Interview "Europa verliert den Anschluss"

Elektroautos müssen subventioniert werden, fordert Opel-Chef Nick Reilly. Im Interview spricht er von 5000 bis 6000 Euro pro Fahrzeug, um die Nachfrage zu stimulieren.

Frage: Herr Reilly, was ist Ihr Lieblingsauto?

Reilly: Ein Vauxhall 30/98 aus dem Jahr 1920, den ich daheim in Großbritannien habe. Er war einst einer der besten Wagen der Welt: der erste, der garantiert über 100 Meilen pro Stunde lief. Er ist wunderschön. Ich habe ihn allerdings länger nicht gesehen. Als ich nach Asien gegangen bin, habe ich ihn zu einer Spezialwerkstatt gebracht, um den Motor überholen zu lassen. Neun Jahre sind seitdem vergangen, und ich habe zu viel Geld dafür ausgegeben. Ich freue mich aber sehr darauf, ihn in ein paar Wochen abzuholen.

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Frage: Werden elektrische Autos jemals solche Emotionen auslösen?

Reilly: Auch elektrische Autos werden für Freiheit stehen. Sie werden sicher nicht alle gleich aussehen, nur weil sie elektrisch betrieben werden. Es wird nach wie vor um Emotionen und Praxistauglichkeit gehen. Der andere Antrieb ändert nichts an der Idee des Autos. Sicher wird es Fahrzeuge geben, die in erster Linie einen hohen Gebrauchsnutzen haben, in Städten zum Beispiel. Aber das ist ja heute auch schon so. 

Nick Reilly
Nick Reilly

Der Waliser Nick Reilly wurde 1949 geboren und amtiert seit Anfang des Jahres als Chef von Opel, der europäischen Tochter von General Motors. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er für den US-Konzern, zuletzt in Asien, wo er die Tochter Daewoo auf Vordermann brachte. Neben Opel verantwortet er auch alle Europa-Aktivitäten von GM.

Frage: Was erwarten Sie von dem Elektroautogipfel bei der Bundeskanzlerin?

Reilly: Es ist ein gutes Signal, dass so ein Gipfel stattfindet. Die Elektrifizierung des Autos schreitet schneller voran als von vielen erwartet. Europa läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Die Regierungen asiatischer Länder, insbesondere Chinas, geben Milliarden für Forschung und Entwicklung aus.

Frage: Das sollte auch die Bundesregierung tun?

Reilly: Die Regierung sollte Anreize für Investitionen schaffen. Mittel für Forschung und Entwicklung sind sicher notwendig. Aber das allein wird nicht reichen. Es geht doch um drei Dinge: Autos, Infrastruktur und Nachfrage. Für die Autos sorgen wir, die Infrastruktur hängt dann von politischen Vorgaben ab: Will man zunächst große Städte ausrüsten? Will man, dass auch lange Strecken elektrisch gefahren werden können? Wo will man Ladestationen haben? Und nachdem die Regierungen die Elektrifizierung wollen, wäre es sinnvoll, die Nachfrage anfangs zu stimulieren, da revolutionäre neue Technologien zu Beginn immer teuer sind. Viele Regierungen in Europa wollen die Käufer von elektrischen Autos unterstützen. Es wäre ermutigend, wenn auch die Bundesregierung diesen Weg beschreitet. Andere Länder sprechen von 5000 oder 6000 Euro als direkter Kaufunterstützung.

Frage: Das sind enorme Kosten.

Reilly: Wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Noch ist die Technologie teuer, deswegen ist jetzt Hilfe gefragt. Es gäbe aber auch andere Möglichkeiten, nämlich die Kosten der Fahrzeugnutzung verringern. Vom Gratisparkplatz bis zur Steuerbefreiung lässt sich eine Menge tun, um das Elektroauto voranzubringen. Aufgrund des enormen Fahrzeugbestandes wären mögliche Steuerausfälle dabei zu vernachlässigen. Der Staat könnte auch mit gutem Beispiel vorangehen, seine Fahrzeugflotten elektrifizieren und damit deutlich machen, dass er voll hinter dieser Technologie steht.

Frage: Das geht nur mit massiven Subventionen?

