Die EU-Staaten werden nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel noch im Juli das Ergebnis für die Stress-Tests für ihre Banken veröffentlichen. "Zur Verbesserung der Transparenz werden die EU-Staaten ihre Banken einem Test unterziehen", sagte sie nach dem Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel. "Ich freue mich, dass alle Staaten mitmachen." Die EU wollte damit den Märkten zeigen, dass die Union völlige Transparenz wolle. Zuvor hatte die deutsche Regierung nach langem Zögern angekündigt, die Tests zur Überlebensfähigkeit der deutschen Banken zu veröffentlichen.

Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber hat sich für eine detaillierte Veröffentlichung der Ergebnisse in Europa ausgesprochen. Er denke, dass man die Testdaten "auch instituts- und länderspezifisch offenlegen sollte", sagte Weber in Frankfurt. "Das ist weitestgehend Konsens unter europäischen Regierungen. Wir müssen in Europa Klarheit über die Banken schaffen."

Auch die Privatbanken in Deutschland wehren sich nicht generell gegen eine Veröffentlichung von Tests zu ihrer Überlebensfähigkeit in Krisen. Der Deutsche Bankenverband sei "im Wesentlichen" dafür, sagte ein Sprecher in Berlin. Dies könne der Vertrauensbildung und der Beruhigung an den Märkten dienen. Gewährleistet sein müsse aber, dass es keine Fehlinterpretationen der Daten gebe. Zuletzt hatte der Verband insbesondere eine Veröffentlichung von Einzelergebnissen abgelehnt.

Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) sprach sich hingegen klar gegen die Veröffentlichung der Ergebnisse aus. Diese sei "kontraproduktiv" und könne in bestimmten Fällen zu "Fehleinschätzungen in den Märkten führen", erklärte VÖB-Präsident Karl-Heinz Boos. Aufgrund der aufsichtsrechtlichen Verschwiegenheitspflicht dürften Stress-Tests nur mit Zustimmung der betroffenen Banken veröffentlicht werden, sagte Boos weiter. "Uns ist kein Fall bekannt, in dem eine solche Zustimmung vorliegt."

Auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Heinrich Haasis, hat sich gegen die Veröffentlichung der Ergebnisse ausgesprochen. "Diese Tests zu veröffentlichen, würde nie und nimmer zu mehr Vertrauen führen", sagte er auf dem Bankentag in Frankfurt. "Es wäre indirekt ein Ausspionieren der Banken, denn die Institute haben das unter anderen Voraussetzungen an die Aufsicht gemeldet."

Die Stress-Tests werden von einem Zusammenschluss europäischer Bankenaufseher (Committee of European Banking Supervisors - CEBS) erstellt. Im vergangenen Jahr hatten die Aufseher 22 große, grenzüberschreitend tätige Geldinstitute überprüft und im Oktober erklärt, diese Banken seien auch bei einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage ausreichend mit Kapital ausgestattet. Genauere Ergebnisse veröffentlichte die Kommission nicht. In diesem Jahr sollte ein weiterer Stress-Test folgen.

Am Mittwoch hatte Spanien angekündigt die Banken-Stress-Tests zu veröffentlichen. Nach Angaben von Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank, werden die ersten Ergebnisse bereits in wenigen Wochen publik gemacht. Ziel sei es, das Vertrauen der Finanzmärkte in ihre Politik zu stärken. Spanischen Regierungskreisen aus Madrid zufolge hat die spanische Großbank Santander mit der besten Note die bisherigen Stress-Tests der europäischen Finanzbranche bestanden. "Santander wurde in der ersten Testserie am besten bewertet", hieß es.

Derweil hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach den Worten von Staatssekretär Jörg Asmussen für neue und umfangreiche Banken-Stress-Tests ausgesprochen. "Auch mein Minister unterstützt europaweite Stress-Tests mit mehr Banken und mit mehr Szenarien", sagte Asmussen in Frankfurt. Ebenso wie Weber plädierte Asmussen dafür, dass parallel zur Veröffentlichung der Stress-Test-Ergebnisse an Auffanglösungen für potenziell gefährdete Institute gearbeitet werden müsse. In Deutschland gebe es dafür den Bankenrettungsfonds Soffin, der sehr erfolgreich arbeite. Andere Länder könnten sich diesen zum Vorbild nehmen. "Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden", sagte Asmussen. Ähnlich äußerte sich die für die Bankenbranche zuständige BaFin-Direktorin Sabine Lautenschläger: "Wenn bei einer Bank ein Problem auftaucht, muss die Lösung mitgeliefert werden."