Billiglöhne : Chinas Arbeiter lehnen sich auf

Westliche Großunternehmen bekommen zunehmend Probleme mit der Produktion zu Niedriglöhnen in China. Die Arbeiter fordern mehr Geld und mehr Freizeit.
Chinesische Arbeiterinnen fertigen Puppen in einer Spielzeugfabrik in Shantou © Xiao Yu/dpa

Der japanische Autohersteller Honda musste am Donnerstag die Produktion an allen chinesischen Standorten anhalten, weil Arbeiter durch Streiks die Zulieferer lahmlegten - sie fordern bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld. Analysten sehen bereits das Honda-Absatzziel auf dem größten Automarkt der Welt in Gefahr.

Auch der Apple-Auftragshersteller Foxconn gerät weiter unter Druck. In der Nacht auf Donnerstag stürzte sich erneut ein junger Fabrikarbeiter in den Tod, wie die örtliche Polizei bestätigte. Seit Jahresbeginn haben damit zehn Mitarbeiter des Foxconn-Fabrikkomplexes den Freitod gewählt. Apple steht damit zur weltweiten Markteinführung des Flachcomputers iPad vor einem Image-Debakel. 

Unternehmen aller Branchen droht nach Jahren einer immer strengeren Billigstrategie Ärger. In China werden die Arbeiter am unteren Ende der Einkommensskala mit zunehmender Entwicklung des Landes unruhig. Über das Internet können sich die Unzufriedenen leichter vernetzen als früher - und auf ihre Probleme aufmerksam machen.

Die Preise im Land steigen schneller als die Löhne der ungelernten Arbeiter. Die soziale Ungleichheit hat dadurch in den vergangenen Jahren schnell zugenommen. Vor 30 Jahren waren in China noch alle gleich arm. Heute dagegen haben die einfachen Arbeiter den Lebensstil der neuen Mittelschicht vor Augen. Bessergestellte Angestellte brausen mit dem Audi ins glitzernde Einkaufszentrum und decken sich mit internationalen Marken ein. Der Preis eines Kleidungsstücks kann da leicht den Monatslohn eines Arbeiters von rund 100 Euro übersteigen.

Tatsächlich wirken die Löhne bei den nun von Protesten betroffenen Firmen angesichts der höheren Lebenshaltungskosten eher niedrig. Foxconn zahlt in Shenzhen den örtlichen Mindestlohn von 900 Yuan (110 Euro) dafür, kleinteilige Elektronikgeräte zusammenzusetzen - eine monotone Arbeit, bei der die jungen Leute viele Stunden die gleichen Handbewegungen wiederholen. Die Arbeiter bei den Honda-Zulieferern fordern eine Aufstockung auf 2 000 Yuan (240 Euro) im Monat. Bisher erhalten sie 1 500 Yuan. Schreibtischarbeiter fordern heutzutage das bis zu Zehnfache von ihren Chefs. 

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sind die Selbstmordzahlen statistisch signifikant

Im Artikel heisst es, Foxconn habe "gut 400.000 Mitarbeiter". Da sind 11 Selbstmorde pro Jahr weniger als einer auf 30.000.
Das sind viel weniger als im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung (Statistisches Bundesamt: Im Jahr 2007 gab es 11,4 Tote durch "Vorsätzliche Selbstbeschädigung" je 100.000 Einwohner, also mehr als einer pro 10.000 Einwohner).

Chinesische Zahlen hab' ich nicht zur Hand und für einen ernsthaften Vergleich müsste man auch die demografische Zusammensetzung der Foxconn-Mitarbeiter berücksichtigen. Jedenfalls fehlt mir in dem Artikel eine Einordnung, ob die Anzahl der Selbstmorde bei Foxconn tatsächlich außergewöhnlich hoch ist.

Keine Angst, bitte,

lieber Teilnehmer,
damit Ihre Billigheimer-Fashion-
IT-Produkte in China hergestellt werden,
bleiben immer noch genug Arbeits-
sklaven übrig..., schließlich ist der
Überlebenswille des Menschen
unbeugbar...., das weiß auch der
DIHT..., gelle Herr Eric Schweitzer...;

Ihre Aufwartung haben Sie der Zeitonline
mit Ihrer Alleinseligmachenden Offenbarung
bereits erteilt, danke dafür!

zu kurz gesprungen

"Es ist die Sucht westlicher Verbraucher nach Billigangeboten, die viele schlechte Geschäftspraktiken in Asien bedingt"

ist es wirklich die sucht?
oder ist es die not bzw die einfache tatsache das man sich nicht die teueren vergleichbaren produkte oder heimische handarbeit leisten kann?

jedes angebot sucht und findet seine nachfrage.
war/ ist das nicht die maxime der neuzeit?
wieso soll da der westliche verbraucher der schuldige sein?
der nimmt doch die billigen angebote nur dankend an.
danach gerufen hat er sicherlich nicht und suechtig nach billigen guetern sind ja wohl die wenigsten.

Wirklich?

Das kann man so nicht sagen. Es gibt genug Verbraucher, die auch bereit sind, teurere Produkte zu kaufen und die gerade das Billigimage scheuen. Dass aber in einem teuren Kleidungsstueck, Schuh oder PC ein geringerer Anteil an Billiglohnarbeit steckt als im vergleichbaren no name Produkt - dafuer garantiert niemand. Die Preisdifferenz, die der Kunde haeufig zu zahlen bereit ist, landet sicher nicht beim Arbeiter in China, Bangladesh oder Indien.

Welche Verbraucher sind denn bereit ?

Diese Verbrauche kenne ich, sie stehen in ihren SUV`S auf dem Aldi/Lidl Parkplatz um das Geld für den Spritfressenden SUV zu sparen.

Man heute will doch niemand, mehr Geld ausgeben als es nötig ist.

Warum Milch für 1,- kaufen, wenn sie im Lidl für 0,49€ zu haben ist.

Würde es BilligBenzin geben, würde sich die Leute darum reißen, garantiert, egal ob es deinen Motor schneller kaputt macht oder nicht.

Ich sehe da schon eine Korellation

...zu den in Deutschland in 10 Jahren (im Vergleich zu anderen EU-Laendern) nicht gestiegenen, real sogar gefallenen Loehnen. Der Anteil der Discounter-Einkaeufer hat sich sicher erhoeht. "Verurteilen" will ich aber nur diejenigen, die beim Essen, bei Kleidung etc. sparen, nur um sich dann auch noch eine Urlaubsreise oder gar eine Ferienwohnung etc. kaufen zu koennen, die also bewusst entscheiden, dass ihnen alle anderen Menschen egal sind.

Es gibt aber so viele (und mehr als zuvor seit den 50ern), die schlicht mit dem Ruecken zur Wand stehen. Wenn erstmal Steuern, Abgaben, Miete, Strom, Wasser, Fahrtkosten zur Arbeit, Schulbedarf bzw. Kitagebuehren vom Gehalt abgezogen sind - und dann noch 500 Euro bleiben um mit der vierkoepfigen Familie gerade mal eben durch den Monat zu kommen, dann hat man einfach keine andere Moeglichkeit als Aldi/Lidl etc.

Mann kann den Dumpingzirkel nur durchbrechen und faire Weltmarktregeln einfuehren, wenn dadurch zugleich auch entweder die Loehne erhoeht werden oder sich die Abgabenlast verringert. Oder: indem man einen neuen Supermarkttyp einfuehrt, zu dem man nur bei nachweislich geringem Einkommen Zutritt hat (aehnlich wie bei den staatlichen Recycling-Moebelhaeusern)- damit man das Trittbettfahren derer verhindert, die mehr zahlen koennen.