Währungsunion Euroländer nehmen Estland auf
Das Land habe Inflation und Schulden im Griff – Estland kann zum Jahreswechsel der europäischen Währungsgemeinschaft beitreten. Die Zentralbank sieht jedoch ein Problem.
Estland wird das 17. Mitglied der Euro-Zone. Das baltische Land mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern erfülle alle Beitrittskriterien, teilte die EU-Kommission mit.
"Estland ... ist für die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 bereit", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Wir würdigen Estlands langjährige Festlegung auf eine umsichtige Politik." Die Regierung in Tallinn müsse ihren "umsichtigen finanzpolitischen Kurs" aber beibehalten und sich schneller auf die Euro-Einführung vorbereiten, forderte der Finne.
Die EU-Behörde stellte ihr Zeugnis zu einem ungünstigen Zeitpunkt aus, denn der Euro wird wegen riesiger Schuldenberge in einigen Mitgliedsländern von einer beispiellosen Krise erschüttert. Die Euro-Staaten stützen Griechenland bereits mit Milliardenkrediten.
Auch die Europäische Zentralbank bescheinigte dem kleinen Land, die Beitrittskriterien zu erfüllen. Die Notenbank äußerte jedoch Zweifel, ob es Tallinn dauerhaft gelingen werde, die Inflation zu zügeln.
- Euro-Rettungsfonds
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Seit dem Frühjahr 2010 können kriselnde Euroländer auf einen Rettungsschirm zurückgreifen. Der Fonds mit dem offiziellen Namen "Europäische Finanz-Stabilitäts-Fazilität" (EFSF) hat ein Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro und kann im Notfall Kredite gewähren, damit geschwächte Länder eine drohende Staatspleite verhindern.
Die Errichtung des Rettungsfonds trug in der Griechenland-Krise zur Beruhigung der Finanzmärkte bei. Bisher wurde der Fonds nicht in Anspruch genommen. Derzeit wird aber spekuliert, das hochverschuldete Irland könnte als erster darauf angewiesen sein. Die Regierung in Dublin dementiert das und betont, es gebe aktuell keine Notwendigkeit für einen Hilfsantrag.
- Aufbau und Funktionsweise
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Der Rettungsfonds besteht aus mehreren Teilen. Im Krisenfall kann er an den Finanzmärkten Anleihen herausgeben, die von allen Euroländern mit bis zu 440 Milliarden Euro garantiert werden. Die Mitgliedstaaten zahlen also keine Geldbeträge ein. Hinzu kommen eine Sonderkreditlinie der EU-Kommission von 60 Milliarden Euro und 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF).
Bevor der Fonds einspringen kann, müssen aber strenge Bedingungen erfüllt sein. Ein Euro-Mitgliedsland muss soweit in der Klemme stecken, dass es sich nicht mehr zu akzeptablen Zinssätzen an den Märkten finanzieren kann. Es muss dann einen Antrag stellen. Anschließend wird ein Hilfsprogramm mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) verhandelt. Erst nachdem die Euro-Finanzminister dem Programm zugestimmt haben, kann der Fonds aktiv werden. Die ganze Prozedur kann mehrere Wochen dauern.
Der Rettungsfonds ist bis Ende Juni 2013 begrenzt. Ende Oktober 2010 beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs, dass es von 2013 an eine dauerhafte Einrichtung geben soll. In dem neuen Mechanismus sollen dann bei Staatspleiten auch private Anleger, also Investmentfonds und Banken, in die Pflicht genommen werden. Den Kreditgebern droht dann ein echtes Verlustrisiko – das hat die Risikoaufschläge für langfristige Staatsanleihen von schwer angeschlagenen Ländern wie Irland oder Griechenland nach oben getrieben.
Estland ist der dritte ehemalige Ostblock-Staat nach Slowenien und der Slowakei, der der Euro-Zone beitritt. Die Regierung hatte in den vergangenen Jahren ein striktes Sparprogramm verordnet und den Schuldenstand sowie das Staatsdefizit damit deutlich unter den EU-Höchstwerten gehalten. Ursprünglich wollte das Land den Euro schon 2007 einführen, dies scheiterte jedoch an einer überhöhten Inflationsrate.
Die EZB und die EU-Kommission erstellen alle zwei Jahre unabhängig von einander einen Bericht, in dem sie die Euro-Beitrittsanwärter beurteilen. Im Gegensatz zur EU-Kommission gibt die EZB aber keine konkrete Empfehlung ab.
Die EU-Finanzminister und die EU-Staats- und Regierungschefs sollen der Empfehlung im Juli noch zustimmen, dabei werden aber keine Probleme erwartet.
Die Kommission bewertete acht weitere EU-Länder, die bisher den Euro nicht haben, darunter Polen, Rumänien oder Schweden. Doch keines dieser Länder erfüllt derzeit alle Euro-Kriterien.
