Finanzkrise Banken unter Stress
Europa testet die Belastbarkeit der Banken, um die Anleger zu beruhigen. Diese werden dringend gebraucht – um eine Pleitewelle zu verhindern.
© Getty Images

Frankfurter Banken-Skyline: Die Stresstests in Europa sollen das Vertrauen der Anleger zurück bringen
Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde nahm das Ergebnis gleich vorweg. Die Belastungstests für die 91 größten Banken Europas würden zeigen, dass diese "solide und gesund sind", versicherte sie vor wenigen Tagen. Das wird auch die Botschaft sein, die am 23. Juli die Märkte beruhigen soll. Dann werden die Aufsichtsbehörden die Institute getestet haben und die Ergebnisse der sogenannten Stresstests veröffentlichen. Im Idealfall soll das Vertrauen in Europas Banken dann zurück kehren.
Das wird auch bitter nötig sein. Denn schon erscheint eine neue Gefahr am Horizont: Europas Banken brauchen in diesem und kommenden Jahr riesige Summen an neuem Kapital, um sich weiterhin finanzieren zu können. "Das kann zu einem ernst zu nehmenden Problem werden", sagt der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust. Rund 2,6 Billionen Euro – so hoch ist die Summe der Verbindlichkeiten europäischer Banken gegenüber Bondkäufern und anderen Kreditgebern, die im kommenden Jahr auslaufen und ersetzt werden müssen, schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Weltweit sind es fünf Billionen Dollar.
- Stresstest
Mithilfe von Stresstests analysieren Aufsichtsbehörden, wie gut Banken für Krisen gerüstet sind. Sie untersuchen, wie es sich auf die Bilanz einer Bank auswirkt, wenn zum Beispiel Kredite ausfallen oder es erneut zu einer Rezession kommt. Organisiert werden die Tests von der Vereinigung der europäischen Bankenaufseher CEBS. Die Ergebnisse sollen an diesem Freitag veröffentlicht werden.
- Die teilnehmenden Institute
Europaweit werden 91 Banken getestet. Darunter sind auch 14 deutsche Institute, etwa die Postbank oder die Hypo Real Estate. Das Land, das die meisten Banken zu den Tests angemeldet hat, ist Spanien. Die Regierung in Madrid war es auch, die auf die Stresstests gedrängt hatte. Spanien will mit Hilfe der Tests das Vertrauen in seine Banken wiederherstellen. Die spanischen Institute bekommen am Geldmarkt kaum noch Kredit.
- Die Szenarien
Die Aufseher spielen drei Szenarien durch. In einem ersten Schritt wird getestet, wie sich die Eigenkapitalquoten der Institute verhalten, wenn die Wirtschaft sich so entwickelt wie erwartet. Das ist das Basisszenario. Im zweiten Teil des Tests wird geprüft, was mit dem Eigenkapital der Banken passiert, sollte Europa erneut in eine Rezession rutschen. Die Aufseher gehen in diesem Szenario davon aus, dass das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa um drei Prozentpunkte geringer ausfällt als bislang vorhergesagt. Im dritten Teil des Tests wird ein Crash am Staatsanleihemarkt simuliert. Die CEBS gibt an, dass das getestete Szenario in etwa jenem entspricht, das auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Europa herrschte. Kritiker monieren, dass dies zu optimistisch ist. Sollte Griechenland doch noch umschulden müssen, könnten die Spannungen weit größer sein als vor einigen Wochen.
Die Institute werden also in großem Maße auf den Willen der Anleger angewiesen sein, ihnen neues Geld zu leihen. Ob diese dazu bereit sein werden, ist eine offene Frage. Unter den Anlegern kursieren immer neue Gerüchte über die Risiken, die in den Bilanzen von Europas Banken liegen: Toxische Papiere vom amerikanischen Immobilienmarkt. Gefährdete Kredite an existenzbedrohte Firmen. Oder Staatsanleihen von gefährdeten Staaten wie Griechenland, Spanien oder Irland.
Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley schätzt , dass sich der Wert der ausstehenden staatlichen Schuldpapiere aus gefährdeten Staaten wie Griechenland, Portugal oder Irland weltweit auf rund eine Billion Euro beläuft – rund 40 Prozent davon liegen in deutschen Bankbilanzen. Vor der Euro-Krise konnten die Banken solche Bonds verkaufen, um neues Geld locker zu machen. Seit viele dieser Anleihen aber unverkäuflich sind, gibt es diese Option nur noch eingeschränkt.
"In den kommenden Monaten wird es für die Banken verstärkt um die Frage gehen: Wie komme ich an neue Mittel – und zu welchen Konditionen", sagt Faust. Erhöht die Zentralbank etwa demnächst die Zinsen, können die Banken ihren riesigen Kapitalbedarf nur zu deutlich höheren Kosten decken. Erschwert wird die Suche nach Geldgebern, weil die Banken mit den Staaten konkurrieren, die ihre stetig wachsenden Schulden über den Anleihemarkt finanzieren müssen.
Der Kern des Problems reicht bis in die Zeit vor der Krise zurück: "Die kurzfristigen Verbindlichkeiten haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen", sagt Faust. Wie die Ratingagentur Moody’s zuletzt vorrechnete, gaben die Banken in den vergangenen fünf Jahren ihre Anleihen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 4,7 Jahre heraus – das war der kürzeste Durchschnittswert seit 30 Jahren.
Welche Folgen solch ein Finanzierungsmodell haben kann, zeigte sich im Extremfall bei der irischen Tochter Depfa der Hypo Real Estate (HRE). Diese hatte ihre langfristigen Verbindlichkeiten extrem kurzfristig am Geldmarkt finanziert hatte. Im Herbst 2008, als der Interbankmarkt aufgrund der Lehman-Pleite zusammenbrach, stand die HRE binnen weniger Tage vor dem Kollaps und musste vom Staat gerettet werden.
Doch statt dieses Risiko in der Krise abzubauen, hat sich das Problem in vielen Banken noch verschärft. Viele Institute haben sich günstig Geld bei der Europäischen Zentralbank geliehen und dieses in länger laufende Investments gesteckt. Die Differenz zwischen den Zinsen verbuchten sie als Gewinn. Begünstigt wurde diese Strategie dadurch, dass viele Staatsgarantien sich nur über einen kurzen Zeitraum von wenigen Jahren erstreckten. Das verleitete die Institute dazu, vor allem kurz laufende Anleihen auszugeben.
- Datum 15.07.2010 - 13:11 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 19
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




..."Würde das Ergebnis anders ausfallen", sagt der Chefvolkswirt einer deutschen Bank, "hätte die hiesige Bankenlobby die Veröffentlichung der Daten vermutlich verhindert"...
Aber natürlich würde es der Bankenlobby nicht im Traum einfallen die Daten, das Ergebnis oder gar die Kriterien des Stresstestes irgendwie zu beeinflussen..
Wer soll das denn alles glauben?
....hatte man das versucht und die Politik hat es verhindert. Hier wollen auch die Politiker keine Transparenz.
....hatte man das versucht und die Politik hat es verhindert. Hier wollen auch die Politiker keine Transparenz.
....stark regulierten Markt, wie das der deutsche Finanzsektor ist. Wenn die Regulierung schlecht ist, so ist der Schaden selten aber dann groß. Aber es stellt sich die Frage: Warum sollten die gleiche Gruppe, die die schlechten Regeln entwarf, es nun besser machen? Wir haben die Verantwortlichen Beamte und Politiker nicht bestraft und so braucht diese Interessengemeinschaft auch nicht befürchten, dass man sie nächstes Mal bestrafen wird.
... kein "stark regulierten Markt" sein, weil die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft ist.
ihnen ist aber bekannt das die finanzbranche in deutschland an zumindest einigen, sie betreffenden, gesetzen mindestens mitgeschrieben hat.
wie kommen sie dann auf den trichter das allein die politiker und beamten fehler gemacht haben?
ideologie?
