Der amerikanische Großspekulant George Soros warnt vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion als Folge der deutschen Sparpolitik. "Die deutsche Politik ist eine Gefahr für Europa, sie könnte das europäische Projekt zerstören", sagte Soros, einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager der Welt, im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Man könne einen "Kollaps des Euro nicht ausschließen", sagte Soros, der in den neunziger Jahren erfolgreich gegen das britische Pfund gewettet hatte. "Wenn die Deutschen ihre Politik nicht ändern, wäre ihr Austritt aus der Währungsunion für den Rest Europas hilfreich." 

Indem es auf einen Abbau der Staatsschulden bestehe, zwinge Deutschland dem Rest des Kontinents eine falsche Wirtschaftspolitik auf, sagte Soros weiter. "Im Moment treiben die Deutschen die Nachbarn in eine Deflation: Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führte zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie".

Die Bundesregierung behandle den Vertrag von Maastricht – das Gründungsdokument der Währungsunion – "wie eine heilige Schrift" und tue zu wenig, um das Wachstum anzukurbeln. "Deutschland ist weltweit isoliert", so Soros. "Warum lassen sie die Löhne nicht stärker steigen? Das würde anderen EU-Staaten helfen, aufzuholen", meinte er.

Überhaupt sei der Vertrag von Maastricht fehlerhaft. "Der Vertrag ist voll mit Regeln gegen eine Inflation und hohe Staatsdefizite, weil Deutschland das so wollte", sagte der 70-Jährige. "Allein damit kann die Währungsunion aber auf Dauer nicht funktionieren."

Statt sich nur auf eine Senkung der Staatsschulden zu konzentrieren , sollten im Kampf gegen die Krise in Südeuropa besser die Banken rekapitalisiert werden – und zwar mit Mitteln aus dem europäischen Rettungsfonds. Denn "in Wahrheit haben wir es in Europa nicht mit einer Krise der Währungen oder der Staatshaushalte zu tun, wie viele meinen, sondern mit einer Bankenkrise", behauptet Soros in der ZEIT. Die Banken könnten wegen ihrer ramponierten Bilanzen keine Staatsanleihen mehr kaufen, weshalb die Staaten in Finanzierungsnöte kämen.

Mit seinen Äußerungen gehört Soros zu einer Reihe hochkarätiger Kritiker, die in Deutschlands Politik eine Gefahr für internationale Maßnahmen zur Belebung der Weltwirtschaft sehen. Deutschland hatte innerhalb der Euroländer einen breiten Konsens darüber erwirkt, dass die Entlastung der Staatshaushalte Vorrang vor weiteren Konjunkturprogrammen genießen müsse.

Kritik äußerte Soros auch an der Entscheidung der Bundesregierung, Leerverkäufe zu verbieten. "Ich glaube, das ist kontraproduktiv. In bestimmten Situationen kann es hilfreich sein – zum Beispiel, wenn Investoren den Kurs eines Wertpapiers auf diese Weise aktiv nach unten treiben. Aber solche Geschäfte bringen auch oft erst Missstände ans Licht".

So wie weite Teile der deutschen Politik spricht sich aber auch Soros für eine Steuer auf Finanztransaktionen aus. "Die sollte man ernsthaft prüfen. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn es weniger Liquidität auf den Märkten gäbe. Und warum sollte sich der Staat nicht durch solch eine Steuer neue Geldquellen erschließen. Schließlich erhebt er sonst ja auch eine Mehrwertsteuer", sagte er im Gespräch mit der Wochenzeitung.