Gipfeltreffen EU-Chefs nehmen Banken in die Pflicht

Die EU will die Finanzbranche an den Kosten der Wirtschaftskrise beteiligen. Um die Schuldenkrise einzudämmen, haben die EU-Staaten zudem die Budget-Regeln verschärft.

Mit einer Mischung aus Bankenabgabe und Steuern soll die Finanzbranche an den Kosten der Wirtschaftskrise beteiligt werden. Darauf haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs aller 27 Mitgliedsländer in Brüssel geeinigt . Sie wollen bei einer globalen Bankenabgabe voranschreiten und werden sich auch beim Treffen der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt (G20) kommende Woche in Kanada dafür einsetzen. Im Kreis der G20 ist das Vorhaben aber umstritten, unter anderem Kanada, Australien und Brasilien sind dagegen.

Strenger überwacht werden die Finanzmärkte aber nicht. Als größtes Hindernis präsentierte sich dabei der neue britische Premier David Cameron. "Wir werden immer unsere nationalen Interessen verteidigen und unsere roten Linien", verkündete der 43-Jährige. Vor einigen Wochen ließen sich die EU-Finanzminister davon nicht beeindrucken: Im Streit um schärfere Regeln für hochspekulative Hedgefonds fällten sie den Beschluss gegen die Regierung in London.

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Um die Schuldenkrise besser in den Griff zu bekommen, haben die EU-Staaten die Budget-Regeln verschärft. Wie aus der Abschluss-Erklärung hervorgeht, soll der europäische Stabilitätspakt durch zwei Maßnahmen gestärkt werden: zum einen durch eine intensivere Überwachung der Haushaltsdisziplin, zum anderen durch mögliche weitere Sanktionen bei Verstößen. So sollen der EU-Kommission von 2011 an die nationalen Haushalte im Frühjahr vorgelegt werden, also noch vor der Verabschiedung durch die nationalen Parlamente.

Schon jetzt sieht das Budgetverfahren Strafen für Länder vor, deren Staatsdefizit die Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) überschreitet. Tatsächlich wurden diese Strafen trotz zahlreicher Verstöße der Mitgliedstaaten bisher nicht verhängt. Auf der anderen Seite sollen finanzielle Anreize für diejenigen Staaten geschaffen werden, die die Defizitvorgaben einhalten.

Auf diese Vorgaben hatten sich bereits die Euro-Finanzminister verständigt. Deutschland und Frankreich ging dies allerdings nicht weit genug. Sie hatten vorgeschlagen, notorischen Defizitsündern die Stimmrechte zu entziehen. Dafür müsste aber in einem langwierigen Verfahren der EU-Vertrag von Lissabon geändert werden. Der Euro-Gruppen-Vorsitzende Jean-Claude Juncker erklärte diesen Plan für "kurz- und mittelfristig" nicht umsetzbar.

Auch die "europäische Wirtschaftsregierung", die Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gefordert hatte, dürfte es vorerst nicht geben. Zwar wollen die EU-Staaten ihre Wirtschaftspolitik besser koordinieren, ein eigenes Sekretariat soll aber nicht geschaffen werden. Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die Bürger in Europa seien an Ergebnissen interessiert. "Sie interessieren sich nicht für neue Institutionen und neue Verfahren." Im Entwurf der Gipfel-Abschlusserklärung war lediglich von einer " economic governance " die Rede, also einer verstärkten Koordinierung der Wirtschaftspolitik.

Das dürfte Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht ganz unrecht sein. Schließlich machte die Kanzlerin nie einen Hehl daraus, dass sie nur wenig von dem französischen Konzept hält, hinter dem sie einen Angriff auf die Europäische Zentralbank vermutet.

Die EU-Chefs einigten sich zudem auf einen Zehn-Jahres-Plan, der feste Ziele zum Abbau der Armut und für mehr Bildung vorsieht. Das Programm "Europa 2020" ersetzt die im Jahr 2000 gestartete Lissabon-Strategie, die mit ihrem Ziel scheiterte, die sich zu ehrgeizige Ziele gesetzt hatte. Mit ihr sollte die EU bis 2010 zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Liebe ZEIT: Wann haben die Überschriften der Artikel eigentlich mal wieder was zu tun mit dem Inhalt?

