Bahn-Datenskandal"Wir überfahren keine Stoppschilder mehr"

Die Bahn wird sich künftig strikt an Datenschutz-Regeln halten, sagt Vorstand Gerd Becht im Interview. Allerdings müsse der Konzern "wehrhaft" gegen Korruption bleiben.

Frage: Herr Becht, Ihr Auftrag ist es, Konsequenzen aus der Datenaffäre zu ziehen. Wie weit sind Sie?

Gerd Becht: Wir haben vieles verändert, um die Schwachstellen abzustellen, die vor gut einem Jahr ans Licht gekommen sind. Es gibt neue Strukturen in den Bereichen Datenschutz, Compliance und Konzernsicherheit. Wir haben geregelt, wie weit unsere Leute bei Ermittlungen gehen dürfen und wie die Rechte der Mitarbeiter gesichert werden. Ein Eckpunktepapier zum Arbeitnehmerdatenschutz, das wir mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen haben, war da wegweisend.

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Frage: Die Bahn ist also weniger misstrauisch ihren Leuten gegenüber?

Becht: Es geht darum, Verstößen gegen Gesetze oder Datenschutzbestimmungen vorzubeugen. Jede Verletzung von Regeln schadet der Bahn, ihrem Ansehen und den Mitarbeitern. Wir müssen aber ein wehrhaftes Unternehmen bleiben. Deshalb findet auch Korruptionsbekämpfung bei uns weiterhin statt – allerdings strikt im Rahmen des Erlaubten.

Gerd Becht
Gerd Becht

Seit Mitte Oktober 2009 ist Gerd Becht (58) im Vorstand der Deutschen Bahn zuständig für Datenschutz, Recht und Compliance, also Korruptionsbekämpfung. Das Ressort wurde als Konsequenz aus der Datenaffäre neu geschaffen. Zuvor arbeitete der Jurist für General Motors und Daimler.

Frage: Der Sonderermittler Gerhart Baum hat gesagt, die Vorfälle seien nur "die Spitze des Eisbergs", es gebe bei der Bahn eine "Spitzelmentalität". Hat er Recht?

Becht: Nein, aber richtig ist: Einige Mitarbeiter haben sich in der Vergangenheit nicht an die Spielregeln gehalten. Man wollte um jeden Preis an Fakten herankommen. Der Auftrag an Konzernsicherheit und Konzernrevision lautete: Bekämpfen Sie Korruption und Geheimnisverrat. Ermittlungsergebnisse waren offensichtlich wichtiger als Datenschutz. Bei einem Unternehmen gelten aber andere Regeln als bei der Staatsanwaltschaft. So kam es, dass im Zusammenhang mit Mitarbeitern, Politikern oder Journalisten bedauerlicherweise Grenzen überschritten worden sind.

Frage: Im Zuge der Affäre mussten drei Vorstände und Konzernchef Hartmut Mehdorn gehen, obwohl man ihnen bescheinigt hat, unschuldig zu sein. Bleibt es dabei?

Becht: Der Aufsichtsrat hat klären lassen, ob die Vorstände haftbar zu machen sind. Es gibt keinen Beleg dafür, dass sich der Vorstand etwas zuschulden hätte kommen lassen. 

Leser-Kommentare
  1. Herr Becht spricht zweimal vom "Ansehen" der DB, das beschädigt werden könnte.

    Lieber Herr Becht: Was nicht da ist, kann auch nicht beschädigt werden!

    Außerdem: Die Bahn überfährt keine Stoppschilder mehr? Aha. Das gilt dann wohl (bestenfalls!) so lange, bis es ihr gelungen ist, die "Stoppschilder" zu beseitigen.... Und wenn das dann herauskommt, heißt es: "Aber das ist doch nur zur Sicherheit! Schauen Sie - die Chinesen und die Amerikaner machen es doch auch so! Sollen wir uns vielleicht als einziges Unternehmen verweigern? Dann wären unsere Marktanteile sofort und ein für allemal weg, die Chinesen kaufen alles auf, die Jobs sind alle weg - und das schlimmste: Die Aktionäre fangen an zu weinen. Das wollen Sie doch nicht, oder?"

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