"Ein 'double dip' ist möglich"
Frage: Aber wirkt die deutsche Wirtschaftspolitik wirklich restriktiv? Die Importe sind zuletzt kräftig gestiegen.
Krugman: Das ist irreführend, da man nach dem Einbruch des Welthandels mit einer kräftigen Erholung rechnen musste. Jetzt bewegt man sich jedoch zurück zu den alten Ungleichgewichten. Der deutsche Sparkurs ist wirklich eine schlechte Idee.
Frage: Lassen Sie uns über die USA sprechen. Trauen Sie der US-Regierung zu, dass sie rechtzeitig auf einen Konsolidierungskurs einschwenkt?
Krugman: Ich habe kein hundertprozentiges Vertrauen, aber ich glaube dennoch, dass die US-Regierung letztendlich das Richtige tun wird, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen. Im Moment befürchte ich, dass wir viel zu schnell auf einen Sparkurs einschwenken.
Frage: Wann ist die Zeit gekommen, um zu sparen – sobald die Arbeitslosigkeit wieder sinkt?
Krugman: Ja. Die sogenannte Taylor-Regel der Geldpolitik besagt, dass die Zinsen steigen können, sobald die Arbeitslosenquote unter sieben Prozent sinkt. Wenn man die Zinsen nicht ganz so schnell anhebt, kann man im Gegenzug den Haushalt konsolidieren. Aber niemand rechnet damit, dass wir in den nächsten zwei Jahren so weit sein werden.
Frage: Sie sind nach dem Regierungswechsel vom beißenden Bush-Kritiker zum Obama-Freund geworden. Welche Rolle spielen Sie persönlich für die Regierung?
Krugman: Der große Unterschied ist, dass ich mit der Obama-Regierung reden kann. Sie hören mir zu, handeln aber nicht immer nach meinen Ratschlägen. Ich habe Sympathie für die Ziele der Regierung, aber ich kritisiere sie auch.
Frage: Welche Note würden Sie Obama für seine Wirtschaftspolitik geben?
Krugman: Eine Zwei plus. Seine Regierung hat versucht, das Richtige zu tun. Ihr Irrtum war, dass die Administration anfangs ein zu kleines Konjunkturpaket geschnürt hat. Obama hat vielleicht gehofft, dass man das später noch aufbessern könnte. Doch für mich war klar, dass es politisch nur eine Chance gab, eine große aggressive Anschubhilfe für die Wirtschaft durch den Kongress zu bekommen. Jetzt gibt es kaum noch Handlungsspielraum.
Frage: Wie groß ist das Risiko, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession zurückfällt?
Krugman: Bestenfalls schaffen wir eine langsame, enttäuschende wirtschaftliche Erholung der Wirtschaft. Ein "double dip" ist möglich, aber ich befürchte, dass wir zwar technisch einen Rückfall vermeiden, es sich aber dennoch wie eine erneute Rezession anfühlt. Die Wirtschaft wächst etwas, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Ich sehe nichts, was die Arbeitslosigkeit bis Ende nächsten Jahres unter ein katastrophales Niveau drücken könnte.
Der Artikel erschien am 21.06.2010 im
Handelsblatt
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- Datum 21.06.2010 - 18:17 Uhr
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Der für 16 Nationen gleichzeitig zuständige Zentralbankchef sollte stets neutral, diplomatisch, unparteiisch, vorurteilslos und diplomatisch auftreten. Leider beschreibt keines dieser fünf Adjektive den engsten Finanzberater unserer Kanzlerin Axel Weber. Es ist zu befürchten, dass sein lautstarkes und vehementes Wesen ihn in den Augen der meisten EU-Nationen unakzeptabel erscheinen lässt.
"Aber wenn nur ein Land wie die USA die Konjunktur ankurbelt, profitieren zwar alle davon, aber nur wir tragen die Schulden."
Wenn die USA die Schulden tragen würden, die sie im Ausland in der Vergangenheit gemacht haben, wäre sie heute pleite. Die Nettoauslandsschulden würden bei ca.90% des BIPs und nicht bei 24% liegen. Der Rest der Welt finanziert die USA. Wir aber, wie im Augenblick schon die südlichen Euro-Länder inkl. Frankreich, würden auf echten Schulden sitzen. Ich glaube nicht, dass die USA und UK die Finanzkasinogewinne mit uns freiwillig teilen würden.
Vielleicht wäre es einmal angebracht, die beschränkte betriebswirtschaftliche Brille abzunehmen und die Sache aus Sicht der Volkswirschaft zu betreiben.
Wenn Deutschland seine Exporte weiter so anheizt und gleichzeitig den Binnenmarkt abwürgt, werden wir immer mehr Gläubiger anderer Länder, wie z.B. den USA. Da unsere Volkswirtschaft aber selbst nicht konsumiert, werden die exorbitanten Gewinne international angelegt. Das heißt, mit diesen Gelder wird dann spekuliert! So kann es dann ganz leicht passieren, daß gerade wir Deutschen unsere Exportgewinne mit hohen Spekulationsverlusten verrechnen müssen. In diesem Fall haben wir aus unseren Exportüberschüssen massive Verluste gemacht.
Viel sinnvoller wäre es, aus dem umlaufenden Spekulationsgeldern reale Güter und Dienstleistungen zu machen. Das ist es im Grunde, was die USA gerade machen - sie machen die Exportüberschüsse Deutschlands und auch Chinas zu realen Gütern und verhindern so, daß diese die Spekulationsblasen weiter anheizen.
