Reaktorunglück : Ein Stahl-Sarkophag für Tschernobyl

Seit Jahren verzögert sich der Bau einer Stahlhülle über den Unglücksreaktor Tschernobyl. Die Kosten für das größte bewegliche Gebäude der Welt sind enorm gestiegen.
Der alte Schutzmantel um den Unglücksreaktor Tschernobyl wurde vor zwei Jahren stabilisiert. Nun soll eine gigantische Stahlhalle über die Ruine geschoben werden © Daniel Berehulak/Getty Images

Es war der Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall. Vor 24 Jahren, mitten in der Nacht um 1:23 Uhr am 26. April 1986, explodierte der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl . Rund einhundert Mal mehr Radioaktivität als bei den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki wurde freigesetzt, ganz Europa wurde verstrahlt. Noch heute leiden Tausende Menschen an den Spätfolgen.

Das Reaktorgelände ist seitdem eine Großbaustelle. Noch im gleichen Jahr, kurz nach der Explosion, errichteten Hunderttausend Arbeiter unter Einsatz ihres Lebens eine provisorische Schutzhülle, Verzweifelt schütteten sie Sand und Blei auf den brennenden Reaktor, um den Einsturz des zerborstenen Reaktorblocks zu verhindern.

Die Sicherung der Ruine ist seitdem die größte Herausforderung, denn niemand kann abschätzen, was bei einem Einbruch passiert. Witterung und Dauerbestrahlung haben die Betonwände mürbe gemacht. Die Fachleute des Reaktors warnen vor einem Einbruch und fürchten vor allem, dass Wasser in die Ruine eindringt. Denn im Inneren des Meilers hat sich ein gefährliches Gemisch aus Asche und Lava angesammelt, das hochradioaktiv verstrahlt ist. Käme es in Kontakt mit Wasser, hätte das kaum kontrollierbare Folgen, das Grundwasser könnte radioaktiv belastet werden.

Seit Jahren gibt es Pläne für eine gigantische Schutzhülle, die über den Unglücksreaktor geschoben werden soll. Doch die Planungen für den stählernen Sarkophag ziehen sich hin, so komplex ist das Bauvorhaben. Es soll nicht weniger als das größte, bewegliche Gebäude der Welt werden – zudem noch auf radioaktiv verseuchtem Areal errichtet. Statt im Jahr 2007 wird die neue Schutzhülle nun wohl erst 2013 fertiggestellt. Und die Kosten werden sich bis dahin wohl verdoppelt haben.

Vor zwei Jahren konnten Ingenieure den brüchigen, einsturzgefährdeten Sarkophag stabilisieren. Die Westwand hatte sich bis dahin um etwa 50 Zentimeter geneigt und drohte zu kollabieren. Nun wird sie von riesigen Metalltürmen zusammengehalten. Auch das Dach wurde abgedichtet, damit weniger Regenwasser eintritt.

Lutz Küchler ist Tschernobyl-Experte der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln. Die Institution unterstützt die ukrainischen Atomaufsichtsbehörden. Diese kommen allerdings nur langsam voran. Zurzeit würden die Arbeiter die Fundamente für die Stahlkonstruktion vorbereiten, erzählt Küchler, der regelmäßig die Baustelle besucht. Die Stahlhalle soll etwas entfernt vom zerstörten Reaktor 4 montiert und später auf Schienen über den Block geschoben werden. Ein weltweit einmaliges Unterfangen.

"Die neue Schutzhülle ist eine enorme, technische Herausforderung, weil die Arbeit daran unter den besonderen Bedingungen der Tschernobyl-Zone stattfindet und immer auch mit einer Strahlendosis verbunden ist", sagt Küchler. "Das verlangt hohe Sicherheitsanforderungen an das Personal."

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Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

In Anbetracht des Themas...

... halte ich Ihren Besserwisserkommentar für sehr unangebracht.

Die wenigsten (Sie vermutlich eingeschlossen) haben eine Vorstellung davon, dass die Kernschmelze im Innern des Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl weiterhin brennt. Und die Gefahr einer europaweiten Verstrahlung dauerhaft gegeben ist, genauer: mit jedem Jahr zunimmt, da der "Sarkophag" maroder wird.

