Eurorettung : Wie die EZB den Euro retten will

Um den Zerfall des Euroraums zu stoppen, will die Europäische Zentralbank Staatsanleihen aufkaufen. ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zur Rolle der EZB.
Die Europäische Zentralbank bricht ein Tabu: Sie kauft Anleihen der Eurostaaten © DOMINIQUE FAGET/AFP/Getty Images

Im Kampf um die Zukunft des Euros haben die Euroländer ein bis zu 750 Milliarden Euro umfassendes Rettungsprogramm aufgelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) flankiert das Paket mit dem für sie ungewöhnlichen Beschluss , Anleihen schwer angeschlagener Eurostaaten aufzukaufen. Dies hatte sie bisher abgelehnt.

Woher kommt die Kehrtwende?

Die Euroländer und die EZB reagieren mit den Maßnahmen auf den gewaltigen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen in den vergangenen Wochen. Angesichts drohender Zahlungsprobleme Griechenlands waren zunächst die Zinsen auf griechische Papiere kräftig gestiegen. An den Finanzmärkten wuchs aber auch die Sorge, dass in Portugal und Spanien ebenfalls ein Zahlungsausfall droht, also sprangen auch deren Risikoaufschläge nach oben.

Die Politik fürchtete eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Aus Angst vor Staatspleiten treibt der Markt die Zinsen hinauf, womit ein Staat aber immer größere Schwierigkeiten hat, seine Schulden zu bedienen – und dann kommt die Pleite womöglich erst recht. Die jetzt beschlossenen Interventionen sollen daher Spekulationen eindämmen, die Märkte beruhigen und damit die Renditen drücken. Michael Schubert, Ökonom der Commerzbank, weist allerdings darauf hin, dass dies ein Trial and Error -Prozess sei: Niemand wisse genau, wo das "fundamental gerechtfertigte" Zinsniveau liegt.

Was wird die EZB kaufen?

Erst vor einer Woche hatte Zentralbank-Präsident Jean-Claude Trichet angekündigt, griechische Anleihen auch mit schlechter Bonität als Sicherheit zu akzeptieren. Nun geht die Notenbank noch einen Schritt weiter: Aus Furcht vor einem Zerfall der Eurozone will sie zur Not nun sogar Anleihen hoch verschuldeter Euroländer kaufen. Der EU-Vertrag verbietet ihr, direkt Staatsanleihen von einer emittierenden Regierung zu erwerben. Sie kann also nur am sogenannten Sekundärmarkt Papiere aufkaufen. Die EZB kündigte an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv zu werden.

Um welches Volumen geht es?

Auf den Umfang hat sich der EZB-Rat aber noch nicht festgelegt. Commerzbank-Ökonom Schubert zieht einen Vergleich zu der US-Notenbank Fed und der Bank of England (BoE), die in der Finanzkrise in großem Maßstab eigene Staatsanleihen gekauft haben. Im Euroraum stehen laut Schubert Staatsanleihen der als besonders gefährdeten Länder Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland in einem Volumen von 2200 Milliarden Euro aus. Sollte die EZB einen ähnlichen Anteil aufkaufen wie die Bank of England, müsste sie rund 600 Milliarden Euro bereitstellen. "Verhält sie sich wie die Fed beim Staatsanleihenkauf, so wären es nur 110 Milliarden Euro." Der Volkswirt räumt allerdings ein, dass der Vergleich hinkt, da die Zielsetzung bei Fed und BoE eine andere war.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Einfach mal unendlich wachsen

So langsam lässt sich die Natur der Sache nicht mehr verheimlichen: es kann nur noch schlimmer werden. Ich habe mal unsere Staatsverschuldung (Quelle wikipedia.de) mit dem typischen Kurvenverlauf einer Exponentialfunktion überlagert.

http://i41.tinypic.com/2j...

Wenn die Beule wegen der deutschen Einheit nicht wäre, hätten wir ja fast eine Ideallinie! Also anschnallen bitte, es wird noch schlimmer und in immer kürzeren Abständen kommen. Wie sagt der Mathematiker: die Funktion divergiert gegen unendlich.

Also brauchen wir doch nur ein Konjunkturpaket 3, welches uns unendliches Wirtschaftswachstum ermöglicht. Dann zahlen wir alles zurück. Bis dahin brauchen wir aber noch einen Kredit....

Erst die Abwrackprämie: 5 mal 10 hoch 9 => 5 Mrd.

dann die HRE: 1 mal 10 hoch 10 => 100 Mrd.

und die Griechen: 1,2 mal 10 hoch 10 => 120 Mrd.

nun die Eurokrise: 0,75 mal 10 hoch 11 => 750 Mrd.

dann die Weltkrise? 2,0 mal 10 hoch 12 => 2 Billionen?

Das mit dem divergieren klappt schon mal.

Ist der Euro in Gefahr? Ich meine nicht

Meiner Meinung ist der Euro nicht wirklich in Gefahr. Es ist doch völlig normal, daß eine Währung schwankt. Im Januar letzten Jahres war der Euro auch ca. bei 1,25 $. Im Gegenteil, es ist sogar gut für die deutsche Exportwirtschaft, wenn der Euro niedrig ist. Deshalb verstehe ich die ganze Aufregung der Politiker nicht. Ich habe den Eindruck, die Politiker verwechseln da irgendwas. Warum soll der Euro in Gefahr sein, wenn sein Wechselkurs fällt? (Zugegeben, er ist letzte Woche allerdings ziemlich stark gefallen). Und warum sollte das Geld der deutschen Bürger in Gefahr sein? Das ist alles nur Panikmache und eine an den Haaren herbeigezogen Rechtfertigung für eine enorme Garantiesumme.
Etwas anderes sind die "schwachen" Südländer. Griechenland sollte nach Meinung vieler Ökonomen aus der Währungsunion austreten. Aber durch einen Austritt von Griechenland wäre die Währungsunion doch auch nicht in Gefahr, sie würde nur kleiner. Ich fürchte, dieses Hilfpaket mit der enormen Summe (700 Mrd. Euro)wird nichts nützen. Es wird nur eine sehr teure Angelegenheit werden für die Euro-Staaten und vor allem für Deutschland, den Haupt-Zahlmeister der Europäischen Währungsunion, wenn die Garantien tatsächlich gezogen werden.