    Mit einer Mischung aus Bankenabgabe und Steuern soll die Finanzbranche an den Kosten der Wirtschaftskrise beteiligt werden. Darauf haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs aller 27 Mitgliedsländer in Brüssel geeinigt.

    Auf was haben sie sich denn geeinigt? Doch wohl nur hier drauf:

    Sie wollen bei einer globalen Bankenabgabe voranschreiten und werden sich auch beim Treffen der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt (G20) kommende Woche in Kanada dafür einsetzen.

    Warum nennt man es nicht beim Namen! Es ist mal wieder GARNICHTS herausgekommen.

    Die EU will die Finanzbranche an den Kosten der Wirtschaftskrise beteiligen.

    ...will...möchte...

    Ich kann es nicht mehr höhren! Wenn bei einem Gipfel nichts herausgekommen ist, ausser das man sich beim nächsten Gipfel weiter unterhalten will - dann erwarte ich von von einem richtigen Jounalisten in etwa solche Überschriften:

    Wieder ein ergebnisloser Gipfel ohne Einigung - Deutschland und England bremsen nötige Reformen.

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    Redaktion

    Lieber Hanzwurzt,

    der EU-Gipfel hat wirklich ein klares und eindeutiges Ergebnis: Die EU will auch im europäischen Alleingang eine Beteiligung der Banken durchsetzen. Die EU tritt damit erstmals so geschlossen auf - was eindeutig positiv zu bewerten ist.

    Auf einem Gipfel werden keine Gesetze beschlossen, das ist immer noch Aufgabe der nationalen Parlamente.

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

    • lepkeb
    • 17.06.2010 um 21:23 Uhr

    richtig analysiert. Aber immer dran denken deutsche Sprache, schwere Sprache und Computerkorrekturprogramme kennen (noch) nicht den Unterschied zwischen dem Wollen und dem Tun. Manchmal stellt man sich auch die Frage, ob Journalisten den Unterschied kenne.

    Redaktion

    Lieber Hanzwurzt,

    der EU-Gipfel hat wirklich ein klares und eindeutiges Ergebnis: Die EU will auch im europäischen Alleingang eine Beteiligung der Banken durchsetzen. Die EU tritt damit erstmals so geschlossen auf - was eindeutig positiv zu bewerten ist.

    Auf einem Gipfel werden keine Gesetze beschlossen, das ist immer noch Aufgabe der nationalen Parlamente.

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

    • lepkeb
    • 17.06.2010 um 21:23 Uhr

    richtig analysiert. Aber immer dran denken deutsche Sprache, schwere Sprache und Computerkorrekturprogramme kennen (noch) nicht den Unterschied zwischen dem Wollen und dem Tun. Manchmal stellt man sich auch die Frage, ob Journalisten den Unterschied kenne.

  2. Lob an den ersten Kommentator!

    Tadel für die, die brav Pressemeldungen kopieren und in Artikel einfügen.

    "ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP" da fehlt noch "Finanzindustrie"

  3. Die EU wird immer mehr zur Wirtschaftdiktatur und Demokratie
    schafft auch bei Schulden keine Stimmrechte ab!Die EU-Länder
    werden noch zig mal zusammen kommen,eine Einigung gibt es
    nicht und Deutschland hat auch ohne EU und Euro gelebt!Die
    grossen Exporte in die EU ist Vergangenheit,andere Länder
    ausserhalb der EU nehmen mehr Waren ab oder die Bundesregie-
    rung kennt ihre eigenen Zahlen nicht!Spanien wurde mal wie-
    der ausgeblendet wie in der deutschen Politik auch viele
    Probleme nicht angesprochen werden,Schönrederei hilft nicht
    weiter.Europa schafft schon keine Einigung,die G20 eh nicht.
    Es muss und wird erst krachen müssen in den EU-Länder,dafür
    sorgen ausser in Deutschland im Ausland schon die Gewerk-
    schaften,die lassen nicht verdummen wie bei uns!

  4. Redaktion

    Lieber Hanzwurzt,

    der EU-Gipfel hat wirklich ein klares und eindeutiges Ergebnis: Die EU will auch im europäischen Alleingang eine Beteiligung der Banken durchsetzen. Die EU tritt damit erstmals so geschlossen auf - was eindeutig positiv zu bewerten ist.

    Auf einem Gipfel werden keine Gesetze beschlossen, das ist immer noch Aufgabe der nationalen Parlamente.

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

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    Ich teile ihren Optimismus nicht. Zu lange habe ich mir in den letzten Jahren diese ergebnislosen (und übrigens ziemlich teueren) Gipfel angesehen.

    Es ist immer die gleiche Leier:

    Schön vor die Kamera treten und so tun als haben wir superviel erreicht und alles im Griff.

    Würde wirklich etwas herausgekommen sein, hätte es unterzeichnete Papiere gegeben, die direkt in die Gesetzgebungsverfahren der Parlamente geschickt werden.

    Ich wage zu bezweifeln, dass dies geschehen ist.

    Gerade in Deutschland braucht die Koalition diese Art von Presse. Da wird man natürlich alles tun, um als entschlossene und ergebnisreiche Truppe wieder heimzukehren.

    Ich teile ihren Optimismus nicht. Zu lange habe ich mir in den letzten Jahren diese ergebnislosen (und übrigens ziemlich teueren) Gipfel angesehen.

    Es ist immer die gleiche Leier:

    Schön vor die Kamera treten und so tun als haben wir superviel erreicht und alles im Griff.

    Würde wirklich etwas herausgekommen sein, hätte es unterzeichnete Papiere gegeben, die direkt in die Gesetzgebungsverfahren der Parlamente geschickt werden.

    Ich wage zu bezweifeln, dass dies geschehen ist.

    Gerade in Deutschland braucht die Koalition diese Art von Presse. Da wird man natürlich alles tun, um als entschlossene und ergebnisreiche Truppe wieder heimzukehren.

  5. Das ist doch nur reine Augenwischerei. Die Reichen-und Superreichen haben doch längs Hintergrundarbeit mit ihrer Lobby im EU Parlament geleistet. Sogar diese Gesetzesvorlagen
    tragen ihre Handschrift.
    Wir werden eingeseift von unten bis oben mit ihrer Lobbyseife.

  6. Die Banken werden endgültig an den Kosten der Wirtschaftskrise beteiligt.

    Premier David Cameron. "Wir werden immer unsere nationalen Interessen verteidigen und unsere roten Linien".

    Vielleicht ist das sein Appell an die Hedge Fonds und die Spekulanten das
    Pfund zu verschonen, Angriffsfläche bieten die Insulaner genug!
    Die EU könnte sogar für eine mögliche Unterstützung eine Gegenleistung
    einfordern, dann sind die Engländer auf Linie, wird wohl nichts.

  7. Maximalforderungen lassen sich selten durchsetzen. Deshalb ist das Ergebniss des EU Gipfes zumindest ein Anfang. Ob die Beschluesse der EU jedoch den Rest der Welt ueberzeugen werden, darf bezweifelt werden. Allen voran hat der US Finanzsektor allergroesstes Interesse das alles so bleibt wie es ist. Obama scheint smart genug zu sein, zu verstehen, dass es so auch bei ihm zuhause nicht weitergehen kann, aber offensichtlich hat er nicht die politische Kraft, dies auch durchzusetzen. Ich waere wirklich sehr ueberrascht, wenn sich daran bald etwas aendern wuerde. Der neuen Regierung in London kann man nur raten, sich schon einmal darauf vorzubereiten, dass die Tradition des Blockierens keine Zukunft mehr hat. Ansonsten wird sich bald die Frage stellen, ob es ueberhaupt noch Sinn macht, ein EU Land zu bleiben.

  8. Ich teile ihren Optimismus nicht. Zu lange habe ich mir in den letzten Jahren diese ergebnislosen (und übrigens ziemlich teueren) Gipfel angesehen.

    Es ist immer die gleiche Leier:

    Schön vor die Kamera treten und so tun als haben wir superviel erreicht und alles im Griff.

    Würde wirklich etwas herausgekommen sein, hätte es unterzeichnete Papiere gegeben, die direkt in die Gesetzgebungsverfahren der Parlamente geschickt werden.

    Ich wage zu bezweifeln, dass dies geschehen ist.

    Gerade in Deutschland braucht die Koalition diese Art von Presse. Da wird man natürlich alles tun, um als entschlossene und ergebnisreiche Truppe wieder heimzukehren.

    Antwort auf "Bankenabgabe"

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