Einfach deswegen, weil eben die wenigsten eine Vorstellung davon haben, was ein nukleares "Feuer" überhaupt ist.

trozdem is das super nicht nötig.

Sie haben wohl recht das diese Thema sehr ernst zu nehmen ist. Die verwendung des "super" ist aber dennoch überflüssig wenn nicht sogar irreführend.

Ich denke viel mehr das viele Menschen nicht wissen das GAU eben "grösster anzunehmender Unfall" heist.

Viel wichtiger währe es wenn die Politik (international) endlich konsequenzen aus diesem bisher zum glück in seiner dimmension einzigartigen Zwischenfall ziehen würde. Die gegenwärtige tendenz hin zu immer mehr AKW's ist fatal.

Mit zunemender Anzahl an AKW's steigt auch die Eintritswarscheinlichkeit für den nächsten Gau erstaunlich stark an.

Für mich wirkt Super-Gau deutlich harmolser als Grösster anzunehmender Unfall. Kling irgenwie nach Deutschland sucht den Super-Gau und auch wenn das vielleicht gute quoten bringt, es ist nichts was wir wirklich wollen, oder?

Weder ... noch

Weder halte ich persönlich es für angebracht, hysterisch zu werden, wie es Julia09 glaubt, den Leser dieses Artikels liese es werden, noch denke ich, dass man dieses Thema verharmlosen darf.

Mich interessiert schlicht, was mir persönlich (in diesem Fall schließt das meine Familie mit ein) für eine Zukunft blüht, sollte Wasser bis zur Kernschmelze vordringen können. Die explosion würde erneut große Mengen verstrahlten Materials in die Admosphäre blaßen. Daruf habe ich, sallopp gesagt, einfach keine Lust.

Ob sich auf der einen Seite hysterische und auf der anderen Seite apathische Menschen bekriegen ist mir dahingehend völlig gleich!

Nicht ganz richtig

Die Schutzkonzepte sind so ausgelegt das die eintritswarscheinlichkeit des GAU bzw. aller Störfälle und auch von Störungen bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Diese Grenzen sind stark Abhängig von den möglichen folgen die zu erwarten sind.

Der GAU ist dabei nicht das schlimmste das verhindert werden soll, sondern das schlimmst was passieren kann wenn die Schutzmasnahmen versagen. Es ist also der Unfall bei dem die verherenstenden Auswirkungen auftreten.

Er hat nicht direkt etwas mit den Schutzsystemen zu tun.

GAU vs. Super-GAU

Ich halte den Begriff Super-GAU für hysterisches Neusprech, aber das ist hier nicht das Thema.

Wenn man den maximalen Auslegungsstörfall innerhalb dieser Denkschule als GAU bezeichnet, und einen Super- GAU eben als einen unvorhergesehenen, nicht als Möglichkeit eingeplanten auslegungsüberschreitenden Störfall ansieht, dann handelt es sich beim Tschernobyl- Unfall eindeutig um einen GAU.

Warum dies?

Innerhalb der sowjetischen Doktrin der Kernenergienutzung war, so menschenverachtend das auch ist, das "Hochgehen" eines Reaktors zwar ein einschneidendes Ereignis, wurde jedoch billigend als Möglichkeit in Kauf genommen, weil man die Kosten von Containment etc. als höher ansah, als die Schäden einer Umweltkontaminierung durch erheblichen Austritts von radioaktiven Materials. Die anderen Blöcke im Kernkraftwerk Tschernobyl wurden gemäß dieser Doktrin auch nach dem Unfall 1986 einfach weiterbetrieben. Die Möglichkeit einer Reaktorexplosion wurde eben als möglicher großer Unfall angesehen. Man testete ja auch Atomwaffen, da ist, gemäß dieser Denkschule, so ein bisschen Radioaktivität nichts Schlimmes (Ich möchte klarstellen, dass dies nicht meine Denkschule ist, sondern lediglich die Dokumentation der UdSSR-Kernenergiedoktrin).

