Die gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Sparpläne in Griechenland sind völlig außer Kontrolle geraten. In einer Bankfiliale, die von vermummten Demonstranten mit Molotowcocktails in Brand gesetzt wurde, kamen nach Polizeiangaben zwei Frauen und ein Mann ums Leben. Sie waren in der brennenden Filiale der Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz von den Flammen eingeschlossen worden.

Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, hatten die Opfer in dem vierstöckigen Bankgebäude versucht, sich auf einen Balkon zu retten. Dabei brachen sie im raucherfüllten Treppenhaus zwischen drittem und viertem Geschoss ohnmächtig zusammen und wurden vom Feuer erfasst. Die Feuerwehr konnte den Angaben zufolge den Brandort nicht rechtzeitig erreichen, weil Autonome sie mit Steinen "bombardierten". Betroffen waren auch 20 weitere Menschen, die die Sicherheitskräfte so schnell als möglich aus dem Gebäude zu retten versuchten.

Im gesamten Stadtzentrum kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei erklärte einen "allgemeinen Alarmzustand". Hunderte Autonome und wütende Demonstranten versuchten, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Dabei flogen dutzendweise Brandflaschen, Steine und Stöcke gegen die Polizei. Mit Eisenstangen demolierten die Protestler Bushaltestellen und Schaufenster. Die Sicherheitskräfte versuchten, die Randalierer mit Tränengas auseinanderzutreiben. Menschen flohen panikartig aus dem Zentrum.

Zuvor hatten mehr als 30.000 Menschen gegen das massive Sparprogramm der Regierung protestiert. Sie folgten damit einem Protestaufruf der beiden großen griechischen Gewerkschaftsverbände, GSEE für die private Wirtschaft und ADEDY für den öffentlichen Dienst. "Der IWF und die EU stehlen uns ein Jahrhundert sozialer Errungenschaften" war auf einem der Spruchbänder zu lesen, das die Demonstranten auf ihrem Marsch zum Parlamentsgebäude mit sich führten.

Die Kundgebung vor dem Parlament sollte Höhepunkt eines Generalstreiks sein, zu dem die Gewerkschaften aufgerufen hatten. "Mit diesem Generalstreik geht der Kampf gegen die harten und unfairen Maßnahmen weiter, die vor allem Arbeiter, Rentner und Arbeitslose treffen", sagte der Chef der Gewerkschaft GSEE, Yannios Panagopoulos. Der Kampf der Griechen sei auch eine Botschaft an die Menschen in Europa. "Das, was in Griechenland begonnen hat, wird sich bald ausbreiten." Europa habe sich als unfähig im Umgang mit der Krise erwiesen.

Nachdem am Dienstag bereits die Staatsbediensteten die Arbeit niedergelegt hatten, schlossen sich am Mittwoch auch Angestellte aus der Privatwirtschaft dem Ausstand an. Flüge wurden gestrichen, der öffentliche Nahverkehr kam größtenteils zum Erliegen. Krankenhäuser hielten ihren Betrieb lediglich mit einer Rumpfmannschaft aufrecht. In vielen Schulen fiel der Unterricht aus. Nachrichten im Radio und Fernsehen gibt es nicht, weil viele Journalisten für 24 Stunden nicht arbeiten. In den Ministerien ging ebenfalls nichts, weil auch Staatsbedienstete dem Streikaufruf gefolgt waren.

Der Unmut der Streikenden und Demonstranten richtet sich gegen das strikte Sparprogramm der Regierung. Um das Staatsdefizit zu senken, mutet sie ihren Bürgern umfassende Belastungen zu: Die Gehälter von Beamten und die Renten werden gekürzt. Im öffentlichen Dienst herrscht Einstellungsstopp. Die Bürger sollen mehr Steuern zahlen, insbesondere auf Alkohol und Tabak. Über das entsprechende Gesetz wird derzeit im Parlament beraten. Am Donnerstag soll darüber abgestimmt werden.

Im Gegenzug unterstützen die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds das Land mit Kredithilfen in Höhe von 110 Milliarden Euro. Deutschland allein stellt dem Mittelmeerstaat in den kommenden drei Jahren Kredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Bundestag und Bundesrat stimmen am Freitag über das entsprechende Gesetz ab. In ihrer Regierungserklärung warb Merkel im Bundestag eindringlich für das Paket. "Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft Europas und Zukunft Deutschlands in Europa." Auch der hiesige Bankensektor kündigte Hilfe an.