Finanzkrise Briten preschen bei Regulierung vor

Die Londoner City wird ein ungemütlicher Ort für die Finanzbranche. Ausgerechnet die Briten machen Ernst mit ihren Plänen für eine schärfere Regulierung der Banken.

Die Briten pflegen ihre Traditionen. Seit mehr als Hundert Jahren lädt der Lord Mayor der Londoner City den britischen Schatzkanzler im Sommer in seinen prächtigen Stadtpalast ein. Dort hält der Minister vor der Elite des wichtigsten europäischen Finanzplatzes seine "Mansion-House-Rede", die traditionell dem "Great and Good", also der Größe und dem Wohlergehen, der City gewidmet ist.

Doch dieses Mal wird den Bankern nicht gefallen haben, was George Osborne, der frischgebackene konservative Finanzminister, zu erzählen hatte. Denn ausgerechnet die Briten, die so abhängig vom Wohlergehen der Finanzbranche sind wie kein anderes Land in Europa, machen Ernst mit schärferen Kontrollen. Osborne will nicht nur eine Sonderabgabe für die Banken notfalls im Alleingang durchsetzen, er plant auch einen kompletten Umbau der Finanzaufsicht, und im schlimmsten Fall droht Großbanken wie Barclays oder der Royal Bank of Scotland sogar die Aufspaltung.

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Damit gehen die Briten weiter als die meisten anderen Staaten der G20-Gruppe. In Deutschland steckt die Diskussion über eine Konzentration der Bankenaufsicht noch immer in der Sackgasse, und eine radikale Aufspaltung der Großbanken, wie sie die Briten prüfen, wird in kaum einem anderen Land ernsthaft diskutiert.

2006, auf dem Höhepunkt des Booms, erwirtschaftete der Finanzsektor zwölf Prozent der gesamten britischen Wirtschaftsleistung. Dieser Anteil ist nach der Krise auf unter zehn Prozent gefallen, aber noch immer bildet die City das Rückgrat der Wirtschaft des Königreichs.

Das scheint den Reformeifer von Schatzkanzler Osborne aber nicht zu bremsen. Zwar hielt er seine Mansion-House-Rede gestern erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe. Aber ein kurzer Auftritt am Morgen vor dem Parlament zeigte, worauf sich die Banker einstellen müssen. Die neue konservativ-liberale Koalition wird eine Kommission unter Führung des ehemaligen Zentralbankers John Vickers einsetzen, die binnen eines Jahres prüfen soll, ob und wie sich große Geldhäuser in eine Investment- und in eine Geschäftsbank aufspalten lassen, um so künftige Finanzkrisen zu verhindern. Vor allem die Liberalen hatten sich mit dieser Forderung im Wahlkampf profiliert, und der einflussreiche Wirtschaftsminister Vince Cable hat bereits klargemacht, dass die Kommission kein Papiertiger sein wird: "Die Reise geht klar in Richtung einer Trennung von Privatkundengeschäft und Kasino-Banken."

Notenbank-Chef Mervyn King hatte sich bereits im vergangenen Jahr dafür starkgemacht, Banken aufzuspalten, die so groß sind, dass sie im Notfall vom Staat gerettet werden müssen. Osborne forderte vor dem Parlament eine "offene und ehrliche Diskussion" über die künftige Struktur des britischen Bankensystems. Angela Knight, die Chefin des britischen Bankenverbandes, lehnt dagegen alle Forderungen nach einer Aufspaltung von Großbanken als "extrem" ab. Die Politiker sollten vielmehr auf die internen Reformen vertrauen, die die Geldhäuser auf den Weg gebracht haben. 

Leser-Kommentare
  1. Bei der derartigen Situation und den "lustigen" Aussichten.

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    Der Kopp-Verlag rangiert in Sachen Glaubwürdigkeit noch unterhalb der Bildzeitung

    Der Kopp-Verlag rangiert in Sachen Glaubwürdigkeit noch unterhalb der Bildzeitung

    • Mikoss
    • 17.06.2010 um 18:03 Uhr
    2. Whow!

    da bin ich jetzt erst einmal platt. Wer hätte das gedacht? Die Konservativen sind offenbar keine klassische Lobbypartei mehr, sondern übernehmen urplötzlich Verantwortung für die Folgen der Deregulierung.
    Was man als liberal versteht in GB, muss auch irgendwann geklärt werden, wenn die Liberalen die Kons bei der geplanten Abgabe überbieten.
    Was auch kommt: eine Regulierung wird mehr Stabiblität in die Volkswirtschaft bringen. Außerdem wird GBs Stimme in Europa wieder GEwicht bekommen.
    Right on, Union Jack!

    • olut
    • 17.06.2010 um 18:20 Uhr
    3. Mutig!

    Ich finde den Mut bewundernswert, der in England aufgebracht wird; trotz der hohen Abhängigkeit vom Finanzsektor Entscheidungen zu treffen (und auch umzusetzen), von denen man sicher ist, dass sie nötig sind. Großartig!
    Umso bedauerlicher der geschilderte Ausblick hinsichtlich Amerika: Wenn Obama das Gesetz nur formell unterschreibt wie hierzulande der BP, hat er sein Versprechen und die an ihn gestellten Erwartungen sicher nicht erfüllt.

  2. Absichtserklärungen helfen nicht weiter,auch tun!Im übrigen
    wird garnichts passieren,ziehen nicht alle an einem Strang,
    sonst verlagert sich nur das Geschehen in das Land,welches
    nicht mit spielt!

  3. aber erst mal sehen, was davon nun wirklich umgesetzt wird. Fuer GB duerfte die Umsetzung leichter fallen, da GB nicht der Eurozone angehoert. Unser Bundesregierung hat leider keine "Eier in der Hose" denn diese sind "alternativlos" notwendig, um den Herren Ackerman und Co. das Fell ueber die Ohren zu ziehen und fuer die ueberfaelligen Korrekturen zu sorgen.

  4. Der Kopp-Verlag rangiert in Sachen Glaubwürdigkeit noch unterhalb der Bildzeitung

    Antwort auf "Wen wundert's?"

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