Ölkatastrophe Die unsichere Zukunft von BP
Noch kann der Energiekonzern BP die Kosten der Ölkatastrophe locker schultern. Doch die Unsicherheiten sind enorm, genaue Prognosen über die Gesamtkosten sehr schwierig.
© Stefan Wermuth/Reuters

Das Bohrloch hinterlässt erste Flecken auf dem Image des Energiekonzerns BP. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace nannte BP kürzlich in London in "british polluters" um (britische Verschmutzer)
Wer Aktien von BP besitzt, braucht starke Nerven: Jede noch so kleine Meldung aus dem Bohrloch-Krisenzentrum sorgt für heftige Kursbewegungen. Vergangene Woche ließen Gerüchte über einen möglichen Erfolg von "Top Kill" den Aktienkurs um sechs Prozent steigen. Die Ernüchterung kam am Dienstag: Um 15 Prozent stürzte die BP Aktie ein .
Das liegt vor allem an den Ereignissen der vergangenen Tage. Am Wochenende hatte sich "Top Kill", der jüngste Versuch, das Bohrloch zu stopfen, als "Top Fail", als großes Scheitern, entpuppt. Vor allem aber waren Aktienhändler von der aktuellen Pressemeldung schockiert. Darin beziffert BP die Kosten der Ölbekämpfung auf bislang 990 Millionen US-Dollar. Darin enthalten sind nicht nur verzweifelte Stopfversuche unter Wasser und Aufräumarbeiten an der Küste, sondern auch 40 Millionen Dollar Schadensersatz, die BP bereits an Betroffene ausgezahlt hat.
Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist zu einer Geldvernichtungsmaschine geworden: Knapp 63 Milliarden Dollar hat BP bislang an Börsenwert verloren. Seit dem 21. April, als die Plattform Deepwater Horizon explodierte, kostet BP die Krise täglich rund 24 Millionen US-Dollar. Die Gesamtsumme der Kosten ist dabei noch völlig unklar. Könnte die Katastrophe einen Großkonzern wie BP letztlich sogar in die Knie zwingen? Oder ist der Öl-Konzern einfach too big to fail , wie es seit der Bankenkrise heißt: zu groß, um zu scheitern?
Ein Blick in die BP-Bilanz hilft. Allein im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen trotz weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise einen Gewinn von 14 Milliarden US-Dollar . Laut aktuellen Schätzungen von Bloomberg machte das Unternehmen täglich einen Gewinn von rund 45 Millionen US-Dollar. Das ist immer noch fast doppelt so viel, wie die aktuelle Katastrophe den Ölkonzern zurzeit täglich kostet.
Analysten geben sich daher optimistisch. ING-Energieexperte Jason Kenney rechnet "im allerschlimmsten Fall" mit zusätzlichen Kosten von 20 Milliarden Dollar für BP. "Aber selbst das wird BP noch stemmen können", sagt er. Sein jüngster Bericht klingt fast martialisch. "BP befindet sich im Krieg, aber trotz der aktuellen Schlachten wird BP diesen Krieg gewinnen", schreibt Kenney. Selbst die Aktionäre bräuchten sich keine Sorgen machen. Sie könnten noch immer mit einer Dividende von 7,9 Prozent rechnen, glaubt Kenney. Und das trotz Ölteppichen vor der US-Küste und enormen Investitionen wie etwa den Kauf von Ölfeldern für rund sieben Milliarden Dollar.
- Datum 01.06.2010 - 19:17 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 20
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Diese großartige Firma BP/Aral hat alle Anstrengungen unternommen, um die Schöpfung zu bewahren, welche gerade sukzessive vor die Hunde kommt. Dass die Meeresökologie gerade unwiederbringlich vernichtet wird und Vögel, Fische, Meeressäuger, Pflanzen zugunsten der Gier von Fonds/Aktionären jämmerlich zugrunde geht, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass BP aller Unterstützung bedarf. Man sollte auch morgen noch bei BP/Aral tanken. Solidarität ist gefragt! Wir alle wollen auch morgen noch Auto fahren, wen interessieren da die paar krepierte Delphine und Seevögel....?
Hoffentlich sarkastisch gemeint, damit man es ernst nehmen kann.
Hoffentlich sarkastisch gemeint, damit man es ernst nehmen kann.
der für asoziale, ja kriminelle Geschäftspraktien aller Art bekannt ist, dann hält sich mein Mitleid in extremst engsten Grenzen, wenn derjenige ausnahmsweise einmal einen Verlust bei seiner Wette erfährt.
Wenn Aktien, dann von Firmen, die sich - soweit überprüfbar - auch dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, nicht krimineller Geldrafferei!
Anscheinend haben einige hier gar kein oder ein sehr schlecht ausgeprägtes Umweltbewusstsein.
BP's alter Chef und auch der Aktuelle haben überhaupt nicht in die Sicherheit investiert.
-2006 brannte eine Raffenerie von BP
-2008 explodierte eine Pipeline
BP hat trotz der großen Sicherheitsmängel überhaupt nichts unternommen. Die Sicherheit war ihnen zu teuer.
Außerdem sollte ein Unternehmen dieser Größe auf solche Fälle wenigstens ein Bisschen vorbereitet sein.
BP muss nicht nur der US Regierung 30 Millarden (für die Unterstützung, Stichwort einsatzkosten) zahlen, sondern auch noch viel Entschädigung und ein paar Prozesse werden auch noch dazu kommen.
Hoffentlich geht BP daran zu Grunde. Dann hat die Gerechtigkeit wenigstens mal gesiegt, auch wenn der Preis sehr hoch und viel zu teuer war...
Der Konzern gehört vor Gericht, aber auch die Manager. Denn wer hat die Sicherheitsvorschriften umgangen und wer hat es angeordnet. Die Schuld nur auf den Betreiber der Bohrplattform zu schieben genügt nicht. Die Verantwortung trägt auch der Auftraggeber.
Ihr seid uns auf Gedeih und Verderb ausgeliefert......
Da kann Ich die Forderung der Linken verstehen EON - RWE...etc. zu entmachten.......
Öl kann man weder essen noch trinken........
BP hat in den letzten Jahren jeweils zwischen 10 und 20 Mrd. USD Gewinn gemacht. Der Umsatz pro Jahr liegt bei unglaublichen 240 Mrd. USD. BP besitzt Ölfelder mit einer Kapazität von 10,5 Mrd. Barrel. Das entspricht beim aktuellen Ölpreis einem Gegenwert von rund 800 Mrd. USD (natürlich gehen davon die Förderkosten ab) und zusätzlich sitzt BP noch auf umgerechnet 7,8 Mrd. Barrel Gas.
Das der Aktienkurs sinkt, hat vor allem damit zu tun, dass die zuletzt so üppigen Dividenden bei BP die nächsten 1-3 Jahren etwas niedriger ausfallen werden. Alle Investoren mit kurzfristigem Anlagehorizont steigen nun aus. Und so hat BP 63 Mrd. an Börsenwert verloren, obwohl kein Mensch davon ausgeht, dass der Schaden so hoch sein wird.
Fazit: Schmerzhaft wird es für BP ab einer Summe von etwa 50 Mrd. USD, bedrohlich ab etwa 100 Mrd. USD. Von solchen Größenordnungen geht derzeit kein Mensch aus. Die Exxon-Valdez hat Exxon seinerzeit alles zusammen etwa 4 Mrd. gekostet. Soweit absehbar ist das für BP finanziell alles kein Drama.
Zunächst mal, brauchen wir Aufklärung, welche Versäumnisse/Fehler BP anzulasten sind. Wenn diese schwer sind, brauchen wir weltweit einen breiten Boykott, um den Preis für die Katastrophe in Regionen zu treiben, die BP wirklich weh tun.
Diese Firmen gehören gar nicht in private Hand, denn die Umwelt ist nicht Privat sondern Allgemeingut.
Selbst wenn eine Firma 14 Milliarden an Gewinn erwirtschaftet, ist ein gleichzeitiger Börsenverlust von 63 Mrd. kaum noch ertragbar. Eine Übernahme der gesamten Firma ist angesichts ihrer Größe jedoch kaum machbar (Too big to fail -- wo haben wir das schon mal gehört?). Eher dürften die Briten wohl demnächst an den Verkauf noch nicht erschlossener Ölfelder denken.
Können Sie die Behauptung, das der Börsenwertverlust von 63 Mrd. EUR kaum noch ertragbar ist, auch begründen? Der Kursverlust ist ärgerlich für die Aktionäre von BP. Das Geschäft von BP tangiert der Börsenkurs nicht. Auf das operative Geschäft hat er generell keine Auswirkung und als Ziel von Übernahmen ist BP noch immer viel zu groß und teuer.
Volkswagen hat im Vergleich zum Spitzenkurs 2008 rund 300 Mrd. an Börsenwert verloren - und ist noch quicklebendig
Können Sie die Behauptung, das der Börsenwertverlust von 63 Mrd. EUR kaum noch ertragbar ist, auch begründen? Der Kursverlust ist ärgerlich für die Aktionäre von BP. Das Geschäft von BP tangiert der Börsenkurs nicht. Auf das operative Geschäft hat er generell keine Auswirkung und als Ziel von Übernahmen ist BP noch immer viel zu groß und teuer.
Volkswagen hat im Vergleich zum Spitzenkurs 2008 rund 300 Mrd. an Börsenwert verloren - und ist noch quicklebendig
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren