Wirtschaftskrise Kommt die Inflation?

Weit mehr als ihre Nachbarstaaten fürchten die Deutschen die Inflation. Ökonomen streiten darüber, ob die Furcht begründet oder bloß falsche Panik ist.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Wer wissen will, wie groß die Angst der Deutschen vor Inflation ist, kann einfach mal Google fragen. Die Suchmaschine wertet seit einiger Zeit die Suchanfragen seiner Nutzer aus und fasst sie zu Statistiken zusammen (siehe Grafik). Seit Anfang des Monats, als sich die Euro-Krise verschärfte, stieg die Zahl der Suchanfragen nach "Inflation" hierzulande deutlich an – in Frankreich und den USA blieb sie konstant. Sind die Deutschen also weitsichtiger als ihre französischen Nachbarn? Oder einfach nur traumatisiert von ihren historischen Erfahrungen der Hyperinflationen in den Jahren 1923 und 1948?

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Beides kann man gerade hören. Da sind zum einen die Inflationswarner. Ihre Argumentation geht unter anderem so: Setzt der Boom am Rohstoffmarkt wieder ein, steigen auch in Europa die Preise für Öl, Gas und bestimmte Erze und über kurz oder lang auch die Löhne. Dann ist sie da, die Inflation – und dass, obwohl Europas Wachstum noch immer extrem schwach ist. Dem Preisanstieg müsste die Notenbank eigentlich gegensteuern und die Geldmenge abziehen, die sie zur Staats- und Bankenrettung in den Markt gepumpt hat. Nur geht das nicht, weil sonst die Wirtschaft wieder in eine Rezession abgleitet. Also zögert sie und zögert sie, während die Preise steigen.

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Das Argument lässt sich noch anspitzen: Was, wenn die Europäische Zentralbank es beim Sündenfall von vor anderthalb Wochen nicht belässt? Da entschied sie, Staatspapiere von Euro-Staaten aufzukaufen und dafür frisches Geld in den Markt zu leiten. 16 Milliarden Euro sind es schon jetzt. "Im Grunde refinanziert die EZB damit die Staaten", sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclays Capital. Steigt die Schuldenlast der Euroländer weiter, könnte die Politik die Forderung erheben, die hohe Verschuldung einfach über etwas mehr Inflation abzutragen. 

Die Keynesianer unter den Ökonomen argumentieren ganz anders. Für sie ist die große Gefahr derzeit nicht Inflation, sondern Deflation, also eine Phase dauerhaft sinkender Preise. Dann passiert Folgendes: Die privaten Haushalte verschieben ihren Konsum, weil sie erwarten das die Preise weiter fallen. Auch die Unternehmen halten ihre Investitionen zurück, die Nachfrage bricht ein und die Preise sinken weiter. Die Folge ist eine neue Rezession, aus der die Wirtschaft nur schwer hinaus findet. Wie kommt es zu solch einer völlig anderen Einschätzung?

Keynesianer verweisen an dieser Stelle auf zwei Dinge. Da ist zum einen die aktuelle Inflationsrate in Europa, die bei rund einem Prozent liegt – also weit unter den zwei Prozent, welche die EZB anpeilt. Europa steht also schon jetzt am Rande der Deflation und die Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre sind trübe. Hinzu kommen die hohen Staatsschulden. Die EU-Staaten werden aus Angst, das nächste Griechenland zu sein, schockartig sparen, um von ihren hohen Defiziten runter zu kommen. Die Nachfrage bricht ein, die Preise fallen. Double-Dip-Recession nennen es Ökonomen, wenn die Konjunktur gleich zweifach in kurzer Zeit abstürzt. Der US-Ökonom Robert Shiller warnte hiervor erst vor wenigen Tagen .

Leser-Kommentare
  1. Die "Experten" sagen Inflation oder Deflation ganz nach Belieben, an welchem Tropf sie gerade hängen.
    "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."
    Die EZB sagt: Kein Problem, wir regeln das über die Geldmenge.
    Dann können wir ja ruhig schlafen, wäre da nicht der letzte Absatz im Artikel,
    mit dem Hinweis wen eine Inflation am meisten trifft.
    Bereiten wir uns auf eine Inflation vor, das kleinste Übel für den Brain Trust der Republik.

    • Keiner
    • 20.05.2010 um 7:10 Uhr

    So klar ist der Absatz nicht. Ich meine, Inflation trifft am meisten diejenigen, die Geld haben. In Deutschland sind das 3,5 Billionen an Privatvermögen. Der Effekt, wie Schulden mit Inflation abgebaut werden kann, ist hinreichend bekannt.

    Problem ist eher eine Inflation > 5%.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ihm es geht wohl eher darum, wer sich eine Inflation leisten kann.

    ... verlieren absolut gesehen die am meisten, die am meisten haben. Relativ gesehen sieht das anders aus. Wenn ein Niedriglöhner von seinem Lohn evtl. Zuschuss nicht mehr leben kann, dann ist er wesentlich mieser dran als ein Milliardär, der jetzt (von der Kaufkraft her) bloß noch Millionär ist.

    Verfolgt man die internationale Presse, so steht bereits fest, dass der EURO-Raum in den kommenden Jahren Inflation der Währung erleben wird.

    Und nicht nur das ... (weitere) tiefe Einschnitte in das Sozialsystem und bei allen staatlichen Leistungen werden folgen, damit die Verwaltungs- und Dienstwagenstrukturen in DE erhalten werden.

    Aber was hindert Sie, Ihr (versteuertes) Erspartes auf ein schweizer Sparbuch einzuzahlen? Die Währung, in der das Sparbuch geführt wird, können Sie sich dabei aussuchen.
    So sehr es sich einige Politiker auch anders wünschen ... das ist völlig (!) legal!

    Das Inflationsrisiko des EUR wäre dann gebannt.

    Oder Sie gründen (je nach Volumen, das Sie anzulegen haben) eine LTD in Großbrittannien, deren einziger Zweck ist, Ihr Erspartes bei britischen oder internationalen Banken anzuzulegen. Dann brauchen Sie auch keine "Zweigstelle" in DE ... und die Steuersätze in UK sind sehr moderat.

    Etwaige Gewinnanteile, die an Sie nach Deutschland ausgezahlt werden, unterliegen der Abgeltungssteuer.
    Aber erst, WENN und FALLS sie ausgezahlt werden.

    Und wer weiß, vielleicht melden Sie ja irgendwann mal Ihren Wohnsitz in London an ...

    Es ist nicht schädlich mal wie die "Großen" zu denken ... Geld ist ein sehr scheues Tier ... es ergreift die Flucht, sobald sich Gefahr zeigt.

    • Pjotah
    • 20.05.2010 um 20:06 Uhr

    Wie sie schon richtig sagten, schadet Inflation tatsächlich denen,die große Geldvermögen angelegt haben (Gläubigern halt). Völlig entgegen der im letzten Absatz geäußerten Ansicht "Klar ist: [...] Geldentwertung trifft vor allem Menschen mit wenigem Einkommen hart." ist Inflation gegenüber laufenden Einkommen neutral und sorgt so für eine relative Aufwertung der Arbeitsleistung gegenüber Kapitalvermögen. Ich denke, der Autor des Artikels will einfach nur Inflationsangst schüren.

    Hierzu auch zu empfehlen:
    http://blog.zeit.de/herde...

    ihm es geht wohl eher darum, wer sich eine Inflation leisten kann.

    ... verlieren absolut gesehen die am meisten, die am meisten haben. Relativ gesehen sieht das anders aus. Wenn ein Niedriglöhner von seinem Lohn evtl. Zuschuss nicht mehr leben kann, dann ist er wesentlich mieser dran als ein Milliardär, der jetzt (von der Kaufkraft her) bloß noch Millionär ist.

    Verfolgt man die internationale Presse, so steht bereits fest, dass der EURO-Raum in den kommenden Jahren Inflation der Währung erleben wird.

    Und nicht nur das ... (weitere) tiefe Einschnitte in das Sozialsystem und bei allen staatlichen Leistungen werden folgen, damit die Verwaltungs- und Dienstwagenstrukturen in DE erhalten werden.

    Aber was hindert Sie, Ihr (versteuertes) Erspartes auf ein schweizer Sparbuch einzuzahlen? Die Währung, in der das Sparbuch geführt wird, können Sie sich dabei aussuchen.
    So sehr es sich einige Politiker auch anders wünschen ... das ist völlig (!) legal!

    Das Inflationsrisiko des EUR wäre dann gebannt.

    Oder Sie gründen (je nach Volumen, das Sie anzulegen haben) eine LTD in Großbrittannien, deren einziger Zweck ist, Ihr Erspartes bei britischen oder internationalen Banken anzuzulegen. Dann brauchen Sie auch keine "Zweigstelle" in DE ... und die Steuersätze in UK sind sehr moderat.

    Etwaige Gewinnanteile, die an Sie nach Deutschland ausgezahlt werden, unterliegen der Abgeltungssteuer.
    Aber erst, WENN und FALLS sie ausgezahlt werden.

    Und wer weiß, vielleicht melden Sie ja irgendwann mal Ihren Wohnsitz in London an ...

    Es ist nicht schädlich mal wie die "Großen" zu denken ... Geld ist ein sehr scheues Tier ... es ergreift die Flucht, sobald sich Gefahr zeigt.

    • Pjotah
    • 20.05.2010 um 20:06 Uhr

    Wie sie schon richtig sagten, schadet Inflation tatsächlich denen,die große Geldvermögen angelegt haben (Gläubigern halt). Völlig entgegen der im letzten Absatz geäußerten Ansicht "Klar ist: [...] Geldentwertung trifft vor allem Menschen mit wenigem Einkommen hart." ist Inflation gegenüber laufenden Einkommen neutral und sorgt so für eine relative Aufwertung der Arbeitsleistung gegenüber Kapitalvermögen. Ich denke, der Autor des Artikels will einfach nur Inflationsangst schüren.

    Hierzu auch zu empfehlen:
    http://blog.zeit.de/herde...

