Finanztransaktionssteuer Mit der Finanzsteuer Armut bekämpfen!

Wer den Schaden verursacht, muss auch dafür zahlen, fordert Barbara Unmüßig, Leiterin der Böll-Stiftung, in einem Gastbeitrag. Sie will mit einer Finanzsteuer der Dritten Welt helfen.

Endlich! Die Finanztransaktionssteuer, über viele Jahre von der orthodoxen Ökonomie als Gutmenschen-Idee belächelt, hat es in das Zentrum der finanzpolitischen Entscheidungsprozesse geschafft. Viele Jahre lang als Instrument der Krisenprävention gefordert, hat sie nun inmitten der größten Finanzkrise nach 1929 endlich die Chance, umgesetzt zu werden. Und das ist gut so.

Eine Bändigung der entfesselten Märkte und die Beteiligung der Finanzbranche an den Kosten der von ihr ausgelösten weltweiten Krisen müssten eigentlich jedem einleuchten. Das Verursacherprinzip muss endlich zum Zuge kommen. Diejenigen, die den Schaden mit verursachen, müssen auch für die Beseitigung des Schadens aufkommen. Dieses Prinzip ist in unserer Gesellschaft breit akzeptiert und praktiziert. Warum fällt es der Politik so schwer, dieses Prinzip auch für die toxischen Bestandteile unserer marktwirtschaftlichen Ordnung konsequent anzuwenden?  

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Barbara Unmüßig
Barbara Unmüßig

Seit Mai 2002 leitet Barbara Unmüßig die Heinrich-Böll-Stiftung. Sie ist verantwortlich für die Strategie und Programmentwicklung für Lateinamerika, Afrika, Asien, Nahost und das "Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie". Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen auf den Themen Globalisierung und internationale Klimapolitik, nationale und internationale Geschlechterpolitik sowie Demokratieförderung und Krisenprävention.

Bemerkenswert an der laufenden öffentlichen Debatte ist, dass sie sich fast ausschließlich auf den – von den üblichen Verdächtigen – bestrittenen Regulierungseffekt konzentriert. In Vergessenheit geraten zu sein scheint, was die unermüdlichen und langjährigen Befürworter des Instrumentes damit ebenfalls intendierten: einen Solidarbeitrag für die Armen weltweit, gedacht als fairer Ausgleich für die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, als fairer Ausgleich für die ebenfalls vom Norden zu verantwortende Klimakrise.

Die Finanztransaktionssteuer – eine Art "Robin Hood der Entrechteten und Entehrten"? Sie war und ist seit zehn Jahren die Kernforderung des globalisierungskritischen Netzwerks Attac. Die Kampagne des Bündnisses "Steuer gegen Armut" ("Robin-Hood-Steuer") wird breit unterstützt, auch in Deutschland von namhaften zivilgesellschaftlichen Organisationen – darunter der DGB, kirchliche Hilfswerke wie Adveniat und EED, BUND, Oxfam oder Welthungerhilfe.

Die Finanztransaktionssteuer wird viele Milliarden Dollar einbringen. Diese sollten nicht nur zur Finanzierung der Krisenbewältigung im Inland und in der Euro-Zone genutzt werden. Die Gelder werden dringend benötigt, um die soziale Entwicklung (Milleniumsziele) und die ökologische Transformation, die Vermeidung von und die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren. Auch hier gilt: Krisenprävention ist finanziell allemal günstiger als Hilfe im ökologischen Katastrophenfall, beim Zerfall von Staaten oder für die Einhegung interner gewalttätiger Konflikte.

Die öffentlichen Finanztransfers in die Länder des globalen Südens werden auch weiterhin gebraucht. Denn die realwirtschaftlichen Folgen der letzten Finanzkrise haben viele Entwicklungserfolge zunichte gemacht. Die ärmsten Länder haben über die Entwicklungshilfe die versiegenden privaten Kapitalströme und Wachstumseinbußen abzufedern versucht und Sicherheitsnetze aufgespannt, wo sie am dringendsten nötig waren. Staatliche Basisfunktionen – Krankenbetreuung, Grundschulbildung und wirtschaftliche Infrastruktur – konnten in einem gewissen Umfang aufrechterhalten werden. Dennoch sind nach Schätzungen der Weltbank mehr als 100 Millionen Menschen krisenbedingt und ohne eigenes Verschulden in die Armut zurückgefallen.

Die Finanztransaktionssteuer muss also auch Finanzmittel für die Armutsüberwindung und für den Kampf gegen den Klimawandel bereitstellen – hier fallen die meisten Industrieländer bislang weit hinter ihre Zusagen aus den letzten Jahren zurück. Nur dann lassen sich das wechselseitige Vertrauen in die vielbeschworene globale Partnerschaft stärken und Ziele wie Klimaschutz, globale Sicherheit und nachhaltiger Wohlstand verwirklichen.

Ursprünglich wollte die Finanztransaktionsteuer immer beides: Einen Beitrag zur Regulierung der Finanzmärkte leisten und dringend benötigtes Geld für die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz mobilisieren. Das muss heute auf der Agenda aller Regierungschefs in und außerhalb Europas stehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Finanztransaktionssteuer oder ähnliche Steuer zur Schuldentilgung nehmen!
    Es wird immer wieder vergessen, daß Deutschland sehr viele Schulden hat.Tilgen, Tilgen! Nirgends ist bisher ein Plan, wie die bisherigen Schulden abgetragen werden können. Der EURO-Rettungsplan könnte sich im übrigen als Fass ohne Boden erweisen.

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    Deutschland ist nach wie vor Exportweltmeister, je nach Rechengrundlage und war dies über Jahre. Dieser Titel wurde nicht umsonst vergeben. Deutschland hat durch die gewaltigen Exportübershüsse mehrer 100' Mrd Euros eingenommen. Ich denke die korrekte Zahl liegt so bei ca. 1 Bio. Euros über die vergangenen 10 Jahre.
    Haben sie eine Erklärung wo das Geld geblieben ist versus warum die Nation so viele Schulden hat und warum deren Rückzahlung beinahe Ausnahmslos von den abhängig Beschäftigten gefordert wird?
    Was im Kontext dieser Zahlen wäre der Impact einer Steuer für die 3te Welt oder von mir aus auch viele ander Soziale Projekte in Europa mit seinen Mio. von verarmten Einwohnern?

    Deutschland ist nach wie vor Exportweltmeister, je nach Rechengrundlage und war dies über Jahre. Dieser Titel wurde nicht umsonst vergeben. Deutschland hat durch die gewaltigen Exportübershüsse mehrer 100' Mrd Euros eingenommen. Ich denke die korrekte Zahl liegt so bei ca. 1 Bio. Euros über die vergangenen 10 Jahre.
    Haben sie eine Erklärung wo das Geld geblieben ist versus warum die Nation so viele Schulden hat und warum deren Rückzahlung beinahe Ausnahmslos von den abhängig Beschäftigten gefordert wird?
    Was im Kontext dieser Zahlen wäre der Impact einer Steuer für die 3te Welt oder von mir aus auch viele ander Soziale Projekte in Europa mit seinen Mio. von verarmten Einwohnern?

  2. Die Dame glaubt wohl alles, was ihr die Mainstreampresse vorsetzt. Liest man die Schwepunkte ihrer Tätigkeit, wäre man aber auch erstaunt, wenn es anders wäre. Statt zu einer Denkfabrik mit Anspruch scheint die Böll-Stiftung zu einer reinen Campaigningorganisation verkommen zu sein.

  3. aber unsere Politiker verkaufen die Finanztransaktionssteuer als ihre Idee! Zur Rettung eines Wirtschafts- und Finanzsystems, das zu Ende geht!!

  4. " Rettet die Wale,- und rettet Euch selbst" ... Zitat aus einem U-Comic ca. 1985.

  5. Deutschland ist nach wie vor Exportweltmeister, je nach Rechengrundlage und war dies über Jahre. Dieser Titel wurde nicht umsonst vergeben. Deutschland hat durch die gewaltigen Exportübershüsse mehrer 100' Mrd Euros eingenommen. Ich denke die korrekte Zahl liegt so bei ca. 1 Bio. Euros über die vergangenen 10 Jahre.
    Haben sie eine Erklärung wo das Geld geblieben ist versus warum die Nation so viele Schulden hat und warum deren Rückzahlung beinahe Ausnahmslos von den abhängig Beschäftigten gefordert wird?
    Was im Kontext dieser Zahlen wäre der Impact einer Steuer für die 3te Welt oder von mir aus auch viele ander Soziale Projekte in Europa mit seinen Mio. von verarmten Einwohnern?

    • gauss
    • 21.05.2010 um 21:01 Uhr

    China und Indien schaffen nicht deswegen den Wiederaustieg als Weltmächte, weil das THW ein paar Brunnen baut, sondern weil sie vor Jahrzehnten die richtigen Reformen eingeleitet haben und eine klare Strategie haben. Ganz ohne Entwicklungshilfe! Entwicklungshilfe dient doch nur der Bespaßung des bürgerlichen Nachwuchs der Industrieländer. Selbst Wirtschaftswissenschaftler aus Afrika vertreten mittlerweile die Meinung, dass sie wenig nützt, aber viel schadet. Bei der Sozialhilfe ist es ja nicht anders. Das Geld was durch eine Finanztransaktionssteuer kassiert wird, ist das Netto-Geld der Steuerzahler, inländisch, wie ausländisch. Oder wo sollen staatliche Rentenfonds das Geld her haben? Was ist das für eine Moral- und Ethikvorstellung, wenn man sich an dem Eigentum von Bürgern einfach vergeht?

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    beziehen die Rentegelder aus Umlagerunsgverfahren was nicht's anderes heisst als das die Einzahlungen unmittelbar wieder als Renten ausbezahlt werden.
    Die privaten Rentensysteme hingegen basieren auf Kapital das Individuell angespart wird. Mit diesen Spargeldern kann man dann u.a. Fonds bilden... Die versprochenen Renditen und späteren Rentenauszahlungen werden an den Kapital/Finanzmärkten versucht zu generieren. Die Kapitalbasierten Systeme sind allesammt noch den Beweis schuldig das diese stabil über mehrere Generation die Renten sichern können. Zur Zeit sieht das überall ziemlich übel aus... In der Schweiz wo das bereits seit mehr als 20 Jahren praktiziert wird sind 0% Zinsrunden sowie Rentenkürzungen angesagt...

    Aber die Boni der Investmentbanker kommen von Gott?

    Geht's noch blöder?

    beziehen die Rentegelder aus Umlagerunsgverfahren was nicht's anderes heisst als das die Einzahlungen unmittelbar wieder als Renten ausbezahlt werden.
    Die privaten Rentensysteme hingegen basieren auf Kapital das Individuell angespart wird. Mit diesen Spargeldern kann man dann u.a. Fonds bilden... Die versprochenen Renditen und späteren Rentenauszahlungen werden an den Kapital/Finanzmärkten versucht zu generieren. Die Kapitalbasierten Systeme sind allesammt noch den Beweis schuldig das diese stabil über mehrere Generation die Renten sichern können. Zur Zeit sieht das überall ziemlich übel aus... In der Schweiz wo das bereits seit mehr als 20 Jahren praktiziert wird sind 0% Zinsrunden sowie Rentenkürzungen angesagt...

    Aber die Boni der Investmentbanker kommen von Gott?

    Geht's noch blöder?

  6. beziehen die Rentegelder aus Umlagerunsgverfahren was nicht's anderes heisst als das die Einzahlungen unmittelbar wieder als Renten ausbezahlt werden.
    Die privaten Rentensysteme hingegen basieren auf Kapital das Individuell angespart wird. Mit diesen Spargeldern kann man dann u.a. Fonds bilden... Die versprochenen Renditen und späteren Rentenauszahlungen werden an den Kapital/Finanzmärkten versucht zu generieren. Die Kapitalbasierten Systeme sind allesammt noch den Beweis schuldig das diese stabil über mehrere Generation die Renten sichern können. Zur Zeit sieht das überall ziemlich übel aus... In der Schweiz wo das bereits seit mehr als 20 Jahren praktiziert wird sind 0% Zinsrunden sowie Rentenkürzungen angesagt...

    Antwort auf "Entwicklungshilfe"
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    • gauss
    • 21.05.2010 um 21:25 Uhr

    Dies hat erst einmal mit Entwicklungshilfe rein gar nichts zu tun. Auch wenn es Ihren Horizont bei weitem übersteigt, es gibt durchaus Länder, die nicht nur einige Jahrzehnte Erfahrungen mit kapitalgedeckten Systemen haben, sondern schon mehr als zwei Jahrhunderte. In England, Irland und Kanada ist dies die gewöhnliche Art der Altersvorsorge. Übrigens war das Rentensystem Bismarcker Prägung bis zu Adenauers Zeiten auch kapitalgedeckt.

    • gauss
    • 21.05.2010 um 21:25 Uhr

    Dies hat erst einmal mit Entwicklungshilfe rein gar nichts zu tun. Auch wenn es Ihren Horizont bei weitem übersteigt, es gibt durchaus Länder, die nicht nur einige Jahrzehnte Erfahrungen mit kapitalgedeckten Systemen haben, sondern schon mehr als zwei Jahrhunderte. In England, Irland und Kanada ist dies die gewöhnliche Art der Altersvorsorge. Übrigens war das Rentensystem Bismarcker Prägung bis zu Adenauers Zeiten auch kapitalgedeckt.

    • gauss
    • 21.05.2010 um 21:25 Uhr

    Dies hat erst einmal mit Entwicklungshilfe rein gar nichts zu tun. Auch wenn es Ihren Horizont bei weitem übersteigt, es gibt durchaus Länder, die nicht nur einige Jahrzehnte Erfahrungen mit kapitalgedeckten Systemen haben, sondern schon mehr als zwei Jahrhunderte. In England, Irland und Kanada ist dies die gewöhnliche Art der Altersvorsorge. Übrigens war das Rentensystem Bismarcker Prägung bis zu Adenauers Zeiten auch kapitalgedeckt.

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