Weite Teile haben dies zwar noch nicht erkannt, selbst Wikipedia ist hier mal wieder auf Greenpeace- Linie. Aber Super-GAU hört sich ja auch viel dramatischer an. Schließlich will man Hysterie schüren, um Spenden und Stimmen zu sammeln.

denke ich nicht

da drinn brennt so ungefähr ga nix mehr. Alles an Brennmaterial, dass im Reaktor war, hat sichs ganz gemütlich in der Luft gemütlich gemacht.

In dem Reaktor is schlicht nichts mehr, die Behauptungen der Russen, dass nur ein Bruchteil des Brennmaterials freigesetzt wurde, war einfach falsch. Aus diesem Grund hat man nie eine Kühlung für die angeblich noch vorhandene Schmelze installiert sondern den ausgehobenen Holraum unter dem Reaktor ausbetoniert.

Seit Jahren wird nun schon am neuen Sarkophag gebaut, größtenteils mit Mitteln aus der EU.
Die Behauptung, man habe Angst, dass es zum Wassereinbruch kommt ist schlichtweg lächerlich. Man muss sich nur Photos bzw. es gibt einige gute Videos auf Youtube ansehen um festzustellen, dass es innerhalb des Sarkophag hell ist, Vögel aus und ein fliegen und das Wasser nur so plätschert. (http://www.youtube.com/wa...)

Vielleicht sollte die EU einmal ihre eigenen Fachleute in den Reaktor schicken, bevor sie sinnlos Milliarden Steuergelder verschwenden.

Hysterie! Teil 1/2

Soll nun wieder die Tscherobyl- Hysterie geschürt werden?

Dazu ein paar Fakten:
- Tschernobyl war ein schlimmer Industrieunfall. Keinesfalls der Schlimmste, Unfälle wie Kyschtym-Unfall im Jahr 1957 im sowjetischen Majak oder die Katastrophe von Bhopal in Indien waren in ihren Folgen weitaus fataler.

- Der Reaktor von Tschernobyl war eine Fehlkonstruktion. Ihn mit z.B. Druckwasserreaktoren zu vergleichen, ist nicht zulässig. Ursprünglich sollte mit dem Konstruktionsprinzip ausschließlich Plutonium für Atombomben hergestellt werden, später adaptierte man es für die Energieerzeugung.

- Zu den baulichen Mängeln kamen dann noch eklatante Planungs- und Bedienungsfehler. Verschlimmert wurde das noch von der Doktrin der Planerfüllung, die dann zur Vernachlässigung einfachster Sicherheitsregeln führte.

- Westliche Reaktoren können nicht explodieren, wie der Tschernobyl- Katastrophenreaktor. Graphit in wassergekühlten Niedrigtemperatur- Reaktoren als Moderator zu verwenden, ist nun mal eine selten blöde Idee, da so ein Reaktor durchgehen kann. Bei wassermoderierten Reaktoren stoppt die Kettenreaktion, wenn das Kühlmittel verdampft.

- Aufgrund des Tschernobyl- Unfalls wurde im Bundesgebiet eine Menge von 300 Gramm Cäsium und 1 Gramm Jod eingetragen. Das ist eine messbare und zu beachtende Menge.
Tschernobyl verursachte jedoch keinen nennenswerten Unterschied in der Strahlenbelastung für die Bundesrepublik.

Und warum bitte sollte die Kettenreaktion stoppen wenn...

das Kühlmittel verdampft?
AKW's sind im normalen Betrieb alle überkritisch. Wenn hier die Regelung ausfällt hat man ein Problem. Nur wenn das System inheränt sicher währe (z.B. Kugelhaufenreaktor, der aber aus anderen Gründen keine Betriebserlaubniss bekommen hat).

Bitte liefern sie einige quellen für ihre höchst fraglichen Behauptungen. Das Risiko einer Kernschmelze ist allen in der "Westlichen Welt" gebauten Reaktoren gemein. Mit allen Folgen.

Grundkurs Kernenergie

Hier eine Einführung in die Grundlagen zum Thema:

http://timms.uni-tuebinge...

Wenn der Moderator verdampft, bricht die Kettenreaktion ab.
Was Sie ansprechen, ist die mögliche Entstehung von Nachwärme, die dann den Reaktorkern schmelzen lassen kann, wenn jegliche Kühlung versagt.

