Ölkatastrophe BP verspricht Kostenübernahme

Der Chef des Ölkonzerns BP hat zugesichert, für die Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko geradezustehen. Noch seien die genauen Kosten aber noch nicht abzuschätzen.

BP werde "alle nötigen und angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es in einer Mitteilung auf einer eigens eingerichteten Internetseite zu Ölpest im Golf von Mexiko. "Lassen Sie mich deutlich sein: BP übernimmt die Verantwortung für die Reaktion auf die Ölpest. Wir werden sie beseitigen", erklärte der Konzern. BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Schäden und Verlusten bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der Ölpest zusammenhängen".

Nach Angaben des Konzerns steigen die Kosten für den Kampf gegen die Ölkatastrophe täglich – auf eine genaue Summe will sich das Unternehmen aber nicht festlegen. Derzeit koste der Einsatz gegen den Ölteppich, der sich nach dem Sinken der Plattform Deepwater Horizon in Richtung Küste ausbreitet, etwa 6,5 Millionen Dollar (4,9 Millionen Euro) täglich. "Der Betrag steigt mit jedem Tag", sagte ein BP-Sprecher. Noch sei auch unklar, welche Kosten durch Schadenersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.

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Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Dennoch gelte die Aussage von Firmenchef Tony Hayward von vergangener Woche: "Wir übernehmen die volle Verantwortung für den Ölteppich und wir werden ihn entfernen, und wenn Leute legitime Schadenersatzforderungen stellen, werden wir sie akzeptieren." Die Firma habe "eine solide Vorgehensweise festgelegt, um Ansprüche aus dem Deepwater-Horizon -Unfall zu bearbeiten", hieß es. Alle Ansprüche würden zügig bearbeitet, es sei eine Hotline eingerichtet worden, die Betroffene rund um die Uhr anrufen könnten.

Die Firma reagierte damit auf Aussagen des US-Präsidenten , der BP als Verantwortlichen genannt und Kritik am eigenen Krisenmanagement zurückgewiesen hatte. Barack Obama hatte gesagt: "Lassen Sie es mich deutlich sagen: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnung begleichen", sagte er während seines Besuchs am Sonntag in Louisiana. Als Präsident der Vereinigten Staaten werde er alles in seiner Macht Stehende veranlassen, damit diese Krise bewältigt werde .

Auf der von BP betriebenen Bohrinsel Deepwater Horizon war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund 800.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko. Ungünstige Winde treiben den entstandenen riesigen Ölteppich auf die Küste zu, wo ein einzigartiges Ökosystem sowie die Fischerei bedroht sind. Der Golfküste der USA droht eine der größten Umweltkatastrophen.

Ölkatastrophen: "Exxon Valdez" 1989

Um das empfindliche Ökosystem an der Südküste des US-Bundesstaates Alaska für Jahre nachhaltig zu schädigen, reichten im März 1989 knapp 40.000 Tonnen Rohöl aus dem verunglückten Tanker Exxon Valdez.

Im Prince-William-Sund kam es damals zur bislang größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA.2400 Kilometer Küste wurden verunreinigt. Hunderttausende Seevögel starben, auch Otter, Robben und Grauwale verendeten.

Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten hat sich das Gebiet nur oberflächlich erholt. Die niedrigen Temperaturen verzögern den biologischen Abbau des Öls. Vor allem in den Uferzonen lagern noch immer Reste der "schwarzen Pest".

Viele Tierarten leiden bis heute unter der Katastrophe.

"Amoco Cadiz" 1978

Zur folgenschwersten Ölkatastrophe in Europa kam es im März 1978, als der Supertanker Amoco Cadiz an der französischen Atlantikküstenördlich von Brest auf Grund lief.

Im Sturm zerbrach der Koloss, und mehr als 223.000 Tonnen leichtes Rohöl verpesteten Strände und Felsen der Bretagne auf einer Länge von 360 Kilometern. Wochenlang schaufelten Tausende Freiwillige und Soldaten das Öl in Plastiktüten und schrubbten verschmierte Felsen.

In einem Ölteppich von der Größe des Saarlands starben Vögel, Fische und Muscheln. Die Austernbänke wurden für Jahre zerstört, der Tourismus zunächst schwer beeinträchtigt. Günstige Strömungen, hohe Wellen und die vielen Freiwilligen verhinderten ein Desaster.

Schon 1979 lockte die Bretagne wieder Urlauber an saubere Strände, doch nach Schätzungen von Experten lagen ein Jahr nach dem Unglück noch immer 40.000 Tonnen Öl auf dem Meeresgrund.

"Pallas" 1998

Als der Holzfrachter Pallas im Herbst 1998 an der Nordseeküste vor Amrum strandete, starben 16.000 Seevögel.

Verantwortlich waren 100 Tonnen Schweröl, die aus dem Schiff geflossen waren.

