Euro-Krise Redet Europa nicht schlecht!
Den USA geht es viel schlechter als der Euro-Zone. Europa war 2009 Stabilitätsweltmeister und wird dies auch 2010 sein. Ein Gastbeitrag von Folker Hellmeyer
Der Euro steht seit November 2009 massiv unter Druck. Marktteilnehmer und Öffentlichkeit diskutieren das Scheitern der Währungsunion. Spekulative Attacken gegen den Euro insbesondere aus den Finanzzentren London und New York bestimmen das tägliche Bild. Der IWF springt Europa mit einem massiven Hilfspaket zur Seite.
Die Lage der Euro-Zone könnte man vor diesem Hintergrund als prekär beschreiben. Innerhalb von sechs Monaten hat sich das Bild der Euro-Zone von höchster internationaler Attraktivität zum Aschenputtel des Devisenmarkts gewandelt. Aber eine solche Wahrnehmung hält einer sachlichen Prüfung nicht im geringsten Stand.
Die Krise der Euro-Zone wurde maßgeblich durch die Entwicklung des griechischen Staatsdefizits ausgelöst. Im Jahr 2009 betrug das öffentliche Defizit rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Gesamtverschuldung lag bei rund 115 Prozent der Wirtschaftsleistung. Griechenland muss derzeit rund 30 Prozent der Steuereinnahmen für Zinslasten aufwenden. Damit bewegt sich das Land mit Mühe und Not am Rande der Gefahrenzone für einen Staatsbankrott. Aber eben nur am Rande: Die Geschichte der vergangenen 60 Jahre hat gelehrt, dass Staatsbankrotte erst bei Belastungen von mehr als 40 Prozent der Steuereinnahmen auftreten. Eine Pleite Griechenlands stand nicht zur Debatte.
Erst die zaudernde Haltung der deutschen Bundesregierung bei der Zustimmung zu den Hilfspaketen und die daraus resultierenden verstärkten Spekulationen zerstörte die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands. Das Land liefert aber nur rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung innerhalb der Währungsunion. Die gesamte Euro-Zone auf Basis Griechenlands zu beurteilen, ist so klug, wie den US-Dollar anhand der Lage Detroits zu bewerten.
Betrachtet man die gesamte Euro-Zone, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Das öffentliche Defizit im Euro-Raum belief sich im Jahr 2009 auf 6,5 Prozent des BIP. Zum Vergleich: In Japan waren es neun Prozent, in den USA rund 12 Prozent. Das Defizit Großbritanniens betrug gar 13 Prozent. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung war die Euro-Zone der Stabilitäts-Champion innerhalb der etablierten großen Industrieregionen.
Die Länder der Euro-Zone haben bereits Ende 2009 das Thema Restrukturierung und Reform vorangetrieben. Die Reformprogramme, die derzeit in der Umsetzung stehen, haben eine historische Dimension. Nie zuvor seit der Gründung der EU gab es stringentere Maßnahmen. Die Länder der Euro-Zone und die EU-Kommission – mit Unterstützung des IWF – bellen nicht nur. Sie beißen. Die Länder Südeuropas erleben durch die Reformen markante Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle, auch die Effizienz in der Verwaltung wird steigen. Das bringt potentiell höhere Einnahmen mit sich.
- Datum 02.06.2010 - 16:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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der widerspricht? Kein DM-Nostalgiker, kein Edelmetallapologet?
....eines recht glaubwürdigen Ökonomen hier präsentiert: http://www.zeit.de/wirtsc...
....eines recht glaubwürdigen Ökonomen hier präsentiert: http://www.zeit.de/wirtsc...
Ja wir grusseln uns halt gern! SARS, Schweingrippe, Europleite..... und die Medien haben immer was zu schreiben. Endlich mal ein Artikel den ich nachvollziehen kann. Mal sehen welche Sau als nächstes drch das Dorf getrieben wird.
Bei der Weltuntergangsstimmung, die sich aus dem Nichts auftat ("Euro vor dem Aus!" etc.), hätte man die EU fast für ein labiles Kartenhaus halten können... Schön, dass es auch mal bessere Nachrichten in die Presse schaffen. Die ich vermisse ich sonst oft.
Es ist sattsam bekannt dass die deutschen Landesbanken auf Bergen von südeuropäischen Staatspapieren sitzen. Insofern ist das 750 Milliardenpaket nicht als Hilfe für den armen Schuldner im Süden, sondern als Hilfe für die armen Gläubiger im Norden zu sehen. Herr Hellmeyer als Chefanalyst der Bremer Landesbank stimmt fröhlich ein in den eurokratischen Chorgesang von "Alles ist gut, alles wird besser". Nur glaubwürdiger wird die ganze Geschichte dadurch nicht.
Herr Hellmeyer stellt fest dass die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands erst durch die "zaudernde Haltung der deutschen Bundesregierung" und die "verstärkten Spekulationen" in Frage gestellt wurde. Aber ganz im Gegenteil! Hätten nicht während Jahrzehnten europäische Banken im grossen Stil griechische Staatspapiere als sogenannt risikolose Anlagen aufgekauft wären die fundamentalen Unstimmigkeiten der griechischen Schuldenpolitik bereits viel früher aufgeflogen. Wenn die Ebbe kommt sieht man wer ohne Badehose schwimmt.
trozdem irritiert mich der Satz "Den USA geht es viel schlechter als der Euro-Zone."