Diesem Problem begegnet man dahingehend, dass man den Reaktor in ein sicheres Behältnis/Gebäude verpackt, so dass auch eine Kernschmelze nicht zum Austritt radioaktiven Materials führt. Der Tschernobyl- Reaktor stand z.B. in einer einfachen Industriehalle, die dann von einer konventionellen Wasserstoff-Knallgasexplosion "geöffnet" wurde. Das kann nun mal bei den Kontainments westlicher Reaktoren nicht passieren.

Die von Ihnen angesprochenen HTR-Reaktoren, bei denen selbst dieses Problem nicht besteht, befinden sich weltweit in der Entwicklung.
Deutschland war mal mit dem THTR 300 führend in der Forschung, bis dieser Reaktor von Rot-Grün aufgrund der Tschernobyl-Hysterie rein aus politischen Gründen stillgelegt wurde.

Leider habe ich momnetan ...

nicht die Zeit mir die Gesammte VL an zu sehen. Ich habe aber auch so schon eine Behauptung gefunden die mich vermuten läst das der Prof. leider nicht unvoreingenommen mit der Materie um geht.

Im letzten Teil seines Vortrags steht auf einer der Folien das Atomstrom, bzw. AKW's CO2 neutral zu betreiben sind. Diese Aussage ist schlicht resultat einer unzureichenden Betrachtung.

Die gewinnung von Uran ist mit nur mit sehr grossem enegieaufwand übehaupt möglich. Die hierbei freigesetzten mengen and CO2 sind zwingen mit in die Betrachtung ein zu beziehen.

Von anderen Folgen des regulären Betriebs eines AKWs will ich hier jetzt nicht anfangen. Ich werde mir den Vortrag aber bei gelegenheit genauer ansehen.

Dumme Propaganda...

Generell wird die Angst for nuklearer Strahlung gern uebertrieben, da gebe ich Ihnen recht. Nichtsdestotrotz sind Atomkraftwerke eine grosse unnoetige und teurer Gefahrenquelle.

Dass die Kernschmelze weiterhin eintreten kann wurde schon gesagt. Die zugehoerigen Sicherheitsmassnahmen, Auffangbecken usw. koennen nur in Simulationen auf ihre Tauglichkeit geprueft werden. Sie ignorieren auch das Problem der Endlagerung. Zu guter letzt kostet so ein Reaktor auch eine Menge Schotter. Warum subventioniert man hier die Unternehmen, die dann ihrerseits die saubere und preiswerte Atomkraft propagieren?

Und nachdem wir vor wenigen Monaten erst eine Zwangsabschaltung von Reaktoren hier in Deutschland hatten, weil der Betreiber der Meinung war dass man hier Geld sparen koennte, ist die Anspielung auf den boesen Kommunismus ja wohl an Ignoranz nicht mehr zu ueberbieten.

Grünes Lügengebäude bricht zusammen!!!

Ihr Kostenargument stimmt nicht:

Die Vereinigten Arabische Emirate haben gerade 4 Kernkraftwerke von einem koreanischen Konsortium gekauft. Bezüglich der Brennstäbe etc. macht man sich wissend vom Ausland abhängig, sogar entsprechende Sicherheitsüberwachungen etc. lässt man zu.

Die Kosten betragen 20 Milliarden Dollar.

Man hat natürlich auch Alternativen überprüft und kompetent durchrechnen lassen. Die VAE haben Sonne und Wüste genug. Darum hat man die unterschiedlichen Sonnenkraftwerke auch durchrechnen lassen.

Die solarthermische Kraftwerkstechnologie, wie sie auch beim europäischen Projekt Desertec Verwendung finden soll, schnitt dabei unter den solaren Lösungen mit 90 Milliarden Dollar als kosteneffizienteste Lösung ab.

Trotzdem war man nicht bereit, statt 20 Milliarden für 4 Kernkraftwerke 90 Milliarden für Solarenergie auszugeben. Und das als sonnenreicher Wüstenstaat, der im Öl- Geld schwimmt.