  2. Es ist immer wieder verwunderlich, wie sich Leute die Köpfe heiss reden und Sendung um Sendung im TV abgefeiert werden, oder wie in diesem Fall Artikel geschrieben werden, mit irgendwelchen Möglichkeiten, die irgendwann einmal stattfinden oder auch nicht. Dabei ist es ganz einfach: Der Weihnachtsmann ist da, wenn es klingelt und man die Tür aufmacht und ein roter Mann (nicht Gregor Gysi) steht da mit einem Sack und bringt das neue IPad oder was anderes. Dann könnte man reagieren und sich bedanken. Jetzt könnte man folgerichtig alle "Experten" zum Thema Weihnachtsmannologie einladen und TV-Sendungen machen, die sich damit beschäftigen, wann er kommt, warum er kommt und was er mitbringt. Am besten jeden Tag 5 ala "Hart und fair" oder "Maischberger weiss alles" etc.. im ganzen TV Bereich. Und diverse Leute werden jetzt schon Kopfschmerzen haben oder in Tränen ausbrechen, weil sie befürchten, dass er eine Rute bringt statt technischem Krempel. Und dabei war er noch garnicht da. Und wird vielleicht auch nie kommen! Also keept alle cool!

  3. Spekulanten, Staatsbankrott, Inflation, die Schlagwörter der letzten Wochen. Dazu ein paar Schreiberlinge, die mit Prognosen um sich schlagen. Doch wo bleiben die Fakten?

    Fakt ist, die Geldmenge in Europa hat sich seit der Einführung des Euros um 72 Prozent erhöht. Eine Inflation fand bisher in diesem Ausmaß nicht statt. Wo ist das Geld? Wer hortet es? Und wie konnte soviel Geld entstehen? Diese Fragen sollten beantwortet werden, um überhaupt ein Grundverständnis für die derzeitige Situation zu bekommen. Alles andere ist nur unwichtiges Gefasel.

    http://www.ploync.de/geld...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Eine Inflation fand bisher in diesem Ausmaß nicht statt"

    Laut den offiziellen Aussagen gab es diese Inflation nicht.
    Gefühlt sieht dies natürlich anders aus. Leider habe ich aber dafür noch keinen Beweis. ;)

    "Eine Inflation fand bisher in diesem Ausmaß nicht statt"

    Laut den offiziellen Aussagen gab es diese Inflation nicht.
    Gefühlt sieht dies natürlich anders aus. Leider habe ich aber dafür noch keinen Beweis. ;)

  4. "Nachbarstaaten", offenbar nicht geografisch gemeint, zapfen lieber das Vermögen Deutschlands an; das geht sogar soweit, daß man absichtlich eine marode Volkswirtschaft trickreich schönt.

    Da brauch ich natürlich keine Inflationsangst haben, Länder wie Deutschland richten es ja!

    Und wenn nichts mehr geht, ist ja noch das Argument "Kriegsschuld" da! Hilft für alle Fälle!

  5. Also ich gebe nur einen winzigen Teil meines Geldes für "Butter, Brot, Milch" aus. Der Grossteil geht für Haus, Auto, Kleidung und Dienstleistungen aller Art drauf.Da nützt es mir wenig, wenn Nahrungsmittelpreise durch EU-Subventionen und Discounter-Schlachten künstlich niedrig gehalten werden.

    Und da ich letzte Woche beim Räumen meines Dachbodens ein paar alte Aktenordner mit Rechnungen gefunden habe, die noch auf DM ausgestellt waren, kann ich verbindlich sagen: es kostet heute alles mehr in Euro, als es vor zehn Jahren in DM gekostet hat. Egal ob es Heizöl, Auto, Kleidung, Werkzeug, Hausrat oder Rechnungen von Restaurants, Zahnarzt oder Handwerkern geht.

    Ich habe es schwarz auf weiss. Und es bedeutet unter Anwendung der Zinseszinsrechnung eine Inflationsrate von 7% pro Jahr.

    Da kann sich der Autor sein volkswirtschaftliches Gebrabbel in die Haare schmieren.

  6. ihm es geht wohl eher darum, wer sich eine Inflation leisten kann.

  7. So etwas nennt man öffentliche Meinung. Diese kann von Land zu Land variieren, je nachdem, welche Meinung gerade von den Massenmedien vertreten wird.

    Ebenso kann passieren, dass die öffentliche Meinung nicht der Wirklichkeit entspricht, man denke an das Dritte Reich und die öffentliche Brandmarkung der Juden.

    Desweiteren kann passieren, dass die öffentliche Meinung nicht der Meinung des Großteils der Bevölkerung entspricht, für gewöhnlich beginnt die Bevölkerung dann eigene Medien zu erschaffen oder zu marschieren, was gleichbedeutend ist.

    Hierzulande wird und wurde, scheint mir, viel über Inflation geschrieben und gesprochen. Man denke nur an die Vorwürfe gegenüber der FED, sie würde eine Inflation schüren.

    Überraschend und recht neu finde ich, dass Google als großer Meinungs-Repräsentant herangezogen wird.

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