... kein "stark regulierten Markt" sein, weil die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft ist.
ihnen ist aber bekannt das die finanzbranche in deutschland an zumindest einigen, sie betreffenden, gesetzen mindestens mitgeschrieben hat.
wie kommen sie dann auf den trichter das allein die politiker und beamten fehler gemacht haben?
ideologie?
....hatte man das versucht und die Politik hat es verhindert. Hier wollen auch die Politiker keine Transparenz.
... kein "stark regulierten Markt" sein, weil die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft ist.
...strenge oder allgemeine Durchsetzung. Auch können die Strafen gering sein. Das trägt nicht zur Glaubwürdigkeit der Regulierung bei, aber dennoch ist der Markt dann "stark reguliert".
...strenge oder allgemeine Durchsetzung. Auch können die Strafen gering sein. Das trägt nicht zur Glaubwürdigkeit der Regulierung bei, aber dennoch ist der Markt dann "stark reguliert".
...sind üble Zockerbuden und gehörten sofort dichtgemacht. Das käme die Gesellschaften vermutlich billiger als ihre -für die Gesellschaft nutzlosen ja sogar schädlichen - Geschäfte weiterzufinanzieren.
Die Hälfte Ihrer "Bankbuden" sind Sparkassen und Volksbanken und haben mit der Zetteli-Wirtschaft den "Investment-Bankstern" überhaupt nix zum tun!
Die Hälfte Ihrer "Bankbuden" sind Sparkassen und Volksbanken und haben mit der Zetteli-Wirtschaft den "Investment-Bankstern" überhaupt nix zum tun!
Gemäß Ihrem Artikel stellen Experten fest:
"Dann könnten viele Banken sogar gezwungen sein, ihre Kreditvergabe zurückzufahren, um die Risiken in den Büchern zu minimieren, fürchten Experten."
Was wäre schlecht an dieser Vorstellung?
Folgt man jedoch diesem Problemverständnis, würde dies bedeuten, dass die betroffenen Banken sich abwickelten. Ein Schaden würde aus der Geschäftstätigkeit dieser Banken offensichtlich nicht entstehen. Der Einsatz von Steuermitteln wäre aus diesem Grund mangels Bedarf nicht gerechtfertigt (ebenso keine Garantie aus Brüssel - wie sie aktuell angedacht wird -).
Wer will also was und was ist er bereit im Gegenzug herzugeben?
Sie wollen doch nicht sagen:
Kein Anstieg der Millionen-Boni.
Das "Banken-"Problem würde nach der Vorstellung o.g. Experten auf die Kreditvergabeproblematik reduziert. Der Einsatz staatlicher Hilfen müsste also bei volkswirtschaftlich sinnvoller Verwendung ausschließlich auf diesen Kernpunkt fixiert werden. Dieses Problem, so es sich denn tatsächlich so darstellen würde, könnte der Staat über seine eigenen Banken, also intern, schon heute einfach lösen. Eine Verquickung mit Altlasten, die Bonifizierung der (...) Managementleistung aus dem Zeitraum davor wäre ausgeschlossen.
Dem Einsatz von Steuermitteln in nicht staatliche Banken fehlt es damit nach Auffassung der zitierten Experten an der Notwendigkeit.
Die Hälfte Ihrer "Bankbuden" sind Sparkassen und Volksbanken und haben mit der Zetteli-Wirtschaft den "Investment-Bankstern" überhaupt nix zum tun!
was macht die denn schönes? ;)
Entschuldigung. Die Spitze musste sein.
was macht die denn schönes? ;)
Entschuldigung. Die Spitze musste sein.
was macht die denn schönes? ;)
Entschuldigung. Die Spitze musste sein.
dass Sie mein spässle begreifen würden.
dass Sie mein spässle begreifen würden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren