Entwicklungshilfe Spart Europa auf Kosten der Armen?

Erste EU-Länder sparen an der Entwicklungshilfe, um ihre Schulden zu bekämpfen. Die OECD warnt vor einem "ängstlichen Nationalismus" in Europa.

Schulunterricht in Burkina Faso: In Afrika fehlt es an Geld, um allen Kindern eine Schulbildung zu garantieren

Schulunterricht in Burkina Faso: In Afrika fehlt es an Geld, um allen Kindern eine Schulbildung zu garantieren

Eckhard Deutscher ist besorgt. Der Vorsitzende des Entwicklungsausschusses der Industrieländer-Organisation OECD in Paris beobachtet derzeit genau, wie quer durch Europa die Staatsausgaben gekürzt werden, um die Schuldenberge abzutragen , die in der Wirtschaftskrise angehäuft wurden. Deutscher fürchtet, dass die Staaten angesichts der angespannten Haushalte auch dort sparen werden, wo es die Bürger erstmal am wenigsten trifft: bei der Entwicklungshilfe. Einen "ängstlichen Nationalismus" macht der Fachmann aus Paris in einigen Mitgliedsstaaten aus. Die Frage, wie Europa seiner Verantwortung noch gerecht werden könne, werde "immer virulenter".

Erste Anzeichen, dass der Sparkurs in Europa auch den Strom der Hilfszahlungen kleiner werden lässt, gibt es bereits. Spanien wird seine Entwicklungshilfe in den kommenden zwei Jahren um 600 Millionen Euro kürzen. Österreich hat seine Leistungen für die internationale Armutsbekämpfung bereits im vergangenen Jahr um fast ein Drittel zurückgefahren. Frankreich wird die Entwicklungshilfe – rechnet man die Schuldenerlasse heraus – im kommenden Jahr um 60 Millionen Euro kappen, rechnet die britische Lobby-Organisation One vor. In anderen Staaten schmieden die Regierungen gerade Pläne, wie das Defizit im Haushalt gesenkt werden könnte.

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Schon jetzt laufen einige Länder ihren Zusagen aus der Vergangenheit hinterher. Vor fünf Jahren haben sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet,  ihre Ausgaben für Entwicklungshilfe zu erhöhen. Bis zum Jahr 2010 sollte der Anteil auf 0,51 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts steigen, bis 2015 gar auf 0,7 Prozent. Schon jetzt steht fest, dass die Europäer das erste Etappenziel verfehlen werden. Derzeit beträgt die Quote im Durchschnitt aller EU-Länder rund 0,42 Prozent, insgesamt etwa 49 Milliarden Euro. Zwar zahlt Deutschland mit neun Milliarden den größten Anteil. Bis zum Ende des Jahres wird die Regierung in Berlin aber höchstens auf einen Anteil von 0,4 Prozent am BIP kommen – und sein Versprechen damit brechen . Auch Frankreich wird das Ziel verfehlen (siehe Grafik).

Dementsprechend aufmerksam verfolgen die Hilfsorganisationen die Haushaltsklausur in Berlin an diesem Sonntag und Montag. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) wird in den Verhandlungen seinen Etat gegen die Sparzwänge im Haushalt verteidigen. Dass es zu Kürzungen im Entwicklungshilfe-Etat kommt, gilt derzeit allerdings als unwahrscheinlich. Aus Verhandlungskreisen ist zu hören, dass Niebel rund 400 Millionen Euro mehr für sein Ressort rausschlagen wird, um die international vereinbarten Ziele nicht ganz so drastisch zu verfehlen.

Offenbar will die Regierung auch deshalb Kürzungen vermeiden, um auf dem G-20-Treffen in Seoul im November nicht allzu schlecht dazustehen. Dort wollen die mächtigsten Industrieländer über den Kampf gegen die Armut beraten. Zudem werden die G-8-Staaten während ihres Treffens in Kanada im Juni erstmals öffentlich auswerten, welche Entwicklungsziele erreicht wurden und welche nicht. Deutschland wird dabei schlechter abschneiden als etwa die USA oder Großbritannien.

Leser-Kommentare
  1. Eine Kuerzung der Hilfszahlungen ist das besten was den "Armen" passieren kann.

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    Afrika fehlt es an Eigeninitiative

    Afrika fehlt es an Eigeninitiative

  2. Vor ein paar Tagen: "Wirtschaftskrise schadet Umweltschutz". Dann "Bei Entwicklungshilfe sparen wegen Staatsschulden". Und in der Mache "Kürzungen bei Sozialausgaben".

