Ölreserven der USAVier Milliarden Fässer im Untergrund

Unter Nord-Dakota und Montana befindet sich 25-mal mehr förderbares Öl als noch vor 15 Jahren geschätzt. Doch die Förderung ist teuer. von 

Wenn der Ölpreis weiter steigt, wird die Entdeckung zwar nicht die Opec knacken, aber die Ölreserven der USA und Kanadas um einiges ansteigen lassen. Das U.S. Department of the Interior, was kein Innen-, sondern im weitesten Sinne ein Umweltministerium ist, hat einen beeindruckenden Erdöl-Fund bekannt gegeben , oder genauer: einen alten dramatisch neu bewertet.

Es geht um die Bakken Formation , die sich unterhalb der Bundesstaaten Nord Dakota und Montana sowie der kanadischen Provinz Saskatchewan befindet. Im Jahr 1995 hatte man noch geschätzt, dass sich mit den damaligen Möglichkeiten 151 Millionen Barrel Öl aus der Formation holen lassen – jetzt rechnet man mit drei bis vier Milliarden Barrel.

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Die Bakken Formation ist nunmehr das größte Feld in den kontinentalen Vereinigten Staaten (also minus Alaska und Hawaii ). Öl wird dort schon seit Langem gefördert: bis Ende 2007 waren es 105 Millionen Barrel. Die Sensation ist allein die Neubemessung; ein Himmelsgeschenk ist Bakken nicht.

Denn wir reden nicht von flüssigem Öl, wie es in Kuwait oder Saudi-Arabien unter der Erde liegt, sondern von "Ölschiefer", aus dem das Öl zu hohen Energie- und Umweltkosten "herausdestilliert" werden muss.

Deshalb jubeln die Dakotaner noch verhalten. Nord-Dakotas Senator Byron Dorgan lässt wissen: "Die Frage ist, wie viel davon mit den heute verfügbaren Mitteln gefördert werden kann. Deshalb habe ich den U.S. Geological Survey (die Geologie-Forschungsstelle des Bundes) gebeten, einen aktuellen Befund zu erstellen."

Die Förderung von Ölschiefer-Öl kostet heute über hundert Dollar das Fass, etwa 30 bis 40 Dollar über dem Marktpreis. Allerdings ließen sich zumindest die Umweltkosten im Bakken-Feld durch Erhitzen unter der Erde verringern. Und Öl lag vor zwei Jahren schon mal bei 140 Dollar pro Fass. Andererseits: Die Formation ist bis zu zwei Meilen (über drei Kilometer) tief. Will sagen: Öl-Reserven sind immer nur so groß wie die Förderkosten niedrig sind.

Die Saudis müssen sich noch nicht sorgen: Ihre Reserven liegen bei etwa 260 Milliarden Barrel.

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Leserkommentare
  1. Im Gegensatz zu anderen Politikern löst Obama eines seiner Wahlversprechen nach dem anderen ein. In puncto Öl versprach er, die USA von Importen aus dem Mittleren Osten zu befreien. Dank der Krise ist es ihm tatsächlich bereits gelungen, die Importe aus Saudiarabien zeitweilig um 40% zu reduzieren. Auch die Ankündigung erstmaliger Bohrungen vor der Ostküste gehört zu diesem Programm.

    • iboo
    • 10. April 2010 11:47 Uhr

    Diese Meldung von "überraschend" großen Ölreserven kann man wie so oft als politischen Spin verbuchen. Denn die Kerogenvorkommen der Bakken Shales sind schon lange bekannt und untersucht. Bekannt ist daher auch, dass sie nur bei einem wesentlich höheren Ölpreisniveau ausbeuten lassen - und auch das nur, wenn die damit verbundenen erheblichen Umweltprobleme gelöst oder in Kauf genommen werden.
    Insgesamt erscheint die Gewinnung von Öl aus "Ölschiefer" noch wesentlich absurder als die Ausbeutung der kanadischen Ölsande - bei denen immerhin ein Gebiet von der Größe Ostdeutschlands durchwühlt wird.
    Von Energie-Gewinnung kann man bei den bituminous shales sowies nicht mehr sprechen: Für den aufwändigen Bergbauprozess wird insgesamt in etwa genauso viel Energie verbraucht wie am Ende aus dem Öl gewonnen wird. Unseren ölabhängigen Fuhrpark können wir mit den teuren Tropfen damit zwar noch bewegen - aber nicht mehr weit.

