G-20-Treffen in Busan G 20 uneins über Finanzmarktkontrolle

Die G-20-Staaten streiten über die Finanzmarktreformen und die Konsequenzen aus der Euro-Krise. Die deutsche Forderung einer weltweiten Bankenabgabe droht zu scheitern.

Die Harmonie täuscht: Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten im südkoreanischen Busan gab es erhebliche Differenzen

Die Harmonie täuscht: Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten im südkoreanischen Busan gab es erhebliche Differenzen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat nach dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Wirtschafts- und Schwellenländer im südkoreanischen Busan Meinungsunterschiede in der G20 eingeräumt. Es gebe "unterschiedliche Auffassungen" über den Rang der Haushaltskonsolidierung und die Notwendigkeit der Nachfragestärkung.

So hat US-Finanzminister Timothy Geithner Deutschland zur Stärkung der Inlandsnachfrage aufgefordert. Ziel aller Länder müsse eine auf ein "gleichgewichtigeres, nachhaltiges Wachstum" hin ausgerichtete Weltwirtschaft sein. Die Amerikaner sollen sich laut Geithner in Ausgabendisziplin üben und anfangen zu sparen. Länder mit hohen Überschüssen – dazu zählen Japan und Deutschland – hingegen sollten ihre Binnennachfrage ankurbeln. Von China verlangte der US-Minister darüber hinaus erneut eine flexiblere Wechselkurspolitik.

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Es gelte den weltwirtschaftlichen Aufschwung abzusichern und die Wachstumsaussichten in der Welt zu verbessern, sagt Geithner. Dabei sprach er wachsende Sorgen über die Entwicklung in Europa an. Diese könnte den globalen Aufschwung bremsen, erklärte er mit Blick auf die Schuldenprobleme von Ländern wie Griechenland, die massive Hilfeaktionen der EU und des IWF nötig gemacht hatten.

Bundesfinanzminister Schäuble ist von den Vorschlägen seines amerikanischen Kollegen wenig begeistert. "Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich die dem IWF zugrundeliegende Philosophie nur sehr begrenzt teile". Das gelte auch dann, wenn es um ein gleichgewichtigeres Wachstum in der Welt gehe. "Ich habe dafür plädiert, dass man Europa oder zumindest die Euro-Zone einheitlich betrachten muss", sagte der Minister. Für Gesamteuropa gebe es keine Ungleichgewichte im Handel. Deutschland sieht sich wegen seiner Exportüberschüsse seit geraumer Zeit der Forderung gegenüber, mehr für das Binnenwachstum zu tun und noch nicht so scharf auf die Sparbremse zu treten.

Keine Einigung gab es nach Schäubles Worten in der Frage einer weltweiten Bankenabgabe. Auch die von Deutschland geforderte Finanzmarktsteuer sei ein Konsens derzeit nicht in Sicht.. "Ich habe darauf hingewiesen, dass wir in Toronto (beim G20-Gipfel Ende Juni) eine Entscheidung brauchen", sagte Schäuble. Man könne beim Thema Beteiligung der Banken an den Krisenkosten nicht ewig verhandeln. "Es gibt einen starken Druck für eine Besteuerung der Banken über die Bankenabgabe hinaus", sagte der Minister mit Blick auf Deutschland.

Schäuble plädierte erneut für eine scharfe Regulierung. "Wir brauchen nicht nur Erklärungen, wir brauchen Entscheidungen und Taten", sagte er. Zudem forderte er: "Wir brauchen einheitliche internationale Bilanzierungs-Standards." Der Minister sagte: "Wir haben das Menschenmögliche getan, um den Gipfel in drei Wochen gut vorzubereiten, dass da konkrete Ergebnisse herauskommen."

Leser-Kommentare
    • joG
    • 05.06.2010 um 12:22 Uhr

    ...... Japan und Deutschland – hingegen sollten ihre Binnennachfrage ankurbeln. Von China verlangte der US-Minister darüber hinaus erneut eine flexiblere Wechselkurspolitik."

    Das hört sich nach Lehrbuch an.

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    vor nicht allzu langer Zeit wurden dort wenn ich mich recht entsinne 100 dollar Konsumgutscheine an jeden Haushalt verschickt die verfielen, wenn man sie nicht innerhalb eines gewissen Zeitraums für Waren ausgab. Ich will das jetzt nicht unbedingt als Konzept für Deutschland vorschlagen, aber ich denke aus Sicht von Geithner ist der Vorschlag "Binnenmarkt ankurbeln" weniger abstrakt als für Sie, weil die kulturellen Hürden zT niedriger sind als in Deutschland.

    vor nicht allzu langer Zeit wurden dort wenn ich mich recht entsinne 100 dollar Konsumgutscheine an jeden Haushalt verschickt die verfielen, wenn man sie nicht innerhalb eines gewissen Zeitraums für Waren ausgab. Ich will das jetzt nicht unbedingt als Konzept für Deutschland vorschlagen, aber ich denke aus Sicht von Geithner ist der Vorschlag "Binnenmarkt ankurbeln" weniger abstrakt als für Sie, weil die kulturellen Hürden zT niedriger sind als in Deutschland.