    Diese Liste ließe sich noch erweitern, ganz besonders im Detail. Der böse Witz ist, dass alle wissen, dass es gut ist, etwas zu geben, doch sobald es in der Nähe des Geldbeutels kneift, wird nach Einsparmöglichkeiten gerade bei den Ärmsten gesucht. Und auch die Ursache kennt jeder: die dritte Welt, die Natur, die HartzIV-Empfänger haben keine Macht und keine Lobby. Außerdem gibt es immer ausreichend Beifallsklatscher, die allein schon beim Verdacht, von ihrem Geld könnte etwas genommen werden, in Panik und Hass geraten. Das funktioniert auch bestens, denn es gilt nicht nur, dass jene, die mehr haben, auch mehr von dieser Angst haben (der Verzicht auf den Plasma-TV im Gästeklo ist natürlich gravierender als das Leiden eines Fremden...), sondern auch mehr Macht und Einfluss besitzen. Allerdings nur, bis es kracht.

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    • M.M.
    • 05.06.2010 um 11:32 Uhr

    Das ist fein bemerkt !!!!!

    • M.M.
    • 05.06.2010 um 11:32 Uhr

    Das ist fein bemerkt !!!!!

  3. Afrika fehlt es an Eigeninitiative

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    • asx
    • 05.06.2010 um 16:51 Uhr

    so ist es nunmal

    • asx
    • 05.06.2010 um 16:51 Uhr

    so ist es nunmal

  4. "Entwicklungshilfe" ist ein problematisches Feld und da geht es um die Fragen: wem hilft diese Hilfe überhaupt? Den Kleptokraten? Der Bevölkerung? Wohin fliesst sie? Ich erinnere mich gut an den Artikel von Bartholomäus Grill über Afrikas Kleptokraten im vergangenen Jahr in der ZEIT. Und: wie effizient sind die Gelder, die eingesetzt werden? Werden die Ziele, die damit erreicht werden sollen, tatsächlich erreicht? Wäre weniger Entwicklungshilfe nicht denkbar, sofern diese Gelder eine wirkliche Entwicklung ermöglichten, eine reale Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung.

    Und, in diesem Kontext, wie ist das Verhältnis von staatlicher Entwicklungshilfe zu den von Faigle genannten Aspekten wie "Agrarsubventionen"? Ich würde gern auch noch Spekulation mit Getreide an den Börsen nennen, überhaupt das weite Feld des sogennanten Nicht-Fairen-Handels. Oder auch, nur als Beispiel, die Fischereipolitik der EU. Dazu folgender Link:
    http://www.germanwatch.or...

    Es stellt sich die Frage, inwieweit das, was durch staatliche Entwicklungshilfe geleistet wird, auf andere Weise, durch andere Politiken und Handlungsweisen wieder zunichte gemacht wird. Unabdingbar gehört aus meiner Sicht zu jeder Diskussion über Entwicklungshilfe das Problem der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln. Dazu dieser Artikel in der ZEIT: http://www.zeit.de/2010/0...

    • M.M.
    • 05.06.2010 um 11:32 Uhr

    Das ist fein bemerkt !!!!!

    Antwort auf "Wie immer..."
    • Areth
    • 05.06.2010 um 13:15 Uhr

    Wir bezahlen mit der Entwicklungshilfe nur die
    Förderung der unselbstständigkeit, die Bereicherung der korrupten Eliten sowie der nicht weniger korrupten NGO´s.Ich habe kein Land auf dieser Erde gesehen welchs durch dauer Alimentierung sich weiter entwickelt hat es wird dort nur alles schlimmer und schlimmer.Das einzige was bleiben sollte sind die Bildung und Förderung von Frauen das ist die einzig wahre Entwicklungshilfe-
    Hohe Bildung = weniger Kinder.
    Dies sage ich als Mensch mit afrikanischen-wurzeln.

    • asx
    • 05.06.2010 um 16:51 Uhr

    so ist es nunmal

  5. Da Afrika durch die WM 2010 in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, ist logischweiser auch die Entwicklungshilfe mit ein Thema.

    Warum machen die "Vorzeigestaaten Afrikas" nicht einfach das ältestes Prinzip der Welt - wir helfen unseren Nachbaren.... es wäre auch ein Zeichen an uns "westliche Welt", das Afrika die Probleme ernst nimmt und sich zu einem Miteinander bemüht, was die ärmsten der armen Länder betrifft, nun wie wäre es mit mehr Infos darüber, woran es hakt, oder sind die Bilder so schrecklich, das wir nicht informiert werden dürfen, ?? Somalia, Burundi, Äthopien usw.???

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