Auch Ihr Endlager- Argument stimmt nicht, denn:
a) ist Endlagerung möglich. Die Kosten sind über eine ewige Rente gesichert, für die ein Kapitalstock geschaffen wurde.
b) brauchen wir möglicherweise gar kein Endlager, da das, was wir heute als "Atommüll" bezeichnen in Generation IV Reaktoren ein wertvoller Brennstoff ist.
c) und Franzosen, Engländer, Koreaner, Amerikaner etc. unseren Atommüll vermutlich in ein paar Jahrzehnten abkaufen, um ihn eben in Generation IV Reaktoren als Brennstoff einzusetzen.

Da muss ich leider wiedersprechen!

Was bitte verstehen sie unter möglich? Natürlich ist es möglich den Müll "end zu lagern" aber wie sieht es mit dem Risiko aus?

Ein Mögliches endlager aus BRD sicht könnte theoretisch das Versenken derr Kastoren im Bodensee sein. Zeug ist weg und wir machen uns keinen Kopf mehr darum. Die Frage ist nur, wann kommt das Zeug wider raus und in welcher form? Ich glaube nicht das wir heute in der Lage sind zu beurteilen wo wir etwas für die nächsten jahrhunderte so Lagern können das nicht wieder in die Umwelt gelangt. Egal über welchen Weg.

Ob Endlagerung nötig ist.

Ihre Punkte B und C kann ich leider auch nicht gelten lassen. Bis heute stellen sie in keinem Fall eine Lösung des Problems da. Die Technik ist nicht Serienreif und bevor sie das nicht ist kann sie auch nicht Argument für ihre Seite gelten. Vielleicht wird sie nie einsatz Tauglich.

Ich vermisse leider das sie auf Argumente andere eingehen. Wie steht es denn mit der CO2 neutralität von AKWs?

Hochtemperaturreaktor

Der deutsche THTR ist keineswegs aus politischen Gründen abgeschaltet worden, sondern weil er wegen dauernder Probleme fast bankrott war. s. z.B.:

http://dipbt.bundestag.de... 89.pdf

In Südafrika, wo die HTR-Technik auferstehen sollte, war es ähnlich: Anfang des Jahres hat die Regierung die Förderung eingestellt, nachdem sich wegen ungelöster technischer Probleme und immenser Kostensteigerungen kein Kunde oder Investor für den Kugelhaufen-HTR gefunden hatte und internationale Banken die Kredite verweigerten. Derzeit werden 600 Beschäftigte der dortigen HTR-Firma entlassen.....

Grund für die das Kugelhaufen HRT verbot ...

... nach meinem Kentnissstand waren ungelöste Probleme bei der Entahme verbrauchter Kugeln. Hierbei konnte es zu Rissen in der Kugel und zur Freisetzung radioaktiver Gase kommen.
Ich würde zwar denken das dies ein Lösbares Problem sein sollte, laut meinem Prof. für Energietechnik war das aber der (oder zumindest mit ein) Grund für das ende dieser Technik in Deutschland.

Schön wär's

An Julia:
Wenn ihre Hypothese b (..brauchen wir möglicherweise gar kein Endlager, da das, was wir heute als "Atommüll" bezeichnen in Generation IV Reaktoren ein wertvoller Brennstoff ist.) richtig ist, dann sollten Sie die Bundesregierung von unterirdischen Endlagern abhalten bevor unser "wertvoller" Müll unrückholbar in der Tiefe "verklappt" ist.

An Crest:
Je mehr Kernkraftwerke in Betrieb sind, desto sicherer wird der Betrieb, da alle im laufenden Betrieb gemachten Erfahrungen in den weiteren Betrieb eingepflegt.
Dies mag pro Kernkraftwerk gelten, allerdings ist es ein Ding der Wahrscheinlichkeitsrechnung, dass nun mal zwei Kernkraftwerke mehr Störfelle, Unfälle, GAUs und Super-GAUs produzieren als eines.

Dann betrachten wir folgendes Modell:

Spielen wir mit Münzen. Das Spiel endet, wenn alle Münzen "Kopf" zeigen.

Wir beginnen mit zwei Münzen. Nach jedem Durchgang (und wenn das Spiel nicht beendet wurde) verdoppeln wir die Anzahl der zu werfenden Münzen.

Je länger das Spiel andauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es noch länger andauert, ohne je beendet zu werden.

(Wenn Sie gut sind, also wirklich gut sind, sind Sie in der Lage, dieses Spiel modellhaft sinnvoll auf den Betrieb von Kernkraftwerken zu übertragen :-))

Herzlichst Crest

P.S.
Ihr Vorschlag an die Bundesregierung zur Rückholbarkeit der Spaltprodukte ist ein sinnvoller Vorschlag. Bedauerlicherweise erfordert dieser Vorschlag einen neuen (und noch nicht implementierten) Politikertypus.

Was die Münzen angeht haben sie recht, ABER ... (TEIL 1)

das Beispiel ist leider viel zu einfach. Erstens, nur weil sie mit den ersten zwei Anlagen Erfahrungen gesammelt haben heißt das noch lange nicht das sie bei den Anlagen 3 und 4 schon genutzt werde, ganz abgesehen davon ist es fraglich ob die schon bestehenden Anlagen nachgerüstet werden.

Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Bei AKWs die dem Stand der Technik entsprechen ist das (Individual-) Risiko sehr gering (ich glaube < 10^-7 im Jahr oder das Risiko eines einzelnen einem Störfall ausgesetzt zu sein ist kleiner 1 in 1 Millionen Jahren). Wenn ich aber jetzt die Anzahl der Anlagen verdoppele ist das Risiko doppelt so groß bei unveränderten Anlagen. Im Gegenzug müsste ich es also schaffen das Risiko das eine Einzelne Anlage darstellt zu halbieren! Dies ist auf diesem hohen Niveau nicht mehr oder zumindest nur in Verbindung mit erheblichen Kosten möglich.

Nehmen wir mal kleinere Zahlen bzw. passen wir ihr Beispiel der Realität an.

Eine Münze (Würfel mit 2 Seiten) stellt unsere erste Anlage da. Kopf (1) ist der Störfall und Zahl (2) ist der Regelbetrieb. Dieses AKW würde also pro Zeiteinheit (Münzen oder Würfel Wurf) zu 50% einen Störfall erzeugen. Nehmen wir an wir haben Glück und die Anlage läuft ohne ernste Zwischenfälle.

Mit den gewonnenen Kenntnissen wird die Bestehende Anlage modernisiert und auch die 2 neuen Anlagen werden entsprechend des neuen Kenntnisstandes gebaut. Für jede einzelne Anlage sinkt die Eintritswahrscheinlichkeit ...

Dachte ich mir schon,

dass man es so interpretieren würde. (Die Versuchung ist wohl zu groß ;-))

Zunächst einige generelle Bemerkungen:

Folgen wir Dirac und zerlegen wir ein Modell in einen einfachen und in einen kleinen Teil. Damit verhindert man, dass das Wesen eines Modells hinter einer Menge unwesentlicher Details verschwindet. (Für die Himmelsmechanik etwa bestünde das einfache Modell aus Massenpunkten. Die großen Effekte werden damit erfasst. Der kleine Teil, etwa Präzession, Gezeiten etc. kämen später dran.)

Das Münzmodell liefert den einfachen Teil, der nichtsdestoweniger das Wesen der Argumentation liefert:

Nicht alles, was passieren kann, wird passieren.

Es sind ja nicht die einzelnen Anlagen, die den Münzen entsprechen (würde ja bedeuten, dass wir die Anzahl der KKW laufend verdoppeln - ich weiß, dass einige mir sogar das zutrauten :-)). Die Münzen modellieren via ihrer Anzahl (näherungsweise, natürlich) die abnehmende Wahrscheinlichkeit eines (Teil-)Ereignisses innerhalb einer kompletten Störungskette.

Man könnte noch einwenden, dass wir die Anzahl der Münzen nicht jeweils verdoppeln, sondern mit einem anderen (etwa kleineren) Faktor multiplizieren. Aber im Sinne von Dirac könnte ich dazu nur antworten: "geschenkt".

Herzlichst Crest

Wesentliche Sicherheitsverbesserungen möglich?

