Euro-KriseSoros sieht deutsche Sparpolitik als Gefahr für Europa

US-Investor George Soros erhebt in der ZEIT schwere Vorwürfe gegen die Regierung: Mit ihrer strikten Sparpolitik gefährde sie die Währungsunion – und die Demokratie. von 

Die deutsche Sparpolitik gefährdet die europäische Währungsunion: Diese Meinung vertritt US-Investor George Soros

Die deutsche Sparpolitik gefährdet die europäische Währungsunion: Diese Meinung vertritt US-Investor George Soros  |  © Mast Irham/EPA/dpa

Der amerikanische Großspekulant George Soros warnt vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion als Folge der deutschen Sparpolitik. "Die deutsche Politik ist eine Gefahr für Europa, sie könnte das europäische Projekt zerstören", sagte Soros, einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager der Welt, im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Man könne einen "Kollaps des Euro nicht ausschließen", sagte Soros, der in den neunziger Jahren erfolgreich gegen das britische Pfund gewettet hatte. "Wenn die Deutschen ihre Politik nicht ändern, wäre ihr Austritt aus der Währungsunion für den Rest Europas hilfreich." 

Indem es auf einen Abbau der Staatsschulden bestehe, zwinge Deutschland dem Rest des Kontinents eine falsche Wirtschaftspolitik auf, sagte Soros weiter. "Im Moment treiben die Deutschen die Nachbarn in eine Deflation: Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führte zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie".

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Die Bundesregierung behandle den Vertrag von Maastricht – das Gründungsdokument der Währungsunion – "wie eine heilige Schrift" und tue zu wenig, um das Wachstum anzukurbeln. "Deutschland ist weltweit isoliert", so Soros. "Warum lassen sie die Löhne nicht stärker steigen? Das würde anderen EU-Staaten helfen, aufzuholen", meinte er.

Überhaupt sei der Vertrag von Maastricht fehlerhaft. "Der Vertrag ist voll mit Regeln gegen eine Inflation und hohe Staatsdefizite, weil Deutschland das so wollte", sagte der 70-Jährige. "Allein damit kann die Währungsunion aber auf Dauer nicht funktionieren."

Statt sich nur auf eine Senkung der Staatsschulden zu konzentrieren , sollten im Kampf gegen die Krise in Südeuropa besser die Banken rekapitalisiert werden – und zwar mit Mitteln aus dem europäischen Rettungsfonds. Denn "in Wahrheit haben wir es in Europa nicht mit einer Krise der Währungen oder der Staatshaushalte zu tun, wie viele meinen, sondern mit einer Bankenkrise", behauptet Soros in der ZEIT. Die Banken könnten wegen ihrer ramponierten Bilanzen keine Staatsanleihen mehr kaufen, weshalb die Staaten in Finanzierungsnöte kämen.

Mit seinen Äußerungen gehört Soros zu einer Reihe hochkarätiger Kritiker, die in Deutschlands Politik eine Gefahr für internationale Maßnahmen zur Belebung der Weltwirtschaft sehen. Deutschland hatte innerhalb der Euroländer einen breiten Konsens darüber erwirkt, dass die Entlastung der Staatshaushalte Vorrang vor weiteren Konjunkturprogrammen genießen müsse.

Kritik äußerte Soros auch an der Entscheidung der Bundesregierung, Leerverkäufe zu verbieten. "Ich glaube, das ist kontraproduktiv. In bestimmten Situationen kann es hilfreich sein – zum Beispiel, wenn Investoren den Kurs eines Wertpapiers auf diese Weise aktiv nach unten treiben. Aber solche Geschäfte bringen auch oft erst Missstände ans Licht".

So wie weite Teile der deutschen Politik spricht sich aber auch Soros für eine Steuer auf Finanztransaktionen aus. "Die sollte man ernsthaft prüfen. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn es weniger Liquidität auf den Märkten gäbe. Und warum sollte sich der Staat nicht durch solch eine Steuer neue Geldquellen erschließen. Schließlich erhebt er sonst ja auch eine Mehrwertsteuer", sagte er im Gespräch mit der Wochenzeitung. 

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Leserkommentare
    • tom310
    • 23. Juni 2010 15:25 Uhr

    Würde Deutschland sein Geld zum Fenster herauswerfen, könnte Herr Soros noch mehr Geld verdienen. Machen wir aber nicht, Pech gehabt.
    Juhu, ein alter Mann, Anhänger seiner eigenen Wirtschaftstheorie, sieht schon die Deflation durch Europa rauschen; vor ein paar Wochen tobt noch das Inflationsgespenst. Der Euro-Kollaps droht, aber nicht etwa, weil der Euro in Gefahr ist, sondern die Banken? Juchee, dann fordert er eine Transaktionssteuer, die wieder ganu diese Banken trifft, um die Liquidität aus den Märkten zu nehmen. In den letzten Wochen hieß es doch Liquidität = Inflation, daraus folgt doch, keine Liquidität = Deflation. Nun Herr Soros, verstehen Sie noch, was Sie uns eigentlich sagen wollten. Vielleicht ist es Zeit für eine Runde Golf.

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    • Pterry
    • 23. Juni 2010 16:58 Uhr

    tobte nur durch die Bertelsmann-Springer-Presse, völlig ungerechtfertigt bei einer Inlationsrate von 1%. Lies mal Kommentare von Lucas Zeise in der FTD. Alternativ den Zeit-assoziierten Herdentrieb-Blog.
    Mind 4 Faktoren müssten für eine galoppierende Inflation gegeben sein (wenn nicht mehr) und einer davon ist annähernde Vollbeschäftigung. Bei derzeit etwa 6 Mio HIV Empfängern in Deutschland (ungeschönte Zahlen) relativ unwahrscheinlich.

    Und jetzt denk mal drüber nach, warum man den HI-Virus und Hartz IV beide mit HIV abkürzen kann. Die Gemeinsamkeiten sind verblüffend ;)

  1. Der "amerikanische Großspekulant" sagt Deutschland gefährde die Währungsunion? Wenn ich mich recht erinnere waren es die amerikanischen Finanzgeschäfte, die die Krisen der letzten Jahre losgetreten haben. Das anscheinend zu sparsame Deutschland gehört zu den größten Geldgebern beim Versuch alles wieder zu stabilisieren. Würden wir genauso unser Geld verpulvern um es mit Konsum Konzernen zu geben, die bei der kleinsten Krise kein Kapital haben um sich über schlechte Zeiten selbst zu helfen, wöllte ich mal sehen wo die Währungsunion dann heute stände. Seine Aussagen sind genauso Stimmungsmache wie der Blödsinn das unsere Wettbewerbsfähigkeit der Grund für Griechenlands Probleme sind. Klar es gibt ja nur Europa in einer Blase. Die größte Konkurrenz sitzt ja nicht außerhalb. Ich bin für den (T)Euro und die Union aber ich bin auch überzeugt ohne D wäre sie zum scheitern verurteilt.

    • ttx
    • 23. Juni 2010 15:30 Uhr

    ...Kopf zu, Herr Soros!

    So eine heiße Luft braucht hier keiner. Danke.

  2. 4. na nu

    vor ein paar Tagen Krugmann jetzt Soro. Die haben eine gute Propagandaabteilung! Wenn wir wirklich 4% Inflation länger zulassen haben wir hier auch bald eine rechte Regierung. Herr Soro mag sein Handwerk verstehen, aber von Politik versteht er nicht viel.

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    "vor ein paar Tagen Krugmann jetzt Soro. Die haben eine gute Propagandaabteilung!"

    So viele US-Lobbyisten, man glaubt es nicht! Kann es sein, daß es der hiesige Mainstram der Wirtschaftspolitik unter den schwäbischen Hausfrauen ist, der schief liegt?

    "Wenn wir wirklich 4% Inflation länger zulassen haben wir hier auch bald eine rechte Regierung."

    Wenn Sie Deflation und Rezession zulassen, wie durch das rigide Sparprogramm zu befürchten ist, ist das eher wahrscheinlich. Es wird seltsamerweise immer vergessen, daß die Weimarer Republik nicht in einer inflationären Phase wie von 1922-23, sondern in einer Deflation untergegangen ist.

    "Herr Soro mag sein Handwerk verstehen, aber von Politik versteht er nicht viel."

    Von Volkswirtschaft aber allemal mehr als unsere einheimischen Eliten.

    • elwu
    • 23. Juni 2010 15:32 Uhr

    gewettet, auf noch weiter fallende Kurse, und ist massiv short. Wenn der Euro jetzt aufgrund der deutschen Maßnahmen steigt, verliert Soros viel, viel Geld. Darin ist sein aufgeregtes Geschwätz begründet. Nicht aber in einer 'Gefahr für Europa' und was der Typ sonst noch daherzieht an vorgeschobenen Argumenten.

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    Sie haben mir die Frage beantwortet, worin das Eigeninteresse des Herrn Soros besteht, wenn er sich wie oben zu Wort meldet. Für Soros gehört die öffentliche Stellungnahme zum Job, um nämlich Einfluss zu nehmen: Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk.

    auf den Kopf getroffen haben! Schliesslich steht hinter dem Dollar ja keine funktionierende Wirtschft so das der Euro wieder steigen dürfte......

    • WIHE
    • 23. Juni 2010 15:32 Uhr

    Das wärs.

    Ich fände den Austritt gut.

  3. Sie haben mir die Frage beantwortet, worin das Eigeninteresse des Herrn Soros besteht, wenn er sich wie oben zu Wort meldet. Für Soros gehört die öffentliche Stellungnahme zum Job, um nämlich Einfluss zu nehmen: Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk.

    • jumamo
    • 23. Juni 2010 15:41 Uhr

    George Soros ist ein kluger Kopf, der mit seiner Stiftung viel für die Entwicklung demokratischer Gesellschaften in Osteuropa getan hat. Deshalb sollte man ihn nicht einfach als Heuschrecke und seine Warnungen nicht als Rollenprosa eines Gross - Spekulanten abtun. Aber er hat eben auch seine ganz eigenen Interessen in diesem Roulette. Vielleicht findet er Demokratie einfach gut fürs Geschäft. Und das soll im Zweifel Vorfahrt haben.
    Würde mich freuen, wenn ich ihm damit Unrecht täte.

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