G-20-Gipfel Viel Lärm, wenig Konkretes
Europa und die USA streiten über die Etatpolitik – und sagen nur die halbe Wahrheit. Die Reform der Finanzmärkte ist auf dem G-20-Gipfel in Gefahr. Ein Kommentar
© SAUL LOEB/AFP/Getty Images

Jetzt sei eher die Zeit, Geld auszugeben, statt zu sparen, meint US-Präsident Barack Obama und kritisiert damit auch das Sparpaket der deutschen Kanzlerin Angela Merkel
Amerikas Präsident, der sein Land immer weiter in die Verschuldung führt, erteilt der Welt gute Ratschläge in Konjunkturpolitik: Die Industrie- und Schwellenländer müssten weiter auf Wachstum setzen, statt die Haushalte zu schnell zu sanieren, fordert Barack Obama in einem Brief an seine G-20-Kollegen. "Mittelfristig" habe er nichts gegen weniger Schulden, jetzt aber sei die Zeit, Geld auszugeben statt zu sparen. Die Haushaltspolitik der Staaten müsse sich an den "Bedürfnissen der Weltwirtschaft" orientieren – sonst drohe eine neue Rezession.
In Europa, wo die Stabilitätspolitiker das Wort führen, stoßen solche Töne auf wenig Gegenliebe. Die Regierungen Europas machen sich an die Sanierung der Staatsfinanzen – aus Angst um die eigene Währung und einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise. Staaten, die sich glaubhaft sanieren, so lautet die These, gewinnen das Vertrauen der Märkte und Bürger zurück, und wachsen nachhaltiger als solche, die mit immer neuen Konjunkturpaketen das Wachstum befeuern.
Auf dem Treffen der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G20) in Toronto treffen nun beide Weltsichten aufeinander. In einem Entwurf der Stellungnahme zu dem am Freitag beginnenden Treffen zeichnet sich bislang keine
gemeinsame Position der G-20-Staaten
ab. Nachdem sich China mit seiner Ankündigung,
die eigene Währung womöglich aufzuwerten
, aus der Schusslinie gebracht hat, wird sich das Augenmerk der Amerikaner vor allem auf Deutschland richten. Die Regierung in Berlin müsse endlich ihren Teil dazu beitragen, die Ungleichgewichte im Welthandel abzubauen, lautet eine weitere Forderung aus Washington – also weniger sparen und exportieren, dafür mehr konsumieren und importieren.
Der Streit ist keinesfalls nebensächlich, gründet zum Teil aber auf einem Missverständnis. Deutschland etwa wird seine Staatsausgaben weniger rasch zurückfahren, als es die Amerikaner fürchten. Berechnungen der französischen Investmentbank Natixis zeigen, dass Berlin die Konjunktur in diesem und nächstem Jahr eher weiter anschieben wird, statt sie zu bremsen, weil hierzulande die Konjunkturprogramme nur langsam auslaufen. Frühestens 2012 schlägt das Sparpaket auf die Konjunktur durch.
Und es stimmt schon: Die deutsche Regierung könnte mehr tun, um die Binnennachfrage zu stärken – etwa indem sie die Löhne von den hohen Abgaben entlastet. Auf Dauer tut Deutschland gut daran, sich von seinem einseitigen Wachstumsmodell zu lösen. Doch der Streit zwischen Europa und den USA birgt die Gefahr, dass das große Thema der G 20 in den Hintergrund rückt: die überfällige Koordinierung der Finanzmarktreformen.
Auf dem Gipfel in London vor mehr als einem Jahr hatten die G-20-Staaten versprochen, gemeinsam die Märkte sicherer zu machen. Daraus ist bis heute nichts geworden. Stattdessen gehen die Europäer und Amerikaner eigene Wege, und Länder wie Deutschland scheren mit eigenwilligen Plänen aus, wie etwa mit dem symbolhaften Verbot von ungedeckten Leerverkäufen. So unkoordiniert, wie die Reformen angelegt werden, sind sie wirkungsloser als nötig, weil sich die Marktakteure immer den besten Ort für ihre Geschäfte aussuchen können.
Wenn nun vor allem Deutschland argumentiert, die Amerikaner machten bei wichtigen Reformen nicht mit, erzählen sie ebenfalls nur die halbe Wahrheit: Die USA sind etwa durchaus bereit, ihren Banken strengere Eigenkapitalregeln zu verordnen. Widerstand kommt hier eher aus Europa, wo strengere Eigenkapitalregeln die Banken härter treffen würde als jenseits des Atlantiks. Obamas ambitionierte Finanzmarktreform steht kurz vor dem Durchbruch, während in Europa über Reformen nur geredet wird.
