Pro BP-Boykott als Chance für eine Wende
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Contra: Der Stoff ist das Problem, nicht der Dealer

Treibstofflieferant BP

Treibstofflieferant BP

   
Contra: Der Stoff ist das Problem, nicht der Dealer

Von Kai Biermann

Sind Sie auch wütend auf BP? Wollen Sie auch etwas tun? Das ist verständlich. Aber den Konzern zu boykottieren ist nicht sinnvoll. Es wäre vielmehr so, als würde man zu einem anderen Dealer gehen, bloß weil man erfahren hat, dass der alte seine Droge auch an Kinder verkauft. 

Natürlich würde ein Boykott von BP-Tankstellen (beziehungsweise in Deutschland: Aral) die Firma treffen und ihr die Macht der Käufer demonstrieren. Aber es wäre eine sinnlose Demonstration. Getankt wird weiter und wenn nicht bei der weltweiten Nummer drei, dann vielleicht beim größten Ölkonzern, bei Shell.

Shell war in Nigeria nicht nur daran beteiligt, dass dort die Umwelt ruiniert wurde. Der Konzern kooperierte auch mit dem früheren Militärregime. Jenes Regime ließ Umweltaktivisten ermorden. Müsste man also Shell nicht eigentlich auch boykottieren ?

Dann tanken wir also bei der Nummer zwei: ExxonMobil. Doch jenem Ölmulti gehörte der schrottreife Tanker , welcher Alaskas Küste verpestete. Jahrelang wehrte sich der Konzern dagegen, Entschädigungen zahlen zu müssen. New York hat Exxon übrigens auch einmal verölt .

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Nummer vier? Chevron wird von Menschen in Ecuador verklagt , die dem Unternehmen vorwerfen, es habe ihr Grundwasser verseucht, indem es giftigen Ölschlamm in die Landschaft kippte. Der Stoff soll Krebs verursachen. Nummer fünf? Total soll für eine Pipeline in Myanmar Dörfer zerstört haben. Der Konzern wurde wegen Zwangsarbeit und Mord verklagt – die Geschichte gibt es auch als Film

Alle Ölkonzerne haben also Dreck und Blut an den Händen, Öl ist ein schmutziges Geschäft. Aber es ist zu wichtig für unsere Volkswirtschaften, als dass sich ethische Maßstäbe durchsetzten.

Wen also soll man boykottieren? Wenn überhaupt, dann alle. Denn es hilft niemandem, wenn sich der Kundenzorn nur gegen eine Firma richtet. Das wäre Heuchelei, um Wut abzulassen und ein wenig das Gewissen zu beruhigen. Doch es verhindert nicht die nächste Katastrophe – was das Ziel und der Zweck einer solchen Aktion sein muss.

Wir alle sollten vielmehr häufiger und gründlicher darüber nachdenken, wie wir uns fortbewegen, von wem wir unseren Strom beziehen, welche Produkte wir kaufen. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln ließ diesen Industriezweig erst entstehen. Das ist Kundenmacht. Warum sie nicht einsetzen, um den Ölhunger zu begrenzen? Warum sie nicht nutzen, um die seit Jahrzehnten geforderte Energiewende endlich einzuleiten?

Selbstverständlich ist das sehr viel mühsamer und langwieriger, als zwei Wochen lang nicht bei BP zu tanken. Aber es ist der einzige Weg, zu verhindern, dass wir unsere Welt mit Öl versauen.

 
Leser-Kommentare
  1. wieso fragt da niemand nach?

    http://www.shortnews.de/i...

    Goldman Sachs verkauft "zufällig" rechtzeitig die BP-Aktien.
    BP-Chef verkauft "zufällig" rechtzeitig die BP-Aktien.

    Boots & Coots, eine Spezialfirma für die Bekämpfung derartiger Katastrophen wurde 10 Tage, bevor sich die Explosion ereignete, an Haliburton verkauft.

    Hier kommen keine Nachfragen. Nichts. Wieso gibt es keine detaillierte Berichterstattung in den Medien über das tatsächliche Ausmaß. BP und Obama deckeln doch alle Informationsmöglichkeiten zu.

    Und da spricht man von Verbraucherboykott? Das ist doch ein Witz.

    Seit Exxon-Valdez ist das Haftungsrisiko der Firman für Ölkatastrophen auf 75 Mill. beschränkt. Den Rest trägt der us-amerikanische Steuerzahler. Da kann man dann boykottieren, wie man will. Es passiert nichts.

  2. ... aber ich halte es etwas für naiv, dass Sie IMEMRNOCH gglaube, dass BP das Leck schließen könnte. Es handelt sich nicht mehr um nur ein Leck. Der Meeresboden ist aufgrund diverser Operationen seitens BP (TTopKill";"Spezialschlamm") mittlerweilse mit Rissen, aus denen Öl austritt, übersäht. Finden Sie sich damit ab, dass das Öl so lange austreten wird, bis die Kammer darunter leer ist. Ich wünschte, ich könnte sagen: Gott stehe uns bei.

    Antwort auf "Eine Annahme"

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