Reilly: Nicht nur. Die Entwicklung von gewissen Standards wäre schon eine große Hilfe. Es wäre nicht sinnvoll, wenn alle Hersteller unterschiedliche Stecker und Ladesysteme entwickeln. Das gilt auch für die Fahrzeugwartung und für Sicherheitsanforderungen, zum Beispiel Crashtests. Diese Standardisierung sollte im Übrigen nicht auf Deutschland beschränkt sein, wir brauchen eine europaweite Lösung. 

Leser-Kommentare
    • CM
    • 03.05.2010 um 10:21 Uhr

    Derzeit stehen viele Branchen Schlange vor den leeren Kassen der Staaten, um noch möglichst viele Subventionen abzugreifen - und einige wollen sich vordrängeln.

    Elektroautos beheben keine Umweltprobleme, sondern verlagern sie, bei gleichzeitiger Vernichtung von Kapital. Daß die Autohersteller ihren jahrzehntelangen Dornröschenschlaf nun mit einigen gar nicht so neuen Konzepten beenden wollen ist eine Sache, aber müssen wir Steuerzahler sie für's Aufwachen auch noch bezahlen? Sind wir diejenigen, die immer nur zur Kasse gebeten werden, wenn's eng wird, die aber von denselben Unternehmen dank kreativer Buchführung niemals erwarten dürfen, daß Geld zurück in die Staatskassen fließt?

    Die derzeitige Kampagne der Autohersteller für Elektroautos ist nicht nur peinlich, weil sie deren Unfähigkeit, wirtschaftlich zu arbeiten und Visionen in Produkte umzusetzen, offen zeigt. Sie ist auch verlogen, denn natürlich werden dabei vor allem Altlasten der Firmen quersubventioniert.

    Wäre es der Kanzlerin und ihrem von Parteispenden der Autohersteller und Energiekonzerne abhängigen Tross ernst mit dem Bau von E-Mobilen, sie würden einen großen Bogen um diejenigen machen, die vor allem ihre alte Macht und ihre alten Strukturen erhalten wollen.

    Wäre es ihr wichtig, sie würde sich kleine, flexible, erfolgsgierige Unternehmen suchen, die das Potenzial haben, die Welt zu ändern. Nur, es ist kaum auszusprechen, diese Firmen haben leider nicht das Geld, um sich eine Regierung zu kaufen.

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    Ein sehr guter Kommentar, der die wesentlichen Aspekte auf den Punkt bringt!

    Ein sehr guter Kommentar, der die wesentlichen Aspekte auf den Punkt bringt!

  1. ...verlangt eine Subvention und am Besten 5000 bis 6000 Euro?! Ja klaaaaaaaaaar. Außerdem kann man bei den Autokonzernen dann eh davon ausgehen, siehe die vielen möglichen Rabatte beim Kauf, das man mit der Hälfte auch auskommen würde und der Rest Gewinn wäre.

  2. und das Wunschdenken dahinter:
    Was passiert denn mit einem Produkt, welches nicht (wie gefordert) subventioniert wird?
    Wird es dann nicht an seinem wahren Wert gemessen?

    Es scheint Usus, dass Vernunft nur mit finanziellen Anreizen geschaffen werden kann, aber speziell bei diesem Beispiel muss man sich fragen, welche Art von Vernunft das sein soll. Eine erkaufte, kurzsichtige, fremdbestimmte.

    Das absurde Verhalten, erst mittels "grüner" Werbung und vielen Subventionen auf vermeintlich umweltfreundlichere Techniken umzusteigen, hat man den Menschen antrainiert, sie sind dadurch aber weder vernünftiger noch weitsichtiger geworden.

    Was und vor allem wem hat die letzte Subventionsrunde im Automobilbereich, die Abwrackprämie (in pol. Kreisen dann "Umweltprämie"), denn Etwas gebracht?
    Das waren 5 Milliarden Euro, innerhalb von Monaten und natürlich haben die, die es sich leisten konnten (und die, die noch Kredite bekamen) zugeschlagen - siehe oben, Punkt "antrainiert".
    Das waren 2500€ je Fahrzeug, der Opel-Obere hier spricht von 5000-6000 bei den E-Autos.
    Ergebnis? Eine teuer erkaufte kleinere Delle im Absatz, vergeudetes Geld und eine Industrie, die ohne Zögern nun wieder anklopft.

    Wann wurde zuletzt so viel und in so kurzer Zeit in die Bildung, die Forschung oder auch mal andere Bereiche als den der A-Industrie investiert?
    Sie ahnen es, nie.