Auch in der Frage, wie der Finanzsektor an den Krisenkosten beteiligt werden könnte, sind sich die Staaten uneins. Angela Merkel wird in Toronto für eine Finanzmarktsteuer werben, von der die Amerikaner und auch Kanada nichts halten. Die USA fordern wiederum gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine internationale Bankenabgabe – werden aber ebenfalls keine Mehrheit für ihren Vorschlag finden: Japan, Südkorea, aber auch Schwellenländer wie Indien und Brasilien sind dagegen.
Statt nur ihre eigene Geschichte zu erzählen, sollten Amerikaner und Europäer sich wieder auf die Gemeinsamkeiten besinnen. Schon jetzt schraubt Gastgeber Kanada die Erwartungen an den Gipfel herunter: Mehr als zu einer Bestandsaufnahme und allgemeinen Absichtserklärungen werde es nicht kommen. Das aber wird Zweifel wecken, ob die G 20 ihre ehrgeizigen Ziele von London und Pittsburgh überhaupt noch werden erreichen können.
- Datum 24.06.2010 - 16:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
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"Und es stimmt schon: Die deutsche Regierung könnte mehr tun, um die Binnennachfrage zu stärken – etwa indem sie die Löhne von den hohen Nebenkosten entlastet."
Diese Forderung wird meist von Arbeitgebervertretern erhoben, die um ihre "internationale Wettbewerbsfähigkeit - also den Export - fürchten. Will man die Außenhandelsbilanzdefizite verringern, sollte man die Lohnnebenkosten also eher erhöhen ...
Es ist schon ziemlich naiv zu glauben, Arbeitnehmer würden von geringeren Lohnnebenkosten profitieren. Die geringeren Lohnnebenkosten sind nur ein geringerer Preis des Exportprodukts und ein höherer Gewinn des Exportunternehmens, wobei von höheren Gewinnen bei exportorientierten Unternehmen - wie die letzten Jahre zeigen - die Arbeitnehmer nicht profitieren, höchstens noch die Aktionäre.
Der Autor sollte seine privaten politischen Vorstellungen nicht in solch einen Artikel packen. Er impliziert mit der o.g. Aussage nämlich, dass niedrigere Lohnnebenkosten für eine höhere Binnennachfrage sorgen. Das ist schlicht Meinungsmache und sollte man zumindest so kennzeichnen (am besten als Kommentar o.Ä.).
Anstatt solche Gipfel zu veranstalten, sollte man das Geld das diese Gipfel kosten öffentlich auf einem großen Haufen verbrennen. Dann wüssten die Leute wenigstens, wie sinnvoll dieses Geld angelegt ist. Zu G8 Zeiten war es schon unwahrscheinlich zu einer Einigung zu kommen. Seit G20 ist es unmöglich geworden.
Diese Art der Diplomatie hat nur einen Zweck: Die Regierungsoberhäupter können sich rechtfertigen, dringende Reformen aufgrund von anderen nicht umsetzen zu können.
Geht es um neoliberale Marktreformen, die die Märkte z.B. in Schwellenländern öffnen, ist immer ganz schnell eine Einigung erziehlt. Geht es darum, Finanzmärkte zu regulieren oder Umweltstandarts einzuführen, zeigt sich die wahre Macht der Lobbies.
Bezüglich der Bankensteuern gibt es eine relativ einfache Möglichkeit, auf nationaler Ebene Druck auszuüben:
Lizenzen entziehen.
WORD !
Das Geld kann man aber auch einfach Spenden. Öffentliche Absichtserklärungen haben wir schon genug. Mit dem Geld was die ergebnislosen Gipfel(Klima,GXX usw.) der letzen Dekade gekostet haben hätte man auch Somalia demokratisieren können.
WORD !
Das Geld kann man aber auch einfach Spenden. Öffentliche Absichtserklärungen haben wir schon genug. Mit dem Geld was die ergebnislosen Gipfel(Klima,GXX usw.) der letzen Dekade gekostet haben hätte man auch Somalia demokratisieren können.
Obama wird auf dem Gipfel vermutlich verkünden können, dass die bereits von beiden Häusern verabschiedete scharfe US-Bankenreform heute auch vom Ausgleichskommittee bestätigt wurde. Damit stünde der für den 4.Juli geplanten Unterzeichnung durch Obama nichts mehr im Wege.
Europa hingegen hat bis heute zur Bankenreform absolut nichts unternommen, vom nutzlosen Verbot der Leerverkäufe abgesehen.
