Fußball-WM Deutsche drosseln die Vuvuzela

Das Dröhnen der Fußballtröte Vuvuzela nervt das WM-Publikum. Die Erfindung einer Düsseldorfer Firma soll in den Stadien nun für mehr Ruhe sorgen.

Neil van Schalkwyk hat einen Welthit gelandet, den heute fast niemand mehr hören will. Der 37-jährige Geschäftsmann aus Kapstadt ist der Erfinder der Vuvuzela, deren monotones Tröten innerhalb kürzester Zeit zum inoffiziellen Soundtrack der Fußball-Weltmeisterschaft geworden ist – und das Gerät selbst zum Hassobjekt Hunderttausender Fans.

Seit 2001 vermarktet der Mitgründer der Firma Masincedane Sport die Plastikvariante des traditionellen südafrikanischen Horns als Fanartikel in den Stadien. "Anfangs verkauften wir vielleicht 500 Stück im Monat, heute ist es das Hundertfache", sagt er.

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Für den Erfolg zahlt van Schalkwyk einen hohen Preis: Seine Erfindung machte ihn zum Buhmann der WM. Zeitungen bezeichnen ihn als die meistgehasste Person der Fußballwelt. Die Liste der Vorwürfe gegen seine Tröte ist lang: Spieler beklagen, sie könnten aufgrund der Lärmkulisse auf dem Feld nicht mehr miteinander kommunizieren.

Ärzte befürchten Hörschäden bei Stadionbesuchern, und die Fernsehsender klagen über Proteste genervter Zuschauer. Geübte Vuvuzela-Bläser erreichten kurzzeitige Spitzenpegel von bis 160 Dezibel. Im Durchschnitt liegt die Lautstärke der Tröten bei 120 Dezibel.

Der Erfinder fühlt sich ungerecht behandelt. Schließlich sei das Problem mit der Lautstärke seit dem Confederations Cup im vergangenen Jahr bekannt. Dennoch habe die Fifa kein Interesse gezeigt, gemeinsam mit seiner Firma an einer Lösung zu arbeiten, sagt von Schalkwyk. "Die ganze Aufregung hätte man vermeiden können." Nun will der Unternehmer eigenhändig für Ruhe sorgen. Am Montag kündigte er an, eine leisere Variante der Vuvuzela auf den afrikanischen Markt zu bringen.

Die Idee dazu stammt aus Deutschland: "Wir haben von Anfang an erwartet, dass es heftige Diskussionen um das Produkt geben wird", sagt der Düsseldorfer Unternehmer Frank Urbas. 2008 hat er mit seinem Partner Gerd Kehrberg, ehemals Manager des Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen, die europaweiten Marken- und Vertriebsrechte an der Vuvuzela gekauft.

Um Kritik vorzubeugen, entwickelten sie einen Schalldämpfer für die Tröte. Der Tüv habe ihnen eine Lärmminderung von 13 Dezibel bescheinigt, sagt Urbas. "Unsere Vuvuzela wird subjektiv nur halb so laut wahrgenommen." 

Ihre Innovation verkauften die Düsseldorfer jetzt wieder zurück nach Afrika. Neil van Schalkwyk will die leiseren Plastikhörner nach deutschem Vorbild nun vor Stadien und bei Public-Viewing-Veranstaltungen vertreiben. Pro verkaufter Tröte erhalten Urbas und Kehrberg von ihm eine Lizenzgebühr von zehn Cent.

Die Lärm-Debatte in Südafrika könnte so den deutschen Vuvuzela-Machern einen zusätzlichen Umsatzschub bescheren. "Eigentlich war das Projekt für uns bereits abgeschlossen", sagt Urbas. Bis zum Beginn der WM hatte seine Firma fünf Millionen schallgedämpfte Vuvuzelas an Großkunden verkauft, darunter Edeka, Vodafone und Paulaner. Mit 1,5 Millionen Stück war der Tankstellenbetreiber Shell einer der größten Abnehmer.

Die Kritiker hierzulande machen jedoch längst keinen Unterschied mehr zwischen den Vuvuzelas mit und ohne Lärmschutz. Vielerorts sind bereits einfach alle Tröten bei Public-Viewing-Veranstaltungen mit dem Hinweis auf Gesundheitsgefahren verboten. Dem Verkauf hat das nach Angaben von Shell nicht geschadet.

"Es gibt nach wie vor ein überragendes Interesse unserer Kunden an dem Produkt", sagt Unternehmenssprecherin Cornelia Wolber. Sollte die Ablehnung gegen die Vuvuzela wachsen, will Shell den Verkauf jedoch überdenken: "Wenn unsere Kunden die Vuvuzela nicht mehr haben wollen, werden wir darauf reagieren."

Damit WM-Aktionen mit den lärmenden Fanartikeln für Unternehmen nicht zum Eigentor werden, empfehlen Marketingexperten, die öffentliche Kritik zu thematisieren: "Wer die Debatte humoristisch aufgreift, kann auch Kunden besänftigen, die das Getröte nervt", sagt André Bühler, Professor für Sportmanagement an der Macromedia Hochschule in Stuttgart. Paulaner etwa vermarktet seine WM-Aktion – fünf Flaschen Weißbier plus Vuvuzela – als das "lauteste Fan-Paket aller Zeiten".

Der Streit um die südafrikanischen Krachmacher dürfte auch nach der WM weitergehen: Bei den Unternehmern Urbas und Kehrberg haben bereits drei Bundesligaklubs Vuvuzelas in ihren Vereinsfarben angefragt. Erlösung für lärmgeplagte Zuschauer verspricht vermutlich erst die Weltmeisterschaft in Brasilien 2014. Dann wollen die beiden Düsseldorfer neue Fanartikel mit südamerikanischem Lokalkolorit populär machen. "Das muss dann nicht unbedingt etwas mit Lautstärke zu tun haben", sagt Urbas.

