Krankenhäuser auch eigene Zweckgesellschaften, um sich aus den Verpflichtungen zu lösen. "Das ist überall in Deutschland das gleiche Spiel", sagt Stückle. Wie es funktioniert, haben er und seine Kollegen am eigenen Leib erlebt.
- Datum 16.04.2010 - 15:05 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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denn wenn die Putzfrau den OP nicht sauber macht, dann der Arzt zu Hause bleiben.
Und wenn die OP-Schwester streikt, braucht der Anästhesist gar nicht erst zu beginnen.
Und wenn die Verwaltung keine Rechnungen schreibt, dann hat der Oberarzt auch kein Geld für seinen Porsche, um an die Arbeit zu kommen.
Diese Argumentation mit der "wir sind an der Spitze der Kette" kotzt mich so an.
...tauschen Sie doch mit denen, die "an der Spitze der kette" stehen...dann würden Sie sehen, dass bei dem Gehalt, was einige Ärzte bekommen und in dem Verhältniss wieviel und wann sie arbeiten müssen - und vor allem mit der Verantwortung, kein Handwerker morgens aus dem Bett steigen würde...
Ich möchte zumindest von keinem Arzt operiert werden, der schon eine 12 Stunden-Schicht hinter sich hat...
...tauschen Sie doch mit denen, die "an der Spitze der kette" stehen...dann würden Sie sehen, dass bei dem Gehalt, was einige Ärzte bekommen und in dem Verhältniss wieviel und wann sie arbeiten müssen - und vor allem mit der Verantwortung, kein Handwerker morgens aus dem Bett steigen würde...
Ich möchte zumindest von keinem Arzt operiert werden, der schon eine 12 Stunden-Schicht hinter sich hat...
Mir wäre eine differnziertere Betrachtung lieber gewesen. Es gibt an einer Klinik bestimmt Ärzte die überbezahlt und solche die ausgenutzt werden. Löblich wäre wenn die Kollegen untereinander für eine gerechtere Verteilung sorgen würden. Aber so siehts aus als ob der Chefarzt jetzt statt 100000 120000 verdient und die Putzfrau statt 12000 nur noch 10000. Aber das kann man verstehen schlie0lich ist die eine ja zu doof was ordentliches zu lernen und kann beliebig ausgetauscht werden und der andere ist ein Gott in weiß. Schöne Welt!
...tauschen Sie doch mit denen, die "an der Spitze der kette" stehen...dann würden Sie sehen, dass bei dem Gehalt, was einige Ärzte bekommen und in dem Verhältniss wieviel und wann sie arbeiten müssen - und vor allem mit der Verantwortung, kein Handwerker morgens aus dem Bett steigen würde...
Ich möchte zumindest von keinem Arzt operiert werden, der schon eine 12 Stunden-Schicht hinter sich hat...
der bereits eine solche Schicht hinter sich hat. Der Arzt ist da nicht der Einzigste. Und ausserdem möchte ich niemanden am Tisch stehen haben, der sich nebenbei noch Gedanken darüber machen muss, wie er mit seinem Restgeld für diesen Monat über die Runden kommt, weil es hinten und vorne nicht reicht.
Und schon gar nicht möchte ich jemanden am Tisch stehen haben, der nicht die gleiche Sprache wie der Operateur spricht, weil er günstiger ist.
der bereits eine solche Schicht hinter sich hat. Der Arzt ist da nicht der Einzigste. Und ausserdem möchte ich niemanden am Tisch stehen haben, der sich nebenbei noch Gedanken darüber machen muss, wie er mit seinem Restgeld für diesen Monat über die Runden kommt, weil es hinten und vorne nicht reicht.
Und schon gar nicht möchte ich jemanden am Tisch stehen haben, der nicht die gleiche Sprache wie der Operateur spricht, weil er günstiger ist.
