Bahn-Datenskandal "Wir überfahren keine Stoppschilder mehr"
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"Die Bahn ist einer der größten Investoren im Land"

Frage: Was ist mit den Daten der Kunden? Jeden Tag buchen Tausende Bahn-Fahrkarten online oder kaufen eine Bahncard.

Becht: Wir haben wesentlich mehr Kunden- als Mitarbeiterdaten. Daher betreiben wir hier viel Aufwand, um die Daten zu schützen – damit nicht Fremde auf unsere Server zugreifen und Daten stehlen. Bislang ist uns das gut gelungen. Damit das so bleibt, arbeiten wir kontinuierlich an unserer IT-Sicherheit und dem Datenschutz. Mitte Mai haben wir auch einen Datenschutz-Beirat eingerichtet. Hier geben uns Fachleute, Kunden und Verbände Hinweise, wie wir generell besser werden können.

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Frage: Wie anfällig ist die Bahn für Korruption?

Becht: Die Bahn ist einer der größten Investoren im Land. Da besteht immer die Gefahr, dass uns durch Unterschlagung, Diebstahl oder Bestechung Schaden zugefügt wird. Und gerade die Investitionen in die Infrastruktur werden überwiegend vom Bund finanziert. Ein Grund mehr für uns, hier die Augen offenzuhalten. Daher sehen wir uns Einkauf und Großprojekte ganz genau an. Da darf es keine Klüngeleien zwischen Auftragnehmer und unseren Mitarbeitern geben.

Frage: Zuletzt gab es bei der Auslandstochter Deutsche Bahn International Fälle von Bestechung.

Becht: Bislang steht nur der Verdacht im Raum. Aber auch hier haben unsere Sensoren funktioniert, wir haben eigene Verdachtsfälle selbst zur Anzeige gebracht. Die DBI berät zum Beispiel Regierungen beim Aufbau von Eisenbahnsystemen. Erst hat die Kölner Staatsanwaltschaft Durchsuchungen vorgenommen, dann vor zwei Wochen die Frankfurter. Sie haben viel Material mitgenommen: Akten, Computer, Festplatten. Die Auswertung läuft noch. Die Ermittler vernehmen Zeugen und Beschuldigte. Parallel haben wir die KPMG mit einer unabhängigen Sonderuntersuchung beauftragt und schauen uns nun das DBI-Geschäft genau an. Wir haben selber den größten Aufklärungswillen.

Frage: Wie hoch ist der Schaden?

Becht: Die Ermittlungen laufen noch. Bislang geht es um Beratungsleistungen im unteren einstelligen Millionenbetrag, bei denen wir klären müssen, ob Bestechung im Spiel war. Wir nehmen solche Fälle ernst, wegen des Schadens für den Ruf der Bahn und ihrer Mitarbeiter. Hinzu kommen öffentliche Strafen, je nach Gewinn des fragwürdigen Geschäfts. Und wenn man in den Ruf kommt, nicht sauber zu arbeiten, verliert man Vertrauen und erhält auch keine neuen Aufträge.

Frage: Kennen Sie schon Details?

Becht: Der Verdacht geht dahin, dass DBI Berater bezahlt haben könnte, die wiederum mir ihren Honoraren Entscheidungsträger bestochen haben, um an Aufträge zu kommen. Wir müssen jetzt also untersuchen, ob es bei Beratungsleistungen eine adäquate Gegenleistung für das Honorar gegeben hat oder das Geld von Anfang an anders eingesetzt werden sollte.


Das Interview erschien am 25. Mai 2010 im Tagesspiegel .

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Becht spricht zweimal vom "Ansehen" der DB, das beschädigt werden könnte.

    Lieber Herr Becht: Was nicht da ist, kann auch nicht beschädigt werden!

    Außerdem: Die Bahn überfährt keine Stoppschilder mehr? Aha. Das gilt dann wohl (bestenfalls!) so lange, bis es ihr gelungen ist, die "Stoppschilder" zu beseitigen.... Und wenn das dann herauskommt, heißt es: "Aber das ist doch nur zur Sicherheit! Schauen Sie - die Chinesen und die Amerikaner machen es doch auch so! Sollen wir uns vielleicht als einziges Unternehmen verweigern? Dann wären unsere Marktanteile sofort und ein für allemal weg, die Chinesen kaufen alles auf, die Jobs sind alle weg - und das schlimmste: Die Aktionäre fangen an zu weinen. Das wollen Sie doch nicht, oder?"

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