Der Artikel erschien am 16.06.2010 im Handelsblatt .

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finds einfach nur amüsant.
    Da haben sich die Herren von der FIFA Südafrika als Austragungsort auserkoren und jetzt das.
    Die Geister die ich rief, werd ich nun nicht wieder los.

    Im Grunde kann man sich aber auch über Mücken aufregen. Jedes mal wenn ich mir ein Spiel im Fernsehn anschaue blendet mein Gehörgang die Tröten schon nach 10 Minuten ganz automatisch aus.

    Außerdem gehört die Vuvuzela für die Südafrikaner zu ihrer Art ihren Fussball zelibrieren.
    Sie können ja auch keinen deutschen Fussballfan seine Curry-Wurst oder den Schal verbieten.
    Und jetzt möchte ich kein Wort hören von wegen eine Currywurst macht keinen Lärm. Man könnte stolpern und jemand anderem die Hose oder das Hemd beschmutzen.

    Der Punkt ist, Südafrika ist Gastgeber und als solchen haben wir deren Riten und Gewohnheiten zu respektieren und dürfen sich nicht in ihrer Ausübung beschneiden!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ach, das Thema ist doch wirklich leidig. An ähnlicher Stelle wurde sich hier gegenseitig "Gutmenschentum, Borniertheit, selber Borniertheit, Kolonialismus" und was noch alles um die Ohren gehauen.
    Der geneigte Leser und Vuvuzelaversteher sollte sich einfach kurz vorstellen, was 2006 losgewesen wäre, wenn man massenhaft Gasdruckhupen zur Dauerbehupung des Spieles eingesetzt hätte. Und das dann zur uralten deutschen Fussballkultur erklärt hätte.
    Und wer jetzt sagt, Vuvuzelas sind doch schon soooo lange Teil der ach so tradiierten südafrikanischen Fussballkultur, sollte kurz den Text oben noch einmal aufmerksam lesen. Speziell den Teil "anfangs(2001) verkauften wir nur 500 von den Dingern".

    ach, das Thema ist doch wirklich leidig. An ähnlicher Stelle wurde sich hier gegenseitig "Gutmenschentum, Borniertheit, selber Borniertheit, Kolonialismus" und was noch alles um die Ohren gehauen.
    Der geneigte Leser und Vuvuzelaversteher sollte sich einfach kurz vorstellen, was 2006 losgewesen wäre, wenn man massenhaft Gasdruckhupen zur Dauerbehupung des Spieles eingesetzt hätte. Und das dann zur uralten deutschen Fussballkultur erklärt hätte.
    Und wer jetzt sagt, Vuvuzelas sind doch schon soooo lange Teil der ach so tradiierten südafrikanischen Fussballkultur, sollte kurz den Text oben noch einmal aufmerksam lesen. Speziell den Teil "anfangs(2001) verkauften wir nur 500 von den Dingern".

  2. ach, das Thema ist doch wirklich leidig. An ähnlicher Stelle wurde sich hier gegenseitig "Gutmenschentum, Borniertheit, selber Borniertheit, Kolonialismus" und was noch alles um die Ohren gehauen.
    Der geneigte Leser und Vuvuzelaversteher sollte sich einfach kurz vorstellen, was 2006 losgewesen wäre, wenn man massenhaft Gasdruckhupen zur Dauerbehupung des Spieles eingesetzt hätte. Und das dann zur uralten deutschen Fussballkultur erklärt hätte.
    Und wer jetzt sagt, Vuvuzelas sind doch schon soooo lange Teil der ach so tradiierten südafrikanischen Fussballkultur, sollte kurz den Text oben noch einmal aufmerksam lesen. Speziell den Teil "anfangs(2001) verkauften wir nur 500 von den Dingern".

  3. Sag mir mal eine Kultur, die auf eine drei meter plastische Tröte gründet, und ich werde dir der Wert jener Kultur sagen.

  4. Es wird hier ja immer von Stimmung geredet...welche Stimmung bitte? Meine Frau hat letzten Fußball geschaut. Das einzige was ich im Nebenzimmer mitbekommen habe war ein Wespenschwarm...die ganze Zeit TRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT....keine Fangesänge, kaum Jubel, kein Aufschrei...nur ein monotones TRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT...und da soll mir noch mal jemand was von Stimmung erzählen. Die Dinger machen doch die ganze Stimmung Kaputt. UNd da kann mein Hirn das ganze auch nach 2 Minuten ausblenden...die Fangesänge bekomme ich dadurch trotzdem nicht...

  5. ...einen Dauerton als Ohrenschmaus bezeichnen?

    Antwort auf
  6. "Der Punkt ist, Südafrika ist Gastgeber und als solchen haben wir deren Riten und Gewohnheiten zu respektieren und dürfen sich nicht in ihrer Ausübung beschneiden!"
    Das schöne an einer Fussball WM, ist die Vielfalt an teilnehmenden Nationen mit ihren eignen Fangesängen, Musikinstrumenten (die Musik spielen, statt einen Ton zu halten), also die unterschiedlichen "Fussballkulturen", die man innerhalb weniger Wochen erlebt.
    Während dieser EM übertönt eine "Fussballkultur" alles Andere mit einem 90 Minuten anhaltenden monotonen Geräusch, völlig unabhängig ob Südafrika spielt oder nicht, ein sehr schlechter Gastgeber.

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