Banken Drei mögliche Konsequenzen für die Stresstest-Verlierer

Sieben von 91 Banken sind durch den europäischen Stresstest gefallen. Doch was heißt das, was erwartet die schwarzen Schafe unter Europas Banken?

Zwar haben die meisten europäischen Banken den Stresstest bestanden , doch sieben Banken , darunter die deutsche Hypothekenbank Hypo Real Estate (HRE) , müssen nun mit Konsequenzen rechnen. Für das Vorgehen nach dem Test gibt es eine genau abgestufte Reihenfolge:

Erster Schritt: Wer beim Test durchfällt, steht keineswegs vor dem Abgrund. Zunächst kann sich die Problem-Bank über die Ausgabe neuer Aktien Kapital am Finanzmarkt beschaffen oder sonstige Vermögenswerte verkaufen. Wie der Stresstest in den USA gezeigt hat, klappt das durchaus. Die US-Banken, deren Kapitaldecke sich als unzureichend erwies, als sie im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen wurden, konnten private Investoren dafür gewinnen, die Lücke zu schließen. Vielen europäischen Banken könnte Ähnliches gelingen.

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Zweiter Schritt: Schafft eine Bank es auf eigene Faust nicht, müssen die Regierungen intervenieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Vorfeld der Veröffentlichung der Stresstests die Regierungen der Euro-Zone aufgerufen, mit Kapital auszuhelfen, wenn die Banken dies bräuchten. In Deutschland steht dafür der nationale Bankenrettungsschirm SoFFin bereit.

Dritter Schritt: Nur im absoluten Notfall, wenn ein EU-Staat durch eine Bankenrettung an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geriete, könnte er auf den europäischen Rettungsschirm zugreifen. Dieser Krisenfonds für Euro-Staaten in Finanznöten wurde im Mai ins Leben gerufen. Die Finanzgesellschaft in Luxemburg kann im Namen aller Euro-Länder bis zu 440 Milliarden Euro Kredite an den Märkten aufnehmen und an Wackelkandidaten weitergeben. Inklusive der Gelder des Internationalen Währungsfonds IWF umfasst der Topf 750 Milliarden Euro.

Stresstest

Mithilfe von Stresstests analysieren Aufsichtsbehörden, wie gut Banken für Krisen gerüstet sind. Sie untersuchen, wie es sich auf die Bilanz einer Bank auswirkt, wenn zum Beispiel Kredite ausfallen oder es erneut zu einer Rezession kommt. Organisiert werden die Tests von der Vereinigung der europäischen Bankenaufseher CEBS. Die Ergebnisse sollen an diesem Freitag veröffentlicht werden.

Die teilnehmenden Institute

Europaweit werden 91 Banken getestet. Darunter sind auch 14 deutsche Institute, etwa die Postbank oder die Hypo Real Estate. Das Land, das die meisten Banken zu den Tests angemeldet hat, ist Spanien. Die Regierung in Madrid war es auch, die auf die Stresstests gedrängt hatte. Spanien will mit Hilfe der Tests das Vertrauen in seine Banken wiederherstellen. Die spanischen Institute bekommen am Geldmarkt kaum noch Kredit.

Die Szenarien

Die Aufseher spielen drei Szenarien durch. In einem ersten Schritt wird getestet, wie sich die Eigenkapitalquoten der Institute verhalten, wenn die Wirtschaft sich so entwickelt wie erwartet. Das ist das Basisszenario. Im zweiten Teil des Tests wird geprüft, was mit dem Eigenkapital der Banken passiert, sollte Europa erneut in eine Rezession rutschen. Die Aufseher gehen in diesem Szenario davon aus, dass das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa um drei Prozentpunkte geringer ausfällt als bislang vorhergesagt. Im dritten Teil des Tests wird ein Crash am Staatsanleihemarkt simuliert. Die CEBS gibt an, dass das getestete Szenario in etwa jenem entspricht, das auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Europa herrschte. Kritiker monieren, dass dies zu optimistisch ist. Sollte Griechenland doch noch umschulden müssen, könnten die Spannungen weit größer sein als vor einigen Wochen.

Der EU-Währungskommissar Olli Rehn betonte, dass der Fonds notfalls bei der Stützung finanzschwacher Banken helfen kann. Das könnte aber politischen Streit unter den Ländern, die das Rettungsnetz finanzieren müssen, entfachen. Zudem müsste sich der notleidende Staat auf harte Reform- und Sparauflagen einstellen, die die EU und der IWF festlegten. Deshalb ist ein schneller Ruf nach dem Rettungsfonds eher unwahrscheinlich.

Nach dem europäischen Banken-Krisentest dringen Fachleute weiter auf eine Regulierung der Finanzmärkte. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, warnte vor dem Eindruck, dass nach den Tests keine Reformen mehr nötig seien. Politik und Aufsichtsbehörden hatten angesichts der positiven Ergebnisse für 84 Banken die Widerstandskraft der Branche gelobt .

Zimmermann bemängelt, die Tests seien viel zu selektiv gewesen und und "die Ergebnisse viel zu positiv". Falls die Politik jetzt beruhigt sei, "dann bestünde durchaus Anlass zur Beunruhigung", sagte er Handelsblatt Online . Seine Kritik: Bei den Krisentests seien nur Wertabschläge bei den Staatsanleihen und Konjunktureinbrüche simuliert worden. Immobilienkrisen und das Versagen der Rohstoffmärkte seien dagegen nicht berücksichtigt worden.
 

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 24.07.2010 um 16:22 Uhr

    ...etwas kurz zu greifen. Der Test hat viele mögliche Szenarien und Risiken unbeachtet gelassen.

    So hat er Liquiditätsrisiken nicht berücksichtigt wie auch das Scheitern einer Großbank oder eines Landes. Die Rezession, die er im negativsten Fall annimmt ist nur sehr leicht (BIP fällt über zwei Jahre um lediglich 0,8% in Euroland) und eine Zinsstrukturkurvenverschiebung von nur 1.25% im kurzen und von 0.75% am langen Ende der Kurve ist historisch gesehen kaum erwähnenswert. Auch scheinen nicht alle Assetklassen und Wertbestände in den Bankbilanzen berücksichtigt worden zu sein. Ob dies auch für Währungsschwankungen gilt, habe ich nicht feststellen können. Ebenfalls scheint ein Einbruch von nur 36% in Aktien kaum adäquat, sollte es tatsächlich zu einer strengen Krise kommen.

  1. nicht als "Aussiebe-" sonder als "Kuscheltest".

    Was ehrlich auch irgendwie stört ist, dass man zwar die Ergebnisse veröffentlicht aber die Öffentlichkeit nicht mit der "Aufgabenstellung" belästigt. Oder zumindestens mit einer einigermaßer verständlichen Simulation ...

    Wie etwa das hier:

    http://www.bundesbank.de/...

    Oder das hier:
    http://www.sks-ub.info/18... (Wenn ich schon "Unternehmensberatung lese >.

    • WiKa
    • 24.07.2010 um 19:03 Uhr

    Ich frage mich so langsam worum es hierbei geht? Mit welcher Selbstverständlichkeit hier Rettungsaktionen für Banken und Staaten besprochen werden. Mehr als ernüchternd. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn dies das Maß der Dinge ist? Nur weil wir kein anderes und derzeit besseres System kennen? Wo bleibt denn der Mensch in dieser Geschichte? Der Mensch, die Masse … kommt nur noch als Zahler der Zeche vor … mehr als erschreckend. Auch von Umdenken keine Spur. Wir machen weiter als könne das ewig so gehen. Die Welt steht Kopf.

    Stellen Sie sich einmal Rettungspakete für viele Millionen deutsche vor. Nur ein Bruchteil von den Milliarden die wir für ein kaputtes Geld-System ausgeben. Die in die Menschen investierten Milliarden würden die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Bewegung halten … diese Aktionen nur den Geldadel. Ist es denn wirklich so schwer die Ursachen der Misere zu erkennen? Sind wir blind oder verblendet oder schlicht zu dumm die Materie zu durchdringen? Oder erliegen wir doch, wie es viele Verschwörungstheoretiker behaupten, einem System, welches die vollständige Kontrolle über den Menschen bereits hat und diese noch weiter ausbaut.

    Warum kann sich ein gesunder Menschen- und Sachverstand nicht gegen diesen Wahnsinn durchsetzen? Doch mal die beigefügte Kindergeschichte ernsthaft studieren und nachrechnen? Ggf. den Kindern überlassen, die könnten es noch packen.

    http://qpress.de/2010/07/...

  2. Erster Schritt: Warum sollen Anleger Aktien von Banken kaufen, die durch den Stresstest fallen? Hat nicht die ganze Finanzkrise damit angefangen, dass Schrottpapiere verkauft wurden? Im Übrigen ist z. B. der Bund alleiniger Aktionär der HRE. Wer soll dann neue Aktien kaufen.
    Zweiter Schritt: Warum "müssen" Regierungen immer intervenieren? Das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass Banken mit Steuergeldern am Leben gehalten werden, die dazu alleine nicht in der Lage sind.
    Dritter Schritt: Der europäische Rettungsschirm besteht auch nur aus Steuergeldern. Ist das eine sinnvolle Lösung?

    Die Bilanzsumme der HRE betrug 2009 ca. 360 Mrd. Euro bei einem Eigenkapital von unter 10 Mrd. Euro. Der Verlust 2008 und 2009 geht in Richtung des gesamten Eigenkapitals. Im Grunde ist diese "Bank" nur noch ein schwarzes Loch, in dem Steuermittel verschwinden, man sollte sie besser systemirrelevant machen und geordnet abwickeln.
    1400 Mitarbeiter (und ein paar Ehemalige) haben stolze 232 Mio. Pensionsansprüche erworben, davon alleine an Personen mit Schlüsselfunktionen 96 Mio. Euro. Da könnte man doch mal anfangen, Geld einzusammeln...

    Ich finde es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit der Autor offensichtlich davon ausgeht, dass Banken ausschließlich aus Steuergeldern gerettet werden, wenn sie in Schieflage geraten.

  3. Der Test erzielte außerhalb Europas nur Gähnen, denn nichts hat sich verändert. Interessant wird es hingegen innerhalb der EU. Werden die Banken sich jetzt plötzlich gegenseitig wieder trauen? Schließlich weiß ja jede Bank nur zu gut, wie ehrlich sie die Testfragen beantwortet hat. Was ich denk und tu, trau ich auch anderen zu.

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