Klimawandel Die Klimapolitik braucht einen Plan B

Den Europäern fällt es schwer, ihre hohen Ambitionen an die misslichen Realitäten anzupassen. Beim 2-Grad-Ziel geht es aber nicht anders.

Wenn es etwas gibt, über das in der internationalen Klimadebatte Einigkeit besteht, dann ist es das so genannte 2-Grad-Ziel. Klimaforscher und Klimapolitiker stimmen weitgehend überein, dass der schon jetzt unvermeidliche Klimawandel auf ein noch einigermaßen beherrschbares Niveau begrenzt werden muss – einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von maximal zwei Grad Celsius.

Durchgesetzt hat das 2-Grad-Ziel vor allem die EU, im Verbund mit einigen prominenten Klimawissenschaftlern. Die Europäer plädieren schon seit 1996 für diese Zielmarke, haben sie 2007 sogar in den Mittelpunkt der ersten EU-Energiestrategie gerückt. In den Monaten vor dem Kopenhagener Klimagipfel gelang es der EU, auch alle wichtigen internationalen Verhandlungspartner auf diese Zielformel einzuschwören – selbst die USA, Russland, China und Indien. In Kopenhagen wurde dann zwar das 2-Grad-Ziel beschlossen, allerdings keine verbindliche Maßnahmen, mit denen es erfüllt werden könnte.

Oliver Geden
Oliver Geden

Oliver Geden ist Experte für EU-Klimapolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Sollte es aber nicht schon bald einen Durchbruch in den internationalen Klimaverhandlungen und eine Umkehr bei den globalen Emissionspfaden geben, dann wird sich die magische Grenze nicht mehr einhalten lassen. Das ist nicht nur ein Problem fürs Weltklima, sondern auch für die EU. Denn die Europäer tun sich aus Gründen der Imagepflege sehr schwer damit, ihre hohen Ambitionen an die misslichen Realitäten anzupassen.

Es wird aber nicht nur die internationale Verhandlungsmacht der EU stark beeinträchtigen, wenn sie starr an einem unrealistischen Ziel festhält. Auch innerhalb Europas dürfte es immer schwerer werden, eine ehrgeizige Klimapolitik durchzusetzen, die sich daran orientiert, einen fairen Beitrag zum Erreichen eines globalen Temperaturziels zu leisten, an das aber kaum noch jemand glaubt. Der Siegeszug des 2-Grad-Ziels könnte sich also schon bald gegen dessen Erfinder wenden.

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Eine Abkehr vom 2-Grad-Ziel ist für die EU derzeit undenkbar. Denn Klimapolitik dient aus Sicht der EU-Institutionen nicht ausschließlich der Problemlösung, sondern auch der eigenen Selbstaufwertung. Das 2-Grad-Ziel ist nicht nur eine Orientierungsmarke für den wirkungsvollen Einsatz klimapolitischer Instrumente. Es ist auch ein Symbol, mit dem die EU zeigen will, dass sie für eine progressive und verantwortungsvolle Politik steht.

Davon aus eigenen Stücken wieder abzurücken, ließe die EU nicht nur mit leeren Händen dastehen. Die Kommission sowie die 27 Staats- und Regierungschefs sähen sich wohl auch einer breiten Welle der Empörung ausgesetzt – angeführt von Medien, Umweltverbänden, Wissenschaftlern und Oppositionsparteien.

Deshalb ist es für die EU nahe liegender, die Hoffnungen bis an die Grenze der Unglaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten. Die Zielmarke von 2 Grad bleibt wohl so lange sakrosankt, bis ein weiterer großer Klimagipfel spektakulär scheitert – spätestens Ende 2012. Sollten dafür abermals die USA und China verantwortlich sein, dann wäre die Abkehr vom 2-Grad-Ziel immerhin nicht der EU anzulasten. 

Leser-Kommentare
  1. Das Beste daran ist der Kern des letzten Absatzes:

    "Sie (die EU) muss es sich zur Aufgabe machen, anderen Industrie- und Schwellenländern zu beweisen, dass die Transformation zu einer low carbon economy technologisch möglich und ökonomisch erfolgreich ist, mit positiven Effekten nicht nur fürs Klima, sondern auch für Energiepreise und Versorgungssicherheit."

    Womit wir dann wieder bei der Atomtechnologie wären.

