Bruttoinlandsprodukt Deutsche Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Positive Zahlen aus Industrie und Baubranche: Offenbar wächst die Wirtschaft nach dem Krisenjahr 2009 stärker als erwartet. Der private Konsum schwächelt allerdings.

Die deutsche Wirtschaft wächst offenbar deutlicher als erwartet. Das geht zumindest aus dem Bericht des Bundesfinanzministeriums für den Juni hervor. Im zweiten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) "wesentlich stärker" zugenommen haben als im ersten Vierteljahr, heißt es darin. Im ersten Quartal war das BIP nur um 0,2 Prozent gewachsen. Konkrete Zuwachszahlen stehen zwar noch aus, doch viele Analysten erwarten im Schnitt ein Plus von einem Prozent zum Vorquartal. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel hat das BIP zwischen April und Juni sogar um 1,5 Prozent zugelegt.

Das Ministerium führt das beschleunigte Wachstum zum einen auf Nachholeffekte im Baugewerbe zurück. Noch im Winter hatten die kalten Temperaturen den Sektor gedämpft. Zum anderen habe sich die  Dynamik in der Industrie deutlich erhöht. "Damit dürften vom Produzierenden Gewerbe deutlich positive Impulse auf das BIP im zweiten Quartal ausgegangen sein", schrieben die Beamten. Offenbar wurde auch mehr investiert und Kapazitäten in der Industrie waren stärker ausgelastet. Dies würden die Zahlen aus diesen Bereichen zeigen.

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Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle äußerte sich zufrieden über die Entwicklung. "Investitionen nehmen wieder zu, es werden bereits wieder Sonderschichten gefahren", sagte der FDP-Politiker. In der Berliner Zeitung am Sonntag rechnete er zudem mit einer positiven Wirkung auch auf für den Arbeitsmarkt. Er erwarte, dass Deutschland im Laufe des Jahres die Marke von drei Millionen Arbeitslosen unterschreiten werde. "Das ist ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, dass wir mal von fünf Millionen her kamen."

Doch der überraschend schnellen Erholung der Wirtschaft von der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, steht ein immer noch schwacher privater Konsum gegenüber. Und das "trotz der Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und einer moderaten Preisentwicklung", heißt es im Bericht des Wirtschaftsministeriums. Darauf deuteten neben rückläufigen Einzelhandelsumsätzen auch nahezu stagnierende industrielle Inlandsumsätze mit Konsumgütern hin.

Für den weiteren Jahresverlauf ist das Ministerium zuversichtlich: "Angesichts des Aufwärtstrends der industriellen Nachfrage und der optimistischen Stimmung in den Unternehmen dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr festigen." Allerdings warnten die Beamten vor zu großen Erwartungen. Bei der wichtigen Vergleichsgröße Produktion und Zahl der Aufträge in der Industrie sei das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. So habe das BIP im ersten Quartal 2010 noch gut fünf Prozent unter dem Höchststand von Anfang 2008 gelegen.

In seinen eigenen Finanzen hat der Bund den starken Einbruch der Wirtschaft im vergangenen Jahr noch nicht verarbeitet. Bund und Länder nahmen – ohne reine Gemeindesteuern – im ersten Halbjahr 0,9 Prozent weniger Steuern ein als im gleichen Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2010 wird weiter ein Rückgang von 2,6 Prozent erwartet. Dabei schnitt der Bund in den ersten sechs Monaten mit minus 4,1 Prozent deutlich schlechter ab als die Länder. Die verbuchten ein Minus von 0,6 Prozent.

 
Leser-Kommentare
  1. ...dieses geheuchelte Erstaunen darüber, warum die private Nachfrage schwächelt. Nach 10 Jahren Lohndumping in Deutschland ? Da fällt mir immer wieder der Spruch ein: Autos kaufen keine Autos.

  2. ...da muss ich mofateam in Kommentar 1 zustimmen - aber noch etwas ich wichtig - die Mentalität der Leute.

    Die Deutschen kaufen nun mal nicht wie die Engländer oder Amerikaner auf Kredit mehr als sie sich leisten können und geben jeden Pfennig für das neuste aus.
    Wer einmal etwas Gutes hat behält das auch gerne mal ein paar Jahre - und kauft nicht sofort etwas neues - die Deutschen sparen halt gern - und da sollen Politiker aufhören zu jammern und endlich einmal die Realität erkennen.

  3. "Positive Zahlen aus Industrie und Baubranche: Offenbar wächst die Wirtschaft nach dem Krisenjahr 2009 stärker als erwartet. Der private Konsum schwächelt allerdings."

    Damit ist in der Überschrift eigentlich schon die gesamte Problematik der gegenwärtigen konjunkturellen Entwicklung geschildert.

  4. Also laut unseren Beamten des Herrn Brüderle haben wir ein Wachstum von etwa 1,5%. Hurra.
    Aber die Basis ist ja auch von 2008/2009 auf nur 94,1% des Vorjahres gefallen. Von da aus beginnt nun die neue Zählung. Beziehen wir sie auf 2008, dann brauchen wir etwa 6 Jahre um dort zu sein, wo wir 2008 waren. Bei 2% Wachstum benötigen wir halt immer noch 5 Jahre bis zum Einstand.

    Die Wirtschaft ist auf gutem Weg. Aber kein Grund für Herrn Brüderle zu versuchen sich mit falschen Federn zu schmücken. Soll er doch zuerst einmal die Mövenpick-Geschenke einsammeln.

  5. positive zahlen ohne lohnerhoehung kann auf lange zeit nicht gut gehen,wenn zb.der export in zukunft zuruekfelt ohne eine konsumsteigerung [KAUFKRAFT} im innland zu haben
    das solte sich die de. regierung gut hinter die ohren schreiben.

  6. dass der private Konsum steigt, dann sollte die Politik die Verteilung steuerlicher Erleichterungen komplett überdenken. Alle steuerlichen Wohltaten der letzten Jahre gingen zum großen Teil an die Bevölkerungsschicht, die eh schon mehr als genug zum Leben hat und floß somit fast ausschließlich in die Sparquote und nicht in den Konsum. Gibt man die nächsten 10 Jahre im gleichen Umfang an Geringverdiener, Eltern, Familien,Leistungsbezieher und den wirklichen Mittelstand (diejenigen, die um das durchschnittliche Einkommen in Deutschland herum verdienen) dann bin ich sicher wird das Wirtschaftswunder der 50er Jahre ein Wunderlein dagegen sein. Nur bei den käuflichen Klientelparteien, die an der Macht sind gibt es dazu keine Chance.

  7. Wo ist das obligatorische Bild erfolgreicher Frauen am Arbeitsplatz? Ahhhh, ich vergaß, die fliegen ja nun die Flugzeuge.

  8. In Realität liegt das BIP immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau, und läppische 1,5% "Wachstum" bringen uns noch lange nicht dahin, wo wir vorher waren.

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