Eine Mehrheit der führenden deutschen Ökonomen glaubt an eine Zukunft der Europäischen Währungsunion. Allerdings knüpfen sie ihren Optimismus an Bedingungen, welche die Euro-Zone erfüllen muss, wenn sie die aktuelle Krise überleben will.

Das geht aus einer Umfrage hervor, in der ZEIT ONLINE 13 deutsche Volkswirte zur Euro-Krise befragt hat. Sieben Ökonomen halten die Euro-Zone für überlebensfähig, wenn die bestehenden Mechanismen der Währungsunion ergänzt werden. Fünf äußern sich skeptisch. Allein Stefan Homburg von der Uni Hannover geht davon aus, dass die "Geschäftsgrundlage des Euro entfallen ist" und "die Geschichte über ihn hinweggehen wird".

Mehrere Ökonomen fordern automatische Sanktionen für den Fall, dass die Mitgliedsstaaten übermäßige Defizite aufweisen. Auch müsse es die Möglichkeit geben, Mitgliedsstaaten in eine geordnete Insolvenz zu schicken.

Vor allem Letzteres hält Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für wichtig. "Kein Rettungsschirm der Welt verhindert, dass die Volkswirtschaften der Euro-Zone divergieren und die mit schlechten Fundamentaldaten insolvent werden können." Ein verbessertes Insolvenzrecht für Staaten würde das bestehende Bail-out-Verbot in der EU glaubwürdig machen und dauerhafte Stabilität ermöglichen, sagt auch der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt.

Der Ökonom Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnt indes vor "panischem Sparen" und plädiert für "eine europaweit antizyklische Konjunkturpolitik", bei der erst konsolidiert würde, wenn der Aufschwung gefestigt ist.

Als weitere Voraussetzung sehen die Ökonomen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) "verlorenes Vertrauen in ihre Unabhängigkeit" wiederherstellt. Dazu müsse sie ihre gegenwärtige Rolle als Unterstützer von maroden staatlichen Anleihemärkten aufgeben und sich wieder auf ihre Aufgabe als Wahrer der Geldwertstabilität konzentrieren, sagt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.

Skeptischer ist Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclays Capital. "Weil Regierungen und Wahlvolk vom Verschulden nicht lassen wollen, wird der Euro dem Entwertungsschicksal kaum entrinnen können", sagt der Ökonom.