Klimaschutz
EU lehnt höhere CO2-Reduktionsziele vorerst ab
Laut einer neuen Studie könnte Europa seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um zusätzliche zehn Prozent senken. Doch in Brüssel hat die Erholung der Wirtschaft derzeit Vorrang.
© John Thys/AFP/Getty Images

Die Kommissaren für Klimapolitik in Brüssel: Connie Hedegaard
Angesichts der stockenden Weltklimaverhandlungen muss die Europäische Union mit der Erhöhung ihrer Klimaschutzziele noch warten. Das hat EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard in Brüssel empfohlen, gleichzeitig aber auf die in Folge der Wirtschaftskrise massiv gesunkenen Kosten für die Absenkung des CO2-Ausstoßes verwiesen. Mit Blick auf den Neustart der formalen UN-Klimaverhandlungen im Juni in Bonn forderte die Dänin, die Teilnehmer müssten sich auf "Substanz und Inhalte statt Diskussionen über das Prozedere" konzentrieren.
Sollten sich andere wichtige Volkswirtschaften im Rahmen eines Weltklimaabkommens ebenfalls auf "faire" Reduktionsziele verpflichten, könne Europa sein im Dezember 2008 beschlossenes Ziel zur Absenkung des CO2-Ausstoßes um ein Fünftel bis 2020 auf 30 Prozent anheben, sagte Hedegaard.
Beobachter fordern, Europa müsse jetzt einseitig auf 30 Prozent erhöhen, um die stockenden UN-Verhandlungen in Gang zu bringen. Auch EU-Länder wie Schweden oder Großbritannien argumentieren in diese Richtung. Die Bundesregierung ist in der Frage gespalten.
Eine einseitige Erhöhung mache derzeit "keinen Sinn", betonte Hedegaard. Erst im Herbst würden die EU-Institutionen Zwischenbilanz ziehen, um sich für den nächsten Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún richtig aufzustellen.
Die Dänin machte aber auch klar, dass aus ihrer Sicht eine Verschärfung der Klimagesetze im Eigeninteresse der EU ist. "Wegen der Krise hat Europa nicht ausreichend in grüne Technologien investiert", warnte sie. "Andere Regionen wie Asien bewegen sich, und zwar schnell."
2008 seien die Kosten für das 20 Prozent-Reduktionsziel auf 70 Milliarden Euro jährlich veranschlagt worden, rechnete die Kommissarin vor. Eine Erhöhung dieses Ziels auf 30 Prozent habe zum jetzigen Zeitpunkt ein Preisschild von 81 Milliarden Euro – elf Milliarden Euro mehr. Bleibe die EU bei 20 Prozent, hätten sich die Kosten dafür durch die Krise auf 48 Milliarden Euro reduziert.
So seien unter anderem wegen des niedrigeren Wirtschaftswachstums die CO2-Emissionen gesunken und habe sich aufgrund höherer Energiepreise die Effizienz verbessert. Im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) sei der CO2-Preis deutlich gesunken.
Die zusätzlichen 33 Milliarden seien "nichts, was man sich aus dem Ärmel schüttelt", betonte Hedegaard. "Aber das ist kein verlorenes Geld." Dividenden seien Anreize für Investitionen in grüne Technologien, mehr Arbeitsplätze, Energiesicherheit oder sauberere Luft. So könnten 40 Milliarden Euro in Energieimporten gespart werden und bis zu acht Milliarden Euro an Gesundheitskosten.
Auch werde einer Abwanderung der europäischen Industrie entgegengewirkt, da die Kommission erneut Schutzmaßnahmen für energieintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb vorsehe.
Umweltschützer begrüßten die Analyse. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssten auf ihrem Gipfeltreffen am 17. Juni die nötigen Schritte für die Erhöhung auf 30 Prozent einleiten, forderte EU-Klimaexperte Jason Anderson vom World Wide Fund for Nature (WWF). Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms unterstrich, im Rahmen eines Weltklimaabkommens müssten noch ehrgeizigere Ziele beschlossen werden, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. "Eine starke Klimapolitik ist gut für die Wirtschaft und schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in Europa", sagte sie.
Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese bezeichnete das Papier als "wichtigen Schritt". Der Kopenhagener Klimagipfel sei "vor allem an den Positionen der USA und Chinas gescheitert". Aber die Verhandlungspartner hätten auch gespürt, dass die EU zwar immer von der Möglichkeit geredet habe, auf 30 Prozent zu erhöhen, intern aber keine Strategie zur Umsetzung gehabt habe. "Dieser Missstand ist nun zumindest teilweise beseitigt."
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- Datum 26.5.2010 - 18:44 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 9
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ist euch eigentlich mal aufgefallen über was für zahlen die da sprechen? hey...das sind 11 milliarden mehr...merkt ihr was? das ist unglaublich viel kohle nur die kleine elf wirkt so unscheinbar...ich versteh das nicht...aber naja heutzutage lässt sich außerdem ja auch ALLES in wert definieren. ein menschenleben ist ja mittlerweile auch bezahlbar oder der verlust des linken armes...wenn das bei uns funktioniert dann bestimmt auch bei der erde, wenn die kaputtgeheizt ist dann bezahlen wir geld an....äh....E.T.?Bruce Allmächtig? WIR HABEN NUR DIESE EINE ERDE WIR SOLLTEN SIE HEGEN UND PFLEGEN VERDAMMT!!!!!
die vernichtung von wohlstand und die fehlallokation von arbeitskraft durch die bestehenden eingriffe in den markt sind schon schlimm genug wir brauchen nicht noch mehr "gutgemeinte" regulierung
11 Milliarden mehr verteilt auf 10 Jahre bis 2020 verteilt auf die gesamte EU.
Zur Rettung der Banken konnten lässig noch ein paar Nullen an die Zahl drangehängt werden, die Rettung der Welt ist manchen dagegen zu teuer.
Klar, man muss eben Prioritäten setzen ;-)
Ich hoffe mal, dass es sich möglicherweise um eine Verhandlungsstrategie handelt, mit der andere Länder unter Druck gesetzt werden sollen. Mit einer einseitigen Verpflichtung vor Cancun hätte man in der Tat wenig Verhandlungsspielraum.
"Beobachter fordern, Europa müsse jetzt einseitig auf 30 Prozent erhöhen, um die stockenden UN-Verhandlungen in Gang zu bringen." oder "Laut einer neuen Studie könnte Europa seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um zusätzliche zehn Prozent senken."
Diese beiden Kernaussagen bringen es auf den Punkt! Aus den Fingern gesaugter Schwachsinn wie auch das Thema an sich! Hinzu kommen die aus dem Umweltbundesamt bekannten, und aus der DDR-Planwirtschaft übernommenen, Kunstrechenmethoden
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!
wenn Geld nicht weiter für veraltetes ausgegeben würde (Kohle, Öl, Atom) sondern in diese Technologien:
http://www.ise.fraunhofer...
Das wäre zukunftssicher weil quasi unerschöpflich. Es würde die Forschung in Spitzenbereichen vorantreiben. Die Dezentralisierung würde einerseits mehr Menschen an der Wirtschaft beteiligen (Kleinerzeuger, Wartungstechniker), andererseits zu einer größeren Ausfallsicherheit im Falle von Katastrophen führen und zudem das Verkehrsaufkommen verringern.
Außerdem, die ideale Weise Energie umzuwandeln ist die direkte. Solarenergie ist ein Teil dieses Puzzles. Eine andere ist die direkte Umwandlung von Wärme - geistert auch irgendwo durchs Netz. Kombiniert würde wohl der nochmals Wirkungsgrad steigen. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland die Sonne im Jahresschnitt ca. 500-1000 W/m² gratis liefert....
11 Milliarden in 10 Jahren das sind bei 500 Millionen EU-Bürgern ungefähr 2,2 Euro im Jahr oder unglaublich 20 cent im Monat pro EU-Bürger. Diese Planwirtschaft geht wirklich viel zu weit!
Wenn mich nicht alles täuscht, war das nun Brüderles erste Amtshandlung, indem er sich in Brüssel frontal gegen die Meinung seines Parteikollegen Röttgen stellte. Was für eine Tragik für die FDP, dass sich ihr einziger vernünftiger Kopf im Kabinett nicht durchsetzen konnte.
Jörn
http://www.24h-in-hamburg...
...wird immer wieder aufs neue überboten. Was glauben unsere Eliten wohl wie oft wir noch Ölblasen auf dem Meeresgrund anbohren können?
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