Ich halte dies für schwer denkbar, dass unsere AKWs alle bei jeder Innovation in diesem Sektor auf den aktuellen Stand nachgerüstet werden können. Dann ist es auf jeden Fall vorbei mit dem günstigen Strom aus deutschen AKWs. Ich denke sogar, dass dann die meisten Betreiber freiwillig ihre AKWs dicht machen würden.
Der zweite Fall wiegt allerdings noch schwerer: Wesentliche Sicherheitsverbesserungen unserer heutigen AKWs wären nur möglich, wenn noch wesentliche Defizite da wären.
Das größte, wenn auch wenig spektakuläre Sicherheitsrisiko dürfte die sogar die Entsorgung sein - die es schlichtweg noch nicht gibt. Sonst hätte man das zeug ja nicht in das Versuchsendlager Asse oder nach Gorleben kippen wollen.
Auch wenn es pro Kraftwerk "nur" 50 m³ hochradioaktive Abfälle sind haben die es in sich. Ein solches Endlager für nukleare Abfälle existiert auf der ganzen Welt noch nicht obwohl das 1. Kraftwerk schon 1951 gebaut wurde und den Bedarf hierfür geschaffen hat. Finnland sind die einzigen, die eines bauen und selbst dieses ist nur für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Sichere AKWs

Ich halte ein sicheres AKW nicht für ausgeschlossen - dennoch für äußerst schwierig.
Menschen werden immer Fehler bei der Bedienung und Konstruktion von Maschinen (und damit auch von Kraftwerken) machen. Also wird ein System benötigt, welches nur lokal begrenzt Schäden erzeugen kann. Ob dies bei der Kernkraft möglich sein kann übersteigt meine Kenntnis. Für die nuklearen Abfälle halte ich es zur Zeit für nahezu ausgeschlossen und kann mir nicht vorstellen, wie man über zehntausende von Jahren diese Gefahr überhaupt für diese folgenden Generationen so kennzeichnen kann, dass diese begreifen, dass es sich um eine Gefahr handelt.
Das Gesamtsystem Kernenergie wirtschaftlich zu betreiben (also incl. Endlagerungskosten) erscheint mir als sehr blauäugig. Trotzdem würde es mich natürlich sehr freuen, wenn diese Probleme gelöst würden und dies alles möglich würde.

Hysterie Teil 2/2

- Die Folgeschäden dieser fatalen Katastrophe sind weit weniger gravierend, als das in deutschen Medien von Greenpeace und anderen Hysterikerorganisationen verbreitet wird.
Akute Strahlenkrankheit wurde zunächst bei 237 Personen vermutet und bei 134 Personen (insbesondere Kraftwerksbeschäftigten und Feuerwehrleuten) bestätigt. Von diesen sind 28 im Jahr 1986 und weitere 19 in den Jahren 1987 bis 2004 verstorben, einige möglicherweise auch aus anderer Ursache.
Insgesamt geht man aufgrund der erhöhten Strahlenbelastung, insbesondere Jod, aufgrund von statistischen Rechenmodellen von ca. 5000 möglichen Todesfällen aufgrund dieses fatalen Industrieunfalls aus. Die konkret beobachteten Fallzahlen liegen weit darunter.

- Hysteriker, wie z.B. die Macher des "TORCH-Bericht", können ihre behaupteten Opferzahlen nicht Ansatzweise belegen (60.000- bis "Millionen" Tote, je nach Hysteriestatus).

- Inzwischen unternehmen Tourismusunternehmen Ausflüge zum havarierten Reaktor in Tschernobyl.

Abschließend: Umgang mit radioaktivem Material bedarf eines hohen technischen Standards. Der Betrieb eines Kernkraftwerks muss und kann sicher gewährleistet werden, wenn er ordnungsgemäß durchgeführt wird.
Hysterischer Umgang mit solch einem Thema kann höchst fahrlässig sein. Insbesondere wenn offenbar nicht aufgrund sachlicher Gründe emotionalisiert wird, sondern um Spenden oder Stimmen zu sammeln. Was Greenpeace und Grüne mit diesem Thema machen, ist Charlatanerie.