Ölpest Die größte Katastrophe für BPSeite 2/2

Das bedeutete vor allem die Konzentration auf das Geschäft mit Öl und Gas, hier fuhr Hayward die Förderung wieder hoch. Im vergangenen September konnte er den Fund des riesigen Tiber-Erdölfelds im Golf von Mexiko verkünden, wo BP in mehr als 10.000 Metern Tiefe bohrte – so tief wie keine Erdölfirma zuvor. Die andere Seite der neuen Strategie: Mehr als 7500 Mitarbeitern mussten gehen.

Die Neu-Ausrichtung auf das angestammte Geschäftsfeld und der Sparkurs zeigen Wirkung: Allein im ersten Quartal dieses Jahres verdoppelte BP dank hoher Ölpreise seinen Gewinn auf  mehr als 5, 6 Milliarden US-Dollar – mehr als Analysten erwartet hatten. In 2009 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von 14 Milliarden US-Dollar. Erstmals seit Jahren ist der britische Konzern im Januar an der Börse wieder mehr Wert als sein Dauerrivale Shell.


Doch seit dem 20. April 2010 sind die guten Bilanzzahlen Makulatur und der letzte Rest vom grünen Image zerstört. Um zehn Uhr morgens explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Elf Menschen kamen wahrscheinlich ums Leben, 17 wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Laut Wall Street Journal hat ein ferngesteuertes Sicherheitsventil am Bohrloch nicht funktioniert beziehungsweise fehlte sogar. "Erdölkonzerne sparen bei der Förderung eigentlich nicht an Sicherheit, weil die Risiken einer Ölkatastrophe unkalkulierbar wären", glaubt Fachmann Bukold.

Der Unfall kostet BP täglich rund sechs Millionen US-Dollar, dazu kommen entgangene Erlöse aus dem Verkauf des Erdöls. Wie hoch die Kosten insgesamt sein werden, mag bislang niemand zu sagen, weil unklar ist, welche Strafzahlungen und Entschädigungssummen auf BP zukommen werden. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht am Montag von einem Schaden von "bis zu 14 Milliarden Dollar". Das würde dem Jahresgewinn 2009 entsprechen.

Noch vergangene Woche versuchte BP-Chef Tony Hayward die Verantwortung für das Unglück Transocean zuzuschieben. Dem Schweizer Unternehmen gehört die Erdölplattform, es betrieb sie im Auftrag von BP. In einem Interview , das Hayward dem US-Sender CNN vergangene Woche Mittwoch gab, betonte er: "Die Verantwortung liegt bei Transocean."

Wenige Tage später klingt BPs Position allerdings anders. Kurz nachdem US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch deutlich machte, dass BP die Rechnung zu zahlen habe, veröffentlichte der Energiekonzern ein Statement zu möglichen Schadensersatzansprüchen. "BP wird alle nötigen und angemessenen Beseitigungskosten übernehmen", heißt es dort. Und: "BP wird rechtmäßige Schadensersatzforderungen akzeptieren."

 
Leser-Kommentare
  1. Eigenkapitalverzinsung ist bei Erdölfirmen (ausser Esso) nicht höher als bei anderen Unternehmen. Diese Unternehmen stellen sich dem Wettbewerb wie andere, sind genauso gierig wie andere. Verantwortlich ist nicht die Gier sondern der unreflektierte Konsum und der Konsument, der sein Gewissen reinwäscht, indem er "die da oben" beschimpft.
    Ohne Verantwortung an dem, was da gerade passiert, ist nur, wer konsequent auf Mineralölprodukte verzichtet.
    Liebe Amanda, sehen Sie sich doch mal an, woher die Energie stammt, mit der Sie sich fortbewegen, heizen, mit der die Güter transportiert werden, die Sie konsumieren. Wenn Sie auf diesen Feldern alles getan haben, was Sie können, um die Förderung von Erdöl überflüssig zu machen, dann gratuliere ich sehr herzlich. Haben Sie das nicht getan, sondern vielleicht ganz andere Kriterien z.B. an die Auswahl Ihrer Wohnung angelegt, so ist Ihre Kritik ein wenig schal.

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    Natürlich sind letztendlich wir alle verantwortlich, da wir konsumieren. Problematisch ist aber nicht nur, dass wir konsumieren, sondern auch wie das, was wir konsumieren, hergestellt wird.
    Das liegt dann in der Verantwortung der Firmenpolitik.

    Nochmal zu der Renditegeilheit: Im Endeffekt sind auch hier nicht die Firmen alleine die Übeltäter. Wer profitiert von der Rendite? Letztendlich am Ende der Wertschöpfungskette auch der Kleinstanleger, der sich über 0,5% mehr Zinsen freut.
    Es fragt sich aber kaum jemand, wie diese Zinsen zu stande kommen. Stattdessen wird nur gemeckert, dass es zu wenig sei.