  2. Was wir brauch sind ein paar gute Meteorologen wie früher Punkt! Denn Früher wurden an den Königshöfen Hofnarren beschäftigt. Heute halten sich die westlichen Regierungen
    einen Stab Wissenschaftler, die dann auf Handzeichen Männchen machen und je nach Wunsch die entsprechenden Gutachten
    oder Alarmmeldungen von sich zu geben. Pech nur für diese Regierungen, dass man nicht alle Wissenschaftler bestechen kann! Das wäre ja auch noch nicht so schlimm, denn, wie zu seligen DDR-Zeiten, hat man ja die Massenmedien im Griff.
    Aber gottlob haben wir ja das Internet und zu mindestens bisher haben sie es sich nicht getraut zu zensieren.
    Wenn wir diese gigantische Geldverschwendung stoppen würden
    und in Kindergartenplätze, Bildung und Forschung investieren würden könnten wir alle Probleme dieser Welt lösen! Leute kämpft dafür es lohnt sich lasst euch keine Angst mehr machen! Es gibt keine menschengemachte Klimakatastrophe!

    • Halapp
    • 03.06.2010 um 20:46 Uhr

    Nur noch 40 % der Bevökerung glauben den Horroscenarien
    mit den die Klimaforschungsöffentlichkeitsarbeit die
    Bevölkerung in Angst und Schrecken gejagt hat.
    Deshalb wird der Medienrummel vom Eisbären bis Insel
    versinkt im Meer nicht wiederbelebt werden können.
    Damit fehlt Plan A und Plan B die politische Basispower.
    Für die Bundesrepublik gibt es keinen Grund Vorreiter
    in der globalen Klimapolitik zu spielen. Für die Bundes-
    rpublik Deutschland bringt ein wärmeres Klima nur Vorteile,
    wenn es denn kommen sollte.
    Wir haben jetzt konkretere Probleme auf der Agenda.
    Das heißt nicht, das alternative Energien vor ihrem
    Großeinstz zur Marktreife entwickelt werden können.
    Die Klimahystherie ist, international gesehen, sowieso ein bundewsrepublikanischer Sonderweg ähnlich dem Ausstieg aus der Kernenrgie. Die logische Verknüpfung beider Bewegungen ist das neugermanische Paradoxon. Heute retten wir Deutschland und morgen die ganze Welt.

  3. Da wird den Politikern das Auseinanderbrechen der EU und der Eurozone gerade recht kommen, so dass sie diese völlig sinnlose Klimadebatte locker mit allem anderen in einem Aufwaschen von sich abschütteln und auf die gierigen Wissenschaftler schieben werden. Solange es die Politiker schaffen, sich das Adjektiv gierig vom Leibe zu halten und vom Volk als selbstlose Diener am Gemeinnutzen betrachtet werden, ist alles in Butter. Weiter geht's mit der alten Besetzung, die alten Themen sind vom Tisch gewischt, dem Volk werden die neuesten wissenschaftlich tadellosen und hundertfach überprüften, von 127 Nobelpreisträgern unterschriebenen Themen präsentiert und wir bauen an einer anderen Pyramide weiter. Wenn es bei der Verschuldung der ganzen Welt geht, die Schuld den Gierigen in die Schuhe zu schieben ist nichts mehr unmöglich. Her mit der Eiszeit.

  4. Lt. Zeitungsberichten wendet sich die Royal Society von der Klimahysterie ab. Die ZEIT sollte langsam die Berichterstattung überdenken und den Gegenargumenten mehr Zeilen einräumen.

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    und da helfen definitiv keine zweifelnden Kommentare und Aufforderungen. Es ändert sich auch schneller als in den vergangenen Jahrzehnten. Da ist nichts zu überdenken, die Daten können von jedem nachgelesen werden und wer die Natur beobachtet kann die Veränderungen sehen. Die Zeit nach veränderter Berichterstattung zu verlangen und alles herunterzuspielen ist sowieso vorbei. Vielmehr muss gefragt werden, was wir unternehmen um uns an die Veränderungsprozesse anzupassen. Sei es an die Veränderungen durch Schäden aus menschlichem Handeln / Versagen oder natürlicher Veränderungsprozesse, was im Ergebnis letztlich auch egal ist.

    • otto_B
    • 04.06.2010 um 7:57 Uhr

    "....Es ändert sich......"
    Soso. Es hat sich auch früher schon geändert. Wie sind den eigentlich die aktuellen Meinungen des Orakels von Delphi zur Hockeyschlägerkurve? War vor kurzem nicht eine Meldung, daß Michael Mann Post von der Staatsanwaltschaft gekriegt hätte?
    Aber abgesehen von solchen Scharmützeln - kann mich jemand nochmal kurz über die Positionen der Alarmisten zur kleinen Eiszeit und zum mittelalterlichen Optimum aufklären?

    und da helfen definitiv keine zweifelnden Kommentare und Aufforderungen. Es ändert sich auch schneller als in den vergangenen Jahrzehnten. Da ist nichts zu überdenken, die Daten können von jedem nachgelesen werden und wer die Natur beobachtet kann die Veränderungen sehen. Die Zeit nach veränderter Berichterstattung zu verlangen und alles herunterzuspielen ist sowieso vorbei. Vielmehr muss gefragt werden, was wir unternehmen um uns an die Veränderungsprozesse anzupassen. Sei es an die Veränderungen durch Schäden aus menschlichem Handeln / Versagen oder natürlicher Veränderungsprozesse, was im Ergebnis letztlich auch egal ist.

