Den Stresstest für Europas Banken haben sieben Institute nicht bestanden. Das teilte die Vereinigung der europäischen Bankenaufseher (CEBS) in London mit. Unter den durchgefallenen Banken sind die spanischen Sparkassen Diada, Cajasur, Espiga, Unnim und Civica sowie die griechische ATE Bank. Von den 14 deutschen Banken fiel lediglich die Münchener Hypothekenbank Hypo Real Estate (HRE) durch. Im Extremfall würde die Kernkapitalquote der Bank auf 4,7 Prozent fallen – und damit unter die festgelegte Grenze der Regulierer. ( Hier sehen Sie in einer Tabelle die Ergebnisse aller deutschen Banken). 

Das Scheitern der HRE war an den Finanzmärkten erwartet worden. Das Ergebnis der Bank gilt als wenig aussagekräftig, weil sich das Institut in der Umstrukturierung und komplett in Staatshand befindet. Zudem wird die Bank ihre toxischen Papiere bald in eine Bad Bank auslagern. Insgesamt ergab der Test einen Kapitalbedarf von 3,5 Milliarden Euro für die durchgefallenen Banken - deutlich weniger als von Experten erwartet. Allein die HRE braucht weitere zwei Milliarden Euro .

Alle anderen Institute erreichen auch im strengsten Szenario eine Kernkapitalquote von mehr als sechs Prozent. Als am besten aufgestellt erweisen sich im deutschen Vergleich die Landesbank Berlin, die Deutsche Bank und die HSH Nordbank. Auch die DZ Bank, die DekaBank, die Bayern LB und die Landesbank Baden-Württemberg kommen auf eine Kernkapitalquote von mehr als acht Prozent. Die Postbank und die NordLB bestand den Stresstest hingegen nur knapp. Beide Häuser stärken bereits seit einiger Zeit mit einer Reihe von Maßnahmen ihre Kapitalausstattung - so hat die Postbank für die kommenden Jahre die Dividende gestrichen.

Die Tests sollen Aufschluss darüber geben, wie widerstandsfähig Europas Banken in möglichen künftigen Krisen sind. Die Aufsichtsbehörde CEBS hatte auf Drängen der spanischen Regierung insgesamt 91 Banken dem Stresstests unterzogen. Mit einem europaweit einheitlichen Verfahren wollte sie Klarheit schaffen, wie sehr sich das Kernkapital der Banken reduziert, wenn die Konjunktur oder der Markt für Staatsanleihen erneut einbricht. Das Kernkapital ist jener Anteil des Kapitals, der der Bank unverrückbar gehört. Je niedriger der Wert, desto geringer ist der Puffer in Krisenzeiten. Als bestanden gilt der Stresstest, wenn die Quote in den einzelnen Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht.

Alle durchgefallenen Institute müssen sich nun um frisches Kapital bemühen – etwa indem sie neue Aktien ausgeben. Scheitert dies, sollen die Rettungsfonds der einzelnen Staaten greifen. Im deutschen Rettungsfonds Soffin stehen noch rund 50 von insgesamt 80 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken bereit. Bis zum Jahresende könnten die Hilfen bewilligt werden. Sollte ein EU-Staat die Probleme nicht alleine bewältigen können, stehen Mittel aus dem europäischen Notfallpaket bereit. 

Wie belastbar die Ergebnisse der Stresstests sind, ist umstritten. Die Aussagekraft sei beschränkt, "weil wir durchaus wissen, dass die Kriterien nicht die härtesten aller Welten sind", sagte der Frankfurter Bankenexperte Udo Steffens vor der Bekanntgabe der Ergebnisse. Die Tests schließen etwa den Bankrott eines Landes nicht mit ein.  "Die Prüfungen sind nicht der Königsweg, der eine schnelle Normalisierung des Finanzsystems garantiert", urteilen die Analysten der UniCredit. Auch John Anderson vom Fondshaus Gartmore sagte: "Ich fürchte, dass der Transparenzgrad nicht so hoch sein wird. Ich stehe dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber".