Hitze im ICE Bahnchef kritisiert Mitarbeiter

Rüdiger Grube hat sich für die Fehler seiner Mitarbeiter entschuldigt, gibt aber den ICE-Herstellern eine Mitschuld. Der Verkehrsminister kündigt neue Bahnpolitik an.

Jetzt spricht der Konzernchef: Im Zusammenhang mit dem Ausfall von Klimaanlagen in zahlreichen ICE-Zügen hat sich Bahn-Chef Rüdiger Grube unzufrieden mit dem Krisenmanagement einiger Mitarbeiter gezeigt. "Es sind anscheinend Fehler gemacht worden", sagte Grube in einem Interview. Die Staatsanwaltschaft und auch die Bahn untersuchten diese Fälle derzeit ganz genau. Die Wahrheit müsse "auf den Tisch".

Für derartige Krisenfälle gibt es laut Grube klare Richtlinien, wie das Zugpersonal reagieren müsse. Dazu gehöre, den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen und zu versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu bekommen. Falle sie total aus, müsse ein Ersatzzug organisiert werden. "Leider hat das in den bekannten Fällen ein paar Mal nicht geklappt. Hier müssen wir besser werden – keine Frage", räumte Grube.

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Weitere Ausfälle der Klimaanlagen in den betroffenen Zügen seien nicht auszuschließen: "Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen."

Zugleich verwahrte sich der Bahn-Chef gegen eine pauschale Verunglimpfung des Zugpersonals. "Die machen einen sehr guten Job und genießen meine volle Unterstützung." Kritik übte Grube auch an den Herstellern. Jede der bislang von der Industrie ausgelieferten Baureihen hätten "ihre Macken gehabt", sagte Grube. "Natürlich bin ich verärgert. Weil letztlich unsere Kunden und unsere Mitarbeiter die immer neu auftretenden Probleme bei den Zügen ausbaden müssen."

Wegen der Probleme bei den Klimaanlagen wurden nach Angaben des Bahn-Chefs unter anderem die Getränkevorräte an Bord der Fernverkehrszüge massiv erhöht und zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen und den Service Points für die Kundenbetreuung abgestellt worden. Zudem habe die Bahn das Technische Hilfswerk (THW) gebeten, "an zentralen Verkehrsknoten" bereit zu stehen und notfalls zu helfen.

Nach eigenen Angaben war Grube von den Problemen mit den Klimaanlagen in den ICE-2-Zügen völlig überrascht. Vorher habe es keine Probleme mit dem Bauteil gegeben, sagte er. Er sicherte zugleich Nachbesserungen zu. Die Fahrzeuge, aber auch das Netz und die elektronische Leit- und Sicherheitstechnik müssten an die veränderte Wetterlage angepasst werden, sagte er in einem Interview. "Wir haben eine deutliche Klimaänderung", sagte er. Man müsse sich auf häufigere extreme Wetterlagen einstellen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht die Ursachen für die Mängel bei der Deutschen Bahn in den Sparzwängen des Konzerns wegen des vor Jahren geplanten Börsengangs. "Für dieses politische Ziel haben der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller die Bilanz der Braut fürs Börsenparkett geschmückt", erklärte Ramsauer. Dies habe einen Sparzwang zur Folge gehabt, "um betriebswirtschaftliche Zahlen zu erzeugen". Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube müsse nun die Suppe auslöffeln, die von der alten Unternehmensführung eingebrockt worden sei.

Leser-Kommentare
  1. ..ist wohl nur noch peinlich. Schuld sind sowieso immer die anderen. Der Ankündigungsminister hat zu Beginn der Wahlperiode der Bevölkerung in seinem Wahlkreis das Blaue vom Himmel versprochen, seit dem ward er nur noch für Fototermine beim Bänderdurchschneiden von Aktivitäten seiner Vorgänger gesehen. Nicht eine seiner Versprechungen ist auch nur ansatzweise in einer Phase, die auch eine Umsetzung erwarten lassen könnte. Und jetzt verspricht der auch noch eine "neue Bahnpolitik". Zurücktreten Herr Ramsauer und einen ans Ruder lassen, der ein bisschen Ahnung hat und den Mund nicht ganz so voll nimmt.

    • joG
    • 17.07.2010 um 13:31 Uhr

    ....die bekannten Strukturellen Problemen unterworfen ist. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen (Gewinnmaximierung, Monopol, politische Fahrpreiskontrolle) handelt die Deutsche Bahn so, wie es diese Regeln diktieren. Man musste erwarten, dass ein Unternehmen, das diese Regeln vorgegeben wurden, so handeln müsse.

    Mögliche Heilungen sind wohl bekannt. Man braucht nur nach Japan zu schauen um ein Model zu sehen.

    • eluutz
    • 17.07.2010 um 13:40 Uhr

    Also wenn ich Mitarbeiter der Bahn wäre, würde ich die Aussagen von Grube übelnehmen. Es gilt das Prinzip Mehdorn "einzelne Mitarbeiter haben entgegen der Konzernrichtlinien (falsch) entschieden", Verantwortung dafür liegt im Fehlverhalten einzelnen, nicht beim Vorstand!?

    Ganz ehrlich, ich weiss ja, Bahnchefs sind schlecht bezahlt, und dann müssen sie auch noch die Verantwortung übernehmen, wenn Blödsinn passiert, nee, das geht nicht... Da stellt sich also - und zwar trotz Relativierung "pauschal möchte ich Mitarbeiter nicht verurteilen", blabla - ein Manager hin und patzt öffentlich seine Mitarbeiter an. Völliges Unverständnis dafür bei mir, da hätte er besser nichs gesagt.

    Zur Sache, wenn ab jetzt die Mitarbeiter den Rücken freihaben, selbstständig zu entscheiden, Züge bei Fehlfunktionen zu stoppen - und das auch tun - wäre es ein Fortschritt. Dass das bisher nicht passiert ist, ist wahrscheinlich nicht nur auf den "Mist" einiger Zugbegleiter und Lokführer gewachsen.

    Herr Grube, mit solchen Äußerungen machen Sie sich unglaubwürdig(er).

    • berg10
    • 17.07.2010 um 13:40 Uhr

    Dass mittlerweile das operative bahnpersonal auch zunehmend ausgebrannt und unmotiviert wirkt, kann ich aus meinen zum Glück nur vereinzelten Bahnerfahrungen der letzten 10 Jahre bestätigen. Bahnfahren war mal meine große Freude - bis die ICE-Gigantomanie begann und die Bahn privatisiert wurde. Und die Einzelberichte von unglaublichen Sicherheitsrisiken der ICE sind nur die Spitze des Eisbergs. Verlogen und kriminell finde ich die Öffentlichkeitsarbeit der Bahn (unter Billigung der Regierung!!). Die Fakten: Erst AEG dann Atrans, dann Bombordier so ging die alte deutsche Schlüsselindustrie auf den Ramschmarkt der Firmenabwicklungen. Jetzt zählen beim ICE Hersteller und dessen Zulieferer (Siemens und Co) nur noch Verkaufszahlen in Form von Abschlüssen und pünktlichen Auslieferungen. Beide, Auslieferer und Käufer wissen, dass weder die Projektierungszeit noch die Qualitätskontrollen ausreichend waren. Dafür schuff man riesen Kapazitäten Hallen) für Reklamationen. Wartungsdokumentationen ließen sich fälschen ... alles m.E. nur um den Börsengang für den verantwortlichen in Ruhestand Mehdorn zu ebnen. Nur die Rendite zählt. Es braucht weder Winter noch Sommer um sich in den überfüllten, stinkenden ICE-Gefängnissen unwohl zu fühlen. In der Übergangszeit überheizte Wagen - Antwort des Zugpersonals "Wir können nur ein oder aus schalten, nicht regulieren". Immer wieder Verspätungen wegen Zugauswechslungen ... ICE - gescheiterte Technologie!

  2. Seit JAHREN gibt es das Problem mit den KLimaanlagen , wie jeder Pendler bestätigen kann . Es ist einfach eine Dreistigkeit zu behaupten, das Problem sei neu

  3. ...also müssen jetzt auch die Konsequenzen dieser einzigartigen Fehlentscheidung treffen, und nicht wie Aigner und Ramsauer leugnen irgendetwas damit zu tun zu haben.
    All diese Mängel durch verringerte Wartung, Einsparungen an der Technik ect. wurden für das politische Ziel 'Börsengang der Bahn' billigend in Kauf genommen. Die Schuld trägt nicht nur Mehdorn und der Bahnvorstand, sondern allen voran die Politiker der CDU/CSU, welche -aus welchen Gründen auch immer- vehement den Börsengang der Bahn durchsetzen wollten!
    Diese Partei sollte für den entstandenen Schaden aufkommen, warum sollen wir Fahrgäste die von der Politik verursachten Probleme mit unseren Fahrpreisen zahlen? Es wird Zeit Politik für Fehlleistungen in Haftung zu nehmen!

    • oooo
    • 17.07.2010 um 14:24 Uhr

    provoziert genau das, was er nicht will: Fehlentscheidungen.

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