Nichts wird passieren. Es kommen keine Regeln für die Finanzmärkte, man klammert sich weiterhin an die Wirtschaftwachstumsdoktrin, die Umverteilung und Bevorzugung der Reichen wird weitergehen,...
Es muss wohl wirklich erst wieder mal ordentlich krachen bevor die Großkopferten lernen die graue Masse zwischen ihren Ohren einzusetzen. Wobei, das nächste Scheppern wird nicht mehr im virtuellen Finanzraum stattfinden und dann werden die alten Köpfe hoffentlich nicht mehr vorhanden sein um weiterhin den Globus in den Abgrund zu kicken.
Weder Kapitalismus noch Sozialismus sind zukunftsfähige Systeme. Beide enteignen die Allgemeinheit, sind extrem anfällig für Korruption und somit Demokratiefeindlich. Beweise gibts global genug um das zu belegen.
Wann haben die Klugen der Welt aufgehört darüber nachzudenken wie eine gut organisierte, vernünftig produzierende und nicht auf Konsum oder Wachstum angewiesene Wirtschaft aussehen kann die eine echte Demokratie fördert?
Im Moment nimmt die Korruption zu und die Demokratie wird von den angeblichen Repräsentanten demontiert, bzw. wird ein Ausbau massiv verhindert.
Nicht die Bürger sind Demokratieunmündig, Politik und Wirtschaft sind es.
WORD !
Das Geld kann man aber auch einfach Spenden. Öffentliche Absichtserklärungen haben wir schon genug. Mit dem Geld was die ergebnislosen Gipfel(Klima,GXX usw.) der letzen Dekade gekostet haben hätte man auch Somalia demokratisieren können.
"Obamas ambitionierte Finanzmarktreform steht kurz vor dem Durchbruch, während in Europa über Reformen nur geredet wird."
Dieser Satz trifft in der Tat zu, denn der Durchbruch erfolgte erst spät in der vergangenen Nacht, und Obama kann nun heute mit seiner 2000seitigen Finanzmarktreform in Toronto auftreten.
Schon wieder Sie mit Ihrem Argument, dass das die "ambitionierte Finanzmarktreform", die 2000 Seiten Geschwafel Gesetzestext umfaßt ja allein aufgrund Ihres Umfanges sehr effizient sein. Leider ist dem nicht so, sondern eher das Gegenteil.
Das effizienteste Gesetz um dem Finanzmarkt zu dem zu machen, was er dem Namen nach ist (ein Markt), wäre folgendes:
"Es gibt keine bail-outs. Amen!"
Damit müssten auch Banken und Hedgefonds einsehen, dass Gewinne und Risiken in direktem Zusammenhang stehen und der Markt würde sich selbst regulieren. "Too big to fail" ist die Lüge des Jahrzehnts!
2000 Seiten... Wenn man darüber mal nachdenkt ist es einfach nur absurd...
Schon wieder Sie mit Ihrem Argument, dass das die "ambitionierte Finanzmarktreform", die 2000 Seiten Geschwafel Gesetzestext umfaßt ja allein aufgrund Ihres Umfanges sehr effizient sein. Leider ist dem nicht so, sondern eher das Gegenteil.
Das effizienteste Gesetz um dem Finanzmarkt zu dem zu machen, was er dem Namen nach ist (ein Markt), wäre folgendes:
"Es gibt keine bail-outs. Amen!"
Damit müssten auch Banken und Hedgefonds einsehen, dass Gewinne und Risiken in direktem Zusammenhang stehen und der Markt würde sich selbst regulieren. "Too big to fail" ist die Lüge des Jahrzehnts!
2000 Seiten... Wenn man darüber mal nachdenkt ist es einfach nur absurd...
Schon wieder Sie mit Ihrem Argument, dass das die "ambitionierte Finanzmarktreform", die 2000 Seiten Geschwafel Gesetzestext umfaßt ja allein aufgrund Ihres Umfanges sehr effizient sein. Leider ist dem nicht so, sondern eher das Gegenteil.
Das effizienteste Gesetz um dem Finanzmarkt zu dem zu machen, was er dem Namen nach ist (ein Markt), wäre folgendes:
"Es gibt keine bail-outs. Amen!"
Damit müssten auch Banken und Hedgefonds einsehen, dass Gewinne und Risiken in direktem Zusammenhang stehen und der Markt würde sich selbst regulieren. "Too big to fail" ist die Lüge des Jahrzehnts!
2000 Seiten... Wenn man darüber mal nachdenkt ist es einfach nur absurd...
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich in der aufgeführten Farce: Gipfel G8 und G20, genau das abzeichnet, wohin die Reise in Wahrheit gehen soll...nämlich ins "Ins"
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