Ostsee-Pipeline Startschuss für mehr Energiesicherheit

Die ersten Röhren sind verlegt, doch offiziell hat der Bau der Pipeline Nord Stream erst jetzt begonnen. Das umstrittene Projekt soll die Gasversorgung der EU stabilisieren.

Arbeiter an der Gaspipeline nahe Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern

Arbeiter an der Gaspipeline nahe Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern

An der russischen Ostseeküste hat mit einer feierlichen Zeremonie der Bau der Gaspipeline Nord Stream offiziell begonnen. An dem Festakt am Freitag in der Portowaja-Bucht nahe der finnischen Grenze nahmen auch Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew sowie Altbundeskanzler Gerhard Schröder teil. Die etwa 1220 Kilometer lange Röhrenleitung soll von der russischen Küstenstadt Wyborg im Nordwesten von St. Petersburg bis nach Lubmin bei Greifswald führen.

Deutschland und die gesamte Europäische Union erhoffen sich von dem etwa 7,4 Milliarden Euro teuren Projekt mehr Energiesicherheit. Bislang bezieht Europa das russische Erdgas im Wesentlichen über das Transitland Ukraine. Streitigkeiten zwischen Kiew und Moskau hatten in der Vergangenheit jedoch mehrmals zu Lieferengpässen geführt.

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Die Ostseepipeline

Durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream von der russischen Stadt Wyborg bis nach Greifswald soll ab Ende 2011 Gas aus Russland nach Mitteleuropa fließen. Mit rund 1220 Kilometern Länge wird sie eine der längsten Unterwasser-Leitungen der Welt werden. Die Westeuropäer erhoffen sich, so unabhängiger von einzelnen Lieferwegen zu sein und damit mehr Energiesicherheit zu haben. Bislang pumpt Russland rund 80 Prozent seines Gases für Westeuropa durch die Ukraine, was in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen führte. Mit der Folge, dass bei den Empfängern mitten im Winter zeitweise nichts mehr ankam.

Fakten

Die Kosten für Nord Stream werden auf 7,4 Milliarden Euro geschätzt. Für Planung, Bau und Betrieb ist die Ende 2005 gegründete Nord Stream AG mit Sitz im schweizerischen Zug zuständig. An dem Konsortium, dessen Aktionärsausschuss von Altkanzler Gerhard Schröder geleitet wird, hält der russische Konzern Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit, weitere Partner sind die deutschen Energieunternehmen BASF/Wintershall und E.on mit je 20 Prozent und die niederländische Gasunie mit 9 Prozent. Vereinbart ist, dass auch der französische Konzern GDF Suez in das Projekt einsteigt. Ab 2012 sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung fließen.

Konkurrenz

Die Pipeline durch die Ostsee ist nicht das einzige Bauprojekt, mit dem eine Gaslieferung nach Westeuropa ohne das Transitland Ukraine sichergestellt werden soll. Gazprom plant gemeinsam mit der italienischen Eni eine zweite Leitung durch das Schwarze Meer nach Bulgarien, Österreich und Ungarn und mit einem weiteren Strang durch Griechenland nach Italien. Die EU plant außerdem den Bau einer eigenen, 3300 Kilometer langen Pipeline mit dem Projektnamen Nabucco. Sie soll von 2014 an Gas aus Aserbaidschan, Kasachstan oder Turkmenistan quer durch die Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Mitteleuropa liefern. Auch das Nabucco-Projekt hat ein prominentes deutsches Gesicht: Ex-Außenminister Joschka Fischer. An Nabucco sind unter anderen die deutschen Unternehmen RWE und OMV beteiligt.

Russland als Lieferant

Moskau betrachtet die Nabucco-Planungen mit Argwohn. Zwar haben die Russen in den vergangenen Jahren ihr Gasgeschäft mit Ostasien ausgebaut. Mit Nord Stream dürfte Russland aber seine Rolle als wichtigster deutscher Gaslieferant wieder einnehmen; zuletzt hatte Norwegen den Russen diesen Titel abspenstig gemacht. Der Rohstoff Gas wird im Energie-Mix zunehmend wichtig: Prognosen zufolge wird sein Anteil bis 2030 auf mehr als 30 Prozent anwachsen, weil Gas als weniger klimaschädlich gilt.

Die neue Pipeline werde die Energieversorgung in Europa sicherer machen und die strategische Partnerschaft mit Russland vertiefen, sagte Schröder während der Zeremonie. Der Altkanzler hatte das Projekt mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin angestoßen und steht dem Aktionärsausschuss des Betreiberkonsortiums Nord Stream vor.

Medwedjew sagte, die Leitung sei vor allem wegen des wachsenden Energiebedarfs in Europa nötig. "Auch wenn wir uns alle um die Umwelt sorgen und auf der Suche nach alternativen Energiequellen sind – die Nachfrage nach dem 'blauen Brennstoff' wird weiter steigen", sagte der amtierende russische Staatschef.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Energiekommissar Günther Oettinger meldeten sich zu Wort. Der Gaslieferant Russland sei "fester Bestandteil" auf dem europäischen Energiemarkt, sagte Oettinger in der Potowaja-Bucht. Merkel lobte in einer Videobotschaft die "Energiepartnerschaft" zwischen Russland und der EU.

"Für Europa ist dies ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit", sagte Merkel. "Und Russland gewinnt mit verlässlichen Abnehmern in Europa eine hohe Stabilität in der Gasnachfrage." Das Nord-Stream-Projekt zeige, welch großes Wirtschaftspotenzial in einer langfristig angelegten Energiepartnerschaft mit Russland liege.

Die Pipeline soll Ende 2011 fertig gestellt sein und zunächst 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren. Ein Jahr später soll die Kapazität mit einem zweiten Strang verdoppelt werden. Damit können rein rechnerisch 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Die Arbeiten an der Pipeline hatten bereits vor dem Festakt begonnen: Die ersten drei Kilometer der Pipeline sind verlegt, seit Dienstag liegen die Rohre auf dem Meeresboden nahe der schwedischen Insel Gotland. Insgesamt sollen drei Spezialschiffe in der Ostsee den Bau übernehmen. Außer der Castoro 6, die bereits im Einsatz ist, arbeitet von Juni an die Castoro 10 in der Nähe der deutschen Küste. Im September soll dann die Solitaire im Finnischen Meerbusen ihre Arbeit aufnehmen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn ich so Schröder und Putin denke...: die wohl größte Rohrverlegung aller Zeiten ;-)

  2. Das war natürlich Clever von Schröder: Regenerative Energien erfordern zum Ausgleich der Last, wenn der Wind mal einbricht, schnellen Ausgleich --> Gaskraftwerke.
    Herr Schröder und Herr Fischer bringen dies auf dem Weg und arbeiten nun beide für Gaslieferanten - ein Schelm der böses dabei denkt.
    Im Grunde ist die Pipeline ein weiterer Weg Russlands Polen gängeln zu können.

  3. Zur Stromerzeugung wird nur 10-13% des dt. Gasverbrauchs verwendet - falsch gedacht! Über 80% wird zum Heizen verwendet. 50% des dt. Gasverbrauch alleine für die dt. Haushalte.
    Wenn man sich die "Mühe" macht und die Zahlen ansieht ist durch den Ausbau der EE die Stromerzeugung aus Kohle, Atom UND Gas zurückgegangen. Ihr Pseudoargument läuft also ins Leere!

    Abgesehen davon wäre es besser wenn die EU sich mit Biogas versorgen würde. Mittlerweile gibt es dazu mehrere Studien. Das Geld für die Energie würde im europ. Wirtschaftskreislauf bleiben.

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