    Stimmt, BP ist nicht gierig, BP war auch nicht gierig als es noch Anglo-Iranian Oilcompany hieß und jahrzehnte lang den Iran ausgebeutet hat. Irgendwie muss man ja einer der größten Ölkonzerne werden, nicht?

    Natürlich sind letztendlich wir alle verantwortlich, da wir konsumieren. Problematisch ist aber nicht nur, dass wir konsumieren, sondern auch wie das, was wir konsumieren, hergestellt wird.
    Das liegt dann in der Verantwortung der Firmenpolitik.

    Nochmal zu der Renditegeilheit: Im Endeffekt sind auch hier nicht die Firmen alleine die Übeltäter. Wer profitiert von der Rendite? Letztendlich am Ende der Wertschöpfungskette auch der Kleinstanleger, der sich über 0,5% mehr Zinsen freut.
    Es fragt sich aber kaum jemand, wie diese Zinsen zu stande kommen. Stattdessen wird nur gemeckert, dass es zu wenig sei.

    Stimmt, BP ist nicht gierig, BP war auch nicht gierig als es noch Anglo-Iranian Oilcompany hieß und jahrzehnte lang den Iran ausgebeutet hat. Irgendwie muss man ja einer der größten Ölkonzerne werden, nicht?

  2. Tja, mein Bedauern - in tiefstem Herzen sind wir doch alle Idealisten.

  3. Natürlich sind letztendlich wir alle verantwortlich, da wir konsumieren. Problematisch ist aber nicht nur, dass wir konsumieren, sondern auch wie das, was wir konsumieren, hergestellt wird.
    Das liegt dann in der Verantwortung der Firmenpolitik.

    Nochmal zu der Renditegeilheit: Im Endeffekt sind auch hier nicht die Firmen alleine die Übeltäter. Wer profitiert von der Rendite? Letztendlich am Ende der Wertschöpfungskette auch der Kleinstanleger, der sich über 0,5% mehr Zinsen freut.
    Es fragt sich aber kaum jemand, wie diese Zinsen zu stande kommen. Stattdessen wird nur gemeckert, dass es zu wenig sei.

    Antwort auf "Gierig?"
  4. Nichts wird sich ändern, bis die Natur zusammenbricht, nach dem Dollar und dem Euro - das Denken ist krank, die Dummköpfe mit ihren IQ von 160 können es nicht.

  5. British oder "Beyond" -- so oder so bleibt es eine englische Firma mit Sitz in London, die nicht "in den USA", sondern in internationalen Gewässern des Golfs von Mexiko bohrte. Dass der Wind das Öl in Richtung US-Küste treiben könnte, war ein Risiko, mit dem man hätte rechnen müssen, und dass es die Briten einen Haufen Geld kosten wird, steht jetzt schon fest -- man rechnet vorerst mit 6 Milliarden.

  6. Stimmt, BP ist nicht gierig, BP war auch nicht gierig als es noch Anglo-Iranian Oilcompany hieß und jahrzehnte lang den Iran ausgebeutet hat. Irgendwie muss man ja einer der größten Ölkonzerne werden, nicht?

    Antwort auf "Gierig?"
    • carzi
    • 03.05.2010 um 22:40 Uhr

    ... wir. BP kommt zwar für den Schaden kurzfristig auf, langfristig wird es sich das Geld aber wieder vom Ölnutzer zurückholen, über Preissteigerungen etc.

    Ich finde es nur erstaunlich, dass wir nicht in der Lage sind, ein Bohrloch im Ozean zu stopfen. Trotz all der Technik die uns zur Verfügung steht. ich meine, immerhin fliegen wir in den Weltraum.

    Mir tut nur Mutter Erde leid und die unzähligen Tiere und Pflanzen, die am "schwarzen Gold" elendig zu Grunde gehen werden.

    Antwort auf
    • tower
    • 03.05.2010 um 23:24 Uhr

    am falschen Ende gespart.Nun rächt es sich,daß trotz Milliarden-Gewinne ,ein paar Millionen beim Bohrverschlusssystem -B.-Preventer- eingespart wurden.Hier hat BP grobfahrlässig gehandelt,denn Bohrlöcher in 1600 m Wassertiefe müssen sich notfalls verschliessen lassen. Die Vorstellung ,daß womöglich erst in 3 Monaten alle Austritte unter Kontrolle sind,wird noch kaum abschätzbare katastrophale Szenarien hervorrufen.

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