Ich finde den Artikel bisschen einseitig. Mal ehrlich: Warum sollte sich ein Arzt von einer Gewerkschaft vertreten lassen, die niedrigere Löhne als Ausgleich für Beschäftigungsgarantien aushandelt? Ärzte bekommen ja sowieso nur befristete Verträge, die haben von den Zusagen überhaupt nichts außer weniger Lohn. Da haben die großen Gewerkschaften einfach zu lange kleine Gruppen wie Ärzte (oder Lokomotivführer) zu Gunsten der Mehrheit vernachlässigt, bis die sich eben eine eigene Gewerkschaft gründen.
Unabhängig von der finanziellen Gefühlslage der Ärzte; ob sie zu viel fordern, oder zu wenig verdienen et.pp. Wer sich jetzt beklagt über das unfaire Verhalten der Ärzte und ihrer Standesvetreter, der übersieht, dass es die "gelben Marktschreier" waren, die alles Mögliche privatisieren wollten. Sie sind dabei geblieben und haben den Erfolg, den sie sie wünschen. Aber sie haben auch die Konsequenzen zu tragen. Jeder (!) abhängig Beschäftige hat das Recht für seine Interessen zu kämpfen, und zwar per Streik, und zwar hart. Jedes Gejammer ist an die Vetreter der "gelben Gefahr" zu richten. Die habens so gewollt.
der bereits eine solche Schicht hinter sich hat. Der Arzt ist da nicht der Einzigste. Und ausserdem möchte ich niemanden am Tisch stehen haben, der sich nebenbei noch Gedanken darüber machen muss, wie er mit seinem Restgeld für diesen Monat über die Runden kommt, weil es hinten und vorne nicht reicht.
Und schon gar nicht möchte ich jemanden am Tisch stehen haben, der nicht die gleiche Sprache wie der Operateur spricht, weil er günstiger ist.
Gefährlich ist (und das entnehme ich auch den Kommentaren hier), dass oftmals das Problem bei der Geldverteilung gesucht wird, nicht aber bei der verfügbaren Geldmenge. Wer vom Arzt verlangt, zu verzichten, damit die Reinigungskraft mehr bekommen kann, der übersieht, dass der ursprüngliche Fehler in der Gesundheitspolitik liegt - die staffiert den Gesundheitssektor offenbar zu schlecht aus, wenn Ärzte überall auf der Welt erheblich mehr verdienen können.
Abgesehen davon finde ich die Argumentation, auf eine Schwester könne ja auch nicht verzichtet werden fragwürdig. Nicht, weil das nicht stimmt (das tut es!), sondern weil Verzichtbarkeit kein wichtiger gehaltbestimmender Faktor in einer Marktwirtschaft ist. Das ist Angebot und Nachfrage, damit hängt insbesondere die Exklusivität der Ausbildung und dessen Schwierigkeitsgrad ab: im Ergebnis also wieviele Qualifizierte es gibt. Hier ist der Arzt in einer völlig anderen Position als die Schwester. Zudem vergleicht er sich nicht mit sonstigem Personal, sondern mit Kollegen aus dem Ausland und von der Warte aus gibt es wohl eher Anlass zu Forderungen als zu Verzicht.
Ich glaube allerdings, dass Geld nur ein Faktor ist, der der Ärzteschaft nicht passt. Das Problem für viele (junge) Ärzte ist wohl eher eines der Wertschätzung ihrer Arbeit. Die kommt zu scheinbar zu kurz - das kann man über das Gehalt kompensieren oder anders. Und hier schließt sich der Kreis, denn: Am Hebel, der hier Änderungen bewirkt sitzt die Politik.
der als Arzt für Wochenenddienste in der Notaufnahme 3 Wochenenden im Monat nach England fliegt...selbst mit den Flügen hat er am Ende des Monats immer noch mehr unterm Strich als wenn er hier normal als Arzt in einem Krankenhaus arbeiten würde...und das bei weit weniger Arbeitsstunden...also sollte keiner sagen dass unsere Ärzte schon genug bekommen. Das trifft auf die wenigsten zu...
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