    Wer sich am Portemonnaie durch den Weitsicht-Dschungel ziehen lässt, entwickelt nie Bewusstsein. Vielleicht kein ungewollter Effekt.

  3. dass der Steuerzahler eine gute Kuh ist, die man nur zu melken verstehen muss.
    Da hilft ein bisschen Drohen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen! Das Klavier auf dem er spielt heißt Zukunftsangst.

  4. entfernt.
    Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Diskussionsbeiträgen und achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km

    • self22
    • 03.05.2010 um 11:31 Uhr

    Die anderen haben mit den Subventionen angefangen. China koordiniert seine Entwicklung wie einst die Sowjetunion die Raumfahrtentwicklung. Und Amerika holte den Vorsprung dann auch nur mit mit vielen Steuer-Dollars und einer staatlichen Gesamtkoordination auf. China ist eine zentrale Planwirtschaft nur mit marktwirtschaftlichen Teilfreiheiten, und dadurch mit den imanenten Vorteilen bei gesellschaftlichen Großprojekten. Elektroautos haben sie als gesellschaftliches Großziel bestimmt, Geld spielt jetzt keine also Rolle mehr.
    Die Frage lautet also jetzt lapidar: "Wollen wir unsere Autoindustrie (als führend) erhalten oder bei der nächsten Generation unbedeutende Mitläufer sein?"
    Ich sehe unter diesen Umständen LEIDER keinen Weg ohne Subventionen und koordiniertem Vorgehen.

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    helfen könnten auf dem Chinesischen / Indischen Markt auf lange Sicht mitzuhalten, total weltfremd. In diesen Ländern sind die Produktionskosten pro Stück dermaßen weit unter unseren, wollen wir den Chinesischen Kunden auch 5000 Euro pro Auto geben damit Sie einen Daimler (Made in Germany) statt nen Geely kaufen? Weil von einem Daimler Made in China haben wir auch nichts.

    auch subventionieren und wer soll das bezahlen?

    helfen könnten auf dem Chinesischen / Indischen Markt auf lange Sicht mitzuhalten, total weltfremd. In diesen Ländern sind die Produktionskosten pro Stück dermaßen weit unter unseren, wollen wir den Chinesischen Kunden auch 5000 Euro pro Auto geben damit Sie einen Daimler (Made in Germany) statt nen Geely kaufen? Weil von einem Daimler Made in China haben wir auch nichts.

    auch subventionieren und wer soll das bezahlen?

  5. 7. Dicht

    Wann wird Opel denn endlich Dicht gemacht? Der nächste unfähige amerikanische Manager der vom Autobau keinen blassen Schimmer hat, steht am Start und das einzige was ihm einfällt ist wieder Geld vom Staat. Ich habe keine Lust mehr diesen maroden Pleiteladen mit seinen mieserablen Autos mit meinen Steuergeldern zu finanzieren.

  6. Wenn man die Entwicklung so verfolgt, schleicht sich jedenfalls das ungute Gefühl ein, das letzterer Begriff zunehmend besser unsere Wirtschaftsform beschreibt, als der tradierte Begriff der sozialen Marktwirtschaft.

    Denn echte Marktwirtschaft verzichtet weitgehend auf solche Hilfen, die eben nicht neutral, sondern fast immer an Bedeutung und Größe von Unternehmen und Wirtschaftszweigen gebunden sind.

    Das mag kurzfristig sozial erscheinen, weil viele Arbeitsplätze betroffen sind, doch mittel- und langfristig spaltet das die Gesellschaft.
    Fatal auch, das solche Hilfen die Eingenart haben, die Abhängigkeit von solchen Unternehmen immer weiter zu vergrößern. Schlicht weil ihr Erpressungspotential steigt, und Gleichzeitig die Anzahl der Konkurrenten abnimmt.
    Ob jenseits der politischen Opportunitäten eine Förderung einer solchen Technik in dieser Form am Ende wirklich den Zielen dient, ist ebenfalls fraglich.
    Denn diesen Überlegungen liegt Annahme und Planung zugrunde und eben nicht absehbare Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit, nicht mal ökologische Kosten berücksichtigende Wirtschaftlichkeit ist hier halbwegs schlüssig nachweisbar.

    H.

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