    • M.M.
    • 05.06.2010 um 12:33 Uhr

    Hab' nichts anderes erwartet !!!!

  1. vor nicht allzu langer Zeit wurden dort wenn ich mich recht entsinne 100 dollar Konsumgutscheine an jeden Haushalt verschickt die verfielen, wenn man sie nicht innerhalb eines gewissen Zeitraums für Waren ausgab. Ich will das jetzt nicht unbedingt als Konzept für Deutschland vorschlagen, aber ich denke aus Sicht von Geithner ist der Vorschlag "Binnenmarkt ankurbeln" weniger abstrakt als für Sie, weil die kulturellen Hürden zT niedriger sind als in Deutschland.

    • joG
    • 05.06.2010 um 12:41 Uhr

    ....positiv. Allerdings ist Schäubles Position auch im Lehrbuch beschrieben. Man nennt es dort Free Riding oder Trittbrett fahren, je nachdem, ob man deutsch denkt oder angelsächselt.

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    • Tau
    • 05.06.2010 um 13:18 Uhr

    Welche angelsächsischen Propagandaelaborate meinen Sie denn konkret, wenn Sie von "Lehrbuch" im Zusammenhang mit "Trttbrettfahrerei" oder "free riding" sprechen?

    • Tau
    • 05.06.2010 um 13:18 Uhr

    Welche angelsächsischen Propagandaelaborate meinen Sie denn konkret, wenn Sie von "Lehrbuch" im Zusammenhang mit "Trttbrettfahrerei" oder "free riding" sprechen?

  2. "Schäuble plädierte erneut für eine scharfe Regulierung. "Wir brauchen nicht nur Erklärungen, wir brauchen Entscheidungen und Taten", sagte er. Zudem forderte er: "Wir brauchen einheitliche internationale Bilanzierungs-Standards." Der Minister sagte: "Wir haben das Menschenmögliche getan, um den Gipfel in drei Wochen gut vorzubereiten, dass da konkrete Ergebnisse herauskommen.""

    echter journalismus würde sich an dieser stelle daran erinnern können, dass schäuble vor nicht allzu langer zeit strikt gegen das nun vordergründig geforderte war. als nächstes hätte dieser journalismus vermuten können, dass der plötzliche sinneswandel des cdu-ministers nichts als eine show für die deutschen wähler sein könnte, denen die narrenfreiheit der finanzbranche zuletzt nicht mehr recht einleuchten wollte. jedenfalls ist das bevorstehende scheitern der pläne keine wirkliche überraschung.

  3. Dadurch werden nämlich keine neuen Jobs geschaffen. Die Menge an Menschen die in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt werden bzw. Arbeitslos sind, nimmt nicht ab. Das zeigt doch, dass Wirtschaftswachstum als Maßstab für eine gesunde Volkswirtschaft wertlos ist.

    Es zeigt auch, dass aktuelle Politiker viel zu sehr mit der Wirtschaft verbandelt sind als dass sie Entscheidungen treffen können die Zukunftsfähig sind. Die Wirtschaft hat immer gejammert und wird immer jammern. Das ist Teil ihrer Strategie die Allgemeinheit auszunehmen. Ausnahmen sind eher selten.

    Aber jeder mit ein wenig Grips kenn den Begriff Brot und Spiele:
    http://www.heise.de/tp/bl...

    So sind heutige Politiker nun mal. Eher Teil der Wirtschaft und damit des Problems, als Teil des Volkes und damit der Lösung.

    Man sieht das bereits bei der Sparbereitschaft der Politik. Überall da wo es fast ausschließlich den Schwächsten der Gesellschaft weht tut. Bzw. da wo die Menschen aus sozialen Gründen sich schwer damit tun zu Streiken (Gesundheit, Bildung,..).

    Dort wo es doppelt Sinn machen würde wird nichts getan:
    http://www.heise.de/tp/bl...

    Es ist auch garnicht notwendig auf die G20 zu warten. Bereits die EU alleine könnte den eigenen Finanzraum ausreichend regulieren. Wenn der Rest der Welt sich mit deregulierten Märkten in den Ruin begeben will, sollen sie doch. Aber müssen wir Europäer bei dem dummen Spiel unbedingt mitmachen? Früher gings doch auch ohne derartige "Freiheiten" an den Börsen.

  4. Bitte alle mal zehn Schritte zurücktreten!

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