Rekordverschuldung Koalition erwägt Steuererhöhungen
Koalitionspolitiker denken darüber nach, den Mehrwertsteuersatz auf bisher begünstigte Produkte zu erhöhen. Außerdem ist die Kürzung von Subventionen im Gespräch.
© Steffen Kugler/dpa

Angeblich denkt die Bundesregierung darüber nach, den verminderten Mehrwertsteuersatz für bestimmte Produkte abzuschaffen
Die Bürger müssen sich wegen der leeren Staatskassen auf eine höhere Steuerbelastung einstellen. Die Koalition schließt großflächige Steuererhöhungen zwar weiter aus. Es zeichnet sich allerdings ab, dass auf einige bisher begünstigte Produkte künftig der volle Mehrwertsteuersatz fällig werden könnte. Zudem erwägen Union und FDP Kürzungen bei Subventionen wie der Pendlerpauschale oder der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen.
Im Mittelpunkt der Haushaltskonsolidierung sollen aber weiter Einsparungen und nicht Einnahmeverbesserungen stehen. Die Koalition muss von 2011 bis 2016 jedes Jahr zehn Milliarden Euro einsparen, um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten. Wie diese schwierige Aufgabe bewältigt werden soll, will die Regierung in einer Klausurtagung am 6. und 7. Juni im Kanzleramt entscheiden. Zum Tabu hat Kanzlerin Angela Merkel bisher nur die Bereiche Bildung und Forschung erklärt.
Bereits seit Tagen geistern Sparvorschläge aller Art durch die Ministerien und Bundestagsbüros. Dabei wird zunehmend deutlich, dass die Koalition auch die Einnahmen des aus dem Ruder gelaufenen Bundeshaushalts vergrößern will. Ganz oben auf der Agenda steht der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben statt der üblichen 19 Prozent. Durch die Subvention werden rund 50 Produktgruppen von Grundnahrungsmitteln über Zeitungen bis hin zu Hundefutter gefördert. "Da gehen wir ran", sagen Haushaltsexperten von Union und FDP übereinstimmend.
Die Koalition hatte ohnehin vor, mit dem Wildwuchs bei den Mehrwertsteuersätzen aufzuräumen. Allerdings sollte dies aufkommensneutral geschehen. Theoretisch könnte die vollständige Abschaffung des niedrigen Satzes dem Staat jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro einbringen. Werden einige Produkte künftig regulär belastet, wäre das zwar formal gesehen keine Steuererhöhung, weil die Sätze selbst nicht verändert würden, würde aber an der Ladentheke genauso wirken.
Die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach legte sich bei Fragen nach
Steuererhöhungen
nicht eindeutig fest. Sie sprach in Berlin nur von Spekulationen und verwies auf die Haushaltsklausur der Bundesregierung Ende kommender Woche.
"Das Ganze wird in einem Gesamtzusammenhang stehen", sagte Heimbach. Es mache wenig Sinn, eine Woche vor der Etatklausur Ergebnissen vorzugreifen und einzelne Aspekte herauszupicken. In allererster Linie gehe es um Einsparpotenziale. "In der Kabinettsklausur werden alle Aspekte der Haushaltskonsolidierung auch im Lichte natürlich des Koalitionsvertrages betrachtet", betonte sie.
Der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Norbert Barthle, sagte: "Eine Bereinigung der Mehrwertsteuersätze hätte nichts mit Steuererhöhungen zu tun." Allerdings tut sich die FDP mit der Entscheidung noch schwer. In Parteikreisen hieß es, mit den Liberalen seien neue Belastungen der Bürger nicht zu machen.
Den Rotstift ansetzen könnte die Koalition auch bei anderen Steuervergünstigungen. Im Gespräch sind nach Angaben aus der schwarz-gelben Koalition eine Abschaffung einzelner Subventionen oder eine Kappung um zehn Prozent quer durch alle Bereiche. Im Fokus stünden die Pendlerpauschale, die Steuerfreiheit der Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit oder die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerarbeiten. Am liebsten würde die Koalition diese von vielen Bürgern liebgewonnen Subventionen ausklammern. Ob das wegen des starken Sparzwangs geht, gilt aber als sehr fraglich.
Auch aus diesem Grund will die Koalition offenbar die Banken zur Sanierung des Haushalts heranziehen. Bisher war geplant, das Aufkommen der Bankenabgabe von jährlich 1,2 Milliarden Euro in einen Fonds zu lenken, der zur Vorsorge für künftige Krisen dienen sollte. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte nun in der Financial Times Deutschland , die Abgabe zu verdreifachen und in den Bundesetat fließen zu lassen. Barthle unterstrich ebenfalls: "Alle Einnahmen fließen in den Haushalt."
In den Bundesetat könnte zudem Geld der Energiekonzerne fließen, die diese als Gegenleistung für eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zahlen sollen.
Einsparungen zeichnen sich bisher bei der Bundeswehr und im Arbeits- und Sozialetat ab. So sprach sich FDP-Generalsekretär Christian Lindner in der Bild- Zeitung für eine Mietpauschale für Hartz IV-Empfänger aus. Auf der Klausur soll außerdem über die Gesundheitskosten gesprochen werden, die das größte Haushaltsrisiko sind. Zwar will Minister Philipp Rösler (FDP) bei der Einführung einer einkommensunabhängigen Kopfpauschale nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ohne Steuergeld auskommen. Allerdings muss die Regierung klären, wie es mit den Zuschüssen an die gesetzliche Krankenversicherung weitergehen soll: Experten erwarten 2011 ein Defizit von 15 Milliarden Euro.
"Hemmungslose Steuererhöhungen" werde es nicht geben, betonte der parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter (CDU). Es sei zu erwarten, dass harte Einschnitte wie Kürzungen bei der Pendlerpauschale oder dem Ehegattensplitting auf Widerstand träfen. Daher sei es "klüger und auch mehrheitsfähiger, die Sache schrittweise, aber sehr konsequent durchzuziehen und dabei auch die Bevölkerung mitzunehmen", sagte er in der ZDF-Sendung Maybrit Illner .
- Datum 28.05.2010 - 16:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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...und außerdem ihrer Klientel Geschenke mindestens in vergleichbarer Höhe zuschanzen.
Der Wegfall des ermäßigten Steuersatzes sei keine Steuerhöhung. Wer so argumentiert, könnte auch ab dem ersten verdienten Euro den Spitzensteuersatz verlangen und behaupten, dies sei keine Steuererhöhung.
Die Liste der Waren mit ermäßigtem Steuersatz zu bereinigen, macht allerdings Sinn. Diese Liste enthält absolute Kuriositäten.
http://undeadsystem.blogs... „Show a Undead System how to Die!“ Bundesweite Krisendemo am 12. Juni 2010 – Reden hat Jahrzehnte nichts zum besseren verändert, Zeit zu handeln!!! Wir werden nur bekommen wofür wir kämpfen!
Arbeiter / Schüler / Studenten / Rentner / Arbeitslose – zusammen kämpfen heisst zusammen siegen!
"Es zeichnet sich allerdings ab, dass auf einige bisher begünstigte Produkte künftig der volle Mehrwertsteuersatz fällig werden könnte. Zudem erwägen Union und FDP Kürzungen bei Subventionen wie der Pendlerpauschale oder der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen."
Die Lern- und Erkenntnisresistenz der Verantwortlichen in der deutschen Politik scheint chronisch zu sein. Wer jetzt in dieser Situation über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Kürzung von Steuerverkürzungsmöglichkeiten, die vor allem den unteren bis mittleren Einkommensschichten zugute kommen, die Kaufkraft breiter Schichten weiter schwächt und damit den Konsum, der sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.
Die Damen und Herren sollen bitte schön mal den Wildwuchs bei den Pensionen für Beamten, Politiker, Lehrer etc. eindämmen.
Mein Vorschlag:
Jegliche Pension erst ab dem 65. Lebensjahr
Maximal 2.000 Euro im Monat für 12 Monate
Alle Beamten/Politiker zahlen in eine Pensionskasse ab sofort ein, wie die RV-Pflichtigen
Jeder, der nichts eingezahlt hat, erhält auch nichts vom Staat
Man wird sehen, wie schnell die Haushalte, vom Bund, bis zu den kleinsten Kommunen saniert wären.
Was muss jemand im Alter eine Pension/Rente in Größenordnungen 8.000 - 12.000 auf Staatskosten haben?
Der Staat kann sowas nicht leisten.
Es sieht natürlich anderes aus, in der freien Wirtschaft.
Aber hier geht es um die Sanierung der Staatshaushalte.
Und hört bitte endlich mit der Mär auf, die Banken und die Spekulanten wären an der Finanzkrise schuld!
Glaube nicht, der Vorschlag so einfach ist.
Der Staat ist auf Spitzenleute angewiesen, also muss er auch Spitzenbedingungen stellen. Einiger Wildwuchs kann beschnitten werden. Aber so Bundeskanzler sein ist halt ein bisschen anstrengend, finde nicht das die ueberbezahlt werden. Stell dir vor was du in einer Managerposition bei 80 Millionen Kunden, der Landesflaeche, ... bekommen wuerdest.
Aber irgendwas muss passieren. Vielleicht koennte man beim dummen Krankenkassensystem ansetzen. Gibt es einen Grund zig Kassen zu haben? Mit zig Vorstaenden? und zig Verwaltungsaufgaben? Bin ja nicht fuer Verstaatlichung, aber wenn man immer viele Milliarden zuschiesst ist das nun auch keine freie Marktwirtschaft.
Gruß Rene42
wird eine Vermögenssteuer nicht einmal angedacht.
In zivilisierten Ländern ist sie eine Selbstverständlichkeit.
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