Leserdebattezur Eurokrise hier
- Datum 12.05.2010 - 15:36 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
- Kommentare 23
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Kann mir jmd. erklären warum Schweden die Kriterien nicht erfüllt?
Soweit ich das recht in Erinnerung habe hat auch Schweden die Defizitregeln, wie so gut wie alle Staaten Europas, nicht eingehalten.
Sprich ihre Neuverschuldung lag über 3% des BIP.
....wieso irgend ein Land dem Euro beitreten würde, nachdem man sieht, wie viel schwieriger es ist, wenn man seine eigene Währung nicht hat?
Laut meinem Kenntnisstand gab es 2003 eine Volksabstimmung, ob der Euro in Schweden eingeführt werden soll. Das Volk hat das verneint, demnach hat man es wohl nicht weiter verfolgt. ;) Ob sie jetzt aktuell die Kriterien erfüllen würden, weiß ich nicht, dürfte sich aber schnell bei Wikipedia und Co. finden lassen.
Soweit ich das recht in Erinnerung habe hat auch Schweden die Defizitregeln, wie so gut wie alle Staaten Europas, nicht eingehalten.
Sprich ihre Neuverschuldung lag über 3% des BIP.
....wieso irgend ein Land dem Euro beitreten würde, nachdem man sieht, wie viel schwieriger es ist, wenn man seine eigene Währung nicht hat?
Laut meinem Kenntnisstand gab es 2003 eine Volksabstimmung, ob der Euro in Schweden eingeführt werden soll. Das Volk hat das verneint, demnach hat man es wohl nicht weiter verfolgt. ;) Ob sie jetzt aktuell die Kriterien erfüllen würden, weiß ich nicht, dürfte sich aber schnell bei Wikipedia und Co. finden lassen.
Wenn ein land alle Kriterien erfüllt, dann darf es beitreten. So wollen es ie Regeln. Die änder haben im regelfall uch hrt dafür gespart.
Kritisch wird, wenn das Beitrittland das nicht tut, wie z.B. Belgien und Griechenland. Dann gibt es Probleme.
Ob dieser Schritt allerdings angesichts einer stärkeren Koordinierung dereuropäischen Wirtscaftspolitik sinnvoll ist wird sich zeigen.
Grob gesagt sind aber die osteuropäischen Staaten nicht so anfällig wie die aus Südeuropa.
was sich die Eu jetzt am wenigsten leisten kann ist deutsche Arroganz auf Kosten der Osteuropäer.
Die politische Integration dieser Länder stelt die höchste Errungenschaft der EU bisher dar.
... ob die Estlander den EURO noch haben wollen.
und wir sollten uns auch freuen. Die Vorteile überwiegen doch deutlich die Risiken, welche bei einem Land mit 1,3 Millionen Einwohnern doch sicher überschaubar bleiben.
Siehe auch hier:
http://geast.wordpress.co...
und wir sollten uns auch freuen. Die Vorteile überwiegen doch deutlich die Risiken, welche bei einem Land mit 1,3 Millionen Einwohnern doch sicher überschaubar bleiben.
Siehe auch hier:
http://geast.wordpress.co...
Die Regierung in Tallinn müsse SEINEN "umsichtigen finanzpolitischen Kurs" aber beibehalten...
Im Deutschen richtet sich das Possesivpronomen doch auch nach dem Besitzer, oder habe ich das inhaltlich falsch verstanden?
Da hat jemand das Wörtchen "his" einfach gedankenlos mit "sein(en) übersetzt, ohne zu berücksichtigen dass unterschiedliche Sprachen auch unterschiedliche Geschlechtszuweisungen haben.
Da hat jemand das Wörtchen "his" einfach gedankenlos mit "sein(en) übersetzt, ohne zu berücksichtigen dass unterschiedliche Sprachen auch unterschiedliche Geschlechtszuweisungen haben.
Also das Einzige was ich zu Schweden gefunden habe ist, dass die Einführung des Euros 2003 bei einer Volksabstimmung abgelehnt wurde.
Finde die Formulierung der "Zeit" auch etwas missverständlich.
Die Esten und Letten sind uns Deutschen in mancher Hinsicht
viel näher als beispielsweise die Russen und Griechen.
Auch geostrategische Gründe sprechen für eine weitere Integration.
Soweit ich das recht in Erinnerung habe hat auch Schweden die Defizitregeln, wie so gut wie alle Staaten Europas, nicht eingehalten.
Sprich ihre Neuverschuldung lag über 3% des BIP.
Ich Rate den Letten vom Euro ab ,die haben doch grad ihre Finanzen im Griff ,warum sollten sie sich das wieder kaputt machen lassen.
Die neuste summe die die defiziten staaten in den kommenden jahren brauchen beläuft sich auf ca. 1,8 BILLIONEN € was sind da 750 Mrd.
Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Meinung mit sachlichen Argumenten. Danke. Die Redaktion/cs
^^
^^
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