    Und was die Saudi-Reserven betrifft habe ich hier das Wörtchen "angeblich" vermisst. Denn die OPEC-Angaben werden von praktisch allen Experten angezweifelt. Wie groß die aber wirklich sind wissen nur die Ölscheichs selbst.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Baken befindet sich tatsächlich echtes Öl. Hier wird mit Fracking tatsächlich gebundenes Öl freigesetzt.

    die Reserven sind also tatsächlich angestiegen. Allerdings sind 4 Milliarden Barrel Öl immer mit dem Welt jahresverbrauch zu vergleichen. Und da reicht es dann gerade mal für 1,5 Monate.. (Weltjahresverbrauch 32 Milliarden Barrel). Viel wichtiger als die Menge ist jedoch die Flowrate. Also die Extraktionsgeschwindigkeit. Und da ist klar abzulesen, dass der Förderrückgang der Konventionellen ÖLfelder von über 5% Jährlich mit den Unkonventionellen Ölen nicht aufgefangen werden kann. Sowie Saudiarabien mit den in der Tat sehr Fragwürdigen " politischen" Reserven über den Peak ist, haben wir auch den globalen Peak Oil.

    Was Sie meinten, Kerogen findet man in der Legendären green river Formation. Die Amis glauben es sei Öl.. echtes Öl.. Aber wie sie beschrieben haben ist es dort tatsächlich Kerogen.

    Es werden derzeit Insitu Verfahren angedacht, die das Kerogen unter gigantischem Energieaufwand noch im Boden zu Öl zuende kochen. So verzeifelt sind wir bereits..

    Hier ein interessanter Link für Sie und andere Interessierte dazu...

    http://www.peak-oil.com/2012/05/unkonventionelles-oel-oelschiefer/

    (zur green river formation)

    und:

    http://www.peak-oil.com/2012/04/unkonventionelles-oel-tight-oil/

    (direkt zum Bakken und zum Eagle ford shale..)

    sehr sehr aufschlußreich...

  2. Im Baken befindet sich tatsächlich echtes Öl. Hier wird mit Fracking tatsächlich gebundenes Öl freigesetzt.

    die Reserven sind also tatsächlich angestiegen. Allerdings sind 4 Milliarden Barrel Öl immer mit dem Welt jahresverbrauch zu vergleichen. Und da reicht es dann gerade mal für 1,5 Monate.. (Weltjahresverbrauch 32 Milliarden Barrel). Viel wichtiger als die Menge ist jedoch die Flowrate. Also die Extraktionsgeschwindigkeit. Und da ist klar abzulesen, dass der Förderrückgang der Konventionellen ÖLfelder von über 5% Jährlich mit den Unkonventionellen Ölen nicht aufgefangen werden kann. Sowie Saudiarabien mit den in der Tat sehr Fragwürdigen " politischen" Reserven über den Peak ist, haben wir auch den globalen Peak Oil.

    Was Sie meinten, Kerogen findet man in der Legendären green river Formation. Die Amis glauben es sei Öl.. echtes Öl.. Aber wie sie beschrieben haben ist es dort tatsächlich Kerogen.

    Es werden derzeit Insitu Verfahren angedacht, die das Kerogen unter gigantischem Energieaufwand noch im Boden zu Öl zuende kochen. So verzeifelt sind wir bereits..

    Hier ein interessanter Link für Sie und andere Interessierte dazu...

    http://www.peak-oil.com/2012/05/unkonventionelles-oel-oelschiefer/

    (zur green river formation)

    und:

    http://www.peak-oil.com/2012/04/unkonventionelles-oel-tight-oil/

    (direkt zum Bakken und zum Eagle ford shale..)

    sehr sehr aufschlußreich...

    Antwort auf "Politische Reserven"
  3. Im Mai und Juni wurden zwei der großen Pipelines, die einst importiertes Öl in den Raum Chicago lieferten, umgekehrt und liefern jetzt täglich 400.000 Barrel Öl aus dem Mittelwesten nach Montreal bzw. Texas. Auch eine Gaspipeline musste auf Öl umgestellt werden, um die laufend steigende Ölproduktion aufzunehmen. Zwei weitere Pipelines sind bereits im Bau.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Opec | Dollar | Provinz | Umweltministerium | Ölpreis
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