Rettungsschirm Frankreichs Europaminister hält Euro-Rettung für Vertragsbruch
Der französische Europaminister Lellouche sieht im Rettungsschirm für Euroländer einen Vertragsbruch. Die EU-Kommission hält die Interpretation für bedenklich.
© Pierre Verdy/AFP/Getty Images

Frankreichs Europaminister Pierre Lellouche
Ist der Rettungsschirm für bedrohte Euro-Staaten ein Bruch mit europäischen Verträgen? Nein, sagt die Bundesregierung seit der Rettungsnacht vom Monatsanfang in Brüssel. Sie argumentiert, dass der Rettungsschirm nur ein vorübergehender Mechanismus ist, der keinesfalls dem Lissabon-Vertrag widerläuft.
Nun gibt es prominenten Widerspruch aus Frankreich. Der europäische Europaminister Pierre Lellouche sagte in einem Interview mit der Financial Times : "De facto haben wir den Vertrag verändert". Das Hilfssystem sei "in den Verträgen mit der bekannte Klausel gegen Rettungsaktionen ausdrücklich verboten". Das Rettungsprogramm verankere Solidarität unter Staaten in den Prinzipien der EU.
Zugleich verglich er die Hilfsaktion mit Artikel 5 des Nato-Vertrags, der den Bündnisfall unter den Staaten regelt. Der 440-Milliarden-Euro-Mechanismus sei "nichts anderes als die Fremdübernahme von Nato-Artikel 5 mit der Bündnisfall-Klausel, angewandt auf die Eurozone." Diese grundlegende Veränderung der Verträge erkläre die Zurückhaltung einiger Staaten.
Damit widerspricht Lellouche nicht nur der deutschen Interpretation der Rettungsnacht, sondern auch jener der EU-Kommission. Diese stellte noch am gleichen Tag klar, das Hilfssystem bedeute kein verbotenes "Herauskaufen" ("Bail-Out") von Euro-Staaten. "Es geht um eine auf drei Jahre befristete finanzielle Hilfe unter strikten Bedingungen", sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Die Unterstützung werde zudem zu einem überwiegenden Teil nicht von der Gemeinschaft, sondern von den Euro-Staaten über eine besondere Vereinbarung selbst organisiert.
Vor allem Deutschland hatte in den Verhandlungen Anfang des Monats darauf gedrungen, dass der gemeinsam errichtete Fonds in Höhe von 440 Milliarden Euro von einer Zweckgesellschaft verwaltet wird und nicht von der EU-Kommission. Dadurch behalten die nationalen Regierungen ein Vetorecht. Nach Ansicht der Bundesregierung verstößt der Rettungsschirm damit nicht gegen europäische Verträge.
Lellouche sagte, die Kanzlerin habe Recht, wenn sie davor warne, dass die EU nicht zu einer "Transferunion" werden könne, in der reiche Mitgliedsländer ärmere unterstützen. Zugleich wies er Befürchtungen zurück, die deutsch-französische Partnerschaft habe in der Euro-Krise Schaden genommen. Es bedürfe aber großer Anstrengungen, damit die Beziehungen beider Länder weiterhin gut funktionierten. Frankreich akzeptiere es als völlig "normal", dass Deutschland seine nationalen Interessen geltend mache.
- Datum 28.05.2010 - 17:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Natürlich ist es ein Vertragsbruch. Genauso wie der Aufkauf von Schrottanleihen gegen die Satzung der EZB verstößt, aber trotzdem gemacht wird. Verträge und das Rechtssystem scheren die Regierungen nicht. Gut, dass es schon mehrere Klagen sowohl gegen die Griechenlandhilfen, als auch gegen den Rettungsschirm gibt. Das Veruntreuen von Steuergeldern seitens der Politiker muss endlich aufhören. Hoffentlich trifft das BVerfG/EuGH ein rechtliches und kein politisches Urteil. Die letzte Institution, zu der ich in Deutschland noch einen Funken Vertrauen habe.
Wirklich? Ganz Gallien?
Oder nicht vielmehr ein Minister aus der französischen Ministerriege?
ZEIT Online: gaaanz schlechte Überschrift.
Ich zitiere hier mal aus der Kolumne von Lucas Zeise (Financial Times Deutschland):
“Die Formulierung im Lissabon-Vertrag, kein Staat hafte für die Schulden eines anderen, wurde als "No-Bailout-Klausel" uminterpretiert und unter die Leute gebracht. Die in diesem Sinne gläubige "Bild"-Zeitung konfrontierte die Kanzlerin sogar mit dem Zitat aus dem Vertragstext. Dabei hätte ihr Justiziar bestimmt erklären können, dass, wer nicht haftet, zwar für einen anderen nicht einstehen muss, es aber, wenn er unbedingt will, durchaus tun kann. Die Verträge zum Euro haben also keine Bindungs-, sondern eine Entbindungswirkung. Die Bundesregierung und das deutsche Parlament sind rechtlich frei, Hilfen für Griechenland, Malta oder Kirgistan zu beschließen oder abzulehnen.”
(FTD, “Lucas Zeise — Ende der deutschen Schulweisheit”, 11.5.10)
Nach ihrer Auffassung scheint die FTD als einzige einen Justiziar zu haben.
Andere Juristen kommen da zu einem abweichenden Ergebnis.
http://www.cep.eu/analyse...
Dort ist die Analyse komplett hinterlegt, mit weiteren Nachweisen.
Wieso redet dann der Sprecher des Währungskommissars vom "verbotenen" Herauskaufen? Kennt der keinen Juristen?
Ganz so sonnenklar wie in der FTD dargestellt ist die Sache doch nicht.
Viele Grüße
Nach ihrer Auffassung scheint die FTD als einzige einen Justiziar zu haben.
Andere Juristen kommen da zu einem abweichenden Ergebnis.
http://www.cep.eu/analyse...
Dort ist die Analyse komplett hinterlegt, mit weiteren Nachweisen.
Wieso redet dann der Sprecher des Währungskommissars vom "verbotenen" Herauskaufen? Kennt der keinen Juristen?
Ganz so sonnenklar wie in der FTD dargestellt ist die Sache doch nicht.
Viele Grüße
Diese Ehrlichkeit ist erfrischend.
http://undeadsystem.blogs... „Show a Undead System how to Die!“ Bundesweite Krisendemo am 12. Juni 2010 – Reden hat Jahrzehnte nichts zum besseren verändert, Zeit zu handeln!!! Wir werden nur bekommen wofür wir kämpfen!
Arbeiter / Schüler / Studenten / Rentner / Arbeitslose – zusammen kämpfen heisst zusammen siegen!
"Der europäische Europaminister Pierre Lellouche" ist wohl eher französisch als europäisch. Ich nehme nicht an, dass die Formulierung mit Absicht so gewählt ist (oder?).
hat mit Sicherheit zugestimmt, damit sein Minister
das heraus posaunen darf.
Kommt da noch was?
Nach ihrer Auffassung scheint die FTD als einzige einen Justiziar zu haben.
Andere Juristen kommen da zu einem abweichenden Ergebnis.
http://www.cep.eu/analyse...
Dort ist die Analyse komplett hinterlegt, mit weiteren Nachweisen.
Wieso redet dann der Sprecher des Währungskommissars vom "verbotenen" Herauskaufen? Kennt der keinen Juristen?
Ganz so sonnenklar wie in der FTD dargestellt ist die Sache doch nicht.
Viele Grüße
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