Das mag wohl sein, trozdem ist es irgendwie ein bischen gegen die Vernunft und zwar ganz nach dem Motto : Er hat ne 6 in Mathe und ich hab nur ne 5. Was macht das denn bitte für einen Sinn ?
Handel, vor allem mit Geld, hat kein absolutes Maß. Um es einfach zu halten, wenn sie Geld gegen anderes Geld tauschen, stellen sich nicht nur Fragen zum Geld, das sie los werden wollen, sondern auch zu dem das sie dafür haben wollen.
In diesem speziellen Fall bin ich sogar mal froh über die allgegenwärtige Panikmache der Medien. Ich hoffe der Schock der Eurokrise sitzt tief und hat die skizzierten Effekte. Das gilt für uns wie für Spanien und Portugal.
Handel, vor allem mit Geld, hat kein absolutes Maß. Um es einfach zu halten, wenn sie Geld gegen anderes Geld tauschen, stellen sich nicht nur Fragen zum Geld, das sie los werden wollen, sondern auch zu dem das sie dafür haben wollen.
In diesem speziellen Fall bin ich sogar mal froh über die allgegenwärtige Panikmache der Medien. Ich hoffe der Schock der Eurokrise sitzt tief und hat die skizzierten Effekte. Das gilt für uns wie für Spanien und Portugal.
"Nie zuvor seit der Gründung der EU gab es stringentere Maßnahmen. ... Die Länder Südeuropas erleben durch die Reformen markante Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle, auch die Effizienz in der Verwaltung wird steigen."
Daß "stringente Maßnahmen" zur Reform des Euro-Raumes getroffen wurden, trifft solange nicht zu, wie die Wirtschaftspolitiker vor allem auf die Neuverschuldung starren wie das Kaninchen auf die Schlange und keine Mechanismen gegen die reale interne Abwertung der Länder durch Haushaltsungleichgewichte und unterschiedliche Zinsentwicklung innerhalb des Euro-Raumes einführen. Der 750-Mrd-Euro-"Schutzschirm", ohnehin ein Provisorium, wird da nichts nützen. Sieht man sich allein den Refinanzierungsbedarf Spaniens für dieses Jahr an, erkennt man, daß der Euro auf diese Weise nicht zu retten ist.
"Die Euro-Zone ist aktuell der einzige Währungsraum innerhalb der etablierten großen Industrieländer, der sich des Problems der Staatsdefizite in ernst zu nehmender Form annimmt."
Wenn die Sparorgie tatsächlich kommt wie angekündigt, dann würgt man die konjunkturelle Entwicklung ab, bevor sie richtig einsetzen konnte.
"Das liefert verbrannte Erde für die kommenden Generationen in den USA."
Solange der Dollar weiterhin Leitwährung bleibt und die USA auch zukünftig im Jahr 800 Mrd. US-$ allein für die Finanzierung ihres Konsums geliehen bekommen, besteht diese Gefahr nicht. Dann werten die USA einfach eines Tages ihre in Dollar lautenden Guthaben ab, und das wars dann.
Wirtschaft ist zu 50 % Psychologie.
Die Amerikaner wollen ihren Dollar,lieben ihren Dollar,und stehen hinter ihrem Dollar.
Er gibt ihnen Identität und Selbstvertrauen.
Vielen Europäern hingegen ist der Euro aufgedrängt worden.
Viele lehnen ihn ab und wollen das der Euro scheitert.
Fuer viele Menschen in Europa und besonders in Deutschland
steht der Euro fuer Armut,Inflation,unueberschaubare Buerokratie und verlorene Souveränität.
Wirtschaftliche Fakten sind hier nur die halbe Miete.
so long
Zu ihrer Aufzählung würde ich jetzt noch "Wohlstandstransfer" hinzufügen.
Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass der Euro scheitert und die EU zusammenbricht und daraufhin eine neue demokratische Wirtschaftsunion mit eigenständigen Wärungen entsteht.
[...] Ich kriege Magenkrämpfe, wenn ich mir vorstelle, morgen wieder mit DM zu bezahlen. Oder wie wärs mit Reichsmark? Talern? Perlen und Muscheln?
Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh
Zu ihrer Aufzählung würde ich jetzt noch "Wohlstandstransfer" hinzufügen.
Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass der Euro scheitert und die EU zusammenbricht und daraufhin eine neue demokratische Wirtschaftsunion mit eigenständigen Wärungen entsteht.
[...] Ich kriege Magenkrämpfe, wenn ich mir vorstelle, morgen wieder mit DM zu bezahlen. Oder wie wärs mit Reichsmark? Talern? Perlen und Muscheln?
Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh
Seine schönen Zahlen von der so niedrigen Neuverschuldungen vergessen folgendes: …
- Fonds zur Deckung von Fehlbeträgen der Bundesanstalt für Arbeit: ca. 45 Mrd. €,
- erhöhter Zuschussbedarf der Krankenversicherung, gleicher Fonds: ca. 12 Mrd. €,
- Bankenrettungsfonds: Summe offen,
- Sondervermögen Investitions- und Tilgungsfonds: Summe offen
Hinzukommen jetzt der EU-Rettungsfond mit bisher 149 Mrd. € - alles Sondertöpfe, die in der offiziellen Statistik noch nicht auftauchen.
Mal ganz grundsätzlich davon abgesehen, dass die Steuereinnahmen des Bundes in den letzten zehn Jahren um wie viel Prozent gewachsen sind? 30%! Man kann jede ungedeckte Mehrausgabe klein rechnen, wenn die Basis im Dreisatz hoch genug ist.
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