Das Beste für Deutschland wäre ein massives Investionsprogramm im Inland. Und laßt uns das schnell tun, so lange wir noch eine gute Bonität haben und international Kredite bekommen. Und wenn der Staat massiv investiert folgt die private Wirtschaft. Wenn wir Schulen, Universitäten, Infrastruktur bauen, müssen die Firmen selbst investieren, um die Aufträge abwickeln zu können. Und wir müssen begreifen, das Gelder für Forschung und Bildung Investitionen und nicht etwa Kosten!
Vielleicht wäre es einmal angebracht, die beschränkte betriebswirtschaftliche Brille abzunehmen und die Sache aus Sicht der Volkswirschaft zu betreiben.
Wenn Deutschland seine Exporte weiter so anheizt und gleichzeitig den Binnenmarkt abwürgt, werden wir immer mehr Gläubiger anderer Länder, wie z.B. den USA. Da unsere Volkswirtschaft aber selbst nicht konsumiert, werden die exorbitanten Gewinne international angelegt. Das heißt, mit diesen Gelder wird dann spekuliert! So kann es dann ganz leicht passieren, daß gerade wir Deutschen unsere Exportgewinne mit hohen Spekulationsverlusten verrechnen müssen. In diesem Fall haben wir aus unseren Exportüberschüssen massive Verluste gemacht.
Viel sinnvoller wäre es, aus dem umlaufenden Spekulationsgeldern reale Güter und Dienstleistungen zu machen. Das ist es im Grunde, was die USA gerade machen - sie machen die Exportüberschüsse Deutschlands und auch Chinas zu realen Gütern und verhindern so, daß diese die Spekulationsblasen weiter anheizen.
Das Beste für Deutschland wäre ein massives Investionsprogramm im Inland. Und laßt uns das schnell tun, so lange wir noch eine gute Bonität haben und international Kredite bekommen. Und wenn der Staat massiv investiert folgt die private Wirtschaft. Wenn wir Schulen, Universitäten, Infrastruktur bauen, müssen die Firmen selbst investieren, um die Aufträge abwickeln zu können. Und wir müssen begreifen, das Gelder für Forschung und Bildung Investitionen und nicht etwa Kosten!
...100 Jahre bis zu einer integrierten europäischen Wirtschaftspolitik?
Wann erwarten Sie denn dann bitte entsprechende Institutionen auf globaler Ebene??? In 1000 Jahren?
Die größten Risiken für die Wirtschaft entspringen dem Demokratiedefizit auf globaler Ebene: Ressourcenverschwendung in den Berechen Energie, Umwelt, etc., soziale Ungerechtigkeiten, die Unruhen/Kriege verursachen, etc.
Fokussieren sie ruhig erst einmal China und beißen Sie sich daran die Zähne aus, danach können wir ja noch einmal über die Demokratisierung der internationalen Institutionen sprechen und die Fata Morgana des amerikanischen Unilateralismus.
Tolle Sprechblase im Aufmacher. Mir fehlen die Worte.
Und was Herrn Krugmann betrifft: Der ist Partei.
Ich habe nur zwei Minuten im Internet gebraucht, um die Sprechblase anzupieken.
US-Ökonomen wie Krugman erinnern an den Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswird. Zur Jahrtausendwende platzte die Internet-Blase, deren Bekämpfung mit billigem Geld die Immobilien-Blase erzeugte, deren Platzen nun zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise führte, die wiederum unter Inkaufnahme erheblicher Defizite mit Konjunkturprogrammen und Ausweitung der Geldmenge bekämpft werden soll und mit großer Wahrscheinlichkeit zur nächsten Blase führen würde, wenn die Welt Obamas Werben nachgäbe.
Die bisherigen "Erfolge" der Vereinigten Staaten mit diesem Programm sind nicht sehr überzeugend. Zahlen wie das Wachstum des BIP, die nach einem Artikel im Handelsblatt sowieso durch statistische "Innovationen" um etwa 2% zu hoch ausfallen, beschönigen nur die Lage, die vor allem am Arbeitsmarkt weiter kritisch ist. Die nationalistischen Töne aus der Neuen Welt, zu denen Krugman erheblich beiträgt, zeigen, dass die EU bei aller Kritik einen Vorteil hat. Sie ist für Wirtschaftskriege besser gerüstet als Deutschland allein. Wenn nämlich die amerikanischen Programme zur Wirtschaftsbelebung fehlschlagen sollten, werden sie schreien, beißen, kratzen und wild um sich schlagen.
Es gibt tatsächlich Ökonomen, die in Krugmann einen Ideologen sehen.
Ich könnte mich nun als interessierter Laie fragen, warum dann nicht mal Vertreter in der Nachfolge Ludwig von Mises hier zu Wort kommen.
Es gibt tatsächlich Ökonomen, die in Krugmann einen Ideologen sehen.
Ich könnte mich nun als interessierter Laie fragen, warum dann nicht mal Vertreter in der Nachfolge Ludwig von Mises hier zu Wort kommen.
Darf ich fragen, wi Krugman und Obama sich vorstellen, den Amerikanischen Haushalt durch noch mehr Schulden zu belasten, wenn die Amerikaner nciht mal in fetten jahren haushalten konnten und durch Obamas Sozialstaatsansätze noch mehr geld ausgegeben werden muss?
Es gibt tatsächlich Ökonomen, die in Krugmann einen Ideologen sehen.
Ich könnte mich nun als interessierter Laie fragen, warum dann nicht mal Vertreter in der Nachfolge Ludwig von Mises hier zu Wort kommen.
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