Das Wetter erschwert die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest. Die Reparaturversuche mit den von BP eingesetzten Unterwasser-Robotern kamen nicht voran. Die Roboter sollen einen Mechanismus aktivieren, der eigentlich im Fall eines Unfalls das Ölleck automatisch abdichten soll, nach der Explosion aber nicht ausgelöst worden war. Mehr Hoffnung als in diese "Operation am offenen Herzen im Dunkeln" setzt BPs USA-Chef Lamar McKay mittlerweile auf eine riesige Kuppel, die zum Abdecken des Lecks gebaut werden soll. Sie könne vielleicht nächste Woche fertiggestellt werden, sagte McKay am Sonntag. Laut BP-Chef Hayward bereitet sich sein Konzern aber auch auf den "schlimmsten möglichen Fall" vor: Den Ölteppich zwei bis drei Monate lang eindämmen zu müssen.

Wegen der zu erwartenden Milliarden-Belastungen gerät BP auch an den Börsen zunehmend unter Druck. So gaben die in Frankfurt gelisteten Aktien des Konzerns zu Wochenbeginn deutlich nach . Sie brachen um bis zu zehn Prozent ein. Die Londoner Börse blieb am Montag wegen eines Feiertages geschlossen. Dort hatten die BP-Aktien bereits in den vergangenen beiden Wochen rund zwölf Prozent eingebüßt. Finanzexperten versuchten dennoch abzuwiegeln. "Der Schlag gegen die BP-Aktien scheint übertrieben", heißt es in einem Informationsbrief von Bank of America Merrill Lynch. "Die Nachrichten aus dem Golf von Mexiko sind furchtbar und könnten schlimmer werden, aber die finanziellen Folgerungen sind übertrieben."

Noch nicht absehbar ist obendrein die Rufschädigung, die mit diesem Unfall einhergeht. "Von einem Image-Standpunkt aus gesehen, ist das sehr folgenreich. Schließlich sollen die Regierungen, die die Bohrlizenzen erteilen, die Firma als verlässlichen Partner einschätzen", sagt Energieanalyst David Hart von der britischen Firma Westhouse Securities. Mit 20 Öl- und Gasfeldern im Golf von Mexiko erzielt BP einen großen Teil dieses Gewinns in der Katastrophenregion.

 
Leser-Kommentare
  1. petroleum mal vor ihrer küste sämtliche lizenzen wegen unfähigkeit entziehen. dann können die da bei sich in der themse
    rumbohren.

  2. Wann werden die Verantwortlichen endlich verstehen, dass es Dinge gibt, die mit keiner Summe Geldes bezahlt werden können? Was bringen Millionen von Dollars, wenn Teile des Meeres zur Kloake verkommen, wenn ökologische Systeme auf immer zerstört sind?

    Das ist die "Erb"-schuld des Menschen: unseren Kindern und Enkeln eine zerstörte Welt zurückzulassen.

  3. Ah ja, also es würde mich wundern wenn die Reinigung und so weniger als 5 Millarden kosten wird. Dazu 2 Millarden die die Fischer jedes Jahr verlieren und k.A wieviel für den Tourismus. Aber wahrscheinlich rechnen die bei Merrill Lynch mit den guten Anwälten von BP das nur wirklich wenig Geld fließen wird und von den Folgekosten und deren Übernahme wird ja bei BP gar nicht geredet.

  4. In die Medien wird oft fälschlicherweise gesagt dass die untergegangenen Ölplattform Deepwater Horizon BP gehören würde, was nicht der Fall ist.

    BP hat die Plattform nur geleast, Eigentümer ist Transocean Ltd mit Firmensitz in der Schweiz, der Weltweit größte Tiefbohr Spezialisiert für Offshorebohrungen und Eigentümer von 137 Ölbohrplattformen. (ähm jetzt nur noch 136)

    Es gibt eigentlich 2 gründe wieso BP die Haftung übernimmt. Die BP Anwälte werden eingesehen haben dass das Steuersparkonstrukt über Transocean das US Justizsystem nicht überleben wird und ein abstreiten der Haftung vom Endverbraucher soweit abgestraft wird das zusätzlich zu den Justizkosten die Umsätze zusammenbrechen könnten welche die letzen Quartalsumsätze von 81 Milliarden$ (54% Steigerung im vergleich zu 1.Q 2009) und
    6,188 Milliarden$ (136% Steigerung im vergleich zum 1.Q 2009)
    Verhältnismäßig teuer werden könnte.

    Schaut man es aus marktwirtschaftlicher sicht wird es für BP erheblich günstiger wenn man die Haftung übernimmt und die 2 bis 4 Milliarden Dollar aus der Portokasse zahlt als wenn sie dies nicht machen sollten.

    P.S. Es könnt selbstverständlich auch sein dass das Versenken des Leasingobjekts im Vertragswerk nicht ausführlich genug betrachtet wurde ^^

  5. Nach Öl bohren war schon immer gefährlich und das wird es auch immer bleiben.
    Wir selbst machen es mit unserem Hunger nach Öl notwendig das überall nach Öl gesucht und, wenn es dann gefunden, auch gefördert wird.
    Schuld an dem Unglück ist also jeder von uns.
    BP ist zumindest daran interessiert die Schäden einzudämmen und hat eine Kostenübernahme zugesagt.
    Es wäre schön wenn Konzerne und Politiker öfter so reagieren.

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