    • otto_B
    • 04.06.2010 um 7:57 Uhr

    "....Es ändert sich......"
    Soso. Es hat sich auch früher schon geändert. Wie sind den eigentlich die aktuellen Meinungen des Orakels von Delphi zur Hockeyschlägerkurve? War vor kurzem nicht eine Meldung, daß Michael Mann Post von der Staatsanwaltschaft gekriegt hätte?
    Aber abgesehen von solchen Scharmützeln - kann mich jemand nochmal kurz über die Positionen der Alarmisten zur kleinen Eiszeit und zum mittelalterlichen Optimum aufklären?

  5. So einen Quatsch, wie in den Kommentaren 2 - 4, habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen.

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    • alkyl
    • 04.06.2010 um 8:34 Uhr

    lange nicht mehr in den Zeit-Kommentaren unterwegs ;-) .

    Es nervt, das stimmt, aber man gewöhnt sich dran. In gewissem Sinn ist das ja auch das Schöne am Internet. Die PrintZeit kaufen sich ja nur diejenigen, die halbwegs mit den Inhalten einverstanden sind. Die OnlineZeit lesen und kommentieren aber auch Leute anderer Meinung. So bekommt man mal ein Gefühl dafür, was sonstwo geglaubt wird.

    • alkyl
    • 04.06.2010 um 8:34 Uhr

    lange nicht mehr in den Zeit-Kommentaren unterwegs ;-) .

    Es nervt, das stimmt, aber man gewöhnt sich dran. In gewissem Sinn ist das ja auch das Schöne am Internet. Die PrintZeit kaufen sich ja nur diejenigen, die halbwegs mit den Inhalten einverstanden sind. Die OnlineZeit lesen und kommentieren aber auch Leute anderer Meinung. So bekommt man mal ein Gefühl dafür, was sonstwo geglaubt wird.

    • Halapp
    • 03.06.2010 um 22:28 Uhr

    Die Klimaspekulanten haben überzogen. Genauso wie
    die Finanzspekulanten.
    Die Bevölkerung glaubt nichts mehr.
    Die Politik kann Balast abwerfen: Schellnhuber, Pachauri.....
    Wissenschaftsbasiert ist jede Klimsaussage belegbar.
    Greenpeace hat keine Katastrophenthemen mehr, selbst
    die Eisbärenpopulation wächst kräftig weiter.
    Erstaunlich wie Minister Röttgens sich am sinkenden
    Boot festklammert und vorwärts schreit. Armer Mensch,
    wer zuspät kommt, den bestrafen die Themen.
    Eine ganze "Fachjournalistengeneration - Klima -" muß
    mühsam umgeschult werden.

  6. und da helfen definitiv keine zweifelnden Kommentare und Aufforderungen. Es ändert sich auch schneller als in den vergangenen Jahrzehnten. Da ist nichts zu überdenken, die Daten können von jedem nachgelesen werden und wer die Natur beobachtet kann die Veränderungen sehen. Die Zeit nach veränderter Berichterstattung zu verlangen und alles herunterzuspielen ist sowieso vorbei. Vielmehr muss gefragt werden, was wir unternehmen um uns an die Veränderungsprozesse anzupassen. Sei es an die Veränderungen durch Schäden aus menschlichem Handeln / Versagen oder natürlicher Veränderungsprozesse, was im Ergebnis letztlich auch egal ist.

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    • Halapp
    • 04.06.2010 um 7:18 Uhr

    Selbst bei verprochenen zwei Grad Klimaerwärung wird uns
    in Deutschland die Anpassung sehr leicht fallen, denn für
    die Bundesrepublik ergeben sich mit Ausnahme des Winter-
    sports nur Vorteile. Denken Sie nur an die Heizkosten-
    ersparnis und der damit verbundenen CO2 Ersparnis.Mit keiner Maßnahme kann mehr CO2 eingespart werden.
    Warme Winter schaffen das Einsparziel billiger und nach-
    haltiger geht es nicht.

    • Halapp
    • 04.06.2010 um 7:18 Uhr

    Selbst bei verprochenen zwei Grad Klimaerwärung wird uns
    in Deutschland die Anpassung sehr leicht fallen, denn für
    die Bundesrepublik ergeben sich mit Ausnahme des Winter-
    sports nur Vorteile. Denken Sie nur an die Heizkosten-
    ersparnis und der damit verbundenen CO2 Ersparnis.Mit keiner Maßnahme kann mehr CO2 eingespart werden.
    Warme Winter schaffen das Einsparziel billiger